Masterarbeit, 2011
105 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Sprachwandel
2.1 Sprache als Ergon oder Energeia
2.2 e-language und i-language bei Chomsky
2.3 Sprachphilosophische Überlegungen
2.4 Die Frage nach dem Ursprung der Sprache
2.5 Sprachverfall durch Sprachwandel?
2.6 Sprachwandelprinzipien
2.6.1 Das Prinzip der Ökonomie
2.6.2 Sprachwandel durch Sprachkontakt und Analogiebildung
2.6.3 Sprachwandel durch Reanalyse und Grammatikalisierung
2.7 Gesetzmäßigkeiten von Sprachwandel
2.7.1 Das Piotrowski-Gesetz
2.8 Zusammenfassung
3. Jugendsprache
3.1 Spricht die Jugend eine andere Sprache?
3.2 Neue Antworten auf alte Fragen
3.3 Eine Jugend, eine Sprache?
3.3.1 Eine Jugend?
3.3.2 Eine Sprache?
3.4 Sprache als Träger sozialer Funktionen
3.5 Sprache als Instrument sozialen Protests
3.6 Jugendsprache – Standardsprache – Erwachsenensprache?
3.7 (K)eine Jugend, (k)eine Sprache!
4. Mündlichkeit und Schriftlichkeit
4.1 Konzeptionelle Mündlichkeit und Schriftlichkeit
4.1.1 Konzeptionelle Mündlichkeit
4.1.2 Konzeptionelle Schriftlichkeit
4.1.3 Sprachliche Besonderheiten und Kontextgebundenheit
4.2 Das „Nähe-Distanz“-Modell von Koch/Oesterreicher
4.3 Sprachgestaltung in den neuen Medien
4.3.1 Konstitutive Merkmale der Kommunikation in den neuen Medien
4.3.2 Chat
4.3.2.1 Merkmale gesprochener Sprache im Chat
4.3.2.2 Chat: verschriftlichte Mündlichkeit oder normfreie Schriftsprache?
5. Eine Fallstudie anhand des SchülerVZ
5.1 Das SchülerVZ
5.2 Beschreibung des Materials
5.3 Sprache in ökonomischer, kompensatorischer und kreativer Verwendung
5.3.1 Abweichungen auf Grund sprachlicher Ökonomie
5.3.2 Kompensation von Prosodie und nonverbaler Kommunikation
5.3.2.1 Prosodie in Form von Buchstaben und Interpunktion
5.3.2.2 Emoticons
5.3.3 Sprache in kreativer Verwendung
5.3.3.1 Einfluss der technischen Rahmenbedingungen
5.3.3.2 Phonetische Orthographie
5.3.3.3 Dialektale Einflüsse
5.3.3.4 Phänomene sprachlicher Kreativität
6. Schlußbetrachtung
Die Arbeit untersucht, inwieweit die sprachlichen Äußerungen in sozialen Netzwerken wie dem SchülerVZ mit herkömmlichen linguistischen Kategorien von Mündlichkeit und Schriftlichkeit erfasst werden können oder ob diese eine neue, verschmelzende Form von Sprache darstellen, die ein modifiziertes begriffliches Instrumentarium erfordert.
1. Einleitung
Der primäre Impuls zu der vorliegenden Studie geht von den neuen Medien aus. Darunter werden im Folgenden die durch das Internet, genauer dem sogenannten Chat und den social networks generierten Kommunikationsräume und besonders deren sprachliche Realisationsformen verstanden. Schon ein erster flüchtiger Blick zeigt, dass die in diesen beiden Bereichen verwendete Sprache Eigentümlichkeiten aufweist, die mit den herkömmlichen linguistischen Kategorien von Mündlichkeit und Schriftlichkeit nicht problemlos erfasst werden können. In meiner Untersuchung will ich deshalb der Frage nach gehen, ob und inwiefern sich dieser erste Eindruck bestätigen lässt.
