Masterarbeit, 2008
44 Seiten, Note: 2,0
1. Sozialräumliches Denken in der Sozialpädagogik Johann Hinrich Wicherns
2. Biographisches Fundament
Wicherns Kindheit und Jugend (1808 – 1827)
2.1 Wicherns Elternhaus
2.2 Wicherns Schulzeit (1814-1823)
2.3 Ein tiefer Einschnitt: der Tod des Vaters
2.4 Wicherns Gymnasialzeit (1826 – 1827)
Wicherns Studienzeit (1828 – 1831)
2.5 Die Göttinger Jahre (1828 – 1829)
2.6 Die Berliner Studienzeit (1830 – 1831)
3. Wicherns zentraler Gedanke der Familienbildung
3.1 Von der Familienerziehung zur Familienbildung
4. Der Bürgerhof - ein Ort der Bildung und familiärer Eintracht
4.1 Der Bürgerhof - Lebensraum gesitteter Gesellen
4.2 Der Bürgerhof - ein Ort vorbildlicher Krankenpflege
4.3 Der Bürgerhof - ein Ort des Evangeliums
4.4 Der Bürgerhof - bauliche Konzeption
4.5 Der Bürgerhof - soziale Konzeption
4.6 Der Bürgerhof - die tatsächliche Umsetzung
5. Das Rauhe Haus
5.1 Das Leben im Rauhen Haus
5.2 Das Bild der Zöglinge beim Eintritt ins Rauhe Haus
5.3 Die Aufnahme in den Sozialraum Rauhes Haus - Vergebung und Neuanfang
5.4 Die Lern- und Lebensgemeinschaft des Rauhen Hauses
5.5 Das bauliche Setting des Rauhen Hauses
6. Zwei Konzepte - eine elementare Idee
6.1 Das ideale Gemeinwesen als ein Ort des Lernens, Wohnens und Arbeitens
6.2 Das ideale Gemeinwesen als selbst gestalteter Ort
6.3 Das ideale Gemeinwesen als Ort einer homogenen Gedankenkultur
6.4 Das ideale Gemeinwesen als sich selbst reproduzierendes System
6.5 Das ideale Gemeinwesen als „Gated Community“
7. Kritische Betrachtung
7.1 Werkimmanente Kritik: Stolpersteine
7.2 Wichern im Spiegel anderer zeitgenössischer sozialer Utopien
8. Abschließende Würdigung
9. Ausblick
Die Arbeit untersucht das sozialräumliche Denken von Johann Hinrich Wichern. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Wichern durch die Gestaltung von Lebensräumen (Bürgerhof und Rauhes Haus) eine christlich geprägte Erziehung und Familienbildung realisieren wollte, und seine Visionen in den Kontext zeitgenössischer sozialer Utopien zu setzen.
4. Der Bürgerhof - ein Ort der Bildung und familiärer Eintracht
Im Jahre 1842 gibt es in Hamburg einen großen Brand, der zur Zerstörung der Bebauung eines großen Stadtareals führt. Wichern sieht in den neu zu gestaltenden Stadtgebieten die große Chance, einen Bürgerhof zu errichten, der „das materielle Wohl der Familien von selbst hervorbringt“ und „zugleich sittliche Zwecke für das Gedeihen des Familienlebens erzielt“ 27. Deutlich wird hier, dass er einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen baulicher und sozialräumlicher Konzeption und der daraus resultierenden sozialen Lebenswelt der Bewohner, d.h. deren Umgang miteinander und deren ethischer Maßstäbe, sieht.
Wichern geht von einer Bewohnerzahl von 336 Menschen aus. Für einen idealen Standort solcher Bürgerhöfe hält er große Städte und Industriestandorte, „wo eine große Zahl der Bevölkerung der arbeitenden Klasse angehört“ 28. Wichtiger Maßstab der baulichen und sozialräumlichen Planung ist für ihn, dass es im Bürgerhof Einrichtungen gibt, die der Fürsorge und Erziehung der Kinder dienen. Außerdem ist es ihm wichtig, dass auch unverheiratete Bewohner (z.B. Gesellen, Lehrburschen und Dienstboten), die meist finanziell gering ausgestattet sind, eine Möglichkeit zur Familienanbindung erhalten. Ebenso betont er, dass auch die Fürsorge für kranke Mitbewohner von großer Bedeutung für das Gemeinwesen sein soll. Im Mittelpunkt des Wirkens aller in Planung und bauliche Umsetzung involvierten Personen und Gruppen soll „die Fürsorge für geistige Bildung überhaupt und für Erholungen der Bewohner“ 29 stehen.
