Magisterarbeit, 2009
128 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit
2 Theorie der Normentstehung
2.1 Die Entstehung des Verlangens nach einer Norm aufgrund bestehender Externalitäten
2.2 Die Instrumentalität einer Norm Externalitäten zu reduzieren – individuelle Instrumentalität
2.3 Auftritt: „Change Agents“ und Verhandlungen um die Institutionalisierung einer Norm
2.4 Normdurchsetzung mittels effektiver Sanktionsandrohung
2.5. Institutionsentstehung auf Basis der verhandelten Normen
3 Die FSK aus Sicht der Normtheorie
3.1 Inhalt und Ziel der Norm
3.2 Die gesellschaftlich relevanten Gruppen bei der Institutionalisierung der Norm
3.3 Gründe die zum Verlangen nach der Norm führten
3.4 Die vorhandenen Externalitäten
3.5 Die Normen der FSK im Kontinuum zwischen „conjoint“ und „disjoint norms“
3.6 Konkretisierung der Verhandlungen und Sanktionsmöglichkeiten und -drohungen
3.7 Konkretisierung des Oppschen individualistischen Instrumentalitätshypothese
3.8 Vorteile der neuen Norm für die Verhandlungspartner
3.9 „Change Agents“
3.10 Das vertragliche Zwangssystem der SPIO
3.11 Funktionsweise der FSK nach ihrer Institutionalisierung
4 Weitere Institutionen der Filmbewertung in Deutschland
4.1 Vom JÖSchG von 1951 über seine Novellen von 1957 und 1985 bis zum JuSchG von 2003
4.2 Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM): vom GjS zum JuSchG
4.3 Das Strafgesetzbuch der Bundesrepublik Deutschland: §§131 und 184 StGB
4.4 Versagungsgründe der FSK – Zertifizierung abgelehnt!
5 Der Film
5.1 Der Film
5.1.1 Inhaltsangabe
5.1.2 Kontroverse Positionen
5.1.3 Eine kurze Zensurgeschichte
5.1.4 Warum ausgerechnet dieser Film?
5.2 Exkurs: Gewalt im Film und die Rezipienten – Horror und §131 StGB
5.3 Der Film aus Sicht der deutschen Institutionen der Filmbewertung
5.3.1 Die FSK – zum Ersten
5.3.2. Die JK/SPIO – zum Ersten
5.3.3 Die BPjS – zum Ersten
5.3.4 Das AG Wolfenhagen
5.3.5 Die JK/SPIO – zum Zweiten
5.3.6 Die FSK – zum Zweiten
5.3.7 Das AG Tiergarten
5.3.8 Die BPjM – zum Zweiten
5.4 Unstimmigkeiten und Probleme der Bewertungen und Einschätzungen
5.5 Institutionell beanstandete Szenen
6 Das Experiment
6.1 Die Methodik des Experiments
6.1.1 Die Konzeption
6.1.2 Fragen an das Experiment
6.2 Der Pretest
6.3 Die Durchführung des Experiments
6.3.1 Die Probandensuche
6.3.2 Die Situation am Abend des Experiments
6.3.3 Beschreibung der Durchführung
6.4 Auffälligkeiten und Probleme bei der Durchführung
7 Die Auswertung der Daten des Experimentes
7.1 Die Menge der Probanden
7.2 Allgemeines zum Film- und Horrorfilmkonsum der Probanden, zu Jugendschutz und Filmzensur
7.2.1 Wie oft siehst du Filme im Kino und/oder privat?
7.2.2 Für wie wichtig hältst du es Filme auf ihre Tauglichkeit für Kinder und Jugendliche hin zu prüfen?
7.2.3 Würdest du der Aussage zustimmen: „Es steht jedem erwachsenen Menschen frei, sich anzusehen was er möchte.“?
7.2.4 Würdest du der Aussage zustimmen: „Erwachsene sollten in einem demokratischen Land selbst entscheiden dürfen, welche Filme sie sich ansehen möchten.“?
7.2.5 Würdest du der Aussage zustimmen: „Auch für Erwachsene gehören bestimmte besonders drastische fiktionale Gewaltdarstellungen in Spielfilmen verboten.“?
7.2.6 Können Filme einen negativen Einfluss auf Kinder und Jugendliche haben?
7.2.7 Können Filme einen negativen Einfluss auf erwachsene Menschen haben?
7.2.8 Motive des Horrorkonsums
7.3 Die Freigabeentscheidung
7.4 Die institutionell beanstandeten Szenen im Lichte der Bewertung der Probanden
7.5 Institutionelle Aussagen in der Bewertung der Probanden
7.6 Die Fragen an das Experiment
7.7 Institutionelle Ansichten vs. Probandensicht
8 Resümee und Ausblick
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Diskrepanz zwischen den institutionellen Normen der deutschen Filmbewertung und den persönlichen Normvorstellungen der Rezipienten am Beispiel des Horrorfilms "Last House on the Left" zu untersuchen. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, ob institutionelle Einschätzungen mit den Wahrnehmungen der betroffenen Zuschauer korrespondieren oder ob eine zu strikte Bewertungspraxis vorliegt.
5.1.1 Inhaltsangabe
Der Film beginnt im Haus einer amerikanischen Mittelklassefamilie. Vorgestellt werden Mari Collingwood, ein hübsches, naives Blumenkind einen Tag vor ihrem siebzehnten Geburtstag und ihre Eltern – John ein Arzt, und seine Frau Estelle. Maris Eltern warnen sie vor der schlechten Gegend, in der sie und ihre Freundin, die rebellische Phyllis Stone, ein Rockkonzert der Band „Bloodlust“ besuchen wollen. Es findet eine typische Diskussion zwischen den Generationen statt, wobei aber John seinen weichen Kern und sein Verständnis für die Tochter enthüllt, indem er ihr ein verfrühtes Geburtstaggeschenk macht: eine Halskette mit einem Anhänger, der ein „Peace“ Symbol ist.