Dazu analysiere ich anhand von empirischen Fallstudien die mediale Realisation von Sprache im SchülerVZ. Das SchülerVZ ist das mitgliederstärkste soziale Netzwerk Jugendlicher im deutschen Sprachraum. Zur Erforschung der Besonderheiten der Kommunikation unter Jugendlichen, soweit sie verschriftlicht ist, empfiehlt sich dieses Medium insbesondere deshalb, weil es durch bestimmte Sicherheitsmaßnahmen dem Zugriff und der Einsichtnahme Erwachsener so gut wie entzogen ist. Außerdem hat dieses Medium gegenüber dem Chat, dessen Kommunikationsstrukturen von der linguistischen und soziolinguistischen Forschung schon häufig zum Gegenstand der Untersuchung gemacht worden ist, den Vorteil, dass die dort anzutreffende Kommunikation in Form von konservierten Beiträgen zur Verfügung steht und sich damit in authentischer und gleichzeitig dauerhaft überprüfbarer Form als Material anbietet.
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert den Fokus auf die neuen Medien und die Fragestellung nach der Medialität von Sprache in sozialen Netzwerken.
2. Sprachwandel: Dieses Kapitel behandelt theoretische Grundlagen des Sprachwandels, einschließlich des Ökonomieprinzips und linguistischer Ansätze wie des Piotrowski-Gesetzes.
3. Jugendsprache: Hier wird der soziolinguistische Begriff der Jugendsprache kritisch analysiert und deren Abgrenzung zur Standardsprache diskutiert.
4. Mündlichkeit und Schriftlichkeit: Das Kapitel widmet sich der theoretischen Abgrenzung von Mündlichkeit und Schriftlichkeit sowie deren Verschränkung in den neuen Medien.
5. Eine Fallstudie anhand des SchülerVZ: Der empirische Teil untersucht spezifische sprachliche Phänomene im SchülerVZ, die sich durch Ökonomie, Kompensation und Kreativität auszeichnen.
6. Schlußbetrachtung: Die Schlußbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert das Potenzial für künftige linguistische Forschungen.
Sprachwandel, Jugendsprache, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Soziales Netzwerk, SchülerVZ, Internetkommunikation, Sprachökonomie, Phonetische Orthographie, Sprachspielerei, Medienlinguistik, Identitätsstiftung, Soziolekt, Mediale Realisation, Digitale Kommunikation.
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung der Sprache in sozialen Netzwerken, speziell im SchülerVZ, und hinterfragt die Anwendbarkeit klassischer linguistischer Konzepte von Mündlichkeit und Schriftlichkeit auf die moderne digitale Kommunikation.
Die Schwerpunkte liegen auf linguistischen Theorien zum Sprachwandel, der Definition und soziolinguistischen Einordnung der Jugendsprache sowie der Analyse der Interaktion zwischen mündlichen und schriftlichen Sprachmerkmalen.
Das Ziel ist zu klären, ob heutige digitale Sprachäußerungen mit traditionellen Modellen erfasst werden können oder ob sie neuartige, verschmelzende Formen generieren, die ein angepasstes begriffliches Instrumentarium erfordern.
Der Autor führt empirische Fallstudien durch und analysiert authentische, archivierte Beiträge aus dem SchülerVZ-Netzwerk, wobei er diese unter verschiedenen theoretischen Perspektiven auswertet.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Abschnitte zu Sprachwandel und Medialität sowie einen empirischen Teil, der die ökonomische, kompensatorische und kreative Verwendung von Sprache (z.B. Emoticons, phonetische Schreibung) im SchülerVZ untersucht.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Sprachökonomie, SchülerVZ, Jugendsprache, Mediale Realisation, Soziolekt und die "Nähe-Distanz"-Theorie nach Koch/Oesterreicher.
Das SchülerVZ wird als ideale Korpusgrundlage bezeichnet, da es ein geschlossenes, "erwachsenenfreies" Umfeld bietet, das authentische Kommunikation von Jugendlichen in konservierter, jederzeit überprüfbarer Form zugänglich macht.
Sie wird als eine der auffälligsten Sprachbesonderheiten im SchülerVZ identifiziert, bei der die Schreibweise stark am lautlichen Klang orientiert ist, um die mündlichen Aspekte der Sprache im schriftlichen Medium zu kompensieren.
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