Masterarbeit, 2020
81 Seiten, Note: 1,0
Einleitung: die Dekonstruktion als ethisch-politischer Diskurs
I. »Wirklichkeit« als Text – zu Derridas Schrift-Begriff
I.1. Vorbemerkung: die Grammatologie als Fundamentaldisziplin
I.2. Derridas Schrift-Begriff als Alternativkonzept zum logozentrischen Wort-Schrift Schema
I.3. Differentialität – Arbitrarität – Entsubstantialisierung: Saussure und das Zeichen
I.4. Ur-Schrift/ différance/ Spur/ Spiel … – die Grammatologie und ihre Bausteine
I.5. Nietzsches »vielleicht« als Einsatz eines dekonstruktiven »Fragens«
II. Das Gemeinschaftsmodell der partikularen Gleichheit – am Beispiel von Carl Schmitts Freund-Feind-Unterscheidung
II.1. Vorbemerkung: der Gemeinschafts-Begriff aus sozial- und kulturwissenschaftlicher Perspektive
II.2. epistemologische Aporien – vom »Wissen«, wer der »Feind« ist
II.3. Carl Schmitts Typologie des Feindes (in »Der Begriff des Politischen«)
II.4. zur »existentiellen« Maßgeblichkeit: Schmitts Intensitätsmodell
II.5. Alterität – Fraternität – Feindschaft: die »Frage« als Einsatz der Dekonstruktion
II.6. Zwischenfazit: der »Feind« und die Ermächtigung zum Töten
III. Das Gemeinschaftsmodell der universellen Gleichheit – am Beispiel von Immanuel Kants Anthropologie
III.1. Vorbemerkung: physiologische und pragmatische Anthropologie
III.2. Monogenese und Rassentheorie bei Kant
III.3. zum »Weltbürgerrecht«: Kants Konzeption einer universellen Gemeinschaftlichkeit
III.4. Zwischenfazit
Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht dekonstruktiv, wie unterschiedliche Gemeinschaftsmodelle – von partikularen Modellen bis hin zu universalistischen Ansätzen wie bei Kant – Identität und Alterität konstruieren. Dabei steht die kritische Hinterfragung der Ausgrenzungsmechanismen im Mittelpunkt, die auf einer vermeintlich homogenen »Seinsmäßigkeit« gründen, um der Frage nachzugehen, wie eine Gemeinschaft jenseits dogmatischer Identitätsdogmatismen nachgedacht werden kann.
Einleitung: die Dekonstruktion als ethisch-politischer Diskurs
Eine dekonstruktive Betrachtung gemeinschaftlicher Gleichheitsmodelle im Ausgang von Derrida muss sich zunächst ihrer theoretischen Grundlagen versichern. D.h. eine kritische Auseinandersetzung mit dem sozial-anthropologischen Konzept der »Gemeinschaft« untersucht nicht nur deren konstitutive Prämissen und Begriffe, sondern reflektiert ihren eigenen theoretischen Rahmen und dessen axiomatische Bedingungen. Wenn also von Dekonstruktion(en), bzw. von dekonstruktiven Lesarten die Rede sein soll, dann wird im Folgenden zu zeigen sein, dass die »Dekonstruktion« weder eine »Methodik« noch eine »Programmatik« im strengen Sinne eines determinierten, d.h. geregelten und berechenbaren Systems impliziert, sondern vielmehr den Methoden-, Struktur- und Systembegriff gerade fundamental in Frage stellt. Mehr noch, gerade die Erörterung dessen, was »Dekonstruktion« heißt, wird von einer ethisch-politischen Problemstellung als Befragung der konstitutiven Prinzipien von Gemeinschaftlichkeit letztlich nicht zu trennen sein.
Wann immer von »Gemeinschaft« gesprochen wird, sind Vorstellungen und Konzepte im Spiel, die eine in sich geschlossene und eindeutig abgrenzbare (soziale) Einheit nach einem wie auch immer definierten Gleichheitsprinzip implizieren. »Alterität« ist nach diesem Modell auf zweifache Weise bestimmt: zum einen als das »Andere« im »Gleichen«, d.h. als eine »Andersheit«, die an der »Innerlichkeit« der Gemeinschaft partizipiert und in ihr aufgehoben ist, während das »Andere« als ein Fremdes und Nicht-dazu-gehörendes sich letztlich nicht einpassen lässt in die »Seinsmäßigkeit« der Gemeinschaft, d.h. ihr stets »äußerlich« bleibt. Die Grenze zwischen diesen beiden Modalitäten der »Andersheit« ist nach den Vorraussetzungen des (gemeinschaftlichen) Gleichheitsprinzips als rein und undurchlässig definiert.