1. Sozialräumliches Denken in der Sozialpädagogik Johann Hinrich Wicherns: Einführung in die Fragestellung und die Relevanz sozialräumlicher Aspekte in Wicherns Arbeit.
2. Biographisches Fundament: Detaillierte Darstellung der Lebensgeschichte Wicherns, die seine späteren pädagogischen Ideale wesentlich mitgeprägt hat.
3. Wicherns zentraler Gedanke der Familienbildung: Analyse des Kernkonzepts der Familienbildung als Antwort auf die sozialen Missstände und die Armut der Zeit.
4. Der Bürgerhof - ein Ort der Bildung und familiärer Eintracht: Vorstellung des geplanten Bürgerhof-Modells als Ort der Erziehung, Arbeit und sozialen Sicherung.
5. Das Rauhe Haus: Darstellung der tatsächlichen Umsetzung des Rettungshaus-Konzepts für verwahrloste Kinder in Hamburg.
6. Zwei Konzepte - eine elementare Idee: Synthese beider Ansätze in fünf Dimensionen eines idealen Gemeinwesens.
7. Kritische Betrachtung: Analyse von Stolpersteinen in der Logik Wicherns und Vergleich mit utopisch-sozialistischen Modellen.
8. Abschließende Würdigung: Reflexion über die visionäre Bedeutung Wicherns für die moderne Sozialpädagogik.
9. Ausblick: Diskussion aktueller Bezüge und Analogien zu Wicherns Thesen in der heutigen Debatte.
Johann Hinrich Wichern, Innere Mission, Rauhes Haus, Bürgerhof, Sozialräumlichkeit, Familienbildung, Erziehung, Sozialpädagogik, Lebenswelt, Gemeinwesen, Utopie, Armenfürsorge, Pädagogik, Christliches Lebensideal, Lebenslanges Lernen
Die Master-Thesis befasst sich mit dem sozialräumlichen Denken von Johann Hinrich Wichern und untersucht, wie er durch bauliche und soziale Planung christliche Lebensgemeinschaften schaffen wollte.
Im Zentrum stehen die Konzepte des „Bürgerhofs“ und des „Rauhen Hauses“, die Bedeutung der Familie als erzieherische Instanz sowie die Frage nach lebenslanger Bildung und sozialer Integration.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Wichern bereits im 19. Jahrhundert sozialräumliche Paradigmen nutzte, und seine Ansätze kritisch im Kontext zeitgenössischer sozialistischer Utopien zu diskutieren.
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Analyse von Wicherns Schriften und Dokumenten sowie auf den Vergleich mit zeitgenössischen utopischen Ansätzen, etwa denen von Charles Fourier.
Der Hauptteil gliedert sich in die biographischen Grundlagen, die Analyse des „Bürgerhof“-Entwurfs, die praktische Umsetzung des „Rauhen Hauses“ und eine kritische Auseinandersetzung mit der Homogenität dieser Gemeinwesen.
Wichtige Begriffe sind Sozialräumlichkeit, Familienbildung, Innere Mission, pädagogische Visionen, christliche Erziehung und die Analyse von Gemeinwesenmodellen.
Während sozialistische Entwürfe wie die von Fourier oft auf radikaler Freiheit oder veränderten Arbeitsmodellen basieren, setzt Wichern auf ein paternalistisches, christlich-konservatives Familienmodell als Kern seiner Gemeinwesen.
Wichern fand im Jahr 1846 nicht genügend finanzielle Unterstützung oder Förderer für das ambitionierte Bauvorhaben, weshalb es bei einem theoretischen Konzept blieb.
Die Vaterfigur dient als moralisches Vorbild und Strukturgeber, der die Familieneinheit stützt und die Kinder und Jugendlichen auf ein sittliches Leben vorbereitet.
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