Bachelorarbeit, 2022
49 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Die Praxis des Racial Profiling und ihr historischer Hintergrund
3. Racial Profiling in Deutschland
4. Die kategorische Einordnung von Fremden
5. Die Diskriminierungsformen von Racial Profiling
6. Statistische Diskriminierung
7. Präferenzbasierte Diskriminierung
8. Die Organisationskultur der Polizei
8.1 Die offizielle Polizeikultur
8.2 Die Cop Culture
8.3 Das Warrior- und das Guardian-Mindset
9. Die Wirkungsweisen der Cop Culture
9.1 Institutionelle Mythen
9.2 Ethnozentrismus
10. Unterrepräsentation von fremden Polizeibeamt:innen
11. Strategien gegen Racial Profiling
11.1 Eine Veränderung der Cop Culture
11.2 Eine Veränderung der rechtlichen Grundlagen von Racial Profiling
11.3 Eine Veränderung der polizeilichen Ausbildung
12. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen des polizeilichen Racial Profiling in Deutschland und evaluiert potenzielle Strategien zu dessen Eindämmung bzw. Verhinderung auf Basis bestehender theoretischer Konzepte und empirischer Forschungsergebnisse.
8.2 Die Cop Culture
Der von Leitbildern geprägten offiziellen Polizeikultur stellt Behr die auf Handlungsmustern basierende informelle Cop Culture gegenüber (2013: 85). Den Unterschied zwischen Leitbildern und Handlungsmustern sieht Behr primär darin, dass „sich Leitbilder danach richten, was politisch gewünscht und dementsprechend korrekt ist, [während] sich die Handlungsmuster eher nach den praktischen Erfahrungen, nach den realen Bedürfnissen der handanlegenden Polizistinnen und Polizisten […] [orientieren].“ (Behr 2013: 85). Demnach baut die Cop Culture vor allem auf den Erlebnissen auf, die Polizist:innen in ihrem Arbeitsalltag machen. Dabei spielen für jedes einzelne Mitglied der Polizei allerdings nicht nur die individuellen Erfahrungen und daraus resultierenden Schlussfolgerungen eine Rolle. Behr geht davon aus, dass „Handlungsmuster […] ein Sortiment kollektiver Erfahrungen zur Verfügung [stellen]“ (Behr 2008: 197). Handlungsmuster werden also innerhalb der Polizei an Kolleg:innen weitergegeben.
Wenn ein Handlungsmuster als funktional bewertet wurde, um auf eine Situation zu reagieren, geht es in die Cop Culture ein. Dementsprechend wird das Handlungsmuster in zukünftigen ähnlichen oder gleichen Situationen angewendet und neuen Mitgliedern als adäquate Reaktion beigebracht. Daher bezeichnet Behr die Cop Culture als „das ‚Konzentrat‘ des polizeilichen Alltagswissens.“ (Behr 2006: 39). Im Gegensatz zu der offiziellen Polizeikultur ist die Cop Culture in das Innere der Polizei gerichtet (ebd.: 39). Sie bietet den Mitgliedern der Polizei eine Verbindung und stellt so eine Abgrenzung nach außen dar. Damit geht die Überzeugung einher, dass die allgemeine Ordnung und Sicherheit der Gesellschaft durchgängig gefährdet ist und dass die Polizei die Aufgabe hat, gegen diese Gefährdung vorzugehen (ebd.: 39f.). Dabei wird das Innere der Polizei als eigenes System verstanden, das von der Außenwelt abgegrenzt ist, in der die zu bekämpfenden Gefahren existieren (ebd.: 39f.).
1. Einleitung: Vorstellung der Problematik des Racial Profiling anhand von Fallbeispielen und Definition der Forschungsfragen zur Ursachenforschung und Gegenstrategien.
2. Die Praxis des Racial Profiling und ihr historischer Hintergrund: Definition des Racial Profiling als diskriminierende Kontrollpraxis ohne Tatverdacht und Einordnung in den nordamerikanischen historischen Kontext.
3. Racial Profiling in Deutschland: Erörterung der öffentlichen und wissenschaftlichen Debatte in Deutschland sowie der Rolle der Bundesregierung bei der Einordnung des Phänomens.
4. Die kategorische Einordnung von Fremden: Soziologische Begriffsbestimmung des "Fremden" in Bezug auf die Wahrnehmung durch die Polizei im Rahmen der Selektion für Racial Profiling.
