Examensarbeit, 2007
113 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Das Deutsche Schulsystem
2.1 Historische Entwicklung von Bildungsungleichheiten
2.2 Skizzierung des derzeitigen deutschen Schulsystems
2.3 Gesellschaftliche und individuelle Funktionen des Schulsystems
3 Theoretische Erklärungsmodelle zu Bildungsungleichheiten bzw. Bildungsbenachteiligungen
3.1 Forschungsansätze und Forschungslücken
3.2 Die schichtspezifische Sozialisationsforschung und die Theorie der kulturellen Reproduktion
3.3 Kritiken an Beitrag und Funktion der Schule nach Bourdieu
3.3.1 Soziale Disparitäten anhand von Bourdieu
3.4 Rational-choice-Theorien
3.5 Zur Theorie der institutionellen Diskriminierung
3.5.1 Institutionelle Effekte - Die Schule als Bildungsverteiler
3.6 Multikausalitäten von Bildungsungleichheiten
4 Bildungsbenachteiligungen an den Bildungsübergängen
4.1 Benachteiligungen durch die Zurückstellung von der Einschulung
4.2 Exkurs: zur Sprachfähigkeit als Auslesekriterium
4.3 Auswirkungen nach den Zurückstellungen
4.4 Die neue Schuleingangsphase - ein Versuch zur Förderung
4.5 Der Übergang von der Grundschule in die weiterführenden Schulen
4.5.1 Die Doppelfunktion der Grundschule
4.5.2 Die Übergangsentscheidung als Passungsproblem
4.5.3 Die Formen der Übergangsauslese
4.5.3.1 Diskussion der elterlichen Bildungsentscheidungen
4.5.3.2 Fragwürdigkeit der Leistungsbeurteilung als Kriterium der Grundschulempfehlung
4.5.3.3 Der Zusammenhang der sozialen Herkunft und der Leistungsbewertung
4.5.3.4 Aufnahmeprüfung und Tests
4.5.3.5 Die Probezeit
4.5.3.6 Ziele und Funktion der Orientierungsstufe
4.5.3.7 Die Orientierungsstufe heute
4.6 Der Eltern-Lehrer-Konflikt bei der Übergangsentscheidung
4.7 Das Problem des richtigen Bewertungsmaßstabs
4.8 Die prognostische Validität der Übertrittsempfehlungen
5 Benachteiligungen an der Sonderschule
5.1 Die Überweisung zur Sonderschule
5.2 Perspektiven und Wirksamkeit der Sonderschule
5.3 Pro und Kontra von Integration
6 Benachteiligungen an den weiterführenden Schulen
6.1 Qualitätsmerkmale und Legitimation des gegliederten Schulsystems
6.2 Die Verteilung auf die weiterführenden Schulen
6.3 Zusammenhänge von Leistungsdifferenzierung, sozialer Zusammensetzung und Leistungsentwicklung
6.3.1 Legitimation, Wertigkeit und Kernproblem der Hauptschule
6.3.2 Kompositionseffekte insbesondere an Hauptschulen
6.3.3 Der Einfluss von Kompositionseffekten bei Schülerschaften mit Migrationshintergrund
6.4 Ist die Gesamtschule der Rettungsanker?
6.4.1 Legitimation und Argumentation eines Gegenversuchs
6.4.2 Leistungsvergleich Gesamtschulen und Schulen des dreigliedrigen Systems
7 Psychologische Auswirkungen der Lernbedingungen
7.1 Selbstbewertungskonzepte zu schulischen Belastungen
7.2 Der Zusammenhang von sozialer Herkunft und Leistungsbewertung
7.3 Formen der Selbstbewertung durch schulische Bedingungen
7.4 Der Zusammenhang von Selbstbewertungen und Leistungsmotivation
7.5 Auswirkungen der negativen Selbstbewertung
8 Vergleich der Abschlüsse des deutschen Schulsystems
8.1 Abschlüsse in Abhängigkeit der sozialen Herkunft
8.2 Abschlüsse hinsichtlich des Migrantionshintergrunds
8.3 Zusammenhang von Schulform und Abschlüssen
9 Diskussion und Perspektiven unseres Schulsystems
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Mechanismen und Strukturen des deutschen Schulsystems, welche zur Reproduktion von Bildungsungleichheiten im Bildungsprozess beitragen. Im Fokus steht die Frage, inwieweit soziale Herkunft und Migrationshintergrund den Bildungserfolg und die Schullaufbahn von Kindern und Jugendlichen systematisch beeinflussen.
