Bachelorarbeit, 2022
65 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
Forschungsfrage
Methodik
Inhaltlicher Aufbau
I Die menschliche Stimme – Stimmerzeugung und Untersuchungsmethoden
1.1 Die Grundlagen der Stimmerzeugung
1.1.1 Die Stimmlippen als Schwingungskörper
1.1.2 Ausatemluft als Kraftquelle der Schwingung
1.1.3 Supralaryngeale Resonanzräume als Resonanzsystem
1.2 Bildgebende Untersuchungsmethoden der Stimme
1.2.1 Historische Entwicklung von bildgebenden Untersuchungsverfahren der Stimme
1.2.2 Die Technik der dynamischen Vokaluntersuchung
1.2.2.1 Videofiberskopie
1.2.2.2 Videostroboskopie
1.2.2.3 Elektrolarynographie / Glottographie (EGG)
1.2.2.4 Morphotyp
1.2.2.5 Spektrographie
II Grundlagen des weiblichen Funktionszyklus
2.1 Physiologie des weiblichen Funktionszyklus
2.1.1 Ablauf des neuroendokrinen Systems des weiblichen Funktionszyklus
2.2 Hormone des weiblichen Funktionszyklus
2.2.1 Hormone des Hypothalamus
2.2.1.1 Gonadotropin-Releasinghormon (GnRH)
2.2.2 Hormone der Hypophyse
2.2.2.1 Follikelstimulierendes Hormon (FSH)
2.2.2.2 Luteinisierendes Hormon (LH)
2.2.3 Steroidhormone der Ovarien
2.2.3.1 Östrogen
2.2.3.2 Progesteron
2.3. Die Phasen des weiblichen Funktionszyklus
2.3.1 Follikelphase (Proliferationsphase)
2.3.2 Ovulationsphase
2.3.3 Lutealphase (Sekretionsphase)
2.3.3.1 Prämenstruelle Phase
2.3.4 Desquamationsphase (Menstruation)
III Einflüsse des weiblichen Zyklus auf die Gesangsstimme
3.1 Überblick über die herangezogenen Studien
3.1.1 Abitbol et al. (1999) – “Sex Hormones and the Female Voice”
3.1.2 Abitbol et al. (1989) – “Does a hormonal vocal cord cycle exist in women? Study of vocal premenstrual syndrome in voice performers by videostroboscopy - glottography and cytology on 38 women”
3.1.3 Celik et al. (2013) – “Voice and Speech Changes in Various Phases of Menstrual Cycle”
3.1.4 Chernobelsky (2002) – “A study of menses-related changes to the larynx in singers with voice abuse”
3.1.5 Chernobelsky (1998) – “Effect of the menstrual cycle on laryngeal muscle tension”
3.1.6 Davis / Davis (1993) – “The effects of premenstrual syndrome (PMS) on the female singer”
3.1.7 Meurer et al. (2009) – “Menstrual Cycle Influences on Voice and Speech in Adolescent Females”
3.1.8 Regishia (2004) – “Influence of menstrual cycle on clinical measures of voice: a comparison of singers and nonsingers”
3.1.9 Ryan/Kenny (2009) – “Perceived Effects of the Menstrual Cycle on Young Female Singers in the Western Classical Tradition”
3.1.10 Shoffel-Havakuk et al. (2018): “Menstrual Cycle, Vocal Performance and Laryngeal Vascular Appearance: An Observational Study on 17 Subjects”
