Diplomarbeit, 2009
123 Seiten, Note: Sehr Gut
1. Einleitung
2. Begriffsdiskussion
2.1. Der Suizid
2.1.1. Wörter und deren Wirkung
Der Selbstmord
Der Freitod
Suizidalität
Suizidversuch
Suizidrate
Suizidfeststellung
Verdeckter Suizid
Suizidmethoden
2.2. Die Krise
2.2.1. Psychosoziale Krisen
Traumatische Krise
Veränderungskrise
Chronisch-protrahierte Krise
2.2.2. Gefahren von Krisen
2.2.3. Krisen und Suizidalität
3. Theoretische Erklärungsmodelle für den Suizid
3.1. Das soziologische Modell
Durkheims Suizidtheorie
Imitation
3.2. Das psychologische Modell
Aggressionstrieb/ Todestrieb
Narzißmuskrise
3.3. Das medizinische Modell
„Das präsuizidale Syndrom“
4. Suizide in Österreich
4.1. Suizide in der Normalbevölkerung
4.2. Suizide in Justizanstalten
5. Justizvollzug in Österreich
5.1. Historische Annäherung
Die Strafrechtsreformen
5.2. Gesetzliche Basis
a, das Strafvollzugsgestz (StVG 1969)
b, die Strafprozessordnung (StPO 1975)
c, die vom BMJ für die Justizanstalten erlassene Vollzugsordnung (VZO)
d, das Jugendgerichtsgesetz (JGG 1988)
e, Strafprozessreformgesetz (2008)
5.3. Diskussion der aktuellen Zahlen und Situation
5.3.1. Wiederverurteilungsstatistik 2008
5.3.2. Ausländerkriminalität
5.4. Zweck des Strafvollzuges
5.5. Wandel der Anforderungen an den Strafvollzug
6. Formen des Strafrechtlichen Freiheitsentzuges
6.1. Vollzug der Strafhaft
6.2. Vollzug der Untersuchungshaft (§§ 183ff StPO)
6.3. Jugendvollzug (§§51ffJGG)
6.4. Maßnahmenvollzug (§§157ff StVG)
7. Struktur der Haft
7.1. Unterbringungsformen
Normalvollzug
Einzelunterbringung
Gelockerter Vollzug
Erstvollzug
Fahrlässigkeitsvollzug
Entlassungsvollzug
7.2. Haftbedingungen
7.2.1. Besuche und Kontakte zur Außenwelt
Besuche
Lockerungen
7.2.2. Arbeit
7.2.3. Medizinische Versorgung
7.2.4. Psychologische Betreuung
7.2.5. Sozialarbeiterische Betreuung
7.2.6. Seelsorgerische Betreuung
7.3. Haftalltag
Bezug von Zusatznahrung und Genussmitteln „Ausspeisung“
Ordnungswidrigkeiten, Ordnungsstrafverfahren und Ordnungsstrafen
8. Psychische und soziale Folgen des Freiheitsentzuges
8.1. Theoretische Annäherung
8.1.1. Justizanstalt als Totale Institution nach Goffmann
Ziele und Methoden
Auswirkungen
Strafvollzug als Totale Institution
8.1.2. Theorie der gelernten Hilflosigkeit
Störungen in Folge von „Gelernter Hilflosigkeit“
8.2. Schock der Inhaftierung
8.2.1. Die besondere Belastungen U-Haft
Phasen der Untersuchungshaft
8.3. Haft und psychische Erkrankungen
8.4. Suizidalität in Haft
9. Aufgaben der Fachdienste in Haftanstalten
9.1. Sozialarbeit
9.2. Psychologen
9.3. ÄrztInnen/Ärzte
9.4. Abgrenzung der Tätigkeit der einzelnen Fachdienste
Sozialarbeit und Therapie
Sozialarbeit und Exekutive
10. Präventionsmaßnahmen
10.1. Krisenintervention
10.1.1. Ziel und Prinzipien
10.1.2. Aufgabe des Helfers und Interventionstechniken
10.1.3. Verlauf
Erstkontakt
Das Erstgespräch
Der Abschluss
10.1.4. Regeln im Umgang mit Suizidgefährdeten
10.1.5. Problematik der Intervention bei Suizidalität in Justizanstalten
10.2. Group Counselling
10.3. VISCI (Viennese Instrument for Suicidality in Correctional Institutions)
10.4. Listener Projekt
11. Gegenüberstellung Ist- und Sollzustand
Die Arbeit analysiert die Dynamik des Suizidgeschehens in österreichischen Justizanstalten unter Berücksichtigung soziologischer, psychologischer und medizinischer Erklärungsmodelle. Das primäre Ziel besteht darin, den Ist-Zustand der Suizidprävention zu bewerten, die Rolle der Sozialarbeit in diesem Kontext zu definieren und Ansätze für zukünftige Innovationen im Strafvollzug abzuleiten.
