Masterarbeit, 2022
89 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
2. Intersektionalität und Sozialraumtheorie im Bildungskontext
2.1 Intersektionalität
2.2 Natio-ethno-kulturelle Differenz als ‚Migrationshintergrund‘
2.3 Kapitalsorten, sozialer Raum und Habitus nach Pierre Bourdieu
3. Das österreichische Bildungssystem
3.1 Übergänge im österreichischen Bildungssystem als soziale Ungleichheit verstärkende Scheidewege
3.2 Die Problematik des Übergangs von der Schule zum Beruf und die bisher gesetzten bildungspolitischen Maßnahmen
3.3 Forschungsstand zu Übergängen im österreichischen Bildungssystem
3.3.1 Studie „Wege in die Zukunft. Lebenssituationen Jugendlicher am Ende der Neuen Mittelschule“ von Jörg Flecker, Veronika Wöhrer und Irene Rieder (2020)
3.3.2 Studie „Under Pressure!? Integrationschancen und Ausgrenzungsrisiken formal gering Qualifizierter“ von Mario Steiner et al. (2019)
3.3.3 Schlussfolgerungen und die Problematik des Übergangs vor dem Hintergrund der Pandemie
4. Covid-19 und Bildung vor dem Hintergrund sozialer Ungleichheit
4.1 Studie 1: „Lehren und Lernen unter Pandemiebedingungen. Was tun, damit aus der Gesundheits- keine Bildungskrise wird?“ (Steiner et al. 2021)
4.1.1 Online-Befragungen mit Lehrer*innen und Schüler*innen
4.1.2 Interviews mit Lehrer*innen und Schüler*innen
4.1.3 Schlussfolgerungen der Studie
4.2 Studie 2: „Lernen unter Covid-19 – Herausforderung für die Selbstregulation“ (Schober et al. 2020)
4.3 Studie 3: „Lernen im Ausnahmezustand – Chancen und Risiken“ (Holtgrewe et al. 2021)
5. Vergleich und Analyse der Ergebnisse der Covid-19-Studien im Hinblick auf die Forschungsfrage
5.1 Vergleich der drei Studien hinsichtlich Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Methode sowie der Art der Ergebnisse
5.2 Kritische Zusammenschau
5.2.1 Verschränkungen von ‚Migrationshintergrund‘, sozialem Hintergrund, Habitus und Geschlecht im Kontext der Pandemiestrukturen interpretiert mit Bourdieu
5.2.2 Auswirkungen der Differenzkategorien am Übergang in Verschränkung mit den Pandemiefolgen am Beispiel der elterlichen Unterstützung
5.2.3 Intersektionale Diskussion im Hinblick auf die Folgen der Pandemiemaßnahmen
6. Negative Folgen der schulischen Pandemiemaßnahmen für sozioökonomisch benachteiligte Jugendliche
7. Zusammenfassung, Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht die negativen Auswirkungen der schulischen Pandemiemaßnahmen auf sozioökonomisch benachteiligte Jugendliche am Übergang von der Schule zum Beruf. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Folgen die Pandemiemaßnahmen spezifisch für diese Gruppe haben und wie diese durch bestehende soziale Benachteiligungsstrukturen verschärft werden.
1. Einleitung
Der Übergang von der Schule zum Beruf gehört zu den sensibelsten Lebensphasen eines Menschen (Flecker et al. 2020; Großkurth et al. 2015; Steiner 2005). Derartige Übergänge im Bildungssystem können als ‚Scheidewege‘ betrachtet werden, auf denen unter anderem die soziale Herkunft mitentscheidet, ob die weitere Entwicklung innerhalb der Gesellschaft aufwärts oder abwärts verläuft (Brändle/Müller 2014). Die individuelle Handlungsfähigkeit darf hier nicht außer Acht gelassen werden, denn sie kann, je nach Ressourcen, stark eingeschränkt sein.
Konkret ist hierbei die Rede von Resilienz, die von Individuen jeweils unterschiedlich ausgebildet worden ist. Mit ihrer Hilfe können Krisen für die persönliche Weiterentwicklung genutzt werden. Da Resilienz eine Anpassungsfähigkeit darstellt, ist sie im Verlauf des Lebens veränderbar und stellt keine feste Größe dar. Fröhlich-Gildhoff und Rönnau-Böse beziehen sich in ihrem Buch „Resilienz“ auf die gängige Definition des Begriffs nach Wustmann (2004, S. 18; zit. n. Fröhlich-Gildhoff/Rönnau-Böse 2015, S. 10), der Resilienz als die psychische Widerstandskraft gegenüber biologischen, psychologischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken beschreibt.