3.2 Gesammelte Darstellung der Ergebnisse
3.2.1 Symptome des prämenstruellen stimmlichen Syndroms
3.2.1.1 Prämenstruelle Symptome bei Sängerinnen (Abitbol et al. / Davis u. Davis)
3.2.1.2 Prämenstruelle Symptome bei jugendlichen Nicht-Sängerinnen (Meurer et al.)
3.2.2 Ergebnisse medizinisch-physikalischer Untersuchungen
3.2.2.1 Erhebungen des Hormonstatus
3.2.2.1.1 Hormonstatus in unterschiedlichen Phasen des Zyklus (Shoffel-Havakuk et al. / Celik et al.)
3.2.2.1.2 Auswirkungen der Hormone auf die Stimme (Abitbol et al.)
3.2.2.2 Bildgebende Untersuchungsverfahren des Kehlkopfes
3.2.2.2.1 Zyklusbedingte Kehlkopfveränderungen bei Sängerinnen (Abitbol et al.)
3.2.2.2.2 Vergleich von zyklusbedingten Kehlkopfveränderungen zwischen gesunden und vorgeschädigten Sängerinnen (Chernobelsky)
3.2.2.2.3 Vergleich von zyklusbedingten Kehlkopfveränderungen zwischen Sängerinnen und Nicht-Sängerinnen (Chernobelsky)
3.2.2.2.4 Zyklusbedingte Kehlkopfveränderungen bei Nicht-Sängerinnen (Shoffel-Havakuk et al.)
3.2.2.3 Atemstrom und Lungenkapazität
3.2.2.3.1 Vergleich von Atemstrom und Vitalkapazität bei Sängerinnen und Nicht-Sängerinnen (Regishia)
3.2.2.3.2 Vergleich von Phonationszeit und Lungenleistung bei Sängerinnen und Nicht-Sängerinnen (Celik et al.)
3.2.2.3.3 Phonationszeit und Lungenleistung bei Sängerinnen (Abitbol et al.)
3.2.3 Ergebnisse akustischer Messungen und stimmlicher Beurteilung
3.2.3.1 Akustische Stimmmessungen
3.2.3.1.1 Akustische Stimmmessungen mittels Phonation bei Sängerinnen und Nicht-Sängerinnen (Celik et al. / Regishia)
3.2.3.1.2 Akustische Stimmmessungen mittels Phonation bei Nicht-Sängerinnen (Meurer et al. / Shoffel-Havakuk et al.)
3.2.3.2 Beurteilung zyklusbedingter stimmlicher Veränderung durch ExpertInnen
3.2.3.2.1 Beurteilung der Sprechstimme durch Expertinnen bei Sängerinnen und Nicht-Sängerinnen (Celik et al.)
3.2.3.2.2 Beurteilung der Gesangsstimme durch Expertinnen bei Sängerinnen (Ryan/Kenny)
3.2.3.3 Selbstbeurteilung zyklusbedingter stimmlicher Veränderung
3.2.3.3.1 Selbstbeurteilung der Sprechstimme durch Nicht-Sängerinnen (Shoffel-Havakuk et al.)
3.2.3.3.2 Selbstbeurteilung der Sprechstimme durch Sängerinnen und Nicht-Sängerinnen (Celik et al.)
3.2.3.3.3 Selbstbeurteilung der Gesangsstimme durch Sängerinnen (Ryan/Kenny)
3.3 Exkurs: Gesangsstimmliche Veränderungen durch den Einsatz oraler Kontrazeptiva
IV CONCLUSIO – Ergebnisse, Auswertungen und Erkenntnisse
4.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
4.2 Beantwortung der Forschungsfrage
4.3 Behandlungsmöglichkeiten des prämenstruellen stimmlichen Syndroms
4.4 Resümee bisheriger Forschung und Empfehlungen für die zukünftige Forschung
Die vorliegende Arbeit untersucht wissenschaftlich fundiert, ob bei Frauen, die ohne hormonelle Empfängnisverhütung verhüten, ein sogenanntes „prämenstruelles stimmliches Syndrom“ auftritt und welche Auswirkungen dies insbesondere auf die Singstimme von professionellen Sängerinnen hat.
1.2.1 Historische Entwicklung von bildgebenden Untersuchungsverfahren der Stimme
Im Jahre 1854 hatte Manuel Patricio Rodriguez Garcia (* 1805 in Zafra, Spanien; † 1906 in London), der der Bruder der überragenden Sopranistin Maria Malibran war, erstmalig die Idee, das Stimmorgan und den Kehlkopf optisch zu untersuchen. Garcia, der selbst Musikprofessor war, ging eines Tages im Jahre 1854 in den Gärten des Palais Royal spazieren und beobachtete einen Sonnenstrahl, der sich auf dem silbernen Knauf seines Spazierstocks spiegelte. Dies brachte Garcia auf die Idee, mittels eines Systems langstieliger Spiegel das Sonnenlicht so zu reflektieren, um damit den Rachen ausleuchten zu können. Mittels einem Zahnarztspiegel und einem zweiten Spiegel untersuchte Garcia sowohl bei sich selbst, als auch bei seiner anderen Schwester, welche Gesangslehrerin war, Bewegungen des Kehlkopfes beim Singen. Jenes Spiegelreflexionssystem wird als erstes Laryngoskop angesehen und Garcia kann somit als Begründer der bildgebenden Verfahren des Kehlkopfes bzw. der Laryngologie erachtet werden.
