Bachelorarbeit, 2022
50 Seiten, Note: 1,3
Die vorliegende Bachelorarbeit befasst sich mit einer Gegenüberstellung von Pornographie und dem Sexualverhalten von Jugendlichen. Im Fokus stehen dabei die mediale Darstellung pornographischer Inhalte, das individuelle Erleben und die Medienkompetenz der Jugendlichen. Die zentrale Forschungsfrage lautet: "Welche Kenntnisse, Fähigkeiten und Einstellungen zeichnen kompetenten Umgang mit sexueller Viktimisierung in Onlinekommunikation und Pornographie aus?" Ziel ist es, auf Basis empirischer Untersuchungen eine Datenlage zu Fakten-, Handlungs- und reflexivem Wissen zu schaffen und Empfehlungen für die Entwicklung sexualbezogener Medienkompetenz abzuleiten.
5.1 Begriffsverständnis von Pornographie
„Der Begriff Pornografie setzt sich aus den griechischen Wörtern ‚porne‘ (=Hure) und ‚graphein' (=schreiben) zusammen und bedeutet übersetzt ‚über Huren schreiben'. Lexika definieren Pornografie allgemein als Darstellung sexueller Inhalte.“ (Vogelsang, 2017, S. 22). Aufgrund dessen, dass jede Gesellschaft, jede Untergruppe der Gesellschaft und demnach auch jeder Mensch seine eigene Vorstellung davon hat, was Pornographie ist, gibt es keine allgemein anerkannte Definition von Pornographie. Zahlreich in der Literatur zu finden sind wertende Definitionen. Diese sind meist an konnotierte ästhetische und/oder ethisch/moralische Bewertungskriterien gekoppelt. Im Duden Fremdwörterbuch wird Pornographie als „obszön‘ definiert. Eine ausführliche inhaltliche Begriffsbestimmung, welche in der wissenschaftlichen Fachliteratur bereits mehrfach zur Definition des Begriffs Pornographie verwendet wurde und ebenso eine genaue Eingrenzung vornimmt, mündet bei Zillmann (2004). Laut Zillmann beschreibt Pornographie die „Darstellungen sexuellen Verhaltens jeglicher Art, das von jeder denkbaren Zusammensetzung handelnder Akteure ausgeführt wird.“ (Zillmann 2004, S. 568). Dabei steht der „Geschlechtsverkehr zwischen Menschen als gezielte Verhaltensweise“ (ebd. S. 568, Herv. i.O.) im Mittelpunkt. Pornographie schließt „dem Verkehr verordnete Handlungen ein, ebenso Abweichungen von heterosexuellem Verkehr (z.B. Masturbation oder homosexueller Verkehr)“ (ebd.) und umfasst „jede denkbare Konfiguration beteiligter Subjekte (z.B. hinsichtlich der Anzahl menschlicher oder nicht-menschlicher Teilnehmer)" (ebd.). Sexuelle Erregung als Zweck und Ziel von Pornographie können zusätzlich den Bereich der funktionalen Ebene miteinbeziehen (vgl. Döring 2011, S.232). Welche Motive tatsächlich hinter Pornographie stecken und welche Wirkung Pornographie auf Rezipient*innen hat, ist unterschiedlich. Auf der einen Seite soll Pornographie anregen wollen, aber dies durchaus nicht können. Auf der anderen Seite ist die empirisch hinreichende Prüfung dessen schwierig bis unmöglich (vgl. Starke 2010, S.14).
Benötigt wird also eine Definition, die mit Berücksichtigung der funktionalen Ebene explizit formuliert, dass dieses Kriterium nur eingeschränkt gilt. Döring (2011) konnte dieses Problem aufschlüsseln und geht davon aus, dass Pornographie nicht nur, sondern hauptsächlich zum Zweck der sexuellen Stimulation produziert und übernommen wird (vgl. S.232).
