Examensarbeit, 2009
71 Seiten, Note: 2,8
Geschichte Deutschlands - Erster Weltkrieg, Weimarer Republik
1 Einleitung
2 Voraussetzungen der Außenpolitik Hermann Müllers
2.1 Der Sozialdemokrat Hermann Müller
2.2 Die außenpolitischen Grundsätze der SPD vor und während des Krieges
2.3 Deutschland und seine Außenpolitik vom Kriegsende bis Versailles
3 Herausforderungen der deutschen Außenpolitik von 1919 bis 1920
3.1 Hermann Müllers außenpolitisches Programm
3.2 Versailles und seine direkten Folgen
3.2.1 Kriegsschuld- und Auslieferungsfrage
3.2.2 Reparationen und Wiedergutmachung
3.2.3 Abrüstung
3.2.4 Gebietsabtretungen
3.2.5 Der Anschluss Deutsch-Österreichs
3.2.6 Ergebnisse
3.3 Das Baltikum
3.3.1 Die Lage im Baltikum nach dem Weltkrieg
3.3.2 Der Kurswechsel unter Hermann Müller
3.3.3 Ergebnisse
3.4 Methoden und Mittel einer „demokratischen Außenpolitik“
3.4.1 Deutschland und der Völkerbund
3.4.2 Abkehr von der Geheimdiplomatie
3.4.3 Wirtschaftspolitik als Außenpolitik
3.4.4 Ergebnisse
4 Eine kritische Würdigung der Außenpolitik Hermann Müllers
4.1 Erfolge der neuen Außenpolitik
4.2 Hindernisse
5 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die außenpolitische Tätigkeit von Hermann Müller in den Jahren 1919 und 1920, um seine Leistungen als ersten parlamentarischen Außenminister der Weimarer Republik zu würdigen und sein Wirken kritisch zu hinterfragen. Ziel ist es, die Sichtweise auf den Politiker zu weiten, der heute oft nur mit dem späteren Scheitern seines Kabinetts assoziiert wird, und seine Bemühungen um eine friedliche, auf Ausgleich basierende Außenpolitik vor dem Hintergrund der schwierigen Nachkriegssituation zu beleuchten.
3.2.1 Kriegsschuld- und Auslieferungsfrage
Der in Deutschland wohl strittigste Artikel des Friedensvertrages war der sogenannte „Kriegsschuldparagraph“, der das Reich als alleinigen Urheber des Weltkrieges verantwortlich machte. Ein weiterer „Point d’honneur“, über den man sich in Deutschland entrüstete, war die Frage der Auslieferungen von Kriegsverbrechern, die Artikel 228 regelte. Diese beiden Punkte des Vertragswerkes übten eine solch „ungeheure Wirkung aus“, dass die Zustimmung zum Versailler Vertrag – mit den sonstigen Inhalten hatte man sich bereits abgefunden und war bereit, unter Vorbehalt der Anerkennung dieser „Ehrenpunkte“ zu unterschreiben – beinahe noch in der Nationalversammlung gescheitert wäre.
Hermann Müller selbst war pragmatischer als seine Landsleute: Dass Deutschland „ein gerüttelt Maß an Schuld“ zu tragen habe, stand für ihn außer Frage, gleichwohl er einschränkte, dass „nicht die Rede davon sein kann, dass Deutschland der allein Schuldige ist.“ Die Not, in die Deutschland durch den Krieg und seine Folgen geraten sei, habe „die Annexions- und Raubpolitik“ des untergegangenen Kaiserreiches verursacht. Innerhalb der Regierung und auch im Auswärtigen Amt war diese Ansicht durchaus Mehrheitsmeinung, auch wenn die größeren Teile der Bevölkerung einer „naiv-gutgläubige[n] absolute[n] Verteidigung der deutschen Politik“ vor und während des Krieges zuneigten. Die Außenpolitik hatte deshalb – trotz eines realistischen und selbstkritischen Blickwinkels bei den Verantwortlichen – aus innenpolitischen Gründen Rücksicht auf die Empfindungen in der Mehrheit des Volkes zu nehmen und musste diesen bei allen außenpolitischen Erwägungen in der Frage von Kriegsschuld und Auslieferungen in gewisser Weise entgegenkommen.
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Person Hermann Müllers vor, würdigt seine historische Bedeutung und umreißt die Zielsetzung, den zeitlichen Rahmen sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2 Voraussetzungen der Außenpolitik Hermann Müllers: Dieses Kapitel erläutert den Werdegang Müllers, die außenpolitischen Grundsätze der SPD sowie die Situation Deutschlands nach der Novemberrevolution als Grundlagen seiner Politik.
3 Herausforderungen der deutschen Außenpolitik von 1919 bis 1920: Hier werden Müllers Programm und dessen Umsetzung anhand zentraler Themenfelder wie dem Versailler Vertrag, dem Baltikum sowie den Methoden einer demokratischen Außenpolitik detailliert analysiert.
4 Eine kritische Würdigung der Außenpolitik Hermann Müllers: Dieses Kapitel bewertet abschließend die Erfolge sowie die Hindernisse von Müllers Politik im Kontext der innen- und außenpolitischen Rahmenbedingungen.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Müller zwar ein kohärentes Konzept für eine neue Außenpolitik entwickelte, dieses jedoch aufgrund massiver innenpolitischer und alliierter Widerstände nur bedingt umsetzen konnte.
Hermann Müller, Weimarer Republik, Außenpolitik, Versailler Vertrag, SPD, Kriegsschuld, Baltikum, Völkerbund, Diplomatie, Reparationen, Abrüstung, Verständigungspolitik, Nachkriegszeit, 1919-1920, Demokratie
Die Arbeit analysiert die Tätigkeit von Hermann Müller als erster parlamentarischer Außenminister in der frühen Weimarer Republik (1919/20) und untersucht seine Bemühungen um eine neue, friedliche Außenpolitik.
Im Fokus stehen die Unterzeichnung des Versailler Vertrages, der Umgang mit Reparationsforderungen, die Abrüstungsdebatte, das diplomatische Vorgehen im Baltikum sowie der angestrebte Völkerbundbeitritt.
Es soll bewertet werden, inwiefern Müllers diplomatischer Neuansatz erfolgreich war und welche Faktoren – wie z.B. innenpolitischer Widerstand oder alliierte Haltungen – seine Handlungsspielräume einschränkten.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Quellenanalyse, die neben offiziellen Regierungsprotokollen und Akten der Reichskanzlei auch Presseberichte sowie Berichte ausländischer Diplomaten einbezieht.
Der Hauptteil gliedert sich in eine programmatische Einordnung sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit spezifischen Herausforderungen, insbesondere dem Baltikumkonflikt und den Reparations- sowie Abrüstungsfragen.
Wichtige Begriffe sind Außenpolitik, Verständigungspolitik, Erfüllungspolitik, Weimarer Republik, Versailles und das Baltikum als beispielhaftes Handlungsfeld.
Sie beschreibt die Baltikumpolitik als Fiasko für Müller, da es ihm trotz klarer Zielsetzung nicht gelang, den Widerstand der rechtsgerichteten Militärs und Freikorps vor Ort gegen seine Linie zu brechen.
Dieser Begriff bezieht sich auf seine Rolle in der Außenwirtschaftspolitik, in der er erfolgreich die organisatorischen Reformen des Auswärtigen Amtes unter Schüler vorantrieb.
Müller sah sich im ständigen Konflikt mit den reaktionären Kräften in Militär und Reichswehrführung, die seine Politik der Vertragserfüllung und Abrüstung aktiv hintertrieben.
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