Bachelorarbeit, 2022
55 Seiten, Note: 1,5
1 Einleitung
2 Die soziologische Perspektive Pierre Bourdieus
2.1 Epistemologische Positionierung und Erkenntnisinteresse
2.1.1 Relationales statt Substanzdenken als Objektivierung
2.1.2 Anerkennung und Verkennung von Herrschaft
2.1.3 Dispositionelles Handeln: die Objektivierung der Objektivierung
3 Bourdieu in der Frauen- und Geschlechterforschung
3.1 Methodische Vorbemerkung
3.2 Vergeschlechtlichter und vergeschlechtlichender Habitus
4 Partnerschaft und Haushalt
4.1 Stand der Forschung
4.2 Begriffsklärung und Methode
5 Anknüpfungspunkte
5.1 Symbolische Grenzziehungen
5.2 Habitualisierungen und Logiken der Haushaltspraxis
6 Diskussion: die symbolische Herrschaft des Haushalts
7 Fazit
Die Arbeit untersucht die Relevanz der bourdieuschen Soziologie für die Frauen- und Geschlechterforschung, indem sie theoretische Ansätze mit der empirischen Realität der innerhäuslichen Aufgabenteilung in heterosexuellen Partnerschaften verknüpft.
2.1 Epistemologische Positionierung und Erkenntnisinteresse
Ein zentraler ‚Modus‘ des Denkstils Bourdieus ist der bereits angeschnittene Bruch mit scheinbar allgemeingültigen Klassifikationsrastern, wie sie in der deutschen Phänomenologie, im Alltag, als auch in sozialwissenschaftlichen Denktraditionen üblich ist. Nach Bourdieu sind Akteure jedoch im jeweiligen „sozialen Gefüge kreativ und erfinderisch, so dass man der Logik ihres Handelns mit vorgeformten Klassifikationsrastern nicht beikommen kann“ (Engler 2010: 258). Vielmehr kommt es auf die sozialen Praxen und ihre Rückbezüge im jeweiligen sozialen Feld an. Die Kritik an allgemeingültigen Klassifikationsrastern zielt dabei auf ein Denken in Dualismen und Substanzen. Ein solches Denken in Dualismen tut so, als ‚gäbe‘ es eine (ontologische) Trennung von Leib und Körper, als ‚gäbe‘ es Subjekt und Objekt oder Mikro- und Makrotheorien. Im dualistischen Denken verbleibend ‚gibt‘ es demnach im essentialistischen Sinne Frauen und Männer. Aus dieser Perspektive lässt sich dann darüber diskutieren ob, und welche Eigenschaften man ihnen zu- und abspricht. Es bleibt dennoch ein Denken, das im Substanziellen voraussetzt, es ‚gäbe‘ soziale Dinge (vgl. Engler 2010: 258). Hingegen liegt der bourdieusche Soziologie – mit ihrem Fokus auf den sozialen Mechanismen der Hervorbringung des scheinbar Selbstverständlichen, Natürlichen, Universellen – „eine Erkenntnistheorie zugrunde, die die soziale Bedingtheit der soziologischen Analyse reflektiert und den Konstruktionscharakter des soziologischen Wissenschaft-Machens expliziert“ (Heitzmann 2017: 12) und nicht davon ausgeht, dass „die [handelnden] Subjekte [für einen Moment/…] die objektive Wahrheit ihres Verhaltens zu erfassen vermögen“ (Bourdieu/Chamboredon/Passeron 1991: 43f.: zit. n. Heitzmann 2017: 28).
1 Einleitung: Einführung in die Bedeutung Bourdieus für die Soziologie und die Rezeptionsgeschichte innerhalb der Frauen- und Geschlechterforschung.
2 Die soziologische Perspektive Pierre Bourdieus: Darlegung der erkenntnistheoretischen Grundlagen, insbesondere der Bruch mit substanzialistischem Denken und die Einführung relationaler Konzepte.
3 Bourdieu in der Frauen- und Geschlechterforschung: Analyse der Probleme bei der Übertragung bourdieuscher Begriffe auf Geschlechterverhältnisse und Skizzierung des vergeschlechtlichten Habitus.
4 Partnerschaft und Haushalt: Beschreibung der historischen Veränderung von Familien- und Partnermodellen sowie des Forschungsstandes zur Haushaltsarbeit.
5 Anknüpfungspunkte: Konkretisierung der Habitus-Theorie am Beispiel symbolischer Grenzziehungen und habitualisierter Alltagspraktiken.
6 Diskussion: die symbolische Herrschaft des Haushalts: Synthese der theoretischen Ansätze zur Erklärung der Persistenz häuslicher Rollenverteilungen unter Berücksichtigung symbolischer Gewalt.
7 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Produktivität bourdieuscher Soziologie für die empirische Analyse von Ungleichheiten in der innerhäuslichen Arbeitsteilung.
Pierre Bourdieu, Habitus, Geschlechterforschung, symbolische Gewalt, Haushaltsarbeit, Care-Arbeit, Beziehungsnormen, soziale Konstruktion, Doing Gender, relationale Soziologie, geschlechtsspezifische Ungleichheit, Alltagspraxis, Sozialisation, Struktur, Praxis.
Die Arbeit untersucht, wie das soziologische Werk von Pierre Bourdieu genutzt werden kann, um die anhaltende Ungleichheit in der Aufteilung unbezahlter Hausarbeit in heterosexuellen Partnerschaften zu verstehen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Habitustheorie, dem Konzept der symbolischen Gewalt, der kritischen Geschlechtersoziologie sowie der soziologischen Analyse von Alltagspraktiken und Beziehungsformen.
Das Ziel ist es, die „Rezeptionssperre“ gegenüber Bourdieu in der Geschlechterforschung zu durchbrechen und seine „Denkwerkzeuge“ für eine empirisch-theoretische Analyse der innerhäuslichen Arbeitsteilung fruchtbar zu machen.
Die Autorin/der Autor wählt einen struktural-relationalen Ansatz, der eine ethnologisch inspirierte Analyse von sozialen Mechanismen mit historisch-empirischen Daten zur Haushaltsarbeit kombiniert, um sowohl strukturelle als auch habituelle Aspekte zu erfassen.
Im Hauptteil werden Bourdieus Grundlagen der sozialen Welt, die Kritik am Strukturalismus, die Konzeption des vergeschlechtlichten Habitus und die Analyse der „Gewohnheiten“ im Haushaltsalltag (unter Einbezug von J.C. Kaufmann) detailliert diskutiert.
Die Kernbegriffe sind Bourdieu, Habitus, Geschlechterforschung, symbolische Gewalt, Hausarbeit, Alltagspraxis und soziale Konstruktion.
Die romantische Liebe wird als stabilisierende Ideologie kritisiert, die innerhalb des Haushalts dazu beiträgt, ungleiche Arbeitsbelastungen zu kaschieren oder als privaten Beziehungsaspekt zu verharmlosen.
Gegenstände des Alltags speichern individuelle Erinnerungen und Praxen und dienen als Ankerpunkte für Gewohnheiten, wodurch sie eine schützende, aber auch konservierende Funktion bei der Aufrechterhaltung eingefahrener Rollenmuster spielen.
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