Deutlich wird, dass der Begriff Pornographie nicht leicht zu greifen ist. Aufgrund dessen, dass moralische und ästhetische Wertungen individuell unterschiedlich sind und die subjektiven Vorstellungen von Sexualität variieren, sind wertende Definitionskriterien für eine objektive Definition unbrauchbar. Ebenso ist eine negativ wertende Pornographie-Definition verwerflich, da das heutige Kompetenz- bzw. Bildungsverständnis von einer pauschalen Negativbewertung absieht (vgl. Döring 2011, S.231). Ein weiterer Faktor ist die kompetente Nutzung von Medien, welche sich durch die Bedürfnisse und den eigenen Geschmack der Rezipient*innen zeigt. Dadurch wählen sie selbstbestimmt, inwiefern die Medieninhalte ethisch vertretbar sind und wie sie diese vor dem Maßstab sozialer Verantwortlichkeit bewerten. Die eigene Entscheidung der Rezipient*innen legt demnach fest, welche Wertung sie Pornographie zuschreiben. Mit einer beschreibenden und damit wertneutralen Definition ist es möglich die Pornographienutzung von Jugendlichen nicht nur mit möglichen Risiken zu betrachten, sondern auch mit Chancen bzw. Nutzungspotenzialen (vgl. Vogelsang 2017, S.24). Aufgrund dieser Betrachtung werden in dieser wissenschaftlichen Ausarbeitung die inhaltlichen Aspekte von Zillmann und die von Döring angesprochene ‚eingeschränkt geltendeʻ funktionale Ebene vereint.
1. Abstract: Fasst die zentrale Fragestellung der Arbeit zusammen, die sich mit der Gegenüberstellung von Pornographie und Sexualverhalten Jugendlicher befasst, und betont die Rolle von Medienkompetenz.
2. Vorwort: Erläutert die persönliche Motivation der Autorin, sich mit Tabuthemen wie Pornographie und sexueller Viktimisierung zu beschäftigen, und beleuchtet die eigene Entwicklung der sexuellen Identität in diesem Kontext.
3. Einleitung: Führt in die Forschungsthemen sexuelle Viktimisierung in Onlinekommunikation und Pornographie ein und diskutiert die potenziellen Risiken und Chancen für Jugendliche im Kontext ihrer sexuellen Sozialisation.
4. Sexuelle Viktimisierung: Definiert verschiedene Formen sexueller Übergriffe in der Onlinekommunikation und diskutiert den umfassenden Begriff der sexuellen Viktimisierung sowie dessen Merkmale und Auswirkungen.
5. Pornographie: Untersucht das Begriffsverständnis von Pornographie aus verschiedenen Perspektiven, einschließlich juristischer Definitionen und der Sichtweise von Jugendlichen, sowie die Vielfalt des Pornographie-Angebots.
6. Pornographie und Studierende: Analysiert quantitative und qualitative Studien zum Pornographiekonsum und Masturbationsverhalten von Studierenden, um Veränderungen im Sexualverhalten mit zunehmendem Alter zu beleuchten.
7. Sexuelle Musikvideos: Diskutiert die Rolle von sexuell konnotierten Musikvideos als Teil medialer Sexualisierung und deren Wirkungsmuster auf junge Menschen, wobei Geschlechterstereotype aufgezeigt werden.
8. Aktueller Forschungsstand: Gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu sexueller Viktimisierung in Onlinekommunikation und Pornographie, beleuchtet Unterschiede zwischen Geschlechtern und identifiziert Wissenslücken bei Jugendlichen.
9. Sexualität: Erörtert die Definition von Sexualität aus biologischer, psychologischer und soziokultureller Sicht und beschreibt die sexuelle Sozialisation sowie die Entwicklung sexueller Identität im Jugendalter.
10. Stellenwert von Medien im Sozialisationsprozess: Analysiert die Mediatisierung der Gesellschaft und die Rolle digitaler Medien bei der sexuellen Sozialisation Jugendlicher, einschließlich sexueller Onlinekommunikation und Pornographie.
