Masterarbeit, 2020
60 Seiten, Note: 1,15
1. Einleitung
2. Theoretischer und methodischer Rahmen
2.1 Forschungsstand
2.2 Theoretischer Bezugsrahmen
2.3 Die Quellenlage
2.4 Der Sprachgebrauch in der Arbeit
3. Der historische Kontext: Die „Mischehendebatte“
4. Die literarische und fotografische Darstellung der transkulturellen Beziehungen und Familien
4.1 Biologistische Differenzkriterien
4.2 Kulturelle Differenzkriterien
4.2.1 Kleidung
4.2.2 Sprache & Bildung
4.2.3 Freizeitgestaltung
4.3 Soziale Differenzkriterien
4.3.1 Klasse
4.3.2 Geschlecht
4.4 Zusammenfassung
5. Resümee und Ausblick
Die Masterarbeit untersucht, wie deutschsprachige Publizisten im Deutschen Kaiserreich und in der Kolonie Samoa transkulturelle Partnerschaften, Ehen und Familien auf Samoa an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert darstellten. Dabei wird analysiert, wie durch die Verknüpfung von biologisierenden, kulturellen und sozialen Differenzkriterien Vorstellungen von Zugehörigkeit oder Abgrenzung konstruiert wurden, um koloniale Ordnungsansprüche zu legitimieren.
4.1 Biologistische Differenzkriterien
In den Quellen wurden äußere Differenzkriterien, wie Hautfarbe, Körperbau, Gesicht, und innere Differenzkriterien, wie zum Beispiel Blut und Gene, hinzugezogen, um Zugehörigkeit oder Abgrenzung auszudrücken. Diese einzelnen Merkmale wurden kombiniert betrachtet, um die physische Attraktivität (Gesicht, Körperbau usw.) sowie die physische und psychische Konstitution (bestimmt durch die Gene und das Blut) zu beurteilen.
Ein Konglomerat von äußeren und inneren Differenzkriterien stellte die Begründung für die sogenannte Sonderstellung dar, die der samoanischen Bevölkerung hauptsächlich durch Befürworter der Transkulturalität zugesprochen wurde und sich auch nach dem Ersten Weltkrieg im Bilderband von Erich Scheuermann finden lässt: „Der Samoaner nimmt unter den Eingeborenenvölkern eine Sonderstellung ein. Man kann ihn unmöglich als „Wilden“ bezeichnen und etwa auf die gleiche Ebene mit zentralafrikanischen Negern, Papuas oder Melanesiern stellen. Sein bedeutender Intellekt und menschlicher Hochstand geben ihm durchaus das Recht auf eine Sonderbeurteilung.“
Diese Sonderstellung beruhte zum einen auf dem angeblich gemeinsamen indogermanischen Ursprung, der als wissenschaftlich belegt galt. Zum anderen wurde die exponierte Stellung der Samoaner auch mit der physischen Schönheit, die sich auch an äußeren Differenzkriterien bemaß, begründet. Scheuermann führte in diesem Punkt aus: „Ihrer schönen Hautfarbe, ihres harmonischen Körperbaus, wie ihrer ganzen ansprechenden Erscheinung wegen gelten die Samoaner mit Recht als die schönsten unter den Eingeborenen-Völkern der Erde“. Dessen ungeachtet schränkte Scheuermann, wie andere Autoren auch, diese proklamierte Schönheit durch detaillierte und akribische Beschreibung jedes einzelnen Körperteils ein.
1. Einleitung: Einführung in die Problematik transkultureller Ehen im kolonialen Samoa und die Darlegung der Forschungsfragen.
2. Theoretischer und methodischer Rahmen: Vorstellung der postkolonialen Perspektive und der verwendeten Quellenbasis für die Untersuchung.
3. Der historische Kontext: Die „Mischehendebatte“: Beleuchtung der politischen und rechtlichen Diskurse rund um interkulturelle Ehen sowie der Rolle des Gouverneurs Solf.
4. Die literarische und fotografische Darstellung der transkulturellen Beziehungen und Familien: Zentrale Analyse der verschiedenen Differenzkriterien und deren Verschränkung in der zeitgenössischen Publizistik.
5. Resümee und Ausblick: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Reflexion über die Bedeutung der Ergebnisse für die Kolonialgeschichte.
Transkulturalität, Kolonialismus, Samoa, Mischehendebatte, Intersektionalität, Rassismus, Geschlechternormen, Wissensproduktion, Identitätskonstruktion, koloniale Ordnung, Südsee-Mythos, Biologismus, soziale Differenzierung, Deutsche Kolonialgeschichte, Diskursanalyse
Es geht um die Untersuchung deutschsprachiger diskursiver Darstellungen von transkulturellen Partnerschaften und Familien auf Samoa im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert.
Die Themenfelder umfassen die koloniale „Mischehendebatte“, die Rolle der Frau in der Kolonie, die Kategorie „Rasse“ im kolonialen Kontext sowie die visuelle und schriftliche Repräsentation von Samoanern.
Die Arbeit fragt danach, wie transkulturelle Beziehungen damals dargestellt wurden und welche Differenzkriterien genutzt wurden, um Zugehörigkeit oder Abgrenzung zu konstruieren.
Strukturell arbeitet die Autorin mittels Diskursanalyse und nutzt einen intersektionalen Ansatz, um das Zusammenwirken der Kategorien Rasse, Klasse und Geschlecht zu erforschen.
Der Hauptteil analysiert detailliert biologische, kulturelle und soziale Differenzkriterien, wie sie in Reiseberichten, Zeitungen und Fotografien zur Stützung kolonialer Ideologien eingesetzt wurden.
Zentrale Begriffe sind unter anderem Transkulturalität, Kolonialismus, Samoa, Mischehendebatte und Intersektionalität.
Fotografien werden nicht als neutrale Abbildungen, sondern als aktive Quellen zur Konstruktion kolonialer Wissenshierarchien und zur ästhetischen Einordnung der Samoaner betrachtet.
Samoa bietet ein spezielles Beispiel für das Spannungsfeld zwischen kolonialen Machtansprüchen und dem tatsächlichen Alltag transkultureller Partnerschaften, die dort entgegen der kolonialen Ideologie häufiger vorkamen.
Es dient als Ausgangspunkt für die Analyse, wie der Staat versuchte, koloniale Diskurse in rechtliche Ordnungen zu übersetzen und damit die gesellschaftliche Stellung der Akteure zu beeinflussen.
Ja, die Analyse zeigt, dass samoanische Frauen und Männer von Publizisten oft unterschiedlich nach sozialen und geschlechtsspezifischen Kriterien bewertet wurden, wobei deutsche Frauen eine Sonderrolle als „Kulturträgerinnen“ einnahmen.
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