Examensarbeit, 2007
121 Seiten, Note: 1,5
I. Einleitung
1. 2 Theoretische Vorüberlegungen: Begriffsdefinition
II. Die Phasen der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in der politischen Kultur der BRD
2.1 Die erste Phase der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit (1945-1949)
2.2 Die zweite Phase der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit (1950-1957)
2.3 Die dritte Phase der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit (1958-1964)
2.4 Die vierte Phase der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit (1965-1979)
2.4.1 Veränderungen des gesellschaftspolitischen Klimas seit der Mitte der 70er Jahre
2.4.2 Die Holocaust-Serie
III. Die NS-Vergangenheit in den 80er Jahren – Der Umbruch im Umgang mit der NS-Vergangenheit
3.1 Auf der Suche nach nationaler Identität
3.2 Symbolische Politik: Bitburg
3.3 Die Rede Richard von Weizsäckers zum 8. Mai – „Ein Tag der Befreiung“
3.4 Der Historikerstreit – Die Debatte um die Einordnung der NS-Vergangenheit in das Geschichtsbild der BRD
3.5 Die Rede Philipp Jenningers am 10. November 1988 – Die „Wiederkehr des Verdrängten“
IV. Die NS-Vergangenheit in den 90er Jahren
V. Schluss
Die Arbeit untersucht, wie sich die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland von 1945 bis zur Gegenwart in rhetorischen Mustern, Gedenkreden und gesellschaftlichen Debatten manifestiert hat.
I. Einleitung
Die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit und den damit verbundenen Verbrechen hat die politische Kultur der Bundesrepublik von Beginn an nachhaltig geprägt. Deutschland sah sich als Nachfolgestaat des Dritten Reiches und war somit auch legitimer Rechtsnachfolger des 1871 gegründeten Deutschen Reiches. Die NS-Vergangenheit war in der politischen Kultur ab 1945 folglich ständig präsent.
Somit scheint das einleitende Zitat des Politikwissenschafters und Zeithistorikers Peter Reichel durchaus legitim. Dies haben zumindest die zahlreichen, zum Teil sehr kontrovers geführten, Debatten in der politischen Kultur in den letzten Jahrzehnten gezeigt, in denen die NS-Vergangenheit immer wieder eine große Rolle gespielt hat – man denke nur an den Historikerstreit Ende der 80er Jahre. Auch das Paradoxon, welches Hermann Lübbe, Professor für Philosophie und Politische Theorie, bereits im Jahr 1983 konstatierte, büßt in diesem Zusammenhang nichts an Aktualität ein: „Die Position des Nationalsozialismus hat im Vergangenheitshorizont der Deutschen emotional an Aufdringlichkeit gewonnen, je tiefer er chronologisch in diesen Vergangenheitshorizont zurückgesunken ist.“ Dieses Phänomen lässt sich in den folgenden Jahren und Jahrzehnten weiterhin beobachten, zum Beispiel im bereits erwähnten Historikerstreit im Jahr 1986, in der Debatte um die Wehrmachtsausstellung oder in der Debatte um das Holocaust-Mahnmal in den 1990er Jahren.
Der Nationalsozialismus zieht somit lange Schatten bis in die Gegenwart, so dass man nunmehr von einer zweiten Geschichte des Nationalsozialismus sprechen kann, die im Sprachgebrauch als „Vergangenheitsbewältigung“ Eingang gefunden hat.
I. Einleitung: Einführung in die Problematik der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und Definition zentraler Begriffe wie politische Kultur und Vergangenheitsbewältigung.
II. Die Phasen der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in der politischen Kultur der BRD: Analyse der zeitlichen Abschnitte von 1945 bis 1979, von der Entnazifizierung über das Schweigen bis hin zur Verjährungsdebatte.
III. Die NS-Vergangenheit in den 80er Jahren – Der Umbruch im Umgang mit der NS-Vergangenheit: Untersuchung der "geistig-moralischen Wende" unter Kohl, der Debatte um Bitburg und der Bedeutung zentraler Gedenkreden für das Geschichtsbild.
IV. Die NS-Vergangenheit in den 90er Jahren: Betrachtung des Gedenkens nach der Wiedervereinigung und der Tendenz zur Historisierung des Nationalsozialismus.
V. Schluss: Zusammenfassende Reflexion über die Komplexität und den fortlaufenden Prozess der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in Deutschland.
Nationalsozialismus, politische Kultur, Vergangenheitsbewältigung, Erinnerungskultur, Gedenken, NS-Vergangenheit, Geschichtsbewusstsein, Historikerstreit, BRD, Philipp Jenninger, Richard von Weizsäcker, Helmut Kohl, deutsche Identität, Erinnerungsboom.
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Veränderung der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in der politischen Kultur der Bundesrepublik von 1945 bis zur Gegenwart.
Zentral sind die Dynamik von Verdrängung, Gedenken und öffentlichem Diskurs, die Bedeutung von Gedenkreden, der Einfluss politischer Ideologien sowie die Frage nach nationaler Identität im Kontext der NS-Vergangenheit.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Politik und Gedenkkultur mit der NS-Vergangenheit umgegangen sind, welche rhetorischen Strategien angewandt wurden und warum diese Prozesse bis heute von hoher Relevanz sind.
Es handelt sich um eine zeithistorische und politikwissenschaftliche Analyse, die insbesondere auf der Auswertung von Reden deutscher Politiker und dem wissenschaftlichen Diskurs basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Phasen der Erinnerungskultur, analysiert Regierungsreden, Debatten wie den Historikerstreit oder den Bitburg-Skandal und untersucht den Umgang der Politik mit der Täterschaft und dem Opferbegriff.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Vergangenheitsbewältigung, Erinnerungskultur, Geschichtsbewusstsein, politische Kultur und Identität.
Die Verfasserin kritisiert den Begriff, da er einen abgeschlossenen Prozess impliziert, während die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus einen kontinuierlichen und komplexen Prozess darstellt.
Die Arbeit führt aus, dass der RAF-Terror ungewollt dazu beitrug, eine Historisierung des Nationalsozialismus voranzutreiben und das politische System dazu veranlasste, Spannungen durch verstärktes Gedenken abzufedern.
Die Rede wird als Höhepunkt der Gedenkpraxis analysiert, da Weizsäcker als erster Repräsentant das Datum explizit als "Tag der Befreiung" interpretierte, wenngleich er auch Täterperspektiven relativierte.
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