Die besondere Belastungen U-Haft
Bei der Verhängung der Untersuchungshaft wird das Besserungsziel noch nicht in Betracht gezogen, somit sind eigentlich Lockerungen gegenüber der Strafhaft vorgesehen. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Lockerungen die vorhandenen Erschwernisse kompensieren können.
Die genannten Lockerungen bestehen beispielsweise in der Erlaubnis, eigene Kleidung tragen zu dürfen. Die Beschränkung des Besitzes ist weniger stark als bei Strafhäftlingen Untersuchungshäftlinge unterliegen auch nicht der Arbeitspflicht, weiters haben sie auch Anspruch auf mehr Besuch gegenüber dem Strafgefangenen. Diesen Lockerungen gegenüber steht allerdings die Kompetenz der/des U-Richterin/U-Richters beim Vollzug der Untersuchungshaft. Diese/r kann beispielsweise die freiwillige Arbeitsleistung von Untersuchungshäftlingen verbieten. Es ergeben sich individuelle Unterschiede in der Behandlung der Häftlinge dadurch, dass nicht ein Untersuchungsrichter für alle zuständig ist und somit im Rahmen der gesetzlichen Lage in eigentlich ähnlichen Sachlagen unterschiedliche Entscheidungen gefällt werden. Ein weiterer Nachteil der Untersuchungshaft ist die Unsicherheit des Häftlings. Der Strafhäftling kennt sein Strafausmaß, sie/er weiß, wie seine Zukunft aussieht und kann sich darauf einstellen. Dies bleibt einem Untersuchungshäftling verwehrt. Ihr/Ihm ist nicht die Dauer seines „Aufenthalts“, meist nicht einmal das Datum seiner Hauptverhandlung bekannt. Bis zur Zustellung der Anklageschrift, weiß er meist auch nicht was ihm genau angelastet wird und wie das Strafausmaß dafür aussieht. Eine Anpassung und Beeinflussung seines Schicksals ist nicht möglich. Dies wiegt doppelt schwer, wenn man bedenkt, dass es sich bei Untersuchungshäftlingen um Personen handelt denen man eine Straftat lediglich anlastet, die ihnen jedoch nicht nachgewiesen wurde, sie unterliegen dadurch der Unschuldsvermutung.
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die suizidfördernden Aspekte des Strafvollzugs und die Möglichkeiten präventiver sozialarbeiterischer Maßnahmen.
2. Begriffsdiskussion: Definition von Suizid, Suizidalität und Krise sowie Einordnung der Begrifflichkeiten in einen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext.
3. Theoretische Erklärungsmodelle für den Suizid: Analyse soziologischer, psychologischer und medizinischer Ansätze zur Entstehung von Suizidalität.
4. Suizide in Österreich: Darstellung der Suizidraten in der Normalbevölkerung im Vergleich zur statistischen Situation in Haftanstalten.
