Bachelorarbeit, 2022
37 Seiten, Note: 1,5
1. EINLEITUNG
2. GENDER STUDIES UND POSTCOLONIAL STUDIES
3. ENTSTEHUNGSKONTEXT
3.1. MYTHOLOGISCHER HINTERGRUND: IPHIGENIE AUF TAURIS UND IPHIGENIE BEI DEN TAURERN
3.2 GATTUNGSMERKMALE DER TRAGÖDIE
4. DIE FRAUENKONZEPTION: ANALYSE UND DEUTUNG
4.1 DIE FIGUREN UND IHRE KONSTELLATION
4.2 DEUTUNGSANSÄTZE DER IPHIGENIE
4.2.1 Iphigenie als Schwester
4.2.2 Iphigenie als Jungfrau
4.2.3 Iphigenie als Priesterin
4.2.4 Iphigenie als „weiße“ Ikone
4.3 IPHIGENIES ROLLENKONFLIKTE
5. FAZIT
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konzeptionen des Weiblichen in Johann Wolfgang Goethes Drama „Iphigenie auf Tauris“. Das Hauptziel besteht darin, die Rolle der Protagonistin und ihr Geschlechtsverständnis im Kontext von zeitgenössischen Rollenmodellen sowie modernen Forschungskonzepten zu analysieren, wobei insbesondere die Verschränkung von Geschlecht, Herkunft und Machtverhältnissen im Zentrum steht.
4.2.4 Iphigenie als „weiße“ Ikone
Iphigenies Identitätsentwicklung wird durch die männlichen Akteure beeinflusst. Ausgehend von den erörterten Deutungsansätzen definiert sich Iphigenies Weiblichkeit durch ihre Reinheit, Jungfräulichkeit und ihre Nützlichkeit gegenüber dem anderen Geschlecht. Von weitergehendem Interesse für diese Untersuchung ist, inwiefern ihre griechische Herkunft mit ihrem Weiblichkeitskonzept zusammenhängt. So ist neben den Differenzierungskategorien Geschlecht und Menschen-Götter-Verhältnis die Herkunft als Dritte zu untersuchen.
In der modernen Forschung gilt für Goethes Iphigenie-Fassung, dass die kulturellen und sexuellen Differenzen strukturbildend sind. Uerlings definiert in seiner umfangreichen Untersuchung die kulturelle Differenz durch den Gegensatz von Skythen und Griechen sowie die sexuelle Differenz zwischen Iphigenie und Thoas, einer Griechin und einem Skythen. Diesen Ansatz greift auch Kißling auf und führt ihn weiter aus. Ihre These stützt sich dabei auf der Annahme, dass sich in Goethes Drama eine eurozentrische Diskurslogik wiederholt, wodurch eine weiße Norm konstituiert wird. Die Grundlage ihrer Auffassung bilden frühe anthropologische Konzepte, wonach sich der Mensch aus seinem Naturzustand als homme sauvage stufenweise zum zivilisierten Subjekt fortbilden kann, einem homme civilisé. Bekannte Vertreter dieses Konzepts waren beispielsweise Charles-Louis De Secondat Montesquieu, Voltaire und Immanuel Kant, die zur Kategorisierung und Typisierung von Kulturen biologische Merkmale heranzogen.
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Stellung der Frau in Goethes „Iphigenie auf Tauris“ unter Berücksichtigung moderner Forschung wie Gender und Postcolonial Studies.
2. GENDER STUDIES UND POSTCOLONIAL STUDIES: Theoretische Grundlegung der Arbeit durch die Verknüpfung von Geschlechterkonstruktionen mit postkolonialen Diskursen zur Analyse von Machtverhältnissen.
3. ENTSTEHUNGSKONTEXT: Beleuchtung der mythologischen Ursprünge der Iphigenie-Erzählung und der formalen Besonderheiten des Dramas als geschlossene Tragödie der Weimarer Klassik.
4. DIE FRAUENKONZEPTION: ANALYSE UND DEUTUNG: Detaillierte Untersuchung der Figurenkonstellation und der spezifischen weiblichen Rollenbilder von Iphigenie.
5. FAZIT: Zusammenfassende Beantwortung der Leitfrage hinsichtlich der weiblichen Ambivalenzen im Werk und des Humanitätsideals der Klassik.
Iphigenie auf Tauris, Johann Wolfgang Goethe, Weiblichkeit, Gender Studies, Postcolonial Studies, Intersektionalität, Weimarer Klassik, Frauenbild, Humanitätsideal, Priesterin, Tantaliden, ethnische Überlegenheit, Literaturwissenschaft, Rollenkonflikte, Aufklärung.
Die Arbeit analysiert, wie Johann Wolfgang Goethe in seinem Drama „Iphigenie auf Tauris“ das Weibliche konzipiert und welche Rollenbilder der Protagonistin zugeschrieben werden.
Die zentralen Felder sind die Geschlechterrollen im 18. Jahrhundert, die Bedeutung der Herkunft und kulturellen Identität sowie das Zusammenspiel von Macht und Moral innerhalb des Werkes.
Die zentrale Leitfrage lautet, in welcher Weise die Rolle der Frau und ihre Weiblichkeit im Drama dargestellt werden und inwieweit geschlechterspezifische Motive dabei zum Einsatz kommen.
Die Untersuchung nutzt eine kulturwissenschaftliche Herangehensweise, wobei insbesondere theoretische Ansätze aus den Gender Studies und den Postcolonial Studies angewandt werden.
Im Hauptteil werden zunächst der mythologische und klassische Kontext analysiert, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Frauenkonzeption Iphigenies als Schwester, Jungfrau, Priesterin und „weiße“ Ikone.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Intersektionalität, Weimarer Klassik, Geschlechterdiskurse, eurozentrische Diskurslogik und das klassische Humanitätsideal.
Die Arbeit zieht Parallelen zwischen Iphigenie und Goethes eigener Schwester Cornelia, um die im Drama dargestellte Geschwisterbeziehung und die Einschränkung weiblicher Lebensentwürfe durch patriarchale Strukturen zu erklären.
Der Begriff hinterfragt die eurozentrische Perspektive des Werkes, in der Iphigenie als zivilisierte Griechin gegenüber der als „barbarisch“ markierten Bevölkerung von Tauris eine moralische und kulturelle Überlegenheit verkörpert.
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