Bachelorarbeit, 2021
35 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Klassenräume
2.1 Soziologisches Raumverständnis
2.2 Pädagogische Architektur
2.2.1 Einfluss der Reformpädagogik
2.3 Reize im Raum
2.4 Architektursoziologie
3. Verräumlichtes Lernen
3.1 Raum und Bildung
3.2 Konzept des offenen Kunstunterrichts
3.3 Raum als Ort der Vernetzung
4. Der ideale Kunstklassenraum
4.1 Perspektiven
5. Diskussion
6. Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht, wie die Gestaltung von Kunstklassenräumen gezielt ästhetische Bildungsprozesse begünstigen kann, indem sie den Raum als aktiven "dritten Pädagogen" begreift und dabei die Diskrepanz zwischen modernen Unterrichtskonzepten und klassischen, oft unflexiblen Raumsituationen beleuchtet.
2.1 Soziologisches Raumverständnis
In vielen Feldern, wie in der Philosophie, Pädagogik und auch in der Soziologie, ist das Verständnis des Raums ein strittiges und vieldiskutiertes Thema. Wenn man zunächst im Allgemeinen an den Begriff des Raums denkt, kommt einem häufig zunächst das absolute Raumverständnis in den Kopf – Der Raum als Container bzw. als leerer Behälter, der lediglich eine ‚Randbedingung‘ von dessen ‚Inhalt‘ ist (vgl. Löw 2001, S.24). Man denkt meist an Wände, die den Raum umschließen bzw. umhüllen und an weitere typische Elemente wie Fenster und eine Tür. Nach diesem Verständnis charakterisiert sich der Raum als unbeweglich und starr.
Eine besonders edukative Ausarbeitung über die Perspektive des Raums bietet die Raumsoziologin Martina Löw. Löw lehnt das absolute Raumverständnis ab und deklariert den Raum als gesellschaftliches Phänomen. Ihre Theorie ist das Grundfundament vieler raumsoziologischer Werke. Sie ist der Meinung, dass der Raum nicht Gegeben ist, sondern dass Lebewesen und soziale Güter den Raum durch Vorstellungs-, Wahrnehmungs- und Erinnerungsprozesse konstituieren (vgl. ebd., S.225).
Löws Hauptthese lautet: „Raum ist eine relationale (An)Ordnung von Lebewesen und sozialen Gütern.“ (ebd., S.271). Im Folgenden wird dies offengelegt. Sie ist der Überzeugung, dass der Raum nicht ohne einen gesellschaftlichen Bezug verstanden werden kann, da räumliche Strukturen eine Form gesellschaftlicher Strukturen sind (vgl. ebd., S.228). Wenn Löw von einem relationalen Raum spricht, bezieht sie sich auf das Resultat von platzierten sozialen Gütern und Lebewesen und ihren Beziehungen zueinander. Soziale Güter bestehen unter anderem aus materiellen und symbolischen Komponenten. Bei sozialen Gütern ist die Ausprägung der Komponenten unterschiedlich. Ein Tisch ist materiell gesehen erst einmal ein Tisch. Symbolisiert dieser Tisch allerdings einen speziellen Wert, welcher diesen mit Erinnerungsprozessen verknüpfen lässt, überwiegt das Symbolische des Tisches seine materielle Komponente (vgl. ebd., S.153). Am Beispiel des Klassenraums symbolisiert der Pult der Lehrkraft vielmehr eine Autorität und Grenze zu den Schüler*Innen, als nur Holz.
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Bedeutung des Klassenraums für ästhetische Bildungsprozesse und stellt die Forschungsfrage nach einer optimierten Raumkonzeption.
2. Klassenräume: Es werden theoretische Grundlagen des Raumverständnisses, insbesondere die soziologische Sichtweise von Martina Löw und reformpädagogische Aspekte, analysiert.
2.1 Soziologisches Raumverständnis: Dieses Kapitel erläutert den relationalen Raumbegriff, bei dem Raum durch Spacing und Syntheseleistung der Menschen konstituiert wird.
2.2 Pädagogische Architektur: Der Fokus liegt auf dem Einfluss der Architektur auf das Wohlbefinden und die Interaktion in der Schule, unter Berücksichtigung des "Factory-Modells".
2.2.1 Einfluss der Reformpädagogik: Es wird untersucht, wie reformpädagogische Ansätze, insbesondere die Reggio-Pädagogik, den Raum als aktiven Erzieher etablieren.