5. Justizvollzug in Österreich: Überblick über die gesetzliche Grundlage und historische Entwicklung des Strafvollzugssystems sowie aktuelle Herausforderungen.
6. Formen des Strafrechtlichen Freiheitsentzuges: Erläuterung der verschiedenen Haftformen, wie Strafhaft, U-Haft und Maßnahmenvollzug.
7. Struktur der Haft: Detaillierte Betrachtung des Haftalltags, der Unterbringungsformen und der Betreuungsangebote in österreichischen Justizanstalten.
8. Psychische und soziale Folgen des Freiheitsentzuges: Untersuchung der Auswirkungen von Haft anhand der Theorien zur "Totalen Institution" und zur "Gelernten Hilflosigkeit".
9. Aufgaben der Fachdienste in Haftanstalten: Analyse der Arbeitsfelder von Sozialarbeit, Psychologie und medizinischen Diensten innerhalb der Justiz.
10. Präventionsmaßnahmen: Bewertung konkreter Interventionen und Instrumente zur Suizidprävention wie Group Counselling, VISCI und das Listener-Projekt.
11. Gegenüberstellung Ist- und Sollzustand: Evaluierung der aktuellen Praxis durch Experteninterviews und Definition von Verbesserungsansätzen für eine wirksame Suizidprävention.
12. Zusammenfassung und Fazit: Resümee über die multifaktoriellen Ursachen von Suizidalität in Haft und die Notwendigkeit einer Verlagerung von reiner Verwahrung hin zu einem behandlungsorientierten Vollzug.
Suizidprävention, Strafvollzug, Sozialarbeit, Inhaftierung, Untersuchungshaft, Krisenintervention, Justizanstalten, Psychische Störungen, Suizidalität, totale Institution, Resozialisierung, Maßnahmenvollzug, gelockerter Vollzug, Haftbedingungen, Experteninterviews.
Die Diplomarbeit untersucht die Problematik des Suizidgeschehens in österreichischen Justizanstalten, insbesondere bei männlichen Inhaftierten, und hinterfragt die Rolle der Sozialarbeit in diesem Bereich.
Die Schwerpunkte liegen auf theoretischen Erklärungsmodellen für Suizidalität, der aktuellen Situation im österreichischen Justizvollzug, den psychischen Folgen der Inhaftierung sowie den eingesetzten Präventionsmaßnahmen.
Das Ziel ist es, den Ist-Zustand der Suizidprävention zu analysieren und aufzuzeigen, wie durch eine stärkere Einbindung sozialer Dienste und innovativer Präventionsmodelle Verbesserungen für die InsassInnen erreicht werden können.
Die Arbeit ist als Literaturarbeit angelegt, ergänzt durch Leitfadeninterviews mit MitarbeiterInnen des Sozialen Dienstes in drei österreichischen Justizanstalten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit dem Krisenbegriff und Suizidmodellen, eine Beschreibung des österreichischen Justizsystems sowie eine detaillierte Analyse der Betreuungsmöglichkeiten durch Fachdienste.
Suizidprävention, Strafvollzug, Sozialarbeit, Haftbedingungen, Resozialisierung, Krisenintervention und totale Institution.
Internationale Studien belegen ein bis zu zwölfmal höheres Suizidrisiko für Inhaftierte im Vergleich zur Normalbevölkerung.
Das "Viennese Instrument for Suicidality in Correctional Institutions" ist ein Screening-Fragebogen, der bei jedem Neuzugang eingesetzt wird, um suizidgefährdete Personen durch JustizwachebeamtInnen frühzeitig zu identifizieren.
Prisonisierung beschreibt den Prozess der allmählichen Anpassung von Inhaftierten an die Gefängnisstrukturen und die damit verbundene Übernahme einer passiven Lebenshaltung.
Die Ergebnisse zeigen, dass die direkte Krisenintervention in Suizidfällen primär im Zuständigkeitsbereich von Ärzten und Psychologen liegt, während die Sozialarbeit eher unterstützend agiert.
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