Diplomarbeit, 2009
108 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
2 Jugendstrafvollzug in Deutschland
2.1 Zur Situation des Jugendstrafvollzugs
2.2 Verfassungsrechtliche Anforderungen an den Jugendvollzug
2.2.1 Vollzugsbedingungen
2.2.2 Soziale Integration
2.2.3 Der Schutz der Allgemeinheit
2.2.4 Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen
2.2.5 Die Befähigung zu einer straffreien Lebensführung
2.2.6 Rechtsschutz
2.2.7 Evaluierung gesetzlicher Bestimmungen
3 Die konfrontative Pädagogik
3.1 Begriffsklärung
3.2 Erziehungsziel
3.3 Konfrontationsdefizit
3.4 Zielgruppen
3.5 Methoden
3.5.1 Das Anti-Aggressivitäts-Training
3.5.2 Das konfrontative Interventionsprogramm
3.5.3 Der Täter - Opfer - Ausgleich
3.6 Die Konfrontative Pädagogik in der Praxis
3.7 Kritik
4 Die Glen-Mills-Schools
4.1 Die Klientel
4.2 Der theoretische Rahmen
4.2.1 Die „structural/strain“-Theorie
4.2.2 Die „culture“-Theorie
4.2.3 Die „control“-Theorie
4.2.4 Theorien des differentiellen Lernens
4.2.5 Der „Labeling Approach“
4.3 Die konzeptionellen Grundlagen
4.3.1 Die normative Kultur des Personals
4.3.2 Die normative Kultur der Schüler
4.3.3 Die „Seven Levels of Confrontation“
4.3.4 Die “Guided Group Interaction”
4.4 Die Organisationsstruktur
4.4.1 Die Abteilung für Wohngruppen
4.4.2 Die Sportabteilung
4.4.3 Die Zulassungsabteilung
4.4.4 Die Abteilung für Berufsausbildung
4.4.5 Die Abteilung für Schulbildung
4.4.6 Die Abteilung für Supportdienste
4.4.7 Der Battling Bulls Club
4.5 Glen Mills statistisch
4.6 Die soziale Reintegration
4.7 Kritik
5 Die Adaption der konfrontativen Pädagogik der Glen Mills Schools in das deutsche Jugendkriminalrechtssystem
5.1 Jugendstrafvollzug in Deutschland und den USA
5.2 Zur Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Justiz
5.3 Glen Mills im Focus des Betriebserlaubnisverfahrens gemäß §§ 45 ff. SGB VIII
5.4 Der Einsatz konfrontativer Pädagogik im deutschen Jugenddelinquenzrecht
5.5 Das Konzept der Glen Mills Schools in einer deutschen Einrichtung
5.6 Erfahrungen aus Deutschland
6 Fazit
6.1 Zusammenfassung
6.2 Schlussbetrachtungen
Die Arbeit untersucht die Übertragbarkeit der konfrontativen Pädagogik, wie sie in den US-amerikanischen Glen Mills Schools praktiziert wird, auf das deutsche Jugendkriminalrechtssystem. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch ein solches ganzheitliches, normatives Konzept eine effektivere Resozialisierung delinquenter Jugendlicher erreicht werden kann, um den Herausforderungen des heutigen Jugendstrafvollzugs besser zu begegnen.
3.6 Die Konfrontative Pädagogik in der Praxis
In Deutschland ist das Konzept der „Konfrontation“ in der Strafjustiz bekannt. Die konfrontative Pädagogik wird allerdings unterschiedlich in die Praxis umgesetzt. Ein erfolgreiches Umsetzungsbeispiel, auf welches ich später noch näher eingehen werde, ist das Konzept der Glen Mills Schools in den USA. Das Konfrontationsprogramm besteht hier darin, auf kleine Regelverstöße massiv zu reagieren, damit größere vermieden werden. Eine in Deutschland beliebte und weit verbreitete Umsetzungsform der konfrontativen Pädagogik stellt zum Beispiel das Anti-Aggressivitäts-Training dar. Wie sieht aber Grenzziehung bei gewaltbereiten Jugendlichen aus? 1984 arbeitete der Verfasser des nachfolgenden Zitates, zusammen mit seiner Frau, auf dem Glen - Mills- Campus. Daher stammt das folgende Beispiel:
„Todd ist 17 und war richtungsweisendes Mitglied einer Vorstadtgang. Er war in Glen Mills ermahnt worden, niemanden zum Kampf herauszufordern bzw. das Kämpfen zu erwähnen. Dennoch schnappt Pedro, ein langjähriger Mitarbeiter, Wortfetzen über mögliche Kämpfe auf. Er winkt Todd auf Zentimeter zu sich heran und übertritt damit bewusst die Schwelle von Nähe und Distanz. Mit seinem sofortigen Ruf nach Unterstützung ("support"), dem Mitarbeiter und Jugendliche zu folgen haben, überspringt er die ersten vier Konfrontationslevel, weil Todd zum wiederholten Male ermahnt worden war. "Schau mir in die Augen und steh’ gerade, du kleiner tough guy", fährt er ihn leise, aber bedrohlich an. "Hör mir genau zu: Wir brauchen hier keine rauhen Kerle, verstehst du mich? Wir mögen keine rauhen Typen..." Diesen Satz wiederholt er seelenruhig, den Jungen konzentriert fixierend, ein dutzend Mal. Eine Sechsergruppe unterstützt mittlerweile Pedros Konfrontation. Im Kreis stehend verunsichern sie Todd mit barschen Verhaltensanweisungen: "Hey man, schau in Pedros Augen, wenn er spricht. Steh gerade für deine Drohungen und deine Angstmacherei!" Todd ist irritiert. Er steckt in einer so genannten Normkrise, denn in seiner Gang wäre diese Geschichte ganz anders abgelaufen. Er entschuldigt sich und entgeht damit einer Konfrontationssteigerung. Pedro akzeptiert: "O.K., aber wenn du hier ein Bein auf die Erde kriegen willst, ändere deine Themen." Die jetzt dreizehnköpfige Menschentraube löst sich auf. Pedro geht zum nächsten Telefon, um Todds Betreuer zu informieren und um sicherzustellen, dass der Junge den Vorfall zur Sprache bringt.