2.3 Reize im Raum: Dieses Kapitel analysiert die Wirkung von physikalischen Reizen wie Licht, Akustik, Farbe und Materialität auf Lernmotivation und Konzentration.
2.4 Architektursoziologie: Hier wird die Wechselwirkung zwischen gesellschaftlichen Strukturen und baulicher Materialität im Kontext der Raumgestaltung zusammengeführt.
3. Verräumlichtes Lernen: Es wird der Zusammenhang zwischen Bildungspolitik, Raumstruktur und dem Konzept des pluralistischen Lernens beleuchtet.
3.1 Raum und Bildung: Dieser Abschnitt thematisiert die Notwendigkeit, heterogene Lerngruppen als Potential zu betrachten, welches sich in der Raumkonzeption widerspiegeln muss.
3.2 Konzept des offenen Kunstunterrichts: Das Kapitel diskutiert offene Unterrichtsformen und deren Abhängigkeit von einer flexiblen, förderlichen Lernumgebung.
3.3 Raum als Ort der Vernetzung: Es werden alternative Lernorte und Elemente wie Kollaboration, Transformation und Rückzugsmöglichkeiten als essenzielle Raumbereiche vorgestellt.
4. Der ideale Kunstklassenraum: Der Praxisteil führt die theoretischen Erkenntnisse zu konkreten Planungsvorlagen für Lehrkräfte zusammen.
4.1 Perspektiven: Hier werden Umsetzungsmöglichkeiten für flexible, kollaborative Räume diskutiert, die über traditionelle starre Strukturen hinausgehen.
5. Diskussion: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Realisierbarkeit der Raumkonzepte unter Berücksichtigung bildungspolitischer Rahmenbedingungen.
6. Fazit und Ausblick: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Raumgestaltung ein kontinuierlicher, partizipativer Prozess ist, der Bildungschancen aktiv beeinflussen kann.
Kunstklassenraum, Ästhetische Bildung, Raumkonzeption, Reformpädagogik, Architektursoziologie, Verräumlichtes Lernen, Kollaboration, Lernumgebung, Raumreize, Dritter Pädagoge, Schulentwicklung, Partizipation, Prozessorientierung, Inklusion, Raumplanung.
Die Bachelorarbeit setzt sich mit der Gestaltung von Kunstklassenräumen auseinander und untersucht, wie die physische Lernumgebung als "dritter Pädagoge" ästhetische Bildungsprozesse fördern oder hemmen kann.
Die thematischen Schwerpunkte bilden die soziologische Raumtheorie, reformpädagogische Ansätze für Lernräume, die Wirkung von Raumreizen sowie Methoden kollaborativen Lernens in flexiblen Raumstrukturen.
Die zentrale Frage ist, wie der Kunstklassenraum konzipiert sein sollte, um ästhetische Bildungsprozesse optimal zu begünstigen und den Anforderungen an moderne, offene Unterrichtsformen gerecht zu werden.
Die Arbeit basiert primär auf einer hermeneutischen Auseinandersetzung mit bestehender Fachliteratur, räumlichen Theorien der Soziologie sowie aktuellen Beispielen aus der Schulpraxis.
Der Hauptteil analysiert die Bedingtheit von Raum und Bildung, erörtert Konzepte des offenen Kunstunterrichts und leitet daraus konkrete Anforderungen für die Transformation von Klassenräumen ab.
Zentrale Begriffe sind neben der ästhetischen Bildung und Raumkonzeption auch Kollaboration, Transparenz, Partizipation und die Rolle der Architektursoziologie bei der Gestaltung von Bildungsräumen.
Das Factory-Modell ist durch eine starre, auf die Lehrkraft ausgerichtete Frontalbestuhlung geprägt, während moderne Konzepte auf Flexibilität, Zonen für Kollaboration und Rückzugsbereiche setzen.
Die "Storage Gallery" dient als analoges Element der Raumgestaltung, um Arbeitsprozesse transparent zu machen, gegenseitige Inspiration zu ermöglichen und den Raum als lernendes System zu begreifen.
Farben wirken als unbewusste Reize, die die Atmosphäre und Produktivität beeinflussen; die Arbeit betont, dass diese zwar nicht mathematisch-starr, aber dennoch bewusst zur Zonierung und Stimmungsbildung eingesetzt werden sollten.
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