Bachelorarbeit, 2009
57 Seiten, Note: 1,7
Didaktik für das Fach Deutsch - Deutsch als Fremdsprache, DaF
1 Einleitung
2 Inhaltliche Übersicht
2.1 Ende des Sommers und die mittlere Stadt
2.2 Später Herbst und die große Stadt
2.3 Sehr viel Winter und ein Wartesaal
3 Sozioökonomische Lage der Angestellten
3.1 Sonderrolle: Weibliche Angestellte
3.2 Das ‚kunstseidene Mädchen‘ als Angestellte
4 Kunst und Massenkultur in der Weimarer Republik
4.1 Siegfried Kracauer und die Zerstreuung der Massen
4.2 Siegfried Kracauer und das Kino
4.3 Siegfried Kracauer und die Entdeckung von Jugend und Sport
4.4 Massenkultur und Zerstreuung in Das kunstseidene Mädchen
4.5 Motiv des Glanzes
5 Geschlechterrolle und Sexualität
5.1 Die ‚neue Frau‘
5.2 Erotik und Sexualität in Das kunstseidene Mädchen
5.3 Scheiternde Lebensentwürfe, Partnerschaft und Beruf
5.4 Prostitution
5.5 Prostitution und Das kunstseidene Mädchen
5.6 Motiv: das Kunstseidene und Textilien
6 ‚Neue Sachlichkeit‘
6.1 Was ist ‚Neue Sachlichkeit‘?
6.2 Das kunstseidene Mädchen als neusachlicher Roman
7 Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht den Roman "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun unter Einbeziehung sozioökonomischer, kulturhistorischer und geschlechtsspezifischer Aspekte. Im Zentrum steht die Frage, inwieweit die Romanfigur Doris den zeitgenössischen Typus der "neuen Frau" repräsentiert und wie der Roman die Realität der Weimarer Republik – insbesondere die Lebensbedingungen weiblicher Angestellter – reflektiert.
Massenkultur und Zerstreuung in Das kunstseidene Mädchen
Angestelltenkultur, Vergnügungsindustrie und moderne Massenmedien wie Film, Tanzlokale, Schlager und Werbung sind wesentliche Inhalte des Romans. Darüber hinaus prägen sie den Text stilistisch.
Doris geht gern ins Kino und ist dabei keineswegs nur passive Rezipientin der Kulturindustrie, sondern geht ihrerseits produktiv mit den neuen Medien der Zwanziger Jahre um. Ihr Tagebuch, das die Leser durch den Roman führt, weist cineastische Wesenszüge auf und ähnelt dadurch einem Drehbuch zur Verfilmung ihres Lebens. Unverknüpfte aneinandergereihte Eindrücke, die häufig nur mit Gedankenstrichen verbunden sind, ähneln den Montagen und schnellen Schnitten des Films. Dabei kann sich das Erzähltempo auch drastisch steigern; sehr häufig findet das formelhafte „ich sehe“ Verwendung.
Doris’ Beobachtungen wechseln häufig von umfassenden Ansichten zu winzigen Details und werden wie im Film — von der Totalen bis zur Großaufnahme — verwendet. Neben der Bildgröße ist die Bewegung ein wesentliches filmisches Stilmittel, das zum Beispiel wie in der folgenden Textpassage als Kamerafahrt oder als Schwenk seine textuelle Entsprechung finden kann.
[. . . ] blaue Lichter, rote Lichter, viele Millionen Lichter — Schaufenster — Kleider — aber keine Modelle — andere Autos fahren manchmal schneller — Bettladen — ein grünes Bett, das kein Bett ist, sondern moderner, dreht sich ringsum immer wieder — in einem großen Glas wirbelnde Federn — Leute gehen zu Fuß — das moderne Bett dreht sich — dreht sich.
1 Einleitung: Die Einleitung stellt den Roman in den historischen Kontext der Weimarer Republik und umreißt das Ziel der Arbeit, die gesellschaftliche Realität der Zeit anhand der Protagonistin Doris zu untersuchen.
2 Inhaltliche Übersicht: Dieses Kapitel liefert eine chronologische Zusammenfassung des Handlungsverlaufs vom Kölner Berufsleben bis zum Ende in Berlin.
3 Sozioökonomische Lage der Angestellten: Es wird die historische Situation der Angestellten, insbesondere der weiblichen, als wachsende soziale Schicht analysiert.
4 Kunst und Massenkultur in der Weimarer Republik: Das Kapitel beleuchtet den Einfluss der Kulturindustrie und die mediale Prägung durch Film und Tanz auf die Angestellten.
5 Geschlechterrolle und Sexualität: Hier werden das Frauenbild der "neuen Frau", die rechtliche Situation sowie das Thema Prostitution im historischen Kontext erörtert.
6 ‚Neue Sachlichkeit‘: Dieses Kapitel verortet Keuns Roman innerhalb der literarischen Strömung der Neuen Sachlichkeit und deren ästhetischer Merkmale.
7 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Analyseergebnisse zur Realitätsnähe des Romans und Doris' ambivalente Beziehung zur Massenkultur.
Neue Sachlichkeit, Weimarer Republik, Irmgard Keun, Das kunstseidene Mädchen, Angestellte, neue Frau, Massenkultur, Siegfried Kracauer, Sexualität, Prostitution, Konsum, Geschlechterrolle, Zerstreuung, Film, Sozioökonomie
Die Bachelorarbeit analysiert den Roman "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun im Kontext der sozioökonomischen und kulturellen Verhältnisse der Weimarer Republik.
Die Arbeit beleuchtet die Arbeitswelt von Angestellten, die Bedeutung von Massenkultur, das Bild der "neuen Frau" sowie die gesellschaftliche Moral und Sexualität jener Zeit.
Ziel ist es, den Roman mit der historischen gesellschaftlichen Realität zu kontrastieren und die Funktion der Protagonistin Doris als Repräsentantin des weiblichen Angestelltentyps zu untersuchen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die den Romantext mit soziologischen Essays von Siegfried Kracauer und zeithistorischen Forschungsergebnissen vergleicht.
Der Hauptteil gliedert sich in die sozioökonomische Situation, die massenkulturelle Prägung durch Film und Mode, den Wandel von Geschlechterrollen sowie die Einordnung des Werkes in die Neue Sachlichkeit.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören "Neue Sachlichkeit", "Weimarer Republik", "neue Frau", "Angestelltenkultur" und "Massenkultur".
Doris verkörpert den Typus der modernen, "neuen Frau" der zwanziger Jahre, deren Emanzipationsanspruch jedoch an der prekären wirtschaftlichen Realität und mangelnder Bildung scheitert.
Die Montagetechnik, die sich in Doris' tagebuchartiger Erzählweise und der Integration von Schlagern oder Filmzitaten zeigt, korrespondiert mit der schnellen, modernen Lebenswelt und unterstreicht die neusachliche Ästhetik des Romans.
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