Bachelorarbeit, 2021
51 Seiten, Note: 1,5
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1 Einleitung
2 Ursula Wolfs Ethik der Mensch-Tier-Beziehung
2.1 Multikriterielle Mitleidsethik: Form, Inhalt, Motivation
2.2 Wohlbefinden und Rechte
2.3 Mensch-Tier-Beziehung: Fürsorgepflicht und spezielle Verpflichtung
2.4 Konflikte und Leid
3 Kritische Betrachtung der Haltung und Nutzung von Tieren
3.1 Problematik des Leidens im mitleidsethischen Ansatz
3.1.1 Der Leidensbegriff
3.1.2 Die Rolle der moralischen Akteur:innen
3.2 Freiheit, Autonomie und Abhängigkeit
3.2.1 Freiheit
3.2.2 Autonomie und Selbstständigkeit
3.2.3 Abhängigkeit und Eigentum
4 Fazit und Ausblick
Diese Bachelorarbeit untersucht kritisch die tierethische Theorie von Ursula Wolf, insbesondere im Hinblick auf die moralische Vertretbarkeit der Haltung und Nutzung von Tieren. Die Forschungsfrage hinterfragt, ob Wolfs mitleidsethischer Ansatz die mit der Haltung und Nutzung einhergehende Einschränkung von Freiheit und Selbstständigkeit der Tiere hinreichend rechtfertigen kann.
3.1.1 Der Leidensbegriff
Zur Betrachtung Wolfs pathozentristischer Argumentation muss der Begriff ‚Leid‘ genauer untersucht werden. Wie zuvor dargestellt versteht Wolf ‚Leid‘ „als subjektives Leiden unter einer Beeinträchtigung des Wohlbefindens“ (Wolf 2018: 147). Wie schon das Wohlbefinden subjektiv erfahren wird, so ist auch das Leiden subjektiv relevant für das empfindende Wesen.
Mit dieser Art der Definition zeigen sich jedoch zwei mögliche Probleme: einerseits handelt es sich hier um einen Zirkel. Wolf versucht also, mit dem zu definierenden Begriff den Begriff zu definieren. Diese Schwierigkeit wird verschärft, indem Wolf verschiedene Leiden und Leidensarten gegeneinander aufwiegt. Einerseits sei der „entscheidende Bezugspunkt der moralischen Zulässigkeit […] das Wohlbefinden oder gute Leben, nicht punktuelle Zustände von Lust und Unlust“ (Wolf 2018: 94). Dabei müsste man die Wirkung jedes Leidens auf das ganze Leben betrachten, da dieses von höher entwickelten Wesen erinnert wird und sich auch auf zukünftige Handlungen ausdehnt. Andererseits postuliert sie, dass „eine Minderung des Wohlbefindens in einer der zentralen Lebensdimensionen weniger schlimm“ sei als eine vollständige Verhinderung, „auch dann, wenn sie durchgängig besteht“ – vorausgesetzt, es gäbe eine Alternative der Befriedigung (Wolf 2018: 109). Das bedeutet, dass jede Minderung des Wohlbefindens theoretisch damit gerechtfertigt werden kann, dass diese Dimension ansonsten verhindert würde. Somit unterscheidet Wolf zwar zwischen punktuellem und langfristigem Leiden, relativiert hingegen das langfristige Leiden gegenüber dem völligen Verhindern. Man stelle sich hierzu einen Hund vor, der in Anbindehaltung entsprechend dem deutschen Gesetz lebt (Tierschutz-Hundeverordnung Deutschland 2001). Der Hund wurde als Wachhund angeschafft. Da der Hund groß genug ist, um über den Zaun zu springen und schon öfter Ausflüge über die Grenzen des Grundstücks hinausgewagt hat, wurde der Hund dauerhaft angebunden. Er wird regelmäßig und qualitativ hochwertig gefüttert, wird medizinisch versorgt, bekommt Streicheleinheiten und Spielzeug zur Verfügung gestellt und hat Zugang zu einer überdachten Hütte entsprechend seiner Größe. Die zu betrachtende Dimension sei die Bewegungsfreiheit.