In weiterer Folge verging sodann nahezu ein Jahrhundert, bis die Stimme beim natürlichen Sprechen oder Singen untersucht werden konnte. Namentlich verbunden waren diese Untersuchungen mit Jean Tarnaud 1936 in Frankreich, Paul Moore und Hans von Leden 1961 in den USA, sowie 1973 dem Japaner Saito, welcher erstmalig ein faseroptisches Bronchoskop, welches durch die Nase eingeführt wurde, um die Stimmlippen zu betrachten, verwendete. Erst in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre setzten verschiedene Ärzte die flexible Endoskopie ein, um damit Sprache und Gesang untersuchen zu können. Wie an der Geschichte der Laryngoskopie ersichtlich, handelt es sich bei bildgebenden Untersuchungen des Kehlkopfes und des Stimmorgans also um relativ neue Verfahren, welche erst ab Mitte der 1970er Jahre allmählich aufkamen.
I Die menschliche Stimme – Stimmerzeugung und Untersuchungsmethoden: Dieses Kapitel erläutert die anatomischen Grundlagen der menschlichen Stimmerzeugung sowie die historische und technische Entwicklung bildgebender Verfahren, die zur Analyse der Stimmlippenfunktion eingesetzt werden.
II Grundlagen des weiblichen Funktionszyklus: Hier werden die physiologischen Abläufe des weiblichen Menstruationszyklus, die Steuerung durch die Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse und die beteiligten Hormone detailliert dargestellt.
III Einflüsse des weiblichen Zyklus auf die Gesangsstimme: Dies ist der Kernbereich der Arbeit, in dem zehn ausgewählte wissenschaftliche Studien umfassend analysiert und deren Ergebnisse zu den Auswirkungen des Zyklus auf Stimmqualität, Kehlkopfstruktur und Lungenfunktion systematisch zusammengefasst werden.
IV CONCLUSIO – Ergebnisse, Auswertungen und Erkenntnisse: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Befunde aus den Studien, beantwortet die Forschungsfrage zur Existenz eines prämenstruellen stimmlichen Syndroms und diskutiert therapeutische Ansätze sowie Empfehlungen für künftige Forschungsarbeiten.
Prämenstruelles stimmliches Syndrom, weiblicher Zyklus, Hormonstatus, Stimmgesundheit, prämenstruelle Dysphonie, Sängerinnen, Kehlkopf, Stroboskopie, Stimmlippenfunktion, Vitalkapazität, Östrogen, Progesteron, Stimmhygiene, Atemvolumina, Vokalanalyse.
Die Arbeit untersucht den Einfluss des weiblichen Zyklus auf die Stimme von Frauen, insbesondere bei Sängerinnen, die keine hormonelle Empfängnisverhütung nutzen.
Sie thematisiert die anatomischen Grundlagen der Stimmerzeugung, die Hormonphysiologie der Frau sowie die empirisch untersuchten Auswirkungen hormoneller Schwankungen auf die Leistungsfähigkeit der Gesangsstimme.
Das Hauptziel besteht darin zu klären, ob ein „prämenstruelles stimmliches Syndrom“ mit einhergehender Dysphonie existiert und in welcher Form sich dieses bei betroffenen Frauen äußert.
Die Arbeit basiert auf einer intensiven Literaturrecherche und einer zusammenfassenden Analyse von zehn englischsprachigen, wissenschaftlichen Studien, die im Journal of Voice publiziert wurden.
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Hintergründe zur Stimmphysiologie und zum weiblichen Zyklus erörtert als auch die Ergebnisse der zehn herangezogenen Studien kategorisiert dargestellt und diskutiert.
Wichtige Begriffe sind prämenstruelles stimmliches Syndrom, Hormoneffekte, Gesangsstimme, Stimmphysiologie, Kehlkopfveränderungen und Zyklusphasen.
Die Arbeit diskutiert, dass orale Kontrazeptiva zwar zyklusbedingte Schwankungen stabilisieren können, die wahrgenommene Stimmqualität jedoch oft stärker von der allgemeinen emotionalen Befindlichkeit als von der Pille abhängt.
Abitbol et al. konnten bei 85% der untersuchten Frauen durch die Gabe von Vitaminpräparaten, Nährstoffen und entzündungshemmenden Mitteln eine Besserung erzielen; von einer hormonellen Behandlung wird ohne medizinische Notwendigkeit aufgrund irreversibler Risiken abgeraten.
Sängerinnen, die unter diesem Syndrom leiden, sind in ihrer Selbstwahrnehmung oft wesentlich sensibler und kritischer als geschulte Zuhörer, die bei den Betroffenen häufig keine signifikanten Unterschiede in der Gesangsleistung hören können.
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