Bachelorarbeit, 2022
57 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Die Schleswig-Holsteinische Erhebung
2.1 Der Diskurs und Diskurspositionen im Vorfeld der Erhebung
2.2 Der Verlauf der Erhebung
3. Zwischen Amtseid und Aufruhr? Die Geistlichkeit Schleswigs in
3.1. Geistliches Selbstbewusstsein und öffentliche Positionierungen
3.2. Der maßgebliche Diskurs innerhalb der theologischen Debatte
3.2.1. Das Fürbittengebet
3.2.2. Amtseid und Obrigkeitsverständnis
3.3. Politische Konsequenzen: Amtsentlassungen
4. Vergleichende Analyse zweier Predigtsammlungen in der Schleswig-Holsteinischen Erhebung
4.1. Biographische Hintergründe und Entstehungskontext der Quellen
4.2. Die Betstunden Nicolaus Nielsens in der Kieler Klosterkirche
4.2.1. Die Bewertung der Erhebung in Nielsens Theologie
4.2.2. Nielsens theologische Verbildlichungen
4.3. Die Predigten Heinrich Rendtorffs in Arnis
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie der politische Diskurs der Schleswig-Holsteinischen Erhebung die Geistlichkeit Schleswigs beeinflusste und inwiefern diese ihre politische Haltung durch theologische Argumentation legitimierte. Die zentrale Fragestellung richtet sich darauf, wie Geistliche politische Ereignisse in ihren Predigten rezipierten und durch eine spezifische theologische Deutung wiederum selbst Einfluss auf die Diskursebene nahmen.
1. Einleitung
„Denn wären wir das, was zu sein wir beschuldigt werden, Verräther, Eidbrüchige, Rebellen [...]“, sprach der Pastor Lorenz Simonsen am 9.1.1851 in der Kieler Klosterkirche. Seine Betstunde hielt er in einer Zeit der gesellschaftlichen und politischen Umbrüche, der revolutionären Bewegungen und politischen Forderungen von bürgerlicher Mitbestimmung und einem einheitlichen deutschen Staat, in denen sich die Kirchen den Fragen nach der eigenen Bedeutung und ihrer Rolle in zunehmend säkularisierten Gesellschaften stellen mussten. In den damaligen Herzogtümern Schleswig und Holstein tobte zu dieser Zeit zudem die Schleswig-Holsteinische Erhebung, die 1848, maßgeblich geprägt durch nationale dänische und deutsche Gegensätze, ausgebrochen war.
Dieser dreijährige Krieg zwischen Dänemark und den vom deutschen Bund unterstützten Schleswig-Holsteinern äußerte sich nicht nur in den politischen und militärischen Interessenskonflikten, sondern auch in der maßgeblichen Auseinandersetzung um die Deutungshoheit über Recht und Unrecht im nationalen Diskurs. Sowohl auf deutschnationaler als auch auf dänischnationaler Seite wurde durch das Zurückgreifen auf vermeintlich historisches Recht versucht, die eigene Position zu legitimieren. Inmitten dieser Auseinandersetzung und in einem Umfeld, das sich in offener Auflehnung gegenüber dem dänischen König bewegte, fand sich die schleswigsche Geistlichkeit wieder. Diese hatte mit ihrem Amtseid den dänischen König als ihre rechtmäßige Obrigkeit anerkannt und war ihm somit zu Gehorsam verpflichtet.
Trotz dessen stellte sich die Mehrheit der schleswigschen Geistlichkeit auf Seiten der Schleswig-Holsteinischen Erhebung, was ihr, wie Pastor Simonsen erwähnt, als ein Verrat, ein Bruch ihres Amtseides und eine Rebellion gegenüber ihrer Obrigkeit ausgelegt wurde, und das nicht nur von dänischen, sondern auch von preußischen Geistlichen. Gegen diesen Vorwurf wandte sich Simonsen in seiner Betstunde, als er erklärte, dass „Thatsachen der Landesgeschichte und Gründe der Landesrechte uns [umringen] und als ein Gewissensgrund in uns [einziehen]“.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Problematik der Schleswig-Holsteinischen Erhebung ein und skizziert die wissenschaftliche Zielsetzung der Arbeit sowie die methodische Diskursanalyse.
2. Die Schleswig-Holsteinische Erhebung: Darstellung der historischen und politischen Hintergründe, insbesondere der Konflikte um Verfassung, Erbfolge und Sprachen, die zum Ausbruch des Krieges führten.
3. Zwischen Amtseid und Aufruhr? Die Geistlichkeit Schleswigs in: Analyse der komplexen Positionierung der Geistlichen, die sich zwischen ihrem Amtseid und dem Bedürfnis nach landesrechtlicher Legitimität bewegten.
4. Vergleichende Analyse zweier Predigtsammlungen in der Schleswig-Holsteinischen Erhebung: Detaillierter Vergleich der Betstunden von Nicolaus Nielsen und der Predigten von Heinrich Rendtorff hinsichtlich ihrer theologischen Bewältigung der Niederlage.
5. Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse, wonach die Geistlichkeit ihr Handeln als Gewissensentscheidung und Verteidigung des Landesrechts und nicht als Aufruhr gegen die Obrigkeit interpretierte.
Schleswig-Holsteinische Erhebung, Geistlichkeit, Kirchenkampf, Landesrechte, Amtseid, Diskursanalyse, Theologie, Predigten, Nicolaus Nielsen, Heinrich Rendtorff, Obrigkeit, Legitimität, Säkularisierung, Landesverwaltung, Nationalismus
Die Arbeit analysiert die politische Rolle und theologische Argumentation der schleswigschen Geistlichkeit während der Schleswig-Holsteinischen Erhebung (1848–1851).
Themen sind die Beeinflussung der Geistlichkeit durch nationale Diskurse, die theologische Deutung des Krieges sowie das Verhältnis zwischen Kirche, Landesrecht und Obrigkeit.
Ziel ist es zu klären, wie die Geistlichen politische Ereignisse in ihren Predigten rezipierten und welche Legitimationsstrategien sie nutzten, um ihre Loyalität zur Erhebung zu rechtfertigen.
Als Methode dient die historische kritische Diskursanalyse, basierend auf dem Ansatz von Michel Foucault, um die Wirklichkeitskonstruktion in den Predigten zu erfassen.
Der Hauptteil befasst sich mit der Geistlichkeit im Kontext des Amtseids, der Bedeutung des Kirchengebets als politisches Mittel und einer vergleichenden Analyse von Predigtsammlungen.
Wesentliche Begriffe sind landesrechtliche Legitimität, Kirchenkampf, nationale Identität, theologische Sinnstiftung sowie die Akteure Nielsen und Rendtorff.
Das Fürbittengebet war ein hochgradig politisch aufgeladenes Ritual; die Weigerung, für den dänischen König zu beten, signalisierte den Bruch mit der alten Obrigkeit und diente der Loyalitätsbekundung gegenüber der Erhebung.
Die Geistlichen sahen sich als Verteidiger ihrer Landesrechte; viele verweigerten die Kooperation mit der neuen Landesverwaltung und radikalisierten ihre theologische Rhetorik gegenüber ihrer eigenen Entlassung.
Ja, während Nielsen die landesrechtliche Legitimität theologisch fundierte und den Krieg stark glorisierte, fokussierte Rendtorff stärker auf das Leid der Gemeinde und rief zur Buße und Umkehr auf.
Etwa ein Viertel der Geistlichkeit wurde entlassen und durch dänisch gesinnte Pastoren ersetzt; die meisten Wortführer mussten die Herzogtümer verlassen oder wanderten aus.
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