Auf der Fahrt zum Konzert hören die Mädchen eine Radiosendung, die Auskunft über den Ausbruch zweier gefährlicher Krimineller gibt. Daraufhin werden die Verbrecher des Films eingeführt: der Anführer, der dominante Krug Stillo, sein Mitstreiter Fred „Weasel“ Padowsik, ein kaltblütiger Psychopath, der drogenabhängige Sohn Krugs Junior und Krugs animalische, bisexuelle Geliebte Sadie. Obwohl die Verbrecher planen den Staat zu verlassen, verkompliziert Sadie dieses Unterfangen mit der Verweigerung Krug und Weasel sexuell zu befriedigen, bis sie ihr ein paar Mädchen bringen um das Geschlechterverhältnis auszugleichen.
In der Nähe des Konzertes angekommen ziehen Mari und Phyllis umher auf der Suche nach etwas Marihuana. Sie treffen den auf einer Treppe ausschauhaltenden Junior, der sie in die Wohnung der Kriminellen lockt, mit dem Versprechen ihnen gutes Gras zu verkaufen. Auf diese Art hofft Junior die „Familie“ zu befriedigen und von seinem Vater eine Dosis Heroin zu bekommen, der ihn mittels seiner Drogensucht kontrolliert und steuert. Zu spät bemerkten die Mädchen, dass sie in eine Falle getappt sind und werden von der Gang als Geiseln genommen. Während Mari zusehen muss, wird Phyllis geschlagen und vergewaltigt (was sich in Maris Gesichtsausdruck und Phyllis‘ Schreien äußert). Gerade als die Ereignisse diese unglückliche Wendung nehmen, beschäftigen sich Maris Eltern, die Geburtstagsfeierlichkeiten für ihre Tochter vorzubereiten.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der filmischen Gewaltdarstellungen und der damit verbundenen institutionellen Kontrollmechanismen in Deutschland ein und legt den Aufbau der Arbeit dar.
2 Theorie der Normentstehung: Hier wird ein soziologisches Modell der rational geplanten Normentstehung entwickelt, welches als Basis für die Analyse der Institutionen dient.
3 Die FSK aus Sicht der Normtheorie: Das theoretische Modell wird auf die Gründung und Arbeitsweise der FSK angewendet, um deren Entstehung als rationales Handeln der beteiligten Akteure zu begreifen.
4 Weitere Institutionen der Filmbewertung in Deutschland: Es werden staatliche Institutionen wie die BPjM und relevante Paragraphen des StGB vorgestellt, die neben der FSK die Filmbewertung beeinflussen.
5 Der Film: Dieser Abschnitt bietet eine detaillierte Inhaltsangabe, Zensurgeschichte und kritische Debatte zu "Last House on the Left" sowie einen Exkurs zur Psychologie von Horror und Gewalt.
6 Das Experiment: Beschreibung der methodischen Konzeption und Durchführung der qualitativen Untersuchung, bei der Probanden den Film bewerten und mit institutionellen Urteilen konfrontiert werden.
7 Die Auswertung der Daten des Experimentes: Ausführliche Analyse und Darstellung der empirischen Ergebnisse, die verdeutlichen, wie die Probanden die Filmszenen im Vergleich zu den offiziellen Einschätzungen bewerten.
8 Resümee und Ausblick: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und Reflexion über die Tendenz, dass institutionelle Bewertungen den Film möglicherweise zu strikt einschätzen.
Filmbewertung, FSK, Jugendschutz, Horrorfilm, Normtheorie, Gewalt im Film, BPjM, Filmzensur, qualitative Sozialforschung, Last House on the Left, Indizierung, Mediensozialisation, Strafrecht, Rezipienten, Selbstjustiz.
Die Arbeit untersucht die Unterschiede zwischen den offiziellen Bewertungsmaßstäben deutscher Institutionen (wie der FSK oder BPjM) für den Film "Last House on the Left" und der subjektiven Wahrnehmung der Zuschauer.
Die zentralen Themen umfassen soziologische Normtheorie, institutionelle Strukturen der deutschen Filmzensur, die Geschichte des Jugendschutzes sowie die Medienwirkungsforschung im Bereich Horrorfilm.
Ziel ist es zu ermitteln, ob die von den Institutionen vorgenommene Bewertungspraxis des Films als zu strikt empfunden wird und wie moderne Rezipienten die dort gezeigte Gewalt beurteilen.
Es wird ein qualitatives Experiment durchgeführt, in dem Probanden den Film in voller Länge sichten und ausgewählte Szenen sowie institutionelle Argumentationslinien bewerten.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Normentstehung, die Vorstellung der Institutionen, eine detaillierte Exegese des Films und die Auswertung der experimentellen Daten.
Wichtige Begriffe sind Normpluralismus, rational geplante Normentstehung, "Change Agents", Jugendschutzgesetz, Indizierung und die Unterscheidung von Fiktion und Realität.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Einstellung zum Genre Horrorfilm nur einen geringen signifikanten Einfluss auf die allgemeine Freigabeentscheidung hat, da eine klare Tendenz zur Freigabe ab 18 Jahren über alle Probandengruppen hinweg besteht.
Der Film ist ein idealer Untersuchungsgegenstand, da er im Laufe der Jahrzehnte nahezu alle deutschen Instanzen der Filmbewertung durchlaufen hat und somit eine Fülle an Protokollen und rechtlichen Auseinandersetzungen bietet.
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