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Kritik am derzeitigen Jugendstrafvollzug und skizziert die konfrontative Pädagogik als pädagogische Alternative zur Resozialisierung.
2. Jugendstrafvollzug in Deutschland: Es wird die rechtliche Situation nach der Föderalismusreform analysiert, insbesondere die Notwendigkeit verfassungsrechtlich fundierter Gesetze für den Jugendvollzug.
3. Die konfrontative Pädagogik: Dieses Kapitel erläutert den konfrontativen Handlungsstil, seine Abgrenzung zu anderen Erziehungsstilen und spezifische Methoden wie das Anti-Aggressivitäts-Training.
4. Die Glen-Mills-Schools: Hier wird das US-amerikanische Konzept detailliert vorgestellt, wobei der Fokus auf der normativen Schulkultur, der Organisationsstruktur und dem „Battling Bulls Club“ liegt.
5. Die Adaption der konfrontativen Pädagogik der Glen Mills Schools in das deutsche Jugendkriminalrechtssystem: Es wird diskutiert, unter welchen Bedingungen und mit welchen Herausforderungen das Glen Mills Modell in deutsche Einrichtungen integriert werden kann.
6. Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengefasst und die These bestätigt, dass pädagogische Maßnahmen an die Klientel und nicht umgekehrt angepasst werden müssen.
Jugendstrafvollzug, konfrontative Pädagogik, Glen Mills Schools, Resozialisierung, Delinquenz, Mehrfachauffällige, Jugendkriminalität, Anti-Aggressivitäts-Training, normative Kultur, Gruppendruck, Jugendhilfe, Jugendgerichtsgesetz, Täter-Opfer-Ausgleich, Grenzziehung, soziale Integration
Die Arbeit befasst sich mit dem deutschen Jugendstrafvollzug und der Frage, inwieweit pädagogische Alternativen, konkret das Konzept der US-amerikanischen Glen Mills Schools, zur Verbesserung der Resozialisierung beitragen können.
Zentral sind der deutsche Jugendstrafvollzug, die konfrontative Pädagogik, die Funktionsweise der Glen Mills Schools sowie die rechtlichen und praktischen Möglichkeiten einer Adaption dieser Ansätze in Deutschland.
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die konfrontative Pädagogik eine wirksame Möglichkeit darstellt, um die Ziele des Jugendstrafvollzugs bei mehrfach auffälligen Jugendlichen besser zu erreichen.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, dem Studium gesetzlicher Rahmenbedingungen und der Auswertung pädagogischer Konzepte sowie statistischer Daten der Glen Mills Schools.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse des deutschen Jugendstrafvollzugs, eine theoretische und praktische Einführung in die konfrontative Pädagogik sowie eine detaillierte Untersuchung des Modells der Glen Mills Schools.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Resozialisierung, konfrontative Pädagogik, Jugendstrafvollzug, Delinquenzprävention und die Adaption internationaler pädagogischer Modelle charakterisiert.
Das Besondere ist die Nutzung eines subkulturfreien, normativen Milieus, in dem mittels eines „Battling Bulls Club“ und durch das Prinzip „Jugend erzieht Jugend“ Gruppendruck positiv zur Verhaltensänderung eingesetzt wird.
Herausfordernd ist die Diskrepanz zwischen dem in Deutschland konservativen Justizsystem und dem Bedürfnis nach einer pädagogisch innovativen, „offenen“ Struktur, die ohne starre Einschließungs-Kriterien auskommt.
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