Magisterarbeit, 2008
119 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
1. Zu den Begriffen Kindheit und Kindheitskonstruktionen
2. Kindheit in der DDR
3. Zur Bedeutung von Kinderbüchern in der DDR
4. Anlage und Methode der Untersuchung
5. Kindheitskonstruktionen in den Kinderbüchern
5.1. Der Pionier
5.2. Das arbeitende Kind
5.3. Der Schüler
5.4. Kinder als Lehrer
5.5. Kinder in Geschlechterrollen
5.6. Der Rebell
5.7. Das Kind abseits der Gesellschaft
6. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand einer qualitativen Inhaltsanalyse von 15 Kinderbüchern, wie Kindheit in der DDR literarisch konstruiert wurde und inwiefern diese Konstruktionen zur Erziehung der jungen Generation im Sinne der sozialistischen Ideologie beitrugen.
Der Pionier
Pioniere tauchen an einigen Stellen in den vorliegenden 15 Kinderbüchern auf, seien es die Gruppenratsnachmittage in „Ich bin die Nele“ oder die Arbeitsaufträge in „Käuzchenkuhle“ und „Insel der Schwäne“ oder auch das Pionierlager in „Salvi Fünf oder Der zerrissene Faden“. Interessanterweise werden in jedem dieser Bücher die Pioniere gleich definiert, einige dieser Charaktereigenschaften aber auch kritisch reflektiert. Die Ehrlichkeit spielt dabei in diesen vier Büchern eine zentrale Rolle wenn es um die Eigenschaften eines Pioniers geht, wie in den folgenden Textausschnitten zu sehen sein wird.
In „Ich bin die Nele“ wird auf einer Schulkonferenz diskutiert, ob ein Junger Pionier lügen darf, oder nicht:
„Aber Sie haben mir auch nicht geglaubt, daß ich zufällig dort war. Und wenn Anke sagt, ich hätte gleich die Wahrheit sagen müssen…“ „Hättest du ja auch“, bekräftigte Anke. „Eben nicht! Auch wenn man Pionier ist, kann man nicht immer die Wahrheit sagen.“ Jetzt wurde es unruhig. Wie sollte man das verstehen? „Aber hör mal, Nele.“ Konrad Würdinger stand nun doch auf. „Natürlich muß ein Pionier immer die Wahrheit sagen. Sollte er etwa lügen?“ „Nein, nicht lügen, aber…“ Es fiel Nele schwer, die richtigen Worte zu finden für das, was sie schon vom ersten Tag an sehr bewegt hatte. […] „Wenn ich bei der Brigade gleich die Wahrheit gesagt hätte…Sie haben uns so herzlich begrüßt, als ich mit in den Saal geschoben wurde, auch mich. Da konnt ich sie doch nicht enttäuschen und sagen, daß ich bloß Vogelfutter kaufen wollte. Ist bestimmt keine gute Wahrheit, hab ich gedacht.“ „Gute Wahrheit – schlechte Wahrheit…“ Konrad Würdinger wiegte den Kopf.
Einleitung: Diese Arbeit analysiert die Kindheitskonstruktionen in 15 Kinderbüchern der DDR, um das vorherrschende Bild der sozialistischen Persönlichkeit zu untersuchen.
1. Zu den Begriffen Kindheit und Kindheitskonstruktionen: Hier werden unterschiedliche theoretische Ansätze zur Definition von Kindheit sowie das Konzept der Konstruktion von Kindheit durch Erwachsene erläutert.
2. Kindheit in der DDR: Dieses Kapitel beleuchtet die institutionelle Erziehung, die Bedeutung der sozialistischen Ideologie und die Rolle von Familie sowie staatlichen Organisationen wie der FDJ.
3. Zur Bedeutung von Kinderbüchern in der DDR: Es wird die staatliche Steuerung der Kinderliteratur und deren Funktion als Medium für die Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit thematisiert.
4. Anlage und Methode der Untersuchung: Dieses Kapitel legt die Methodik der qualitativen Inhaltsanalyse dar, die auf einem induktiv entwickelten Kategoriensystem basiert.
5. Kindheitskonstruktionen in den Kinderbüchern: Die zentralen Kindheitsbilder – Pionier, arbeitendes Kind, Schüler, Lehrer, Geschlechterrollen, Rebell und Außenseiter – werden anhand von Textbeispielen im Detail untersucht.
6. Schlussbetrachtung: Die Ergebnisse zeigen, dass trotz der ideologischen Aufladung und der Erziehung zum Kollektivbewusstsein Freiräume für Reflexion und Kritik in der Kinderliteratur existierten.
Kindheit, DDR, Kinderliteratur, Kindheitskonstruktion, Sozialistische Persönlichkeit, Qualitative Inhaltsanalyse, Erziehung, Kollektiv, Pionier, Schüler, Literaturunterricht, Politische Erziehung, DDR-Ideologie, Rollenbilder, Kindesbild
Die Arbeit untersucht, wie Kindheit in Kinderbüchern der DDR konstruiert wurde und welche erzieherischen Intentionen die staatlichen Stellen damit verfolgten.
Zu den Schwerpunkten gehören das Bild des Pioniers, die Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit, die Rolle des Kollektivs sowie der Einfluss politischer Ideologie auf die Literatur.
Ziel ist es, die spezifischen Kindheitsbilder aufzudecken, die in 15 ausgewählten Kinderbüchern enthalten sind, und diese im Kontext der damaligen DDR-Erziehungsziele zu analysieren.
Die Autorin nutzt die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring, um induktiv ein Kategoriensystem zur Untersuchung der Kindheitskonstruktionen zu entwickeln.
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der sieben identifizierten Kindheitskonstruktionen, wobei jede Kategorie (z.B. der Pionier, der Schüler, der Rebell) anhand von konkreten Textbeispielen analysiert wird.
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie DDR-Kindheit, Kindheitskonstruktion, sozialistische Erziehung, Kollektiv und Kinderliteratur definieren.
Die Literatur wurde nicht nur zur Unterhaltung, sondern explizit als Medium zur Vermittlung sozialistischer Werte und zur Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit eingesetzt, wobei eine staatliche Lenkung der Lektüre stattfand.
Ja, die Arbeit zeigt, dass Kinderfiguren gegen Regeln und Erwartungen der Erwachsenen rebellieren können, wobei diese Handlungen oft im Zusammenhang mit dem Streben nach Gerechtigkeit oder der Flucht vor familiären Problemen stehen.
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