Examensarbeit, 1996
45 Seiten, Note: 1
EINFÜHRUNG
Zum Thema dieser Arbeit
Zur Kirchenbaudebatte und zur praktisch-theologischen Bedeutung der Kirchenbaufrage
Zum Aufbau der Arbeit
TEIL I: PROFANITÄT CONTRA SAKRALITÄT
A. Kritik am Sakralbau und Mehrzweckraumforderung
1. Theologische Entsakralisierung (1. Argumentationslinie)
2. Ethische Politisierung (2. Argumentationslinie)
B. Die Begründung des Sakralbaus
1. Kirchliche Symbolisierung (3. Argumentationslinie)
2. Künstlerische Ästhetisierung (4. Argumentationslinie)
Zwischenergebnis nach Teil I
TEIL II: THEOLOGIE UND EMPIRIE
A) Empirische Beiträge zum Umgang mit Gottesdiensträumen
1. Untersuchungen von Mehrzweckräumen und neue Religiosität
2. Soziokulturelle Orientierung (5. Argumentationslinie)
B. Weiterentwicklungen in der neueren Kirchenbaudebatte
1. Theologie und Anthropologie
2. Die neu gestellte Sakralraumfrage
TEIL III: ZWISCHEN PROFANITÄT UND SAKRALITÄT
A. Theologische Aktualisierung
1. Perspektiven für einen aufgeklärten Sakralbegriff
2. Sakralraum und Mehrzwecknutzung
B. Schluß
1. Perspektiven für gegenwärtiges Bauen der Gemeinden
2. Bleibende Aspekte aus der Kirchenbaudebatte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der theologischen Idee des Sakralraums und der funktionalen Anforderung an den Mehrzweckraum im evangelischen Kirchenbau. Dabei wird analysiert, wie sich die Debatte von einer strikten Ablehnung sakraler Formen hin zu einer pluralistischen, an soziokulturellen Gegebenheiten orientierten Praxis gewandelt hat, um eine zeitgemäße Begründung für die Gestaltung gottesdienstlicher Räume zu finden.
1. Theologische Entsakralisierung (1. Argumentationslinie)
Die Kritik am Sakralbau bezieht sich auf eine von der Bibel über die Reformation in die Gegenwart reichende Traditionslinie, der die folgende Darstellung im Spiegel der älteren Kirchenbaudebatte nachgeht.
Harvey Cox bestimmte den Ausgangspunkt der Desakralisierung in der Bibel: “Die jüdisch-christliche Tradition hat den sakralen Raum aufs schärfste in Frage gestellt”. Protestantische Exegeten betonten immer wieder, daß Israels Erfahrung wegführte von einer Bindung Gottes an welthafte Phänomene. Die manifest vorgestellte Einwohnung JHWHs im Tempel wird beispielsweise transzendentierend korrigiert durch die deuteronomistische Theologie. Heiligtum und Tempel wurden in der prophetischen Tempelkritik von Gott der Vernichtung überlassen. Die Möglichkeit eines Gotteshauses wird zuletzt grundsätzlich bestritten.
Für das Neue Testament wird die Kritik an Orten, die für Gottes Gegenwart ausgesondert werden, noch stärker gesehen. Beiträge zur Kirchenbaufrage verweisen auf viele Stellen, vor allem auch auf die Personalisierung der Gegenwart Gottes in Christus und in der Gemeinde. Auf der Kirchenbau-Akademietagung in Bad Boll legte der Neutestamentler Eduard Schweizer dar, daß der Gottesdienst mit dem Alltag fest verbunden sei. Auch zur Raumfrage gelte: “Nichts ist im Neuen Testament heilig im Gegensatz zu einem profanen Bezirk”. Der Gottesdienstraum solle, so eine seiner Folgerungen, “nicht grundsätzlich [...] verschieden” von Wohnräumen der Familie sein.
EINFÜHRUNG: Diese Einleitung führt in die aktuelle Situation des evangelischen Kirchenbaus ein und wirft die Kernfragen zur Debatte um Sakralität und Mehrzwecknutzung auf.
Zum Thema dieser Arbeit: Hier werden die zentralen Pole des Sakralgebäudes und des Mehrzweckraums definiert sowie die wissenschaftliche Begrenzung auf protestantische Theologie dargelegt.
Zur Kirchenbaudebatte und zur praktisch-theologischen Bedeutung der Kirchenbaufrage: Dieser Abschnitt erörtert die interdisziplinäre Natur des Kirchenbaus und die Rolle der Fachdebatten, etwa durch Kirchenbautage.
Zum Aufbau der Arbeit: Es wird ein systematischer Überblick gegeben, wie die verschiedenen Argumentationslinien in den drei Teilen der Untersuchung entfaltet werden.
TEIL I: PROFANITÄT CONTRA SAKRALITÄT: Dieser Teil widmet sich der historischen Kontroverse bis etwa 1970, geprägt durch die Forderung nach Entsakralisierung.
TEIL II: THEOLOGIE UND EMPIRIE: Hier steht die Neuorientierung seit 1970 im Fokus, insbesondere die Einbeziehung soziologischer Empirie und anthropologischer Aspekte.
TEIL III: ZWISCHEN PROFANITÄT UND SAKRALITÄT: Das Fazit führt die verschiedenen Fäden zusammen und skizziert Perspektiven für einen aufgeklärten Sakralbegriff und die Praxis des Bauens.
Kirchenbau, Sakralität, Mehrzweckraum, Evangelische Theologie, Entsakralisierung, Liturgik, Religionssoziologie, Gemeindezentrum, Kirchenbaudebatte, Sakralraum, Architektur, Gottesdienstraum, Anthropologie, Gemeindepraxis, Ästhetisierung
Die Arbeit untersucht den theoretischen und praktischen Wandel in der evangelischen Kirchenbaudebatte, insbesondere das Spannungsverhältnis zwischen dem traditionellen Sakralbau und dem funktional orientierten Mehrzweckraum.
Die zentralen Themen sind die theologische Entsakralisierung, die ethisch-politische Kritik am Kirchenbau, die Bedeutung religiöser Erfahrung sowie soziokulturelle Einflüsse auf die Gestaltung von Gemeindegottesdiensträumen.
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die aktuelle Situation des Kirchenbaus zu entwickeln, das trotz der historischen Spannungen eine fundierte Pluralität in der Gestaltung gottesdienstlicher Räume ermöglicht.
Die Arbeit nutzt eine systematische Analyse der Kirchenbaudebatte, strukturiert in fünf grundlegende Argumentationslinien, und bezieht dabei theologische, exegetische, soziologische und kunsthistorische Perspektiven ein.
Im Hauptteil werden zunächst die konträren Debatten bis 1970 (Profanität vs. Sakralität) und anschließend die Neuorientierung ab 1970 durch die Wende zur Empirie und zur Anthropologie detailliert analysiert.
Wichtige Begriffe sind Kirchenbau, Sakralität, Mehrzweckraum, Entsakralisierung, Liturgik und die soziokulturelle Orientierung der Gemeinde.
Der Begriff ist relevant, weil er als rezeptionsästhetisches Element hilft, den Gottesdienstraum als einen Ort zu markieren, der sich bewusst von der Alltäglichkeit abhebt, ohne zwingend einen wesenhaft heiligen Ort vorauszusetzen.
Sie dienen als Dokumentation eines Diskussionsstandes, der die Fragmentierung der jüngeren Debatte aufzeigt und als erstes postmodernes Kirchbauprogramm den Wunsch der Gemeinden nach einer gottesdienstlichen Raumgestaltung betont.
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