4.2 Exkurs: zur Sprachfähigkeit als Auslesekriterium
Aufschluss darüber, warum in Deutschland gerade die Leistungen im Fach Deutsch so bedeutend für den Schulerfolg sind, analysiert Gogolin (1994). Im Zuge der Gründung des deutschen Reiches erschien es im Sinne der Herrschaftssicherung opportun, die damals vorhandene Mehrsprachigkeit einzudämmen und eine Einheitsprache in Schule und Verwaltung durchzusetzen. Gogolin bezeichnet dies als den monolingualen Habitus der Institution Schule.
Im Fall der Migrantenkinder tritt neben den häufigen Unterschieden im Entwicklungsstand der Kinder das für die Schule bedeutende Mitgliedschaftskriterium: Kenntnis der Unterrichtssprache Deutsch, die als Medium für alle organisationsinternen Kommunikationen fungiert. Das Argument der Schule für die Bedeutung der Sprachfähigkeit liegt dabei an ganz pragmatischen Gründen über ihre Arbeitsfähigkeit. Fehlende Deutschkenntnisse verunsichern nicht nur den Unterricht, sondern erschweren auch die Leistungsbewertung durch die Schule. Schulpflicht, Entwicklungsrückstände und fehlende Kenntnis der Unterrichtssprache sind sich widersprechende Merkmale, die eine Mitgliedschaft erfordern, aber auch erschweren bzw. ausschließen können. Für diese Fälle hat die Organisation Schule mehrere Lösungen. Die Möglichkeit der Ablehnung/Zurückstellung vom Schulbesuch ist institutionalisiert. Kinder, die als reife oder entwicklungsverzögert eingestuft werden, kommen in die Einrichtung des Schulkindergartens. Betrachtet man die Entscheidungspraktiken der Rückstellung von Migrantenkindern vor dem Schuleintritt aufgrund sprachlicher oder integrativer Defizite unter der Perspektive der indirekten oder direkten Diskriminierung, dann ist die Zuordnung von Migrantenkindern in separate Förderklassen (Vorbereitungs- oder Auffangklassen) eine Form wohlmeinender direkter Diskriminierung, die auf die individuelle Förderung abzielt. Diese Zurückstellung ist deshalb eine Form direkter Diskriminierung, da der Schulkindergarten rechtlich nicht zum Spracherwerb vorgesehen ist.
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Diskrepanz zwischen dem verfassungsmäßigen Anspruch auf Chancengleichheit und der empirisch belegten Abhängigkeit von Bildungserfolg und sozialer Herkunft im deutschen Schulsystem.
2 Das Deutsche Schulsystem: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung des deutschen Schulwesens und erörtert dessen gesellschaftliche Funktionen, wobei insbesondere der Zusammenhang zwischen Strukturen und Bildungschancen beleuchtet wird.
3 Theoretische Erklärungsmodelle zu Bildungsungleichheiten bzw. Bildungsbenachteiligungen: Hier werden zentrale wissenschaftliche Modelle vorgestellt, darunter Bourdieus Theorie der kulturellen Reproduktion, Rational-Choice-Ansätze und die Theorie der institutionellen Diskriminierung, um Bildungsungleichheit theoretisch zu fundieren.