Wichtig ist den Autor*innen zu erwähnen, dass Resilienz eine Eigenschaft ist, auf die in einer Krise zurückgegriffen werden kann, weil sie sich bereits in der Kindheit entwickeln konnte. Sie ist nicht angeboren, sondern die Folge der Interaktion zwischen Individuum und Umwelt (ebd., S. 10).
1. Einleitung: Einführung in die Problematik des Übergangs von der Schule zum Beruf sowie theoretische Grundlagen wie Resilienz im Kontext sozialer Ungleichheit.
2. Intersektionalität und Sozialraumtheorie im Bildungskontext: Theoretische Auseinandersetzung mit Intersektionalität, dem Begriff des ‚Migrationshintergrunds‘ und Bourdieus Theorie der Kapitalsorten.
3. Das österreichische Bildungssystem: Darstellung des österreichischen Übergangssystems und der strukturellen Selektionsmechanismen, die benachteiligte Jugendliche betreffen.
4. Covid-19 und Bildung vor dem Hintergrund sozialer Ungleichheit: Analyse dreier aktueller Studien, die die Auswirkungen des Distance-Learning auf verschiedene Schülergruppen untersuchen.
5. Vergleich und Analyse der Ergebnisse der Covid-19-Studien im Hinblick auf die Forschungsfrage: Synoptische Auswertung der Studien unter Berücksichtigung methodischer Unterschiede und theoretischer Interpretation.
6. Negative Folgen der schulischen Pandemiemaßnahmen für sozioökonomisch benachteiligte Jugendliche: Konkretisierung der negativen Langzeitfolgen und psychischen Belastungen für die Zielgruppe.
7. Zusammenfassung, Fazit und Ausblick: Synthese der Forschungsergebnisse und Ableitung von Implikationen für die pädagogische Praxis und zukünftige Forschung.
Übergang Schule-Beruf, Covid-19, Soziale Ungleichheit, Intersektionalität, Pierre Bourdieu, Distance-Learning, Bildungsbenachteiligung, Migrationshintergrund, Resilienz, Schulerfolg, Arbeitsmarktintegration, Schulabbruch, Habitus, Psychosoziale Auswirkungen.
Die Arbeit befasst sich mit den negativen Folgen, die die schulischen Covid-19-Pandemiemaßnahmen für sozioökonomisch benachteiligte Jugendliche beim Übergang von der Schule zum Beruf oder in eine weiterführende Ausbildung mit sich gebracht haben.
Zentral sind die Themenbereiche Bildungsungleichheit, der Einfluss sozialer Herkunft und weiterer Differenzkategorien auf Bildungswege, die Auswirkungen von Pandemiemaßnahmen wie dem Distance-Learning sowie die soziologische Interpretation nach Bourdieu.
Das Ziel ist es, auf Basis vorhandener Studien herauszuarbeiten, welche Folgen die Pandemiemaßnahmen für sozioökonomisch benachteiligte Jugendliche hatten und wie diese mit bereits bestehenden Selektionsmechanismen im österreichischen Bildungssystem interagieren.
Die Arbeit nutzt eine intersektionale Perspektive sowie die soziologische Interpretation nach Pierre Bourdieu, um eine kritische Zusammenschau und Analyse bestehender Studien zum Thema Bildung und Covid-19 durchzuführen.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Darstellung des österreichischen Bildungssystems, die Vorstellung und Analyse dreier zentraler österreichischer Studien zu Covid-19 und Bildung sowie eine kritische Zusammenschau der negativen Folgen.
Wichtige Begriffe sind: Übergang Schule-Beruf, Covid-19-Maßnahmen, soziale Bildungsungleichheit, Intersektionalität, Kapitalarten, Distance-Learning und Schulabbruchsrisiken.
Studien deuten darauf hin, dass Mädchen oft stark psychisch belastet sind, während Jungen häufiger Lernrückstände aufweisen oder ihr kompensatorisches Verhalten in einem exzessiven Medienkonsum zeigen.
Hier spielen oft verschränkte Faktoren eine Rolle: Sprachbarrieren, fehlende institutionelle Unterstützung, beengte Wohnverhältnisse und das Fehlen elterlicher Ressourcen, um beim schulischen Wissenserwerb im Distance-Learning zu unterstützen.
Die Eltern spielen eine Schlüsselrolle, da das Distance-Learning eine hohe Eigenverantwortung und elterliche Unterstützung voraussetzte. Familien, die aufgrund ihrer sozialen Lage oder Sprachbarrieren diese Stütze nicht bieten konnten, ließen ihre Kinder in diesem Prozess weitgehend allein.
Sie betont die Notwendigkeit, Schulen nicht nur als Bildungs-, sondern als psychosoziale Räume zu begreifen, das Unterstützungssystem (z.B. Schulsozialarbeit, Psychotherapie) massiv auszubauen und Lehrkräfte im psychosozialen Bereich fortzubilden.
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