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die zunehmende Relevanz der Mensch-Tier-Beziehung im philosophischen Diskurs und stellt die Forschungsfrage bezüglich der moralischen Vertretbarkeit von Tierhaltung und -nutzung im Rahmen von Wolfs Ethik.
2 Ursula Wolfs Ethik der Mensch-Tier-Beziehung: Dieses Kapitel stellt Wolfs mitleidsbasierte Moraltheorie vor, die das subjektive Wohlbefinden und Rechte von Tieren ins Zentrum rückt und eine Fürsorgepflicht für domestizierte Tiere begründet.
3 Kritische Betrachtung der Haltung und Nutzung von Tieren: Der Hauptteil hinterfragt kritisch zentrale Konzepte wie den Leidensbegriff, Freiheit und Abhängigkeit innerhalb der Mensch-Tier-Beziehung, insbesondere unter dem Aspekt des Eigentumsstatus.
4 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass Wolfs Theorie trotz berechtigter Ansätze Probleme bei der Vereinbarkeit von Tierhaltung und tatsächlicher Freiheit der Tiere aufweist und schlägt eine Erweiterung durch Integritätskonzepte vor.
Tierethik, Ursula Wolf, Mitleidsethik, Mensch-Tier-Beziehung, Wohlbefinden, Leid, Freiheit, Selbstständigkeit, Domestizierung, Eigentumsstatus, Fürsorgepflicht, moralische Akteur:innen, Tiernutzung, Subjektivität, Interdisziplinäre Kognitionsforschung.
Die Arbeit analysiert kritisch die tierethische Theorie von Ursula Wolf, insbesondere ihren Ansatz der „Multikriteriellen Mitleidsethik“, um zu beurteilen, ob dieser in der Lage ist, die Haltung und Nutzung von Tieren moralisch zu rechtfertigen.
Zentrale Themen sind das subjektive Wohlbefinden von Tieren, die Bedeutung von Mitleid als moralischem Antrieb, die Auswirkungen von Abhängigkeit und Eigentum auf das Tier sowie die Frage nach Selbstständigkeit und Freiheit.
Ziel ist es zu untersuchen, ob Wolfs Theorie die Einschränkungen der natürlichen Fähigkeiten und der Freiheit von Tieren, die durch Haltung und Nutzung entstehen, konsistent und ethisch überzeugend rechtfertigen kann.
Es handelt sich um eine philosophische Arbeit, die primär auf einer Textanalyse und kritischen Auseinandersetzung mit Wolfs ethischen Thesen basiert und dabei durch vergleichende Einbeziehung weiterer tierethischer Literatur ergänzt wird.
Der Hauptteil analysiert die Rolle der moralischen Akteur:innen, problematisiert den Leidensbegriff und hinterfragt die Konzepte Freiheit, Autonomie und Abhängigkeit, wenn Tiere als Eigentum in eine Abhängigkeit von Menschen geraten.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Tierethik, Mitleidsethik, Wohlbefinden, Mensch-Tier-Beziehung, Freiheit und Eigentumsstatus charakterisieren.
Der Rechtsstatus des Tieres als Eigentum begründet eine problematische Asymmetrie, durch die Tiere Gefahr laufen, eher als instrumentelle Mittel zum Zweck denn als eigenständige moralische Subjekte behandelt zu werden.
Die Autorin weist darauf hin, dass Mitleid ein oft unreflektierter Affekt ist, der schwer zu verallgemeinern ist und bei Konflikten zwischen menschlichen Interessen und tierlichen Bedürfnissen an seine praktischen Grenzen stößt.
Die Autorin argumentiert, dass der Vergleich mit der Erziehung von Kindern hinkt, da Tiere ihr Leben lang unselbstständig in einem hierarchischen Abhängigkeitswahrhältnis verweilen, anstatt zu einer autonomen Lebensführung heranzuwachsen.
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