Diplomarbeit, 2006
159 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
2. Eine Annäherung an die Geschlechterforschung
2.1 Geschlechtsunterschiede aus biologischer Sicht
2.1.1 Der männliche Organismus
2.2 Gender Studies
2.2.1 Gender Mainstreaming
2.2.2 Gender mit Blick auf „den“ Mann
2.3 Die kritische Männerforschung
2.3.1 Männer und Männlichkeiten
2.3.2 Männlichkeiten und die hegemoniale Männlichkeit
3. Die Entwicklung von Männlichkeit
3.1 Das männliche Leitbild als gesellschaftliche Vorgabe
3.2 Die historisch prägende Ausbildung der männlichen Geschlechtsrolle
3.3 Die Entwicklung der männlichen Geschlechtsidentität
4. Die gegenwärtige Krise der Männlichkeit
4.1. Die Krisenanfälligkeit innerhalb der Macht- und Produktionsbeziehungen sowie emotionaler Bindungsstrukturen
4.2 Männer als gesellschaftliche Risikogruppe
4.2.1 Männer und ihre Gesundheit
4.2.2 Männliche Gewalt und Straftaten
5. Männer auf dem Weg zu einem neuen Selbstverständnis
5.1 Neue Männerbewegungen im literarischen Überblick
5.2 Männerbewegung und Geschlechterdemokratie
6. Die „Spezies“ Mann in der empirischen Befragung
6.1 Heutige Männertypen, ihre Lebensinszenierung und Entwicklung
6.2 Heutige Männer zwischen Familie, Haushalt und Beruf
6.2.1 Scheidungsväter
6.2.2 Pflegende Männer
6.3 Die Nichtverantwortung des Staates
6.4 Mögliche Veränderungsperspektiven von Männlichkeit
7. Männer im religiösen Kontext
7.1 Statistische Erkenntnisse über das Verhältnis von Männern zu Religion und Kirche
7.1.1 Männer und die Evangelische Kirche
7.1.2 Männer in der Beschäftigungsstatistik der Evangelischen Kirche
7.2. Statistische Erkenntnisse über die Religiosität Jugendlicher
8. Ein Versuch zur Bestimmung von Religionspädagogik
8.1 Die Geschichte der Religionspädagogik
8.2 Gegenstand, Profil und normativer Bezug
8.3 Selbstverständnis, Wissenschaftsbezug bzw. Verortung
8.4 Wesentliche Aspekte religiösen Lernens
8.4.1 Entwicklung und Entstehung von Religiosität
8.4.2 Religionsdidaktische Grundprinzipien
8.5 Religionspädagogik und Genderperspektive
8.5.1 Religiöse Sozialisation
9. Die (religions-)pädagogische Arbeit mit Jungen und Männern als Krisenintervention (?) und Orientierungshilfe
9.1 Die Anfänge der Jungenarbeit
9.2 Jungenarbeit heute - eine Standortbestimmung
9.2.1 Modelle und Ansätze von Jungenarbeit im Überblick
9.3. Zielhorizonte in der praktischen (religions-)pädagogischen Arbeit mit Jungen
9.3.1 Methoden und Zielgruppenmotivation in der Jungenarbeit
9.4 Männerarbeit in der Evangelischen Kirche
9.4.1 Neuanfänge kirchlicher Männerarbeit
9.4.2 Konzeptionelle Neuorientierung
9.5 Chancen und Grenzen von Frauen in der (religions-)pädagogischen Arbeit mit Jungen und Männern
9.5.1 Einfluss- und Vermittlungsmöglichkeiten als Pädagogin auf Jungen und Männer
9.6 Kritische Aspekte zum Konzept der geschlechtshomogenen Jungen- und Männerarbeit
9.7 Genderkompetenz in der pädagogischen Arbeit
9.8 Institutionelle Rahmenbedingungen
10. Männer-Bilder in der praktischen religionspädagogischen Arbeit
10.1 Biblische Männer-Bilder in der Arbeit mit Kindern
10.1.1 Die Abrahamgeschichte im Kindergottesdienst
10.2 Männer-Bilder und ihre Vielfalt in der Arbeit mit kirchenfernen Männern
10.2.1 Manns-Bilder - ein Fotowettbewerb als Chance zur Auseinandersetzung mit der Vielfalt männlicher Lebenswelten
11. Schlussbemerkung
12. Literatur
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen, die "Männer-Bilder" für die religionspädagogische Praxis darstellen, und strebt danach, Voraussetzungen für ein geschlechtsdemokratisches Miteinander zwischen den Geschlechtern zu klären.
2. Eine Annäherung an die Geschlechterforschung
Die moderne Geschlechterforschung ist aus der Frauenforschung hervorgegangen. Im Jahr 1949 veröffentlichte die Philosophin und Schriftstellerin Simone de Beauvoir ein Buch mit dem Titel „Das andere Geschlecht“ und arbeitete die Geschlechterverhältnisse, die historisch unüberwindbar - weil natürlich - schienen, heraus. Ihre Aussage: „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es“, betont das soziale und kulturelle „Werden und Gewordensein“ des Geschlechts als konstruiert und kann nach heutigen Erkenntnissen ebenso auf das männliche Geschlecht übertragen bzw. angewendet werden und ist bei vielen Geschlechterforscherinnen und – forschern Ausgangslage für weitere Überlegungen und Untersuchungen.
