Magisterarbeit, 2007
159 Seiten, Note: 1,0
1. EINLEITUNG UND FRAGESTELLUNG
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Aufbau der Arbeit
2. METHODIK
2.1 Die Suche nach Informantinnen
2.2 Mit thailändischen Migrantinnen im Gespräch
2.3 Qualitative Interviewtechnik – Das problemzentrierte Interview
2.4 Konzeption des Leitfadens
3. THEORIE
3.1 Zur Analyse von Austauschbeziehungen
3.1.1 Gabentausch und Warentausch bei Gregory
3.1.2 Sahlins’ Konzept von Reziprozität
3.1.3 Die zwei Transaktionszyklen im Ansatz von Bloch und Parry
3.2 Ansätze der Migrationsforschung
3.2.1 Migration und Ethnologie
3.2.2 Transnationale Räume und die Bedeutung sozialer Netzwerke
3.2.3 Der Gender-Aspekt in der Migrationsforschung
3.2.4 Familienstrategien und die besondere Rolle der Frau als Migrantin
4. FRAUENROLLE IN THAILAND
4.1 Die Frau im religiösen Kontext
4.1.1 Einführung in den theravda-Buddhismus
4.1.2 Frauen im Orden
4.1.3 Die Frau als Laienanhängerin
4.2 Die Frau in der traditionellen Gesellschaft – Aufgabenverteilung in Familie und Landwirtschaft
4.2.1 Familiäre Verpflichtungen
4.2.2 Gesellschaft im Wandel – Modernisierungsprozesse und ihre Auswirkungen auf Familien in ländlichen Regionen
4.2.2.1 Frauen als Arbeitsmigrantinnen
4.2.2.2 Arbeit in der Stadt
4.2.2.3 Wege in die Prostitution
4.3 Geschlechterdifferenz und Marginalisierung
4.3.1 Sexualnormen und Moralvorstellungen in Thailand
4.3.2 Geschlechterspezifisches Sexualverhalten
5. DAS KONZEPT DES „BUNKHUN“ - DIE DANKBARKEITSPFLICHT ALS KULTURSPEZIFISCHER ASPEKT DER THAILÄNDISCHEN GESELLSCHAFT.
5.1 Auf der Suche nach dem Ursprung von bunkhun
5.1.1 Bunkhun in der buddhistischen Ethik
5.1.2 Power and Goodness – bunkhun im Symbolsystem von Macht und Güte
5.2 Lebensversicherung durch bunkhun
5.2.1 Familie als soziales Sicherungssystem
5.2.2 Hierarchie als soziales Ordnungsgefüge
5.2.3 Erziehung zu bunkhun – Die Mutter als Repräsentantin moralischer Güte
5.3 Bunkhun unter Einfluss der Modernisierung
6. HEIRATSMIGRATION IN DIE BRD: MOTIVE, MIGRATIONSPROZESS UND LEBENSSITUATION IN DEUTSCHLAND
6.1 Soziale Hintergründe der Migrantinnen
6.1.1 Familiäre Verhältnisse und Arbeit
6.1.2 Bindungen zur Herkunftsfamilie
6.1.3 Frühere Partnerschaften
6.2 Motive zur Heiratsmigration
6.2.1 Ökonomische Beweggründe
6.2.2 Liebe und Familiengründung
6.2.3 Familiäre Konflikte und biographische Übergänge
6.2.4 Abenteuerlust und der Wunsch nach Bildung
6.3 Strukturelle und soziale Rahmenbedingungen von Migration
6.3.1 Unterstützung durch soziale Netzwerke
6.3.2 Heiratsvermittlungsagenturen als „Trittbrett“ in die BRD
6.4 Idealbild und Realität – Situation der Migrantinnen in Deutschland
6.4.1 Erwerbstätigkeit und sprachliche Hürden
6.4.2 Transnationale soziale Räume und das Erfüllen der bunkhun-Pflicht
6.4.3 Reflexion und Bewertung der Migration aus Sicht der Frauen
7. FAZIT
Diese Hausarbeit untersucht aus einer ethnologischen Perspektive die Gründe und sozialen Hintergründe der Heiratsmigration thailändischer Frauen nach Deutschland. Das primäre Ziel ist es, den Einfluss kulturspezifischer Rollenzuweisungen und familiärer Verpflichtungen auf den Migrationsentschluss der Frauen zu analysieren und dabei insbesondere die moralische Dankbarkeitspflicht ("bunkhun") als soziales Sicherungssystem und handlungsleitendes Motiv zu hinterfragen.
1.1 Einführung in die Thematik
Mein erster Kontakt mit dem Phänomen Heiratsmigration ergab sich während eines privaten Thailandaufenthaltes im Jahr 2005. Zum einen bin ich währenddessen immer wieder binationalen Ehepaaren begegnet, wobei meist der Mann Westeuropäer und die Frau Thailänderin war, zum anderen hat es mehrere Diskussionen mit thailändischen Freunden gegeben, die zu einer weiteren Beschäftigung mit dieser Thematik anregten. Von jungen Thailändern aus meiner Nachbarschaft in Chiang Mai hatte ich erfahren, dass es heutzutage der Wunsch vieler Mädchen ist, einen farang zu heiraten, um mit ihm nach Europa auszuwandern. Die Schwester eines Bekannten war mit ihrem deutschen Ehemann in die BRD gezogen und wurde nun von den meisten ihrer Freundinnen um ihr „luxuriöses Leben“ beneidet. Dieses geschönte Bild, das die Thais offenbar von meinem Heimatland hatten, versetzte mich in großes Erstaunen, denn es war für mich kaum nachvollziehbar, weshalb viele Frauen ihre thailändische Heimat für eine Zukunft in der Fremde aufgeben wollten. Um mehr Klarheit bezüglich meiner Fragen zu erlangen, befasste ich mich eingehender mit diesem Thema, das letztendlich Schwerpunkt der vorliegenden Magisterarbeit werden sollte.