4 Bildungsbenachteiligungen an den Bildungsübergängen: Das Kapitel analysiert kritisch die selektiven Prozesse an den kritischen Gelenkstellen des Bildungssystems, wie die Schuleingangsphase und den Übergang von der Grundschule in weiterführende Schulformen.
5 Benachteiligungen an der Sonderschule: Es wird die Praxis der Sonderschulüberweisung untersucht und diskutiert, inwiefern dieses System zur Segregation beiträgt und welche Perspektiven eine verstärkte Integration bietet.
6 Benachteiligungen an den weiterführenden Schulen: Dieses Kapitel beleuchtet das gegliederte System der weiterführenden Schulen und untersucht Kompositionseffekte sowie die Rolle der Gesamtschule im Kontext von Leistungsdifferenzierung und Bildungsbenachteiligung.
7 Psychologische Auswirkungen der Lernbedingungen: Hier wird der Fokus auf die Auswirkungen schulischer Lernbedingungen auf das Selbstkonzept, die Selbstbewertung und die Leistungsmotivation der Schüler gerichtet.
8 Vergleich der Abschlüsse des deutschen Schulsystems: Das Kapitel vergleicht statistisch die erreichten Bildungsabschlüsse in Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Migrationshintergrund.
9 Diskussion und Perspektiven unseres Schulsystems: Die Arbeit schließt mit einer Diskussion über die Effektivität des aktuellen Systems und entwirft Perspektiven für eine gerechtere Bildungspolitik, unter Einbeziehung internationaler Vorbilder wie Finnland.
Bildungsungleichheit, soziale Herkunft, Bildungsbenachteiligung, Schulsystem, Selektion, institutionelle Diskriminierung, Chancengleichheit, Migration, Schullaufbahn, Übergangsauslese, Bourdieu, PISA-Studie, Bildungsreform, Sonderschule, Gesamtschule.
Die Arbeit untersucht kritisch, wie das deutsche Schulsystem durch seine institutionellen Strukturen Bildungsungleichheiten reproduziert und welche Rolle dabei die soziale Herkunft der Kinder spielt.
Zentrale Themen sind die historische Genese des Schulsystems, die theoretische Analyse von Bildungsbenachteiligungen, die selektive Wirkung von Bildungsübergängen sowie die Auswirkungen von Lernbedingungen auf die Persönlichkeit und Motivation der Schüler.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Bildungsungleichheiten im Bildungsprozess systematisch entstehen, wie sich die soziale Herkunft auf den Erfolg auswirkt und welche Mechanismen bei Bildungsbenachteiligungen zusammenwirken, um mögliche Veränderungsansätze zu diskutieren.
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse der bildungssoziologischen Forschung, kombiniert diese mit dem Rückgriff auf statistische Daten (z. B. PISA-Studien, Bildungsberichte) und diskutiert diese anhand theoretischer Modelle wie der Theorie der kulturellen Reproduktion von Bourdieu.
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Phasen der Schullaufbahn, von der Einschulung über den Übergang in weiterführende Schulen bis hin zu Problematiken in Sonderschulen und an weiterführenden Schultypen wie der Hauptschule und der Gesamtschule.
Schlüsselbegriffe sind soziale Herkunft, Bildungschancen, Institutionelle Diskriminierung, Selektion, Bildungsexpansion und Bildungsbenachteiligung.
Die Grundschulempfehlung wird als kritische Gelenkstelle mit hoher prognostischer Unsicherheit beschrieben, bei der oft außerschulische Faktoren und soziale Vorurteile eine Rolle spielen, anstatt rein objektiver Kriterien.
Die Gesamtschule wird zwar als Reformansatz zur Erhöhung der Durchlässigkeit gewürdigt, die Autorin weist jedoch darauf hin, dass sie in der Praxis oft mit dem Selektionsdruck des gegliederten Systems konkurrieren muss und nicht automatisch alle sozialen Disparitäten auflösen kann.
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