Wissenschaftliche Studie, 2009
133 Seiten
Vorwort
Einleitung
Klavierauszug, Opernfantasie und –paraphrase
Der „eigentliche“ Klavierauszug LISZTs
Liedtranskription
Aus vier mach’ zwei!
Umarbeitung von Klaviermusik
„Ihr sollt euch eben üben, gleichviel um welchen Preis“
Die vorliegende Arbeit untersucht die Klavierbearbeitungstechnik von Franz Liszt im 19. Jahrhundert, indem sie diese durch vergleichende Analysen ein- und abgrenzt. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie Liszt die Transformation von Orchester- und Opernmusik auf das Klavier gestaltete und inwieweit seine virtuose Bearbeitungspraxis musikalisch-inhaltlich fundiert war, anstatt lediglich als rein virtuoser Selbstzweck zu dienen.
Klavierauszug, Opernfantasie und –paraphrase
In GRUNSKYs Buch ist das Tristanfinale vollständig abgedruckt, und zwar nicht in BÜLOWs Originalfassung, sondern in von GRUNSKY „verbesserter“ Form. Wenn also im Folgenden von BÜLOWs Auszug die Rede ist, so ist dies mit der Einschränkung von GRUNSKYs Änderungen verbunden. Zwar geht GRUNSKY im Textteil auf verschiedene geänderte Takte ein (indem er z.B. BÜLOWs Fassung im Notenbeispiel zitiert), doch ist mit Sicherheit anzunehmen, daß es nicht die einzigen sind.
So dürften wohl gleich in den ersten Takten des „Liebestods“ die Akkorde in der linken Hand bei BÜLOW mit Tremolo auszuführen gewesen sein. GRUNSKY neigt dazu, womöglich alle Tremoli durch normal angeschlagene und gehaltene Akkorde zu ersetzen, da sie ihm als pianistische Zutat erscheinen, die offenbar dem Partiturklang nicht gerecht werde:
Dem gebildeten Laien ist das Tremolo längst zu einer ungelösten Frage geworden; er bemerkt, daß der Eindruck, als tremoliere Wagners Orchester „in einem fort“, mitverschuldet ist von der aufdringlichen Art, wie sich im Auszug das Tremolo zu ungunsten einer gediegenen Stimmen- und Harmoniefolge vordrängt. Unverständige Hereinnahme des Tremolos schädigt überhaupt den Genuß der Wiedergabe eines Auszugs.
Vorwort: Diese Arbeit analysiert die bislang musikwissenschaftlich wenig beachtete Technik der Klavierbearbeitung bei Franz Liszt und ordnet diese in den musikgeschichtlichen Kontext ein.
Einleitung: Dieses Kapitel verortet das Klavierschaffen Liszts im Kontext der gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts sowie der Arbeitsteilung im bürgerlichen Musikbetrieb.
Klavierauszug, Opernfantasie und –paraphrase: Anhand von Wagners „Tristan“ wird die Lisztsche Bearbeitungstechnik mit der von Hans von Bülow verglichen, wobei die unterschiedlichen Ansätze bezüglich Werktreue und Orchesterklang thematisiert werden.
Der „eigentliche“ Klavierauszug LISZTs: Dieses Kapitel behandelt die Bearbeitungen von Beethovens Sinfonien und analysiert Liszts Bestreben, den gesamten Orchesterklang auf das Klavier zu übertragen.
Liedtranskription: Hier wird am Beispiel der Schubertschen „Forelle“ aufgezeigt, wie Liszt die Liedmelodie virtuos und interpretatorisch in den Klaviersatz integriert.
Aus vier mach’ zwei!: Dieses Kapitel untersucht die Bearbeitung von vierhändiger Klaviermusik für zwei Hände, illustriert am „Reitermarsch“ von Schubert.
Umarbeitung von Klaviermusik: Am Beispiel der „Soirées de Vienne“ wird Liszts Vorgehensweise bei der Umgestaltung bestehender Klavierkompositionen analysiert.
„Ihr sollt euch eben üben, gleichviel um welchen Preis“: Die abschließende Untersuchung widmet sich den Paganini-Etüden und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen virtuosem Anspruch und didaktischem Nutzen.
Franz Liszt, Klavierbearbeitung, Musikgeschichte 19. Jahrhundert, Transkription, Paraphrase, Opernfantasie, Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Richard Wagner, Virtuosität, Orchesterklang, Klavierauszug, Musikverlag, Konzertwesen, pianistische Technik.
Die Arbeit analysiert die Klavierbearbeitungstechnik von Franz Liszt im 19. Jahrhundert und beleuchtet, wie er Orchester- und Vokalwerke für das Klavier transkribierte.
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Opernfantasien und Transkriptionen, das Verhältnis von Virtuosität zu musikalischem Gehalt sowie die Rolle von Liszts Bearbeitungen im bürgerlichen Musikleben.
Ziel ist es zu zeigen, dass Liszts Bearbeitungspraxis eine fundierte, inhaltlich motivierte Auseinandersetzung mit der Musik darstellt und nicht bloß dekorativer Selbstzweck ist.
Der Autor führt vergleichende Analysen durch, indem er Liszts Notentexte direkt mit den Originalpartituren und Bearbeitungen anderer Komponisten (z.B. Bülow, Brahms, Grieg) gegenüberstellt.
Der Hauptteil analysiert spezifische Fallbeispiele, darunter Opernbearbeitungen wie „Tristan und Isolde“, Beethovens Sinfonien, Lieder von Schubert und die Paganini-Etüden.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Franz Liszt, Klavierbearbeitung, Virtuosität, Orchesterklang, Transkription und das bürgerliche Konzertwesen des 19. Jahrhunderts.
Während Bülows Fassung eher einer strengen, „notengetreuen“ Partiturübertragung folgt, zielt Liszts Bearbeitung darauf ab, den komplexen Orchesterklang und die psychologische Stimmung des Werkes durch den Einsatz pianistischer Mittel „al fresco“ erfahrbar zu machen.
Die Arbeit beleuchtet, wie Liszts Bearbeitungen in einem Kontext von Musikverlagen, die auf populäre Arrangements angewiesen waren, und einem bürgerlichen Publikum, das Musik für den Salon suchte, als Vermittler hochwertiger Musik fungierten.
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