Magisterarbeit, 2008
90 Seiten, Note: 2.3
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1 Einleitung
2 Emotionen
2.1 Begriffsabgrenzung und Bestimmung der Erklärungsebene
2.2 Theoriegeschichtliche Entwicklung
2.2.1. Kognitivistisches Paradigma
2.2.2 Gefühlstheorien
2.3 Emotionstheoretisches Fazit
2.3.1 Komponentenbasierter Ansatz
2.3.2 Wahl der Perspektive
3 Ökonomie und Rationalität
3.1 Rationalität - ein weiter Begriff
3.2 Rationale Entscheidungstheorie und das Ultimatumspiel
3.3 Rationalität der Emotionen
3.3.1 Zweckrationalität
3.3.2 Werterationalität
3.4 Strategische Rationalität
4 Fazit
Die Arbeit untersucht, inwieweit Emotionen das wirtschaftliche Handeln bestimmen und welche Rolle sie innerhalb ökonomischer Zweckrationalität spielen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Emotionen die Zielsetzung von Handlungen prägen und inwiefern sie instrumentalisiert oder modifiziert werden können.
2.2.1. Kognitivistisches Paradigma
Historisch weiter zurückverfolgen lässt sich das kognitivistische Paradigma. Ein guter Einstieg lässt sich bei den Stoikern (300 v. Chr.) vornehmen, bei denen Emotionen (als Hindernis...) indirekt in das Zentrum einer strengen Tugendlehre rücken. Ein tugendhaftes Leben lässt sich in ihren Augen erst erlangen, wenn man sich völlig von den Einflüssen frei macht, die sich rationaler Kontrolle entziehen und uns somit (fremd-)bestimmen könnten. Insbesondere Chrysipp rückte Emotionen indirekt ins Zentrum seiner Theorie. Darin wurden Emotionen als fehlgeleitete Urteile über uns und die Welt angesehen, die zu unterbinden sind, um zu vernunftkontrollierten und angemessenen Urteilen zu gelangen. Bereits in diesem kurzen Anschnitt antiker Theoretisierung von Emotionen lässt sich eine enge Verbindung zwischen kognitiven Elementen (Urteilen) und Emotionen ausmachen. Mit diesem Gedanken möchte ich aus systematisch-ökonomischen Gründen den historischen Ausflug in die Antike beenden und die erwähnte Verbindung zu Urteilen als Ausgangspunkt zur Beschreibung dessen verwenden, was ich kognitivistisches Paradigma genannt habe.
Die oft als ,kognitiv' benannten und charakterisierten Theorien markieren einen wichtigen Forschungsbereich heutiger Emotionsforscher. Das Attribut ,kognitiv' bedeutet hier soviel wie, dass sich meine emotionale Reaktion an das Vorhandensein von gewissen Urteilen, Überzeugungen und Bewertungen koppelt. In diesem Paradigma werden Kognitionen als essenzielle Bestandteile von Emotionen angesehen. Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei der kognitiven Theorienbildung um eine recht verzeigte Strömung handelt. Bereits bei der Frage, ob man unter einer Kognition am ehesten Gedanken, Überzeugungen, Wünsche, Wahrnehmungen oder Urteile verstehen soll, gehen die Meinungen stark auseinander. Eine besonders markante These lautet: Emotionen sind Urteile. Sie wurde und wird von Robert Solomon postuliert. Ärger entsteht durch das Urteil, dass man beleidigt wurde, Traurigkeit durch das Urteil, dass einem etwas verloren gegangen ist, Furcht durch das Urteil, dass sich beispielsweise ein wilder Bär in der Nähe herumtreibt.
1 Einleitung: Darstellung der Forschungsfrage, inwieweit Emotionen unser wirtschaftliches Handeln bestimmen und wie sie in zweckrationale Entscheidungsmodelle integriert werden können.
2 Emotionen: Analyse der theoretischen Grundlagen von Emotionen, beginnend bei der historischen Wortentwicklung bis hin zu den kognitivistischen und gefühlstheoretischen Paradigmen.
2.1 Begriffsabgrenzung und Bestimmung der Erklärungsebene: Definition und semantische Eingrenzung des Emotionsbegriffs für die philosophische Untersuchungsebene.
2.2 Theoriegeschichtliche Entwicklung: Überblick über die historische Entwicklung der Emotionsforschung und die Herausbildung zweier primärer Theoriefelder.
2.2.1. Kognitivistisches Paradigma: Untersuchung der Auffassung, dass Emotionen im Wesentlichen auf kognitiven Prozessen wie Urteilen und Überzeugungen basieren.