Seit Mitte der 70er Jahre betrachtet nun die Geschlechterforschung das Verhältnis zwischen Männern und Frauen als soziale, geschlechtsspezifische Beziehung und untersucht unter diesem Sachverhalt die historische Herausbildung und kulturellen Darstellungen von Geschlechterrollen. Als Ansatz der Forschung gilt das „Konzept der sozialen Konstruktion von Geschlecht“ mit dem Gegenstand der wahrgenommenen Ungleichheit in den Geschlechterbeziehungen - in Anlehnung an Beauvoirs, welches in diesem Kapitel näher betrachtet wird.
Als interdisziplinär angelegte Wissenschaftsdisziplin nimmt die moderne Geschlechterforschung Ergebnisse verschiedener Lehr- und Forschungsgebiete auf. Dazu gehören im Wesentlichen die Geschichtswissenschaft, die historische Anthropologie, die Kulturwissenschaften, die Ethnologie, die Philosophie, die Psychologie, die Religionswissenschaft, die Soziologie als auch die Politikwissenschaft. Die aktuellen und zum Teil auch umstrittenen Erkenntnisse dieser Forschungsrichtungen können hier nur in geringer Form, auf Grund des immensen Umfangs, berücksichtigt werden. In Bezug auf das männliche Geschlecht sollen im weiteren Verlauf dieses Kapitels wesentliche Anhaltspunkte aus der Geschlechterforschung einen groben Überblick verschaffen.
1. Einleitung: Die Arbeit hinterfragt die normierte Wertung von "echten Männern" und sucht nach Grundlagen für ein geschlechtsdemokratisches Miteinander in der religionspädagogischen Arbeit.
2. Eine Annäherung an die Geschlechterforschung: Dieses Kapitel fundiert das Verständnis von Geschlecht als soziale Konstruktion und führt in wichtige Konzepte wie Gender Mainstreaming und die kritische Männerforschung ein.
3. Die Entwicklung von Männlichkeit: Hier werden historisch geprägte männliche Leitbilder sowie die Ausbildung von Geschlechtsrollen und Identitäten analysiert.
4. Die gegenwärtige Krise der Männlichkeit: Das Kapitel beleuchtet strukturelle gesellschaftliche Veränderungen, die zu Identitätskrisen bei Männern führen und sie teils als Risikogruppe positionieren.
5. Männer auf dem Weg zu einem neuen Selbstverständnis: Es werden verschiedene Ansätze der Männerbewegung und deren Auswirkungen auf die Geschlechterdemokratie diskutiert.
6. Die „Spezies“ Mann in der empirischen Befragung: Basierend auf statistischen Untersuchungen werden unterschiedliche Männertypen und ihr Verhalten in Familie, Beruf und bei persönlichen Krisen wie Scheidungen dargestellt.
7. Männer im religiösen Kontext: Das Kapitel analysiert das oft spannungsreiche Verhältnis von Männern zur Religion und zur Kirche auf Basis statistischer Daten.
8. Ein Versuch zur Bestimmung von Religionspädagogik: Es erfolgt eine theoretische Bestimmung der Religionspädagogik als Disziplin sowie eine Betrachtung ihrer Bedeutung für das religiöse Lernen.
9. Die (religions-)pädagogische Arbeit mit Jungen und Männern als Krisenintervention (?) und Orientierungshilfe: Hier werden Modelle, Methoden und Zielhorizonte für eine geschlechtsbewusste pädagogische Praxis diskutiert.
10. Männer-Bilder in der praktischen religionspädagogischen Arbeit: Abschließend werden konkrete didaktische Möglichkeiten, wie die Arbeit mit biblischen Bildern oder Fotowettbewerben, vorgestellt.
Geschlechterforschung, Männlichkeit, Gender Mainstreaming, Jungenarbeit, Religionspädagogik, Geschlechterdemokratie, Sozialisation, Identität, Geschlechterrolle, Kritische Männerforschung, Kirchenferne, Lebenswirklichkeit, Transformation, Patriarchat, Bibeldidaktik.
Die Arbeit untersucht das Konstrukt „Männlichkeit“ und dessen Auswirkungen auf das tägliche Leben von Männern und Jungen, insbesondere im Kontext der religionspädagogischen Arbeit und Kirche.
Zentrale Themen sind die soziale Konstruktion von Geschlecht, die sogenannte Krise der Männlichkeit, Männerbewegungen, empirische Erkenntnisse zu Männertypen sowie die Herausforderungen für die moderne Jungen- und Männerarbeit in kirchlichen Strukturen.
Ziel ist es, Voraussetzungen für ein gleichwertiges und geschlechtsdemokratisches Miteinander zu identifizieren und konkrete religionspädagogische Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln, um Männer und Jungen professionell zu unterstützen.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse soziologischer, psychologischer und theologischer Theorien sowie der Auswertung empirischer Studien (u.a. Zulehner/Volz).
Der Hauptteil spannt den Bogen von theoretischen Grundlagen der Geschlechterforschung über die Analyse der Männlichkeitskrise bis hin zu spezifischen praktischen Ansätzen wie der Jungenarbeit und der Arbeit mit biblischen Texten.
Die wesentlichen Begriffe umfassen Männlichkeit, Geschlechterforschung, Jungenarbeit, Religionspädagogik, Gender Mainstreaming und Geschlechterdemokratie.
Die Abrahamgeschichte dient als Beispiel, um aufzuzeigen, wie biblische Texte in einem patriarchalen Kontext stehen, und wie diese didaktisch so umgestaltet werden können, dass eine geschlechtergerechte Wahrnehmung gefördert wird.
Die Arbeit versteht die Kirche als Institution, die sich angesichts gesellschaftlichen Wandels kritisch reflektieren muss, um Männer wieder als Zielgruppe für religiöse Bildungsangebote zu gewinnen und Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern vorzuleben.
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