Masterarbeit, 2022
88 Seiten, Note: 1,3
I) Einführung (Quellen, Forschungsstand)
II) Methodologische Überlegungen zur Transtextualität nach Genette
III) Judit in der apokryph-biblischen LXX-Erzählung
III.1) Judit als ökonomisch unabhängige Witwe
III.2) Judit als fromme Jüdin – Mord im Auftrag Gottes
III.3) Judit als prophetische Tricksterin
III.4) Judit als Holophernes’ Hure und ihre Negation der Sexualität
IV) „Weib ist Weib“ – Hebbels Judith als misogynes Weiberschicksal
IV.1) Die Verdinglichung der Frau: Das Weib als ‚Waffe‘
IV.2) Die ‚Waffen‘ der Frau
IV.2.A) List
IV.2.B) Schönheit
IV.3) „mich in Stücke zerreißen“- Hebbels Judith als
IV.3.A) jungfräuliche Witwe
IV.3.B) Jüdin
IV.3.C) lüsterne Hure
IV.3.D) Vergewaltigte
IV.3.E) wahnsinnig-rächende Mörderin
IV.3.F) potenzielle Mutter
IV.4) Zerrissenheit in der Syntax der hebbelschen Judith
V) Hochhuths Vervielfachung der Judithfigur
V.1) Hochhuths Judithfiguren in der gesellschaftlich-patriarchalen Rolle als
V.1.A) Tochter und Schwester
V.1.B) Ehefrau und Witwe
V.1.C) Kriegsbeute und Partisanin (Jelena)
V.1.D) Journalistin
V.1.E) Mörderin (Nora Astorga, Judith Williams u. Jelena)
V.1.F) Verführerin – Instrumentalisierung von Sexualität
V.1.G) potenzielle Mutter (Judith Williams, Nora Astorga)
V.2) Hochhuths Judith als Individuum
V.2.A) Rächerin
V.2.B) politische Aktivistin
V.2.C) Agnostikerin
V.3) Zerrissenheit in der Syntax der hochhuthschen Judith
VI) Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Emanzipation der Judithfigur in ausgewählten literarischen Werken, wobei sie deren Ursprung im biblischen LXX-Text sowie die Transformationen bei Friedrich Hebbel und Rolf Hochhuth analysiert. Im Zentrum steht die kritische Hinterfragung der Androzentrik dieser Texte sowie die feministische Dekonstruktion der traditionellen Frauenrollen.
Judit als prophetische Tricksterin
Eine Tricksterin ist eine mythologische Gestalt, die durch ein unberechenbares, betrügerisches, aber auch schelmisches Wesen charakterisiert ist, wobei sie oft männlich ist, weshalb in Lexika das männliche Personalpronomen verwendet wird:
He is immoral, or, at least, amoral, and he is, more often than not, a thief. Yet he often uses his inventiveness to help human beings and is sometimes, in effect, a culture hero. Often his inventiveness interferes with creation, however, and causes such realities as pain and death. The trickster is a shape shifter.
Wie im Folgenden gezeigt wird, stimmen diese Trickster-Merkmale auf Judit zu: „(1) ambiguity, anomaly, or interplay of opposites; (2) deception and trickery; (3) disguise and shape-shifting; (4) inversion of situation or position“. Das vierte Merkmal äußert sich z.B. in der zuerst auf dem Boden liegenden Judit (Jdt 12,15) und dem erhöht auf seinem Bett sitzenden Holophernes. Diese Elevation wird ironischerweise invertiert in Jdt 13,9, wo der leblose Körper des Holophernes vom Bett herabgerollt wird, was diesen entwürdigt.
I) Einführung (Quellen, Forschungsstand): Umreißt Entstehung und Kanonizität des Juditbuches sowie die literarische Rezeption des Stoffes durch Hebbel und Hochhuth.
II) Methodologische Überlegungen zur Transtextualität nach Genette: Führt in die theoretischen Grundlagen der Intertextualität ein, auf die die Analyse der Werke stützt.
III) Judit in der apokryph-biblischen LXX-Erzählung: Analysiert Judit als unabhängige Witwe, fromme Jüdin und prophezeihende Tricksterin im biblischen Kontext.
IV) „Weib ist Weib“ – Hebbels Judith als misogynes Weiberschicksal: Untersucht Hebbels psychologisierte Judith-Darstellung unter dem Aspekt der Verdinglichung und ihrer Zerrissenheit.
V) Hochhuths Vervielfachung der Judithfigur: Beleuchtet die Transformation des Stoffes in die Moderne am Beispiel von Hochhuths Dramenfiguren und deren politischer Kontextualisierung.
VI) Fazit und Ausblick: Resümiert die Ergebnisse der transtextuellen Untersuchung und plädiert für eine Fortführung der Analyse literarischer Judith-Texte von Autorinnen.
Juditbuch, Judith, Friedrich Hebbel, Rolf Hochhuth, Intertextualität, Transtextualität, Emanzipation, Androzentrismus, Feministische Exegese, Gender, Mordmotiv, Tricksterin, Wirkungsgeschichte, Literaturwissenschaft, Biblische Frauenfiguren.
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Bedeutung der Judithfigur vom biblischen Apokryphon bis hin zu ihrer Neuinszenierung in der modernen Literatur.
Dazu gehören die Intertextualität, die Rolle der Geschlechter, das Mordmotiv im Namen Gottes sowie die feministische Dekonstruktion patriarchaler Machtmuster.
Die Untersuchung zielt darauf ab, die Emanzipation der Judithfigur bei Hebbel und Hochhuth im Vergleich zum LXX-Urtext sowie dessen androzentrische Perspektive kritisch zu hinterfragen.
Es wird die Methode des Close Reading unter Verwendung der transtextuellen Terminologie nach Gérard Genette angewandt.
Analysiert werden die biblische Erzählung, Hebbels psychologisierendes Trauerspiel und Hochhuths mehrdimensionale Vervielfachung der Figur in modernen politischen Kontexten.
Juditbuch, Emanzipation, Intertextualität, Feministische Exegese, Androzentrismus und Transtextualität sind zentrale Begriffe.
Es dient Hebbel dazu, die psychische Zerrissenheit und die zweifelhafte moralische Motivation seiner Protagonistin zu begründen, die im Gegensatz zum biblischen Vorbild steht.
Hochhuth vervielfältigt die Figur in verschiedene zeitgenössische Typen (Jelena, Judith Williams, Nora), um den Stoff für historische Reflexionen zur Tyrannei zu instrumentalisieren.
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