Examensarbeit, 2008
131 Seiten, Note: 2,0
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1. Einleitung
1.1 Zum Verhältnis von Sport und Staat
1.2 Zielsetzung und Methode
1.3 Forschungsstand und Quellen
2. Sport als Instrument der Vorbereitung auf den Krieg
2.1 Der Sport- und Wehrsport-Gedanke des „Turnvaters“ Jahn
2.2 Sport und Erster Weltkrieg
2.3 Die Rolle des Sports in der NS-Ideologie
2.4 Leibeserziehung in Schule, Eliteschule und Hochschule
2.5 Der Sport in HJ und BdM
2.6 SA, SS und der Sport
2.7 Sport in Reichswehr und Wehrmacht
2.8 „Kraft durch Freude“ (KdF): Ertüchtigung der arbeitenden Bevölkerung
2.9 Zusammenfassung: Sport im Dienst der nationalsozialistischen Innenpolitik
3. Sport als Waffe der Außenpolitik
4. Die Inszenierung des Sports in den Medien
5. Sport als Ablenkungsmittel und Gemeinschaftserlebnis im Kriegsalltag
6. Der instrumentalisierte Sport auf seinem Weg in und durch den Zweiten Weltkrieg
6.1 Vorkriegsstadium: Der Anschluss Österreichs und des Sudentenlandes
6.2 Die Kriegsjahre 1939-1941
6.2.1 Im Sport gilt: Weitermachen!
6.2.2 Zwischen scheinbarer Normalität und Barbarossa
6.2.3 Erste Einschränkungen und Anpassungen des Sports an den Kriegsalltag
6.2.4 Die Propaganda und der Fallschirmjäger Max Schmeling
6.2.5 Sport auf internationaler Ebene
6.3 Die Kriegsjahre 1941-1943
6.3.1 Die Fassade der Normalität beginnt zu bröckeln
6.3.2 Der nationale Sportbetrieb im sich ausweitenden Krieg und seine propagandistische Vermittlung
6.3.3 Weitere Einschränkungen und Kriegsanpassungen des Sportlebens
6.3.4 Letzte internationale Begegnungen
6.3.5 Aktion „Soldatenklau“
6.3.6 Kriegssportmannschaften auf dem Vormarsch
6.4 Die Kriegsjahre 1943-1945
6.4.1 „Totaler Krieg“
6.4.2 Der langsame Untergang des nationalen Sports
6.4.3 Letzte Einschränkungen und Kriegsanpassungen des Sportbetriebs
7. Sport hinter Stacheldraht – in KZs und Lagern deutscher Kriegsgefangener
8. Schlussbetrachtung und Ausblick
Die Arbeit untersucht den bisher wenig erforschten Weg des deutschen Sports während des Zweiten Weltkriegs unter dem Fokus der Instrumentalisierung durch das nationalsozialistische Regime. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie es dem totalitären Staat gelang, den Sport als Mittel für Kriegsanstrengungen, Propaganda, psychologische Stabilisierung und wehrpolitische Ziele effektiv zu nutzen.
1.1 Zum Verhältnis von Sport und Staat
Was haben Sport und Politik gemeinsam? In einem modernen demokratischen Staat lässt sich diese Verbindung in der Regel auf einen rudimentären Bezug reduzieren, der dem Sport in wesentlichen Zügen seine Unabhängigkeit erhält, obwohl es selbstverständlich gewisse grundlegende staatliche Einflüsse und Förderungen geben kann. Anders verhält es sich dagegen in einem totalitären Staatsgebilde, dessen Herrschaft der Idee nach gerade seines anti-individualistischen, anti-positivistischen und zugleich anti-naturrechtlichen Totalitätsanspruchs wegen grenzenlos ist. Seiner Zugriffsgewalt ist jeder einzelne Mensch, jede Institution und jede Lebenssphäre – somit auch der Sport - unterworfen. Wer als Individuum oder Institution der Ideologie eines solchen Staates entgegensteht, ist automatisch Staatsfeind.
Sport als „Handlungs-, Verwirklichungs- und Anspruchsraum im Gefolge einer herrschenden Ideologie“ - das ist ein dem klassischen Sportgedanken deutlich widerstrebendes Gebilde, das jedoch in der Weltgeschichte und besonders im 20. Jahrhundert immer wieder aufgetaucht ist. Zu nennen wäre hier das faschistische Italien oder der subtilere Totalitarismus der sowjetisch gelenkten DDR. Aber auch im antiken Sparta, wo der Erziehung des jungen Körpers für den späteren Heeresdienst große Bedeutung zugemessen wurde, fanden sich bereits Grundzüge dieses Phänomens. Jedoch gehört es keineswegs ausschließlich der Vergangenheit an, sondern kann noch heute von durchaus heikler Aktualität sein. Man denke an die ebenso pompös wie rigoros inszenierten Olympischen Spiele 2008 in Peking mit ihren spektakulären Aufmärschen und Vorführungen sowie an die in China praktizierte, mitunter kasernenhofartige Sporterziehung der Athleten von frühesten Kindestagen an.
