Bachelorarbeit, 2007
29 Seiten, Note: 2,7
Geschichte Deutschlands - Erster Weltkrieg, Weimarer Republik
1. Einleitung
2. Historische Bedingungen für die Braunschweiger Schulreform nach dem Ersten Weltkrieg
2.1 Die Auswirkungen der Revolutionszeit 1918/19 in Braunschweig
2.2 Vorgaben durch die Reichsverfassung und die Erwartung des Reichsschulgesetzes
3. Die politische Diskussion der Schulerlasse im Braunschweigischen Landtag (1922 – 1928)
4. Die mediale Diskussion der Braunschweiger Schulreform in ausgewählten Braunschweiger Zeitungen (1922 – 1928)
4.1 Quellenkritische Anmerkungen zu den untersuchten Zeitungen
4.2 Die Berichterstattung der „Freiheit“ (1922)
4.3 Die Berichterstattung des „Braunschweiger Volksfreundes“ (1922 – 1928)
4.4 Die Berichterstattung der „Braunschweigischen Landeszeitung“ (1922 – 1928)
5. Fazit
Die Arbeit untersucht den als „Kulturkampf“ bezeichneten Konflikt um die Schulpolitik im Freistaat Braunschweig zwischen 1922 und 1928. Dabei wird analysiert, wie gegensätzliche ideologische Milieus – die sozialdemokratische Arbeiterbewegung und das konservativ-evangelische Bürgertum – über ministerielle Schulerlasse versuchten, ihre jeweiligen Vorstellungen von Schule und Religion durchzusetzen, und inwiefern dies zur weiteren Verhärtung der gesellschaftlichen Fronten beitrug.
Die politische Diskussion der Schulerlasse im Braunschweigischen Landtag (1922 – 1928)
Nachdem die Reichverfassung die komplette Abschaffung des Religionsunterrichts verhindert hatte, blieb es in Sachen der Schul- und Kirchenpolitik einige Zeit ruhig in Braunschweig.
Aber trotz einiger Vermittlungsversuche des USPD - Ministerpräsidenten Sepp Oerter, der auf einige Vermittlungsversuche mit der katholischen und evangelischen Kirche hinarbeitete, schaffte die sozialdemokratische Koalition kurz nach dessen Rücktritt mit Beschluss vom 20. Dezember 1921 des Buß- und Bettag zum Jahr 1922 als gesetzlichen Feiertag ab. Dafür wurde der 9. November als Feiertag eingesetzt. Lehrer und Schüler wurden für Gottesdienste am Buß- und Bettag ab Anfang 1922 nicht mehr vom Unterricht freigestellt. Hiergegen liefen Kirche und Bürgertum, vor allem in der Presse, Sturm.
Der eigentliche Auslöser für die Ereignisse um die Braunschweiger Schulreform und den damit verbundenen „Kulturkampf“ war der ministerielle Schulerlass des USPD - Volksbildungsministers Otto Grotewohl vom 18. März 1922.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in den „Kulturkampf“ um die Braunschweiger Schulreform ein und definiert den Untersuchungszeitraum sowie die methodische Herangehensweise anhand von Protokollen und Zeitungsquellen.
2. Historische Bedingungen für die Braunschweiger Schulreform nach dem Ersten Weltkrieg: Das Kapitel beleuchtet die starke Vormachtstellung der evangelischen Kirche im Herzogtum Braunschweig und die Versuche der Revolutionsregierung, das Schulwesen zu säkularisieren.
2.1 Die Auswirkungen der Revolutionszeit 1918/19 in Braunschweig: Hier werden die konkreten gesetzlichen Einschnitte der USPD-geführten Regierung in die kirchliche Schulhoheit und deren Widerstand beim Bürgertum dargestellt.
2.2 Vorgaben durch die Reichsverfassung und die Erwartung des Reichsschulgesetzes: Der Abschnitt erläutert die rechtlichen Rahmenbedingungen durch die Weimarer Reichsverfassung, insbesondere den „Weimarer Schulkompromiss“ und den Sperrartikel 174.
3. Die politische Diskussion der Schulerlasse im Braunschweigischen Landtag (1922 – 1928): Die Analyse konzentriert sich auf die parlamentarischen Debatten, die durch wechselnde ministerielle Schulerlasse und die politische Polarisierung geprägt waren.
