Diplomarbeit, 2009
74 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Definitionen zentraler Begriffe
2.1. Erinnerung
2.2. Gedächtnis
2.3. Identität
3. Theoretische Grundlagen
3.1. Maurice Halbwachs: Das kollektive Gedächtnis
3.2. Pierre Nora: Les lieux de mémoire
3.3. Aleida und Jan Assmann: Das kulturelle Gedächtnis
4. Amerika und der Holocaust
4.1. Entwicklung des jüdisch-amerikanischen Romans seit 1945
4.2. Diskurs und Repräsentation des Holocaust in den USA
5. Verdeutlichung einzelner Aspekte an Hand von zwei Beispielen
5.1. Jonathan Safran Foer: Everything is illuminated
5.1.1. Foer als postmoderner Autor
5.1.2. Generationenkonflikte: Zwei Großväter und zwei Enkel auf einer mythischen Reise nach Osteuropa
5.1.3. Jüdischer Humor, magischer Realismus und die Rechtfertigung von Popliteratur als Mittel zur Traumabewältigung
5.1.4. Autobiographisches Schreiben und Authentizität
5.2. Nicole Krauss: History of love
5.2.1. Postmoderne Elemente bei Krauss: Eine Geschichte auf Reisen
5.2.2. Familienbande? Über die blinden Stellen im Leben der Protagonisten
5.2.3. Elemente jüdischen Erzählens und Spiegelung der jüdischen Kultur
5.2.4. Die Bedeutung der Verschriftlichung von Gurskys Erinnerungen
6. Schlusswort
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand der zeitgenössischen Romane "Everything is illuminated" von Jonathan Safran Foer und "History of Love" von Nicole Krauss, wie jüdisch-amerikanische Autoren kulturelle Erinnerung konstruieren und Identität im Kontext des Holocaust verhandeln. Dabei wird analysiert, wie diese Werke durch spezifische literarische Techniken eine Brücke zwischen persönlicher Betroffenheit der Enkelgeneration und der historischen Distanz zum Holocaust schlagen.
Generationenkonflikte: Zwei Großväter und zwei Enkel auf einer mythischen Reise nach Osteuropa
Erinnerung wird in der „Enkelgeneration“ oft zum Akt der Erfindung, obwohl nach Halbwachs’ Theorie des Generationengedächtnisses Zeitzeugen, nämlich die Großeltern, zumindest theoretisch aushelfen könnten. Sie könnten durch ihre Erzählungen und Berichte die zeitliche Kluft der 2. und 3. Generation zum Ereignis ganz wesentlich überbrücken und ihnen helfen, sich zugehörig zu fühlen und eigene Erinnerungen zu entwickeln, obwohl sie nicht dabei gewesen sind. Häufig steht dies aber dem Wunsch der Großeltern entgegen, zu vergessen und abzuschließen mit Erlebnissen, die zu schmerzhaft sind, als dass man sie immer wieder an sich heranlassen möchte. Daraus entsteht ein unauflöslicher Widerspruch: „Some people want to forget where they’ve been; other people want to remember where they’ve never been.“ Diese Problematik, die fast jeder Art von zeitgenössischer Holocaust-Aufarbeitung zu Grunde liegt, ist auch der Auslöser für den Autor Jonathan Safran Foer, in die Ukraine zu reisen, um Augustine zu finden – die Frau, von der er nicht mehr als eine Fotographie besitzt, die aber der Schlüssel zu seiner Vergangenheit und auch zu seiner Identität zu sein scheint – denn hätte sie seinen Großvater Safran nicht gerettet, so könnte auch er selbst nicht existieren.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themenkomplexe Erinnerung und Identität im Kontext zeitgenössischer jüdisch-amerikanischer Literatur ein und skizziert die methodische Analyse von Foers und Krauss' Romanen.
2. Definitionen zentraler Begriffe: Dieses Kapitel erläutert die psychologischen und kulturwissenschaftlichen Grundlagen der Begriffe Erinnerung, Gedächtnis und Identität als theoretisches Fundament der Arbeit.
3. Theoretische Grundlagen: Hier werden die maßgeblichen Theorien von Maurice Halbwachs, Pierre Nora sowie Aleida und Jan Assmann zur Gedächtnisforschung und zu Erinnerungsorten detailliert dargestellt.
4. Amerika und der Holocaust: Dieses Kapitel behandelt die Entwicklung des jüdisch-amerikanischen Romans seit 1945 und den sich wandelnden Diskurs zur Repräsentation des Holocaust in den USA.
5. Verdeutlichung einzelner Aspekte an Hand von zwei Beispielen: Der Hauptteil analysiert Jonathan Safran Foers "Everything is illuminated" und Nicole Krauss' "History of love" auf Basis der eingeführten Theorien, wobei insbesondere postmoderne Erzählweisen und generationenübergreifende Erinnerungsprozesse untersucht werden.
6. Schlusswort: Das Fazit fasst zusammen, dass die untersuchten Romane durch fiktionale Ansätze eine sinnstiftende Form der Holocaust-Verarbeitung bieten, die gerade dort greift, wo historiographische Dokumentationen an ihre Grenzen stoßen.
Jüdisch-amerikanische Literatur, Holocaust, Kulturelles Gedächtnis, Identitätsbildung, Postmoderne, Jonathan Safran Foer, Nicole Krauss, Erinnerung, Trauma, Traumaverarbeitung, Magischer Realismus, Generationengedächtnis, Authentizität, Fiktion, Narratologie
Die Diplomarbeit untersucht die Art und Weise, wie zeitgenössische jüdisch-amerikanische Autoren das kulturelle Gedächtnis und den Holocaust in ihren Romanen verarbeiten und neu konstruieren.
Im Zentrum stehen die Konzepte des kollektiven und kulturellen Gedächtnisses, die Identitätsbildung der dritten Generation nach dem Holocaust sowie die literarische Darstellung von Trauma.
Ziel ist es zu analysieren, wie fiktionale Texte – speziell "Everything is illuminated" und "History of Love" – dazu beitragen, traumatische historische Ereignisse für heutige Generationen greifbar und verarbeitbar zu machen.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische fundierte Analyse, die kulturwissenschaftliche Konzepte zur Gedächtnistheorie auf literarische Texte anwendet, ergänzt durch Ansätze der Narratologie und der postmoderner Literaturdebatte.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse der Romane von Foer und Krauss, wobei spezifische Merkmale wie postmoderne Erzählstrukturen, generationelle Konflikte und die Bedeutung der Sprache im Zentrum stehen.
Jüdisch-amerikanische Literatur, Holocaust, Kulturelles Gedächtnis, Identitätsbildung, Postmoderne und Traumaverarbeitung sind die zentralen Begriffe.
Foer nutzt den magischen Realismus, um reale historische Schrecken mit märchenhaften Elementen zu verweben, wodurch die Distanz zur Geschichte überwunden und eine neue, emotionalere Form der Identifikation ermöglicht wird.
Für Gursky ist das Verschriftlichen seiner Erinnerungen ein existenzieller Akt, der ihm hilft, seine Identität zu bewahren, Einsamkeit zu überwinden und seinem Leben nach dem Verlust seiner Familie und seines Sohnes einen Sinn zu geben.
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