Masterarbeit, 2021
60 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung
2.1. Forschungsperspektive
2.1.1 Minimalistische Definition nach Todorov
2.1.2 Maximalistische Definition
2.2. Arbeitsdefinition
3. Weltsicht im Mittelalter
3.1 Geschichtliche Rahmenbedingungen
3.2 Mittelalterliche Karten
4. Phantastik im Wigalois
4.1 Vorgeschichte
4.2 Ankunft am Artushof
4.3 Bewährungsâventiuren
4.4 Vorgeschichte Korntins und Führung durch das wunderbare Tier
4.5 Kampf mit dem Drachen Pfetan
4.6 Waldweib Ruel
4.7 Karrioz und Schwertrad-Brücke
4.8 Marrien und Ankunft vor dem Tor
4.9 Burg Glois und Kampf gegen Roaz
5. Exkurs
6. Resümee
Diese Arbeit widmet sich der Untersuchung, ob der moderne Literaturbegriff der Phantastik auf mittelalterliche Texte, speziell den Artusroman Wigalois von Wirnt von Grafenberg, angewendet werden kann, wobei die Forschungsfrage auf die historische Einordenbarkeit und die etwaige Modifikation des Terminus zielt.
4.5 Kampf mit dem Drachen Pfetan
Bevor Wigalois — „sîn sorge was vil manicvalt“ (V. 4990) — dem Drachen entgegenreitet „nam er ûz der taschen sîn daz brôt und daz blüemelîn“ (V. 4991-4992). Die Zauberblume gibt ihm Zuversicht und das Brot große Kraft. Außerdem bekreuzigt sich der Held, als er des Ungeheuers ansichtig wird, um sich Gottes Segen und Unterstützung zu vergewissern. Wigalois ist sich bewusst, dass er sozusagen dem Tod geweiht ist (V. 4907, 5088), und trotzdem lässt er sich immer wieder auf neue Aventiuren ein.
Wirnts Beschreibung des Drachens (V. 5028-5042 u. 5055-5079) lässt Pfetan vor den Augen des Rezipienten bildhaft erscheinen und Zweifel aufkommen, ob ein Mensch einen Zusammenstoß mit ihm überleben kann. Der Lindwurm erscheint absolut phantastisch, eben ein Wesen aus einer anderen, sagenhaften sowie märchenhaften Welt. „In der Antike wurde er [allerdings] für ein reales Wesen angesehen“ und „in der christlichen Mythologie symbolisiert der Drache den Teufel und das Böse“.
Letzteres scheint Wigalois ebenfalls zu denken, denn als er ein kurzes Stoßgebet an Gott richtete, spricht er im Zusammenhang mit Pfetan von „tievels bot“ (V. 5080). Nach dem Buch der Natur von Konrad von Megenberg gehört der Drache den schlangenartigen Tieren an. Er ist sehr groß, hat Flügel, ein „tôtpringendez anûchen oder anplâsen auz seinem hals“, einen Elefanten kann er besiegt und Teile von ihm können zu Arzneimitteln verarbeitet werden. Mit anderen Worten aus mittelalterlicher Sicht ist ein Drache ein real existierendes, todbringendes Wesen. Im Wigalois weist er Elemente von einem Eber, Krokodil, Hahn, Maultier, Greif, Bär, Pfau sowie Steinbock auf und ist gigantisch groß.
1. Einleitung: Darlegung der Thematik und Forschungsabsicht, den Phantastikbegriff anhand des Wigalois zu prüfen.
2. Begriffsbestimmung: Theoretische Auseinandersetzung mit verschiedenen Strömungen der Phantastikforschung und Herleitung einer Arbeitsdefinition.
3. Weltsicht im Mittelalter: Skizzierung des mittelalterlichen Weltbildes und dessen Rezeption des Übernatürlichen als Hintergrund für das Verständnis des Romans.
4. Phantastik im Wigalois: Detaillierte Untersuchung spezifischer Episoden des Wigalois auf ihre phantastischen Elemente und deren Wirkung.
5. Exkurs: Vergleichende Analyse von Motiven im Wigalois mit modernen Fantasywerken zur Verdeutlichung phantastischer Kontinuitäten.
6. Resümee: Zusammenfassende Beantwortung der Ausgangsfragen und Schlussfolgerungen zur Anwendbarkeit des Phantastikbegriffs auf ältere Literatur.
Phantastik, Mittelalter, Wigalois, Wirnt von Grafenberg, Artusroman, Minimalistische Definition, Maximalistische Definition, Wunderbares, Fiktionalität, Literaturwissenschaft, Drache, Metamorphose, Anderswelt, Mittelalterliches Weltbild, Aventiure
Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit des modernen Literaturbegriffs der Phantastik auf den mittelalterlichen Versroman Wigalois von Wirnt von Grafenberg.
Im Zentrum stehen die Definition und Forschungsperspektiven zur Phantastik, das mittelalterliche Weltbild und die Analyse phantastischer Elemente in spezifischen Episoden des Wigalois.
Das Ziel ist es, zu klären, ob der Terminus der Phantastik, der oft als neuzeitlich gilt, sinnvoll auf ältere Epochen wie das Mittelalter übertragen werden kann.
Die Verfasserin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Definitionen (Todorov u.a.) mit der historisch-kontextuellen Betrachtung des mittelalterlichen Romans verbindet.
Der Hauptteil analysiert diverse Aventiuren des Wigalois, wie den Kampf gegen den Drachen Pfetan oder die Begegnung mit Marrien, im Hinblick auf ihren Phantastikgehalt.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Phantastik, Anderswelt, Wunderbares, Mittelalterliches Weltbild und Fiktionalität innerhalb der Artusepik.
Die Verfasserin argumentiert, dass viele im Roman beschriebene Wunder damals aufgrund eines tiefverwurzelten Gottes- und Aberglaubens eher als Teil der Realität akzeptiert wurden, während sie einen heutigen Leser phantastisch und unwahrscheinlich anmuten.
Der Vergleich mit Werken wie Tolkiens Der kleine Hobbit dient dazu, Parallelen in den Motiven aufzuzeigen und die phantastische Kontinuität über Jahrhunderte hinweg zu verdeutlichen.
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