Bachelorarbeit, 2022
82 Seiten, Note: 1,1
1 Einleitung
2 Kritische Auseinandersetzung mit den Begriffen „Systemsprenger*in“ und „herausfordernde Handlungsweisen“
2.1 Begriffsdiskussion
2.2 Das Abweichen von der gesellschaftlichen Norm
2.3 Systemisches Verständnis der Begrifflichkeit
2.4 Individualisierung herausfordernder Handlungsweisen
2.5 Das Etikett „Systemsprenger*in“
3 Das Phänomen „Systemsprenger*in“
3.1 Wer sind sogenannte Systemsprenger*innen?
3.2 Seelische Belastung und Trauma
3.2.1 Trauma
3.2.2 Kontexte und Wirkungen seelischer Belastungen und Traumatisierungen
4 Sogenannte Systemsprenger*innen im System der Kinder- und Jugendhilfe
4.1 Die Kinder- und Jugendhilfe
4.1.1 Die Hilfen zur Erziehung
4.1.2 Heimerziehung
4.1.3 Intensiv Sozialpädagogische Einzelbetreuung
4.2 Freiheitsentziehende Unterbringung und Maßnahmen
4.3 „Wer sprengt hier was und wen?“
4.4 Individuelle Subjektlogiken sogenannter Systemsprenger*innen
4.5 Abbrüche von Maßnahmen des Hilfesystems
5 Heilpädagogische Begegnung mit sogenannten Systemsprenger*innen
5.1 Heilpädagogik im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe
5.2 Heilpädagogische Einflussnahme und Traumapädagogik
5.3 Institutionelle Voraussetzungen und Settings
5.3.1 Heilpädagogische Diagnostik
5.3.2 Interdisziplinäre Zusammenarbeit
5.3.3 Der sichere Ort
6 Heilpädagogische Handlungskonzepte im Umgang mit sogenannten Systemsprenger*innen
6.1 Die „Mittel der Wahl“ und ihre Grenzen
6.2 Heilpädagogische Beziehungsgestaltung
6.2.1 Verstehen und gemeinsames Verstehen
6.2.2 Partizipation und Anerkennung der Expert*innenschaft sogenannter Systemsprenger*innen
6.2.3 Der/die Pädagog*in als Halt
6.2.4 „Konsequentes Menschsein“
6.3 Stabilisierung und Sicherheit für Mitarbeitende
6.4 Impulse für flexible, individualisierte Betreuungskonzepte
6.4.1 Heilpädagogische Wohngruppen
6.4.2 Institutionsübergreifende Fallbegleitung
6.4.3 Auslandsmaßnahmen
7 Fazit
Die Arbeit untersucht das Phänomen sogenannter „Systemsprenger*innen“ in der Kinder- und Jugendhilfe und deren Interaktion mit dem Hilfesystem. Ziel ist es, Defizite im aktuellen System aufzuzeigen und heilpädagogische Handlungsoptionen zu entwickeln, um Beziehungsabbrüche zu verhindern und eine bedarfsgerechte Unterstützung innerhalb der Jugendhilfe zu ermöglichen.
4.4 Individuelle Subjektlogiken sogenannter Systemsprenger*innen
Die alleinige Betrachtung von Risikofaktoren in den Biografien sogenannter Systemsprenger*innen verdeutlichen zwar schwierige Entwicklungswege, doch sind sie lediglich äußerliche Betrachtungen von Problemlagen. Sie erklären nicht, weshalb manche jungen Menschen auf Stressoren aus ihrer Umwelt besonders heftig reagieren und warum sie mit pädagogischen Mitteln kaum beeinflussbar scheinen. Deshalb ist es wichtiger herauszufinden, welche Kommunikationsstile und Überlebensstrategien Heranwachsende unter diesen Bedingungen entwickeln und warum diese unter Umständen mit dem Kinder- und Jugendhilfesystem in einen Konflikt geraten (Baumann 2012: 88).
Es ist nicht zu vernachlässigen, dass junge Menschen ihre eigenen Handlungsweisen aktiv beeinflussen. Für die Akteur*innen selbst ergeben ihre manchmal extremen Handlungsweisen Sinn und haben entwicklungs- sowie überlebenswichtige Funktionen (Baumann 2012: 14). In der Traumapädagogik werden extreme Handlungsweisen als Bewältigungsversuche gesehen und sind somit eine „normale Reaktion auf eine außergewöhnliche Situation“ (Maercker 2017: 18).
Die Grundlage für einen verstehenden Zugang bildet die Annahme eines guten Grundes, der Handlungsweisen als Überlebensstrategie würdigt und wertschätzt (Gebrande 2021b: 164). Sie entstehen aus einer traumatischen Situation heraus und dienen deren Bewältigung, was eine positive Absicht impliziert (ebd.: 164). Die Fähigkeit junger Menschen, in einem System, das sie selten oder gar nicht versteht und akzeptiert, zu überleben, kann als eindeutige Ressource verstanden werden (Kieslinger, Dessler und Haar 2021: 18). In diesem Perspektivwechsel liegt die Stärke des Begriffs „Systemsprenger*in“, denn der Fokus liegt nicht nur auf dem Individuum, sondern auch auf systemimmanenten Problemen (Baumann 2019: 97).