5. Die Diskriminierungsformen von Racial Profiling: Einordnung von Racial Profiling als rassistische und institutionelle Diskriminierung unter Heranziehung soziologischer Konzepte.
6. Statistische Diskriminierung: Prüfung der Theorie der statistischen Diskriminierung, bei der Gruppenmerkmale zur effizienteren Entscheidungsfindung in der Verbrechensbekämpfung genutzt werden.
7. Präferenzbasierte Diskriminierung: Analyse des Modells von Gary S. Becker und empirische Untersuchung der Rolle persönlicher Abneigungen versus statistischer Erwägungsgründe bei Kontrollentscheidungen.
8. Die Organisationskultur der Polizei: Darstellung der polizeilichen Organisationskultur, differenziert in offizielle Leitbilder und die informelle "Cop Culture".
9. Die Wirkungsweisen der Cop Culture: Untersuchung konkreter Mechanismen wie "institutionelle Mythen" und "Ethnozentrismus", die Racial Profiling begünstigen können.
10. Unterrepräsentation von fremden Polizeibeamt:innen: Beurteilung der Theorie der repräsentativen Bürokratie und der kulturellen Dominanz innerhalb der Polizei als Erklärungsmodelle.
11. Strategien gegen Racial Profiling: Diskussion praktischer Gegenansätze, insbesondere durch rechtliche Modifizierungen, die Einrichtung unabhängiger Instanzen und Ausbildungsanpassungen.
12. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Kernergebnisse zur Ursachengenese aus der Cop Culture und Empfehlungen für weiterführende empirische Forschungsansätze.
Racial Profiling, Polizei, Cop Culture, Institutionelle Diskriminierung, Ethnozentrismus, Statistische Diskriminierung, Präferenzbasierte Diskriminierung, Polizeikultur, Vorurteile, Stereotype, Migrationshintergrund, Organisationskultur, Menschenrechte, Kontrolle, Diskriminierungsverbot.
Die Arbeit analysiert das Phänomen Racial Profiling, insbesondere innerhalb der deutschen Polizei. Sie beleuchtet, warum diese diskriminierende Praxis angewendet wird und welche Strategien zu ihrer Verhinderung existieren.
Zentrale Themen sind die Auswirkungen der informellen Polizeikultur, die ökonomischen Ansätze statistischer und präferenzbasierter Diskriminierung, die Bedeutung von Ethnozentrismus sowie die Rolle der Repräsentation von Polizeibeamten mit Migrationshintergrund.
Das Ziel ist es, durch die Analyse bestehender Theorien und empirischer Studien die Ursachen für Racial Profiling zu identifizieren und zu prüfen, welche Strategien – wie rechtliche Änderungen oder Schulungen – effektiv gegen diese Praxis wirken könnten.
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die primär auf einer umfassenden Literaturanalyse und dem Vergleich diverser soziologischer sowie ökonomischer Studien und empirischer Untersuchungen basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Begriffsbestimmung, die Ursachenforschung in der Polizeistruktur, die Vorstellung des Konzepts der "Cop Culture" sowie die kritische Evaluation polizeilicher Gegenstrategien.
Die Arbeit wird entscheidend durch Begriffe wie institutioneller Rassismus, Cop Culture, Stereotype, Ethnozentrismus und organisationale Gerechtigkeit charakterisiert.
Die informelle Polizeikultur bewirkt laut den Ausführungen, dass das Innere der Polizei als homogenes, moralisch überlegenes System wahrgenommen wird, während eine "Außenwelt" unter Generalverdacht gestellt wird, was diskriminierende Kontrollmuster begünstigt.
Diese Theorie besagt, dass neue Polizeikräfte einem hohen Assimilationsdruck ausgesetzt sind, dem sie sich unterordnen müssen, um akzeptiert zu werden. Dies kann dazu führen, dass sogar bereits vorhandene ethnozentrische Einstellungen und Stereotype übernommen werden, um sich an die Gruppe anzupassen.
Solche Instanzen sollen die juristischen Hürden und Interessenparallelitäten zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft umgehen, um Vorwürfe über Fehlverhalten effektiver zu bearbeiten und so langfristig zur Eindämmung diskriminierender Praktiken beizutragen.
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