Genau an diesem neuralgischen Punkt setzt die Dekonstruktion als ein (ethisch politischer) Diskurs des »Anderen« an. Was die Dekonstruktion dabei ins Spiel bringt, ist ein Denken des »Anderen«, das mit jeglicher Form einer auf sich selbst reduzierten Einheit bricht. Derridas Akzent liegt hierbei zunächst auf der Charakteristik der Zeichenstruktur im Allgemeinen, die sich in seinem spezifischen Schriftbegriff manifestiert.
I. »Wirklichkeit« als Text – zu Derridas Schrift-Begriff: Dieses Kapitel legt die zeichentheoretischen Grundlagen dar, indem es den Derrida’schen Schriftbegriff als dekonstruktives Korrektiv zur metaphysischen Präsenzphilosophie etabliert.
II. Das Gemeinschaftsmodell der partikularen Gleichheit – am Beispiel von Carl Schmitts Freund-Feind-Unterscheidung: Eine kritische Untersuchung von Schmitts Modell, das Identität durch die strikte Ausgrenzung eines Feindes generiert und dabei in epistemologische Aporien gerät.
III. Das Gemeinschaftsmodell der universellen Gleichheit – am Beispiel von Immanuel Kants Anthropologie: Die Analyse zeigt auf, wie Kants Konzept der universellen Gleichheit zwar das Individuum schützt, aber durch ethnozentrische Rassentheorien und Ausschlüsse in der Praxis problematisch bleibt.
Dekonstruktion, Jacques Derrida, Carl Schmitt, Immanuel Kant, Gemeinschaft, Alterität, Freund-Feind-Unterscheidung, Schriftbegriff, Logozentrismus, Anthropologie, Gastfreundschaft, Identität, Differenz, Différance, Politische Philosophie.
Die Arbeit untersucht, wie westliche philosophische Ansätze den Begriff der Gemeinschaft definieren und welche Rolle das »Anderen« dabei spielt – sei es als Feind oder als universell gleicher Mensch.
Die zentralen Themen sind Dekonstruktion, Zeichentheorie, politische Philosophie, Anthropologie und die Frage nach der ethischen Behandlung von Fremden/Anderen.
Das Ziel ist es, die verborgenen Ausgrenzungsmechanismen in Konzepten von Identität und Gemeinschaft durch eine dekonstruktive Perspektive offenzulegen und zu hinterfragen.
Die Arbeit nutzt die Methode der Dekonstruktion im Sinne von Jacques Derrida, um Denksysteme und deren zugrunde liegende Metaphysik zu destabilisieren.
Im Hauptteil werden Derridas Theorie (Kapitel I), das partikulare Modell bei Carl Schmitt (Kapitel II) und das universelle Modell bei Immanuel Kant (Kapitel III) analysiert.
Schlüsselwörter sind Dekonstruktion, Identität, Alterität, Gemeinschaft, Différance, Souveränität, Moral, Politik und Ethik.
Schmitt dient als Paradebeispiel für ein Modell, das Gemeinschaft politisch extrem über eine klare Freund-Feind-Unterscheidung konstituiert, was für die dekonstruktive Kritik besonders fruchtbar ist.
Kant wird als Gegenpol untersucht, der universelle Würde postuliert, aber die Arbeit kritisiert die damit einhergehenden, oft rassistisch geprägten anthropologischen Annahmen und die Exklusion von "Gästen".
Das "vielleicht" wird mit Nietzsche in Verbindung gebracht und symbolisiert bei Derrida die Offenheit, die eine dogmatische Verschließung von Sinn und Gemeinschaft verhindert.
Die Arbeit argumentiert eindringlich gegen die Vorstellung einer in sich ruhenden, homogenen Gemeinschaft und plädiert stattdessen für eine "Gastfreundschaft", die das Andere stets integriert.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