1. Einleitung: Definiert das grundlegende Spannungsfeld zwischen Sport und totalitärer Politik sowie die Zielsetzung und methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2. Sport als Instrument der Vorbereitung auf den Krieg: Analysiert die historischen Wurzeln der wehrsportlichen Ertüchtigung und deren ideologische Integration in NS-Organisationen.
3. Sport als Waffe der Außenpolitik: Untersucht die diplomatische Nutzung des Sports zur Repräsentation der nationalsozialistischen Stärke und zur Vermeidung internationaler Isolation.
4. Die Inszenierung des Sports in den Medien: Beleuchtet die propagandistische Aufbereitung sportlicher Großereignisse in Film, Rundfunk und Presse.
5. Sport als Ablenkungsmittel und Gemeinschaftserlebnis im Kriegsalltag: Erörtert die stabilisierende Wirkung des Sports für Heimat und Front sowie die Suggestion von Normalität.
6. Der instrumentalisierte Sport auf seinem Weg in und durch den Zweiten Weltkrieg: Dokumentiert chronologisch die Entwicklung des Sports in den verschiedenen Phasen des Krieges bis zum Zusammenbruch.
7. Sport hinter Stacheldraht – in KZs und Lagern deutscher Kriegsgefangener: Kontrastiert die organisierte Sportausübung in Lagern unter zynischen Bedingungen mit dem offiziellen NS-Sport.
8. Schlussbetrachtung und Ausblick: Führt die Erkenntnisse zusammen und reflektiert die Instrumentalisierung des Sports als machtstabilisierendes, aber kriegsbedingt widersprüchliches Phänomen.
Nationalsozialismus, Sportgeschichte, Instrumentalisierung, Zweiter Weltkrieg, Leibeserziehung, Propaganda, wehrsportliche Ausbildung, Totalitarismus, NS-Ideologie, Kriegsalltag, Medien, Soldatenmannschaften, Sportfunktionäre, Fußball, Sportpolitik.
Die Arbeit analysiert die systematische Instrumentalisierung des Sports durch das nationalsozialistische Regime im Kontext des Zweiten Weltkriegs.
Zu den Kernbereichen gehören die Verbindung von Sport und NS-Ideologie, die Rolle des Sports in der Propaganda, die wehrsportliche Erziehung der Jugend und die Nutzung des Sports zur Ablenkung im Kriegsalltag.
Das Ziel ist es, den historischen Prozess zu verstehen, wie ein totalitärer Staat den Sport effektiv in seine Kriegsanstrengungen einband und warum der Sport trotz Kriegseinwirkungen bis in die Endphase des Regimes gefördert wurde.
Die Untersuchung kombiniert systematische Analysen der NS-Ideologie mit einer chronologischen Darstellung der sportlichen Entwicklung unter sich wandelnden Kriegsbedingungen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Analyse der Sportförderung in verschiedenen NS-Organisationen sowie einen chronologischen Teil, der die Entwicklung von den Vorkriegsjahren über die Blitzsiege bis hin zum Totalen Krieg und dem Untergang dokumentiert.
Wichtige Begriffe sind Nationalsozialismus, Sportinstrumentalisierung, wehrsportliche Erziehung, Propaganda und Kriegssport.
Propaganda zielte darauf ab, Siege als Beweis nationalsozialistischer Stärke darzustellen und durch die Inszenierung von Sportevents Normalität zu suggerieren, um die Moral der Bevölkerung und der Soldaten zu festigen.
Ja, in einigen Lagern wurde Sport durch die SS gestattet, oft jedoch als Mittel der Schikane oder zur Erhaltung der Arbeitskraft für die Rüstungsindustrie, wobei jüdische Häftlinge meist von diesen Privilegien ausgeschlossen blieben.
Während Sportler zu Beginn des Krieges noch relativ leicht Sonderurlaub erhielten, wurden solche Privilegien mit zunehmender Kriegsdauer und dem Mangel an Soldaten kritisch gesehen, was zu einer konsequenteren Einziehung von Sportlern an die Front führte.
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