2.2.2 Gefühlstheorien: Betrachtung der Theorie, dass Emotionen primär durch körperliche Wahrnehmungen und physische Veränderungen konstituiert werden.
2.3 Emotionstheoretisches Fazit: Zusammenführung der theoretischen Errungenschaften zur Vorbereitung der weiteren Untersuchung unter Einbezug von Jon Elsters Ansatz.
2.3.1 Komponentenbasierter Ansatz: Detaillierte Diskussion der einzelnen Komponenten von Emotionen, wie sie von Jon Elster vorgeschlagen werden.
2.3.2 Wahl der Perspektive: Reflexion darüber, welche Komponenten für die wissenschaftliche Betrachtung zentral sind und wie sich die persönliche Perspektive integrieren lässt.
3 Ökonomie und Rationalität: Verknüpfung ökonomischer Ansätze mit dem Rationalitätsbegriff und Identifikation von Kontaktbereichen zu emotionalen Einflüssen.
3.1 Rationalität - ein weiter Begriff: Definition verschiedener Rationalitätsformen nach Max Weber und deren Relevanz für den ökonomischen Ansatz.
3.2 Rationale Entscheidungstheorie und das Ultimatumspiel: Untersuchung von experimentellen Ergebnissen, die die Grenzen des klassischen Rationalitätsmodells aufzeigen.
3.3 Rationalität der Emotionen: Diskussion der Frage, unter welchen Umständen Emotionen selbst rational bzw. funktional sinnvoll sein können.
3.3.1 Zweckrationalität: Analyse der evolutionären Funktionen von Emotionen für die Anpassungsfähigkeit und Zielerreichung eines Individuums.
3.3.2 Werterationalität: Untersuchung der sinnstiftenden und zielprägenden Kraft von Emotionen bei der Planung und Lebensgestaltung.
3.4 Strategische Rationalität: Analyse, wie Emotionen aktiv instrumentalisiert werden können, um strategische Ziele zu erreichen oder Reputation zu formen.
4 Fazit: Abschließende Synthese der Ergebnisse über den Einfluss von Emotionen auf Entscheidungen und deren Bedeutung für die ökonomische Theoriebildung.
Emotionen, Ökonomie, Rationalität, Zweckrationalität, Wertrationalität, Strategische Rationalität, Kognitivismus, Gefühlstheorien, Komponentenansatz, Ultimatumspiel, Handlungsbereitschaft, Valenz, Emotionale Expressivität, Dispositionen, Involviertheit
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen Emotionen und ökonomischem Verhalten. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie Emotionen als Faktoren in rationalen Entscheidungsprozessen verstanden werden können.
Die Themen umfassen die theoretische Definition von Emotionen, den Vergleich zwischen kognitiven und gefühlstheoretischen Modellen sowie die Anwendung auf ökonomische Entscheidungstheorien und strategische Handlungsweisen.
Die Hauptfragestellung lautet, inwieweit Emotionen unser wirtschaftliches Handeln bestimmen und an welchen Stellen sie zweckrationale Entscheidungen stützen, beeinflussen oder modifizieren.
Der Autor stützt sich auf eine philosophische Analyse der Literatur, kombiniert mit einer strukturtheoretischen Untersuchung nach Jon Elster und einer kritischen Auseinandersetzung mit spieltheoretischen Modellen wie dem Ultimatumspiel.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Definition von Emotionen und eine darauf aufbauende Untersuchung von deren Rolle bei der Rationalitätsbestimmung in der Ökonomie, inklusive der strategischen Nutzung.
Wesentliche Begriffe sind Zweckrationalität, Werterationalität, kognitive Antecedentien, Handlungsbereitschaft und die Integration der persönlichen Perspektive in wissenschaftliche Erklärungsmodelle.
Emotionen wie Neid, Empörung oder der Wunsch nach Fairness werden als Faktoren angeführt, die erklären, warum Akteure trotz ökonomischer Verluste Angebote ablehnen, die sie als ungerecht empfinden.
Zweckrationalität beschreibt die Wahl effizienter Mittel für gegebene Ziele, während Werterationalität die Analyse der Ziele selbst und deren Bedeutung für das Individuum in den Fokus rückt.
Die persönliche Perspektive ist notwendig, um die emotionale Involviertheit und den spezifischen Informationswert einer Emotion zu erfassen, der durch eine rein unpersönliche oder neurophysiologische Beschreibung verloren ginge.
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