Magisterarbeit, 2009
77 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
2. Herkunft und Bedeutung des Hexenbegriffs
2.1. Historischer Wandel des Hexenbildes
2.2. Hexenbilder in der frühen Neuzeit (15.-17.Jh.)
2.3. Von der Volkshexe zur Märchenhexe
3. Die Märchenhexe
3.1. Exkurs über das Wesen des Märchens nach Wilhelm Grimm
3.2. Welchen Platz nimmt die Hexe im Grimmschen Märchen ein?
4. Die Hexe im Märchen von „Hänsel und Gretel“
4.1. Die Stiefmutter in „Schneewittchen“
4.2. Die Feen und die weisen Frauen in „Dornröschen“
5. Die Hexe im ausländischen Märchen – Die Baba Jaga
5.1. Die Hexe in der Sage
6. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Bild und die Stellung der Hexe in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob es einen festen Stereotyp der "Märchenhexe" gibt, wie dieser historisch geprägt wurde und inwiefern sich die Hexe von der historischen Volkshexe und anderen Gestalten wie der Stiefmutter abgrenzen lässt.
Die Märchenhexe
Die Märchenhexe ist eine bedeutende Figur innerhalb der Märchen der Brüder Grimm, in über 50 Texten tritt sie in Erscheinung.
Man kann die Hexe als Wesen bezeichnen, als jemand, der sich auf der Grenze zwischen dem dämonischen und dem menschlichen Bereich befindet. Rein äußerlich ist sie ein Mensch, zumeist kein sehr schöner aber doch ein menschliches Wesen, während ihre dämonische Seite durch ihre Zauberkräfte geprägt ist. Während der Begriff Hexe vielfältig ist und sich wie beschrieben sehr weit fassen lässt, ist die Gestaltung der Hexe zumeist sehr auf bestimmte Aussehensmerkmale beschränkt.
Ihr Äußeres kann sehr schön sein, in den meisten Märchen ist die Hexe jedoch hässlich. Sie ist eine steinalte Frau, die auf eine Krücke gestützt umherschleicht. Ihre Hautfarbe hat einen gelblichen Ton, sie hat dürre Hände, einen ausgemergelten Körper und eine Warze auf der Nase. Ihr Blick aus zumeist roten Augen ist stechend und ihr Lachen böse und voller Hohn. In vielen Märchen ist sie von einer oder mehreren Katzen umgeben, die ihr in einem Märchen auch als Flughilfe dienen.
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Hexenfigur als Kinderschreck und die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2. Herkunft und Bedeutung des Hexenbegriffs: Untersuchung der etymologischen Wurzeln und des historischen Bedeutungswandels des Hexenbildes von der Antike bis zur Hexenverfolgung.
2.1. Historischer Wandel des Hexenbildes: Darstellung der Entwicklung des matristischen Frauenbildes und dessen Spaltung durch das aufkommende Patriarchat.
2.2. Hexenbilder in der frühen Neuzeit (15.-17.Jh.): Analyse der Definition der Hexe durch den Hexenhammer und den Einfluss der Ketzer- und Hexenverfolgung.
2.3. Von der Volkshexe zur Märchenhexe: Erörterung der Distanzierung der Märchenfigur von der historischen Volkshexe hin zum eigenständigen Typus.
3. Die Märchenhexe: Detaillierte Charakterisierung der Märchenhexe hinsichtlich Äußeres, Boshaftigkeit und kannibalischem Wesen.
3.1. Exkurs über das Wesen des Märchens nach Wilhelm Grimm: Theoretische Grundlagen zum Ursprung und zum moralisch-polarisierenden Aufbau der Märchen.
3.2. Welchen Platz nimmt die Hexe im Grimmschen Märchen ein?: Reflexion über die Rolle der Hexe als Vertreterin des bösen Prinzips in der Polarität des Märchens.
4. Die Hexe im Märchen von „Hänsel und Gretel“: Fallstudie zur Intensivierung der Hexenfigur in den verschiedenen Fassungen von „Hänsel und Gretel“.
4.1. Die Stiefmutter in „Schneewittchen“: Analyse der Stiefmutter als eine dem bösen Prinzip verpflichtete Figur, die in direkter Verwandtschaft zur Hexe steht.
4.2. Die Feen und die weisen Frauen in „Dornröschen“: Untersuchung der ambivalenten Rollen von Feen und weisen Frauen im Vergleich zum Hexenstereotyp.
5. Die Hexe im ausländischen Märchen – Die Baba Jaga: Vergleich der russischen Baba Jaga mit der deutschen Märchenhexe als Archetypus der "Großen Mutter".
5.1. Die Hexe in der Sage: Gegenüberstellung der literarischen Märchenhexe mit der in der Gesellschaft verwurzelten Sagenhexe.
6. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse bezüglich des Hexenbildes als Produkt der Brüder Grimm und dessen Funktion im Märchen.
Märchenhexe, Brüder Grimm, Volkshexe, Stiefmutter, Baba Jaga, Hexenverfolgung, Motivgeschichte, Hexenhammer, Dualismus, Gut und Böse, Kinderschreck, Kannibalismus, Frau Holle, Matristische Gesellschaft, Initiationsritus
Die Arbeit untersucht das Bild und die Rolle der Hexe in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm und wie diese Figur im Vergleich zu anderen Hexengestalten und historischen Vorbildern zu bewerten ist.
Die Arbeit behandelt die Herkunft des Hexenbegriffs, die psychologische und mythologische Einordnung von Hexen- und Stiefmutterfiguren sowie den Vergleich zwischen deutscher Märchenhexe, russischer Baba Jaga und der Sagenhexe.
Ziel ist es zu klären, ob es einen festen "Stereotyp" der Märchenhexe in den Grimmschen Erzählungen gibt und wie sich diese Figur durch die Bearbeitung der Brüder Grimm von der historischen Realität abgekoppelt hat.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die durch historische, psychologische und volkskundliche Interpretationsansätze (u.a. nach Propp, Kast und Vonessen) ergänzt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung des Hexenbegriffs, eine Charakterisierung der Märchenhexe, Fallbeispiele wie „Hänsel und Gretel“ oder „Schneewittchen“ sowie einen umfangreichen Vergleich mit der Baba Jaga und der Sagenhexe.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Hexenbild, Grimm-Märchen, Märchenhexe, Dualismus, Stiefmuttermotiv und Initiationsritus.
Während die Hexe im Märchen eine isolierte, dämonische Figur in einer phantastischen Welt ist, ist die Sagenhexe historisch und lokal in der Gesellschaft verankert und fungiert oft als Sündenbock für materielle Schäden.
Die Baba Jaga wird als deutlich vielschichtiger und ambivalenter beschrieben, während die deutsche Märchenhexe meist stark auf ihre Rolle als "Bösewicht" und "Antiheldin" reduziert wird.
Ja, in vielen Deutungsansätzen werden Hexe und Stiefmutter als ein und dieselbe Person auf unterschiedlichen Ebenen interpretiert, wobei beide als Verkörperung des bösen Prinzips dienen.
Die Autorin hebt hervor, dass die Hexe in über 50 Grimmschen Märchen erscheint, was ihre Stellung als unverzichtbarer Bestandteil und prägendes Element des Grimmschen Inventars unterstreicht.
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