Baumann erfasst in seiner Studie „Kinder, die Systeme sprengen“ (2012) die individuellen Subjektlogiken sogenannter Systemsprenger*innen in drei Kategorien. Die extremen Handlungsweisen, die in drei Kategorien beschrieben werden, weisen gemeinsame Motive auf: Die Kinder und Jugendlichen kämpfen um Kontinuität und wollen die Kontrolle über ihr Leben und den Hilfeverlauf behalten. Die Strategien, die zur Vermeidung des subjektiven Kontrollverlusts angewendet werden, unterscheiden sich jedoch stark voneinander (Baumann 2012: 98f.). Im Folgenden werden die Kategorie A bis C geschildert.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, skizziert die Problematik, dass junge Menschen in der Kinder- und Jugendhilfe oft an starre Strukturen stoßen, und formuliert das Ziel der heilpädagogischen Einordnung solcher „Sprengungen“.
2 Kritische Auseinandersetzung mit den Begriffen „Systemsprenger*in“ und „herausfordernde Handlungsweisen“: Das Kapitel diskutiert die Stigmatisierung durch den Begriff „Systemsprenger*in“ und betont die Notwendigkeit, herausfordernde Handlungsweisen als Ausdruck individueller Auseinandersetzung mit der Umwelt und nicht nur als Störung zu deuten.
3 Das Phänomen „Systemsprenger*in“: Hier werden die biografischen Risikofaktoren und die Komplexität seelischer Belastungen sowie die Auswirkungen von Traumata auf die Handlungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen analysiert.
4 Sogenannte Systemsprenger*innen im System der Kinder- und Jugendhilfe: Dieses Kapitel untersucht, wie gesetzliche Rahmenbedingungen und institutionelle Strukturen der Jugendhilfe dazu beitragen können, dass Jugendliche als nicht tragbar eingestuft werden, und erläutert die Dynamik von Abbruchprozessen.
5 Heilpädagogische Begegnung mit sogenannten Systemsprenger*innen: Hier wird der heilpädagogische Ansatz als spezialisierte Pädagogik vorgestellt, der Inklusion fördern soll, sowie die Bedeutung von Diagnostik, interdisziplinärer Zusammenarbeit und der Schaffung sicherer Orte hervorgehoben.
6 Heilpädagogische Handlungskonzepte im Umgang mit sogenannten Systemsprenger*innen: Das letzte Kapitel erarbeitet praktische Strategien, darunter Beziehungsgestaltung, Partizipation und flexible Betreuungskonzepte wie Wohngruppen oder Auslandsmaßnahmen, um haltgebende Entwicklungsräume zu schaffen.
Systemsprenger, Kinder- und Jugendhilfe, Heilpädagogik, Traumapädagogik, herausfordernde Handlungsweisen, Beziehungsgestaltung, Hilfemaßnahmen, institutionelle Strukturen, Partizipation, Stigmatisierung, individuelle Subjektlogiken, Trauma, Diagnostik, Fallverstehen, Hilfeplanprozess.
Die Arbeit beschäftigt sich mit Kindern und Jugendlichen in der Kinder- und Jugendhilfe, die aufgrund extremer Handlungsweisen oft aus dem Hilfesystem herausfallen und als „Systemsprenger*innen“ bezeichnet werden.
Zentrale Felder sind die kritische Begriffsdiskussion, der Einfluss von traumatischen Erfahrungen, die Analyse systemischer Strukturen im Jugendhilfesystem sowie heilpädagogische Handlungskonzepte.
Das Ziel besteht darin, Defizite im bestehenden System der Jugendhilfe zu identifizieren und heilpädagogische Strategien aufzuzeigen, die einen konstruktiven Umgang mit den betroffenen Jugendlichen ermöglichen.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung fachwissenschaftlicher Literatur und Studien, die durch eine heilpädagogische und traumapädagogische Perspektive ergänzt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Ursachenanalyse (Risikofaktoren/Trauma), eine Untersuchung jugendhilferechtlicher und institutioneller Rahmenbedingungen sowie die Vorstellung konkreter heilpädagogischer Interventionsformen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Systemsprenger, Heilpädagogik, Traumapädagogik, Beziehungsgestaltung, Partizipation und Jugendhilfe sowie institutionelle Rahmenbedingungen geprägt.
Die Autorin lehnt den Begriff ab, da er eine einseitige Etikettierung vornimmt und die Verantwortung für das Scheitern von Hilfen allein dem jungen Menschen zuschreibt, statt das System und institutionelle Machtverhältnisse zu betrachten.
Sie gilt als entscheidendes Merkmal des „Sicheren Orts“. Fachkräfte sollen durch ihr eigenes Wesen und eine wertschätzende Haltung psychische Zustände der Jugendlichen aushalten und ihnen damit notwendigen Halt für ihre Entwicklung bieten.
Jeder Abbruch führt zu einer weiteren Enttäuschung, einem Vertrauensverlust in das Hilfesystem und erschwert die Chance auf eine positive zukünftige Entwicklung und soziale Integration.
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