4. Die mediale Diskussion der Braunschweiger Schulreform in ausgewählten Braunschweiger Zeitungen (1922 – 1928): Dieses Kapitel untersucht die Rolle der Presse als parteipolitisches Sprachrohr und deren Einfluss auf die Radikalisierung der Schuldebatte.
4.1 Quellenkritische Anmerkungen zu den untersuchten Zeitungen: Es erfolgt eine historische Einordnung der Tageszeitungen „Volksfreund“, „Die Freiheit“ und „Braunschweigische Landeszeitung“ hinsichtlich ihrer Ausrichtung.
4.2 Die Berichterstattung der „Freiheit“ (1922): Darstellung der scharf antikirchlichen Positionierung der USPD-Zeitung zugunsten der Grotewohl-Reform.
4.3 Die Berichterstattung des „Braunschweiger Volksfreundes“ (1922 – 1928): Analyse der sozialdemokratischen Argumentation, die den Kampf um die Schule als Teil des Klassenkampfes interpretierte.
4.4 Die Berichterstattung der „Braunschweigischen Landeszeitung“ (1922 – 1928): Aufarbeitung der konservativ-liberalen Gegendarstellung, die die Schulreform als kulturfeindliche Vergewaltigung evangelischer Werte kritisierte.
5. Fazit: Das Fazit resümiert die Unversöhnlichkeit der Milieus und die daraus resultierende politische Instabilität, die den demokratischen Konsens untergrub.
Braunschweiger Schulreform, Weimarer Republik, Kulturkampf, Schulpolitik, Arbeiterbewegung, Bürgertum, Schulerlasse, Religionsunterricht, Bekenntnisschule, Simultanschule, Otto Grotewohl, Kirchenpolitik, Freistaat Braunschweig, Weltanschauung, Weimarer Reichsverfassung.
Die Arbeit analysiert die konfliktreichen Auseinandersetzungen um die Schulreform im Freistaat Braunschweig während der Weimarer Republik, bei denen religiöse und weltanschauliche Überzeugungen auf die politische Arena trafen.
Zentrale Themen sind die Rolle der evangelischen Kirche im Bildungswesen, die politische Gesetzgebung durch ministerielle Erlasse sowie die ideologische Instrumentalisierung der Schulfrage in der regionalen Presse.
Das Ziel ist es, die „religiöse“ Braunschweiger Schulreform anhand von Landtagsprotokollen und Zeitungsberichten nachzuzeichnen und die Unvereinbarkeit zwischen dem evangelischen Bürgertum und der religionskritischen Arbeiterbewegung zu interpretieren.
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse historischer Dokumente, insbesondere der Protokolle des Braunschweigischen Landtags sowie der Berichterstattung ausgewählter Tageszeitungen dieser Epoche.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der rechtlichen Rahmenbedingungen, die detaillierte parlamentarische Debatte über die Erlasse sowie eine vergleichende Untersuchung der medialen Positionierung der Parteizeitungen.
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Schulpolitik, Kulturkampf, Weimarer Republik, Freistaat Braunschweig und politischer Polarisierung charakterisieren.
Er fungierte als rechtliche Grauzone, die durch die Sperrartikel der Reichsverfassung den Spielraum für Landesregierungen einschränkte, was zur Folge hatte, dass Minister versuchten, ihre Ziele durch umstrittene ministerielle Erlasse zu erreichen.
Während die sozialdemokratischen Blätter den Religionsunterricht als Instrument der Unterdrückung und Kirchenmacht kritisierten, verteidigten ihn die bürgerlichen Zeitungen als unverzichtbaren Bestandteil sittlicher Bildung und Identität.
Die Arbeit zeigt, dass die Akteure die Schule nicht nur als Bildungseinrichtung, sondern als Kern ihrer Identität sahen, wobei das Bürgertum mit Traditionen und die Sozialdemokratie mit einem sozialistischen Utopia argumentierte.
Sie entwickelten sich aus einem politischen Experiment heraus zu einem festen Bestandteil der kulturellen Identität der Arbeiterbewegung, dienten als Gegenentwurf zur bekenntnisgebundenen Schule und wurden von der bürgerlichen Seite scharf bekämpft.
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