Um die hier untersuchte spezielle Form von Migration aus einer ethnologischen Perspektive zu betrachten, ist der Fokus dieser teils literarisch und teils empirisch konzipierten Arbeit auf die kulturspezifischen Ursachen von Heiratsmigration gerichtet. Im Mittelpunkt stehen dabei soziale Beziehungen der Migrantinnen, vor allem jene verwandtschaftlicher Art. Aus verschiedenen Quellen, die sich mit gesellschaftlichen Normen in Thailand befassen, geht hervor, dass der Frau die Rolle der Familienernährerin zugewiesen wird, weshalb sie neben ihren Aufgaben im Haushalt meist auch für das familiäre Einkommen sorgen muss. Einen besonderen Stellenwert nimmt in diesem Zusammenhang der Aspekt der Dankbarkeitsverpflichtung (bunkhun) ein, wobei männliche und weibliche Mitglieder der thailändischen Gesellschaft auf verschiedenen Wegen dieser Pflicht nachkommen.
1. EINLEITUNG UND FRAGESTELLUNG: Die Autorin beschreibt ihren persönlichen Erstkontakt mit dem Thema Heiratsmigration und legt dar, wie kulturelle Normen in Thailand den Migrationsentschluss thailändischer Frauen beeinflussen.
2. METHODIK: Dieser Abschnitt erläutert das Vorgehen bei der qualitativen Datenerhebung mittels problemzentrierter Interviews mit zehn thailändischen Heiratsmigrantinnen.
3. THEORIE: Hier werden wirtschaftsethnologische Austauschkonzepte sowie zentrale Ansätze der Migrationsforschung und Transnationalismus-Modelle diskutiert.
4. FRAUENROLLE IN THAILAND: Die Untersuchung der religiösen und gesellschaftlichen Stellung der Frau in Thailand verdeutlicht, warum ihr eine familiäre Ernährerrolle zukommt.
5. DAS KONZEPT DES „BUNKHUN“ - DIE DANKBARKEITSPFLICHT ALS KULTURSPEZIFISCHER ASPEKT DER THAILÄNDISCHEN GESELLSCHAFT.: Kapitel 5 analysiert die Dankbarkeitspflicht (bunkhun) als moralisches Gesetz und soziales Sicherungssystem, das das Verhalten thailändischer Frauen maßgeblich bestimmt.
6. HEIRATSMIGRATION IN DIE BRD: MOTIVE, MIGRATIONSPROZESS UND LEBENSSITUATION IN DEUTSCHLAND: Der Hauptteil diskutiert auf Basis der Befragungsergebnisse die Hintergründe der Migration, die verschiedenen Beweggründe sowie die Lebensbedingungen und Erfahrungen der Migrantinnen in der BRD.
7. FAZIT: Im Fazit werden die Forschungsergebnisse zusammengeführt und die Bedeutung des Bunkhun-Konzepts als zentrales Motiv für die transnationale Heiratsmigration bestätigt.
Heiratsmigration, Bunkhun, Thailand, Ethnologie, Migration, Rollenzuweisung, Dankbarkeitspflicht, Reziprozität, Familiäre Netzwerke, Soziales Sicherungssystem, Transnationalismus, Gender, Arbeitsmigration, Qualitative Empirie, Interkulturelle Beziehungen.
Die Arbeit untersucht die Hintergründe und Beweggründe der Heiratsmigration thailändischer Frauen nach Deutschland, wobei ein besonderer Fokus auf den soziokulturellen Normen Thailands liegt.
Zentrale Themen sind die soziale Rolle der Frau in der thailändischen Gesellschaft, das Konzept der Dankbarkeitspflicht (bunkhun), Transnationalismus und die Auswirkungen familiärer Bindungen auf Migrationsprozesse.
Ziel ist es, das Phänomen der Heiratsmigration aus einer ethnologischen Perspektive zu beleuchten und den Einfluss traditioneller Rollenerwartungen auf den Entschluss zur Abwanderung zu analysieren.
Die empirische Grundlage der Arbeit bilden qualitative, problemzentrierte Leitfadeninterviews mit zehn thailändischen Heiratsmigrantinnen, ergänzt durch eine Literaturanalyse.
Der Hauptteil analysiert das Konzept von Bunkhun als moralische Verpflichtung, die verschiedenen Motive zur Migration, die Rolle sozialer Netzwerke sowie die Lebenssituation und Selbstreflexion der Migrantinnen in der BRD.
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Heiratsmigration, Bunkhun, soziale Sicherung, Familie, transnationale Räume und Rollenzuweisungen geprägt.
Das Konzept Bunkhun erzeugt eine moralische Verpflichtung gegenüber der Herkunftsfamilie. Da Migrantinnen oft die finanzielle Absicherung ihrer Verwandten übernehmen, wird die Migration nach Deutschland häufig als eine Möglichkeit wahrgenommen, diese Pflicht effektiv zu erfüllen.
Neben emotionalen Zuneigungen spielt oft der Wunsch nach einer Verbesserung des wirtschaftlichen Status eine Rolle. Zudem werden deutsche Partner häufig als zuverlässigere Familienversorger wahrgenommen als thailändische Männer.
Der Großteil der interviewten Frauen äußert sich positiv über ihre Lebenssituation in der BRD. Sie schätzen die soziale Stabilität und fühlen sich durch ihre familiäre Rolle und die Erfüllung der Bunkhun-Pflicht in ihrem Handeln bestätigt.
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