11. Fazit: Zieht Schlussfolgerungen zur Problematik des Begriffs Pornographie, fordert eine Neubewertung und Anpassung der Gesetzeslage sowie eine stärkere Fokussierung der Pädagogik auf Chancen und Selbstbestimmung im Umgang mit sexualbezogenen Medien.
Pornographie, Sexualverhalten, Jugendliche, Medienkompetenz, sexuelle Viktimisierung, Onlinekommunikation, sexuelle Sozialisation, sexuelle Identität, Pädagogik, Prävention, Geschlechterrollen, digitale Medien, Selbstbestimmung, Mediennutzung, Risiko- und Chancenpotenziale
Diese Arbeit beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Pornographie und dem Sexualverhalten von Jugendlichen, insbesondere im Hinblick auf mediale Darstellungen, individuelles Erleben und die Entwicklung von Medienkompetenz.
Die zentralen Themenfelder sind die mediale Darstellung pornographischer Inhalte, das individuelle Erleben und die Medienkompetenz Jugendlicher, sexuelle Viktimisierung in der Onlinekommunikation sowie die Chancen und Risiken sexualbezogener Mediennutzung.
Das primäre Ziel ist es, eine Datenlage zu Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen von Jugendlichen im Umgang mit sexueller Viktimisierung und Pornographie zu schaffen und daraus Empfehlungen für die Förderung sexualbezogener Medienkompetenz abzuleiten. Die Forschungsfrage lautet: „Welche Kenntnisse, Fähigkeiten und Einstellungen zeichnen kompetenten Umgang mit sexueller Viktimisierung in Onlinekommunikation und Pornographie aus?“
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse bestehender quantitativer und qualitativer Studien, Expert*innenbefragungen sowie eine quantitative Befragung von Jugendlichen.
Der Hauptteil behandelt umfassend das Begriffsverständnis von Pornographie, die juristische Definition, das Spektrum des Pornographie-Angebots, den Pornographiekonsum bei Studierenden, die Rolle sexueller Musikvideos, den aktuellen Forschungsstand zu sexueller Viktimisierung und Pornographie, sowie die Entwicklung von Sexualität und sexueller Identität im Kontext medialer Sozialisationsprozesse.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Pornographie, Sexualverhalten, Jugendliche, Medienkompetenz, sexuelle Viktimisierung, Onlinekommunikation, sexuelle Sozialisation und Identitätsentwicklung.
Aus juristischer Sicht ist eine Darstellung dann pornographisch, wenn sexuelle Vorgänge in grob aufdringlicher, anreißerischer Weise durchgeführt werden und primär auf die Aufreizung sexuellen Triebes abzielen, wobei die Grenzen des sexuellen Anstands eindeutig überschritten werden.
Sexuelle Sozialisation wird als lebenslanger Prozess beschrieben, in dem sexuelles Denken, Fühlen und Handeln im Zusammenspiel von Individuum und Gesellschaft ausgehandelt und entwickelt werden, wobei Medien eine immer wichtigere Rolle als Informations- und Erfahrungsräume spielen.
Die Befragung von Expert*innen diente dazu, ein Kompetenzraster für den Umgang Jugendlicher mit sexualbezogenen Medien zu entwickeln, während die Befragung von Jugendlichen Einblicke in deren tatsächliche Kenntnisse, Fähigkeiten und Einstellungen zu Pornographie und sexueller Viktimisierung gab, um Defizite aufzuzeigen.
Mainstream-Pornographie fokussiert sich oft auf das männliche Sexualvergnügen und stellt Geschlechtsakte entemotionalisiert und mechanisiert dar, während Non-Mainstream-Pornographie, wie Fem Porn, die weibliche Lust in den Vordergrund rückt und durch Blickkontakt zwischen Darsteller*innen und Kamera gekennzeichnet ist.
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