Bachelorarbeit, 2021
61 Seiten, Note: 1,0
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Einführung in das Störungsbild des selektiven Mutismus
1.1 Definition und Symptomatik
1.2 Diagnostische Kriterien, Komorbiditäten und differentialdiagnostische Abgrenzung
1.3 Epidemiologie und Verlauf
2. Auswirkungen von selektivem Mutismus
2.1 Auswirkungen auf die betroffenen Kinder
2.2 Auswirkungen auf das familiäre Umfeld
2.3 Auswirkungen auf institutioneller Ebene
3. Therapeutische Ansätze
4. Selektiv mutistische Kinder in Kindertageseinrichtungen
4.1 Baustein pädagogische Fachkraft
4.2 Baustein Methodenvielfalt
4.3 Baustein professionelle Haltung, Team und Aus-, Fort- und Weiterbildung
4.4 Baustein Atmosphäre und Raumgestaltung
4.5 Baustein Elternarbeit
4.6 Baustein interdisziplinäre Zusammenarbeit
4.7 Zwischenfazit
III. Schlussteil
Diese Bachelorarbeit untersucht das Störungsbild des selektiven Mutismus bei Kindern im Kindertagesstättenalter. Das primäre Ziel ist es, pädagogische Fachkräfte über das Störungsbild aufzuklären und ihnen fundierte Ansätze für die Förderung betroffener Kinder im Kita-Alltag an die Hand zu geben, um deren Teilhabe und Wohlbefinden zu verbessern.
1.1 Definition und Symptomatik
Der Begriff Mutismus stammt aus dem Lateinischen („mutus“ = stumm). In der Fachliteratur wird zwischen zwei Formen des Mutismus unterschieden - dem selektiven Mutismus und dem totalen Mutismus. Diese Unterscheidung geht ursprünglich auf Tramer (1934) zurück. In der einschlägigen Fachliteratur wird manchmal auch vom elektiven anstelle des selektiven Mutismus gesprochenen - dieser Begriff wird jedoch im Rahmen dieser Forschungsarbeit bewusst nicht verwendet, weil er eine freiwillige Wahl zum Schweigen unterstellt. Das Schweigen selektiv mutistischer Personen geht aber auf ein aktuelles Unvermögen zurück und nicht auf die freie Wahl des/der Betroffenen.
Selektiver Mutismus kann dementsprechend als „ein dauerhaftes, wiederkehrendes Schweigen in bestimmten Situationen (…) und gegenüber bestimmten Personen“ verstanden werden, obwohl die betroffenen Kinder dazu in der Lage sind zu sprechen und dies in vertrauten Situationen oder gegenüber vertrauten Personen auch tun (Bahr 2015, S. 14). Die Fähigkeit zum Sprechen ist somit bei selektiv mutistischen Kindern situationsabhängig gehemmt. Häufig sprechen selektiv mutistische Kinder nur im engsten Familien- und Verwandtenkreis aber nicht mit Personen außerhalb der Familie. Im Elternhaus sprechen selektiv mutistische Kinder fast immer, auch wenn das Kind manchmal auch im eigenen zu Hause schweigen kann, beispielsweise wenn Besuch ins Elternhaus kommt.
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung verbaler Kommunikation im Kindergartenalltag und führt in das Störungsbild des selektiven Mutismus als Barriere für die kindliche Teilhabe ein.
II. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des selektiven Mutismus, eine Analyse seiner vielfältigen Auswirkungen sowie die Darstellung konkreter pädagogischer Bausteine für die Förderung betroffener Kinder in Kindertageseinrichtungen.
III. Schlussteil: Der Schlussteil fasst die wichtigsten Ergebnisse der Forschungsarbeit zusammen und bilanziert, wie pädagogische Fachkräfte durch ein ganzheitliches Verständnis und interdisziplinäre Zusammenarbeit zur Überwindung des Schweigens beitragen können.
Selektiver Mutismus, Kindertageseinrichtung, pädagogische Fachkraft, Sprachhemmung, Förderung, soziale Phobie, Kommunikation, Psychosoziale Entwicklung, Elternarbeit, Inklusion, Früherkennung, Interdisziplinäre Zusammenarbeit, Resilienz, Verhaltensstörung.
Die Arbeit befasst sich mit selektivem Mutismus bei Kindern im Kindergartenalter und den Möglichkeiten, diese Kinder in Kindertageseinrichtungen pädagogisch zu unterstützen und zu fördern.
Neben der genauen Definition und Diagnostik des Störungsbildes sind die zentralen Themenfelder die Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes und das familiäre Umfeld sowie spezifische Förderansätze in der Kita.
Das Hauptziel ist es, Aufklärung über das Störungsbild zu leisten und pädagogischen Fachkräften in Kindertagesstätten konkrete Handlungsstrategien und "Bausteine" zur Förderung betroffener Kinder an die Hand zu geben.
Die Arbeit basiert auf einer inhaltsanalytischen Untersuchung einschlägiger Forschungsliteratur sowie einem hermeneutischen Reflexionsprozess, der den aktuellen wissenschaftlichen Diskurs aufarbeitet.
Der Hauptteil analysiert die Entstehung und Symptomatik (Ätiologie), die Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche und beschreibt sechs pädagogische Bausteine, wie etwa die professionelle Haltung, Methodenvielfalt und Elternarbeit.
Die Arbeit verbindet Konzepte wie selektiven Mutismus, Frühpädagogik, interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine ganzheitliche, auf das Kind zentrierte Förderhaltung.
Im Gegensatz zu Schüchternheit, die sich meist bei zunehmender Vertrautheit legt, ist der selektive Mutismus eine emotional bedingte Hemmung der sprachlichen Kommunikation, die über einen längeren Zeitraum anhält und als psychiatrisches Störungsbild eingestuft wird.
Dieser Baustein betont die Notwendigkeit, das Kind in seiner Individualität wahrzunehmen, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen und anstatt Druck auszuüben, Stärken in den Vordergrund zu stellen, um Hemmungen abzubauen.
Da selektive Mutisten in ihrer Familie oft normal sprechen, dort aber auch emotionalen Druck erleben, ist der Austausch zwischen Kita und Eltern essentiell, um gemeinsame Strategien zu entwickeln und ein verständnisvolles Umfeld zu schaffen.
Eine förderliche Atmosphäre, die durch Humor, achtsame Kommunikation und eine auf das Sicherheitsbedürfnis abgestimmte Raumgestaltung geprägt ist, hilft dem Kind, Ängste abzubauen und Vertrauen zu fassen.
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