Bachelorarbeit, 2016
43 Seiten, Note: 2,1
1. Einleitung
2. Die Unvereinbarkeit von Künstler- und Bürgertum
3. Die Figur des Dilettanten im 18. und 19. Jahrhundert
4. Christian Buddenbrooks Vorliebe für das Theater
4.1 Christians Imitationen und die Reaktionen seiner Umwelt
4.2 Der Verfall als Schauspiel und Theater im Roman
5. Fazit
Diese Bachelorarbeit untersucht die Rolle und Bedeutung der Theaterleidenschaft der Romanfigur Christian Buddenbrook in Thomas Manns „Buddenbrooks. Verfall einer Familie“. Ziel ist es, zu analysieren, inwiefern seine schauspielerischen Imitationen und seine Affinität zum Theater maßgeblich zu seinem persönlichen Verfall beitragen und wie diese Neigung in den Kontext des bürgerlichen Lebens und des modernen Dilettantismus einzuordnen ist.
4. Christian Buddenbrooks Vorliebe für das Theater
Ja, es ist wahrhaftig wunderschön, ein Künstler zu sein! (BU, S. 263)
Diese Aussage macht Christian Buddenbrook im Kreis seiner Familie, als er über seine Vorliebe für Konzert-Besuche spricht. Christian lässt bei dieser Aussage offen, ob er sich selbst als Künstler sieht oder über das Künstler-Dasein im Allgemeinen spricht.
Was sich aus seinen Worten eindeutig entnehmen lässt, ist seine Bewunderung und große Vorliebe für das Theater sowie die Schauspieler. Er ist schon glücklich, wenn er nur das Wort „Theater“ hört (Vgl. Ebd., S. 261). Diese Leidenschaft nimmt solche Ausmaße an, dass er stundenlang vor dem geschlossenen Vorhang stillsitzen könnte (Vgl. Ebd.). Christian mag das Theater nicht nur, er liebt es vielmehr. Es ist eine Leidenschaft und Liebe, die er scheinbar kaum in Worte auszudrücken vermag und er ist sich nicht sicher, ob andere Menschen dieselben Empfindungen haben (Vgl. Ebd.).
Sein Interesse für das Theater drückt sich darin aus, dass er diesen Ort häufig aufsucht oder andere Lokalitäten wählt, die Raum für Inszenierungen bieten. Wenn Christian nicht im Ausland, sondern in seiner Heimatstadt ist, hält er sich oftmals im Theater oder im „Klub“ (BU, S. 448), anstelle seines Elternhauses, auf. Des Weiteren verlässt er zum Beispiel das gemeinsame Weihnachtsfest im Familienkreis, um in den Klub zu gehen (Vgl. Ebd., S. 540). Er scheint im Theater sein Zuhause gefunden zu haben:
Früher habe ich mich fortwährend gesehnt, einmal hinter die Coulissen [sic!] zu kommen - ja, jetzt bin ich da ziemlich zu Hause, das kann ich sagen. (Ebd., S. 262)
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob Christians Theaterleidenschaft zu seinem Verfall beiträgt, und verortet das Thema im Kontext der Forschung zu Thomas Manns Werk.
2. Die Unvereinbarkeit von Künstler- und Bürgertum: Das Kapitel beleuchtet den historischen Gegensatz zwischen bürgerlichen Idealen wie Fleiß und Produktivität und der häufig als müßiggängerisch oder unzuverlässig abgewerteten Schauspielerei.
3. Die Figur des Dilettanten im 18. und 19. Jahrhundert: Hier wird der Begriff des Dilettantismus analysiert, der im 19. Jahrhundert einen Statusverlust erfährt und als Ausdruck von Unstetigkeit und dekadenter Auflösung verstanden wird.
4. Christian Buddenbrooks Vorliebe für das Theater: Dieses Kapitel untersucht detailliert Christians theaterbezogene Verhaltensweisen, seine Neigung zur Imitation und die Wirkung dieser Darstellungen auf seine Familie und Außenstehende.
4.1 Christians Imitationen und die Reaktionen seiner Umwelt: Dieser Abschnitt zeigt, dass Christians künstlerische Darbietungen zwar als amüsant empfunden werden, ihn jedoch gleichzeitig in seiner sozialen Stellung isolieren und seine Person als „Dilettant“ entwerten.
4.2 Der Verfall als Schauspiel und Theater im Roman: Diese Analyse betrachtet das Theater als übergeordnetes Deutungsschema für den Niedergang der Familie, in dem Christian exemplarisch die Abkehr von bürgerlichen Werten verkörpert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Theaterleidenschaft als wesentlicher Baustein von Christians Dilettantismus und somit als Katalysator seines Verfalls anzusehen ist.
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Die Arbeit untersucht die Bedeutung der Theaterliebe der Figur Christian Buddenbrook in Thomas Manns Roman „Buddenbrooks“ und hinterfragt deren Einfluss auf seinen persönlichen Niedergang.
Die zentralen Themen sind das Spannungsverhältnis zwischen Künstlertum und Bürgertum, der Begriff des Dilettantismus im 19. Jahrhundert sowie die Funktion des Theaters als Metapher für den Familienverfall.
Die Forschungsfrage lautet: Inwiefern trägt die ausgeprägte Vorliebe für das Theater beziehungsweise die schauspielerische Imitation maßgeblich zum Verfall der Romanfigur Christian Buddenbrook bei?
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Romananalyse, die unter Einbezug von Forschungsliteratur sowie zeitgenössischen Texten (wie z. B. von Diderot oder Bourget) den Kontext von Bürgertum und Dilettantismus erarbeitet.
Der Hauptteil analysiert die historische Unvereinbarkeit von Künstlern und Bürgern, definiert den Typus des Dilettanten in der Dekadenz-Epoche und untersucht die konkreten schauspielerischen Eskapaden Christians sowie deren Wahrnehmung durch die Familie.
Wichtige Begriffe sind „Dilettantismus“, „Dekadenz“, „bürgerliche Identität“, „Theatermetaphorik“ und „Selbstinszenierung“.
Er wird so bezeichnet, weil er seine Fähigkeiten nicht produktiv im Sinne eines künstlerischen Berufs einsetzt, sondern als Mittel zur Selbstausdrückung oder zur Distanzierung vom bürgerlichen Leben nutzt, was ihn in der bürgerlichen Welt isoliert.
Die Familie fungiert ambivalent: Sie nutzt seine Talente zunächst zur Unterhaltung (im „Klub“), lehnt ihn aber spätestens im Zuge seines Verfalls ab, da sein Verhalten mit bürgerlichen Werten wie Pünktlichkeit, Disziplin und Leistung unvereinbar ist.
Der Autor zeigt auf, dass der Protagonist die Fähigkeit zur Differenzierung zwischen seiner künstlerischen Darstellung und dem bürgerlichen Alltag verliert, wodurch sein Leben selbst zum Schauspiel („Dilettantismus“) wird.
Die Arbeit analysiert, dass Christian den Verfall durch seine Theaterleidenschaft in sich trägt und als „Dilettant“ die Unmöglichkeit aufzeigt, das bürgerliche Erbe mit individuellen „künstlerischen“ Neigungen zu vereinen.
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