Bachelorarbeit, 2022
40 Seiten, Note: 1,3
1. EINLEITUNG
2. BEGRIFFSERKLÄRUNGEN
2.1 PAARBEZIEHUNGEN
2.2 KONFLIKTPOTENZIALE ASYMMETRISCHER PAARBEZIEHUNGEN
2.2.1 FIKTION UND WIRKLICHKEIT
2.2.2 DOMINANZ UND MACHTGEFÄLLE
2.2.3 NÄHE-DISTANZ-VERHÄLTNIS
2.2.4 IDENTITÄT ZWISCHEN KONVENTIONEN UND SELBSTBESTIMMUNG
3. AGNES VON PETER STAMM
3.1 FIGUREN
3.1.1 AGNES
3.1.2 DER ICH-ERZÄHLER
3.2 ANALYSE DER PAARBEZIEHUNG
3.2.1 FIKTION UND WIRKLICHKEIT
3.2.2 DOMINANZ UND MACHTGEFÄLLE
3.2.3 NÄHE-DISTANZ-VERHÄLTNISSE
3.2.4 ZWISCHEN KONVENTIONEN UND SELBSTBESTIMMUNG
4. DER VORLESER VON BERNHARD SCHLINK
4.1 FIGUREN
4.1.1 MICHAEL BERG
4.1.2 HANNAH SCHMITZ
4.2 ANALYSE DER PAARBEZIEHUNG
4.2.1 FIKTION UND WIRKLICHKEIT
4.2.2. DOMINANZ UND MACHTGEFÄLLE
4.2.3 NÄHE-DISTANZ-VERHÄLTNIS
4.2.4 ZWISCHEN KONVENTIONEN UND SELBSTBESTIMMUNG
5. GEGENÜBERSTELLUNG DER PAARBEZIEHUNGEN
6. FAZIT
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, anhand der Romane Agnes von Peter Stamm und Der Vorleser von Bernhard Schlink typische Verhaltensmuster und zugrunde liegende Konfliktpotenziale in asymmetrischen Paarbeziehungen zu analysieren, wobei der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichen Konventionen und individueller Selbstbestimmung liegt.
3.2.1 Fiktion und Wirklichkeit
Um auf die Grundfragen der theoretischen Annäherung an die Begriffe Fiktion und Wirklichkeit zurückzukommen, werden sie an dieser Stelle kontextnah verdeutlicht: Inwiefern werden Wünsche, Vorstellungen und Erwartungen auf die andere Person projiziert, welche Folgen haben Diskrepanzen und wie beeinflussen diese die Vorstellung des Paares?
Bei dem zu analysierenden Paar aus dem Roman Agnes wird schnell ersichtlich, dass die Ebene des Fiktion-Realitäts-Verhältnisses eines der größten Konfliktpotenziale für das Paar darstellt, da es schlussendlich zur vorzeitigen Auflösungsphase der Beziehung führt. Die gesamte Handlung zeigt miteinander verwobene Wirklichkeitsebenen, die situativ in Beziehung miteinander gesetzt werden. Die gelebte Wirklichkeit von Agnes und dem Erzähler liefert den Stoff für die Fiktion, während das Geschriebene sich wiederum auf die Romanwirklichkeit auswirkt. Die beiden Ebenen stehen in dem Sinne in einer reziproken Beziehung zueinander, lenken zunehmend Emotionen und Ereignisse (vgl. ebd., 67 f., 108 f.).
Bereits am Tag nach dem ersten Treffen holt die Fantasie des Ich-Erzählers die Wirklichkeit ein und deutet ein Verhaltensmuster an, dass sich von nun an durch die gesamte Handlung ziehen wird: „In meinem Kopf war unsere Beziehung viel weiter gediehen als in Wirklichkeit. Ich begann schon, mir über sie Gedanken zu machen, hatte schon Zweifel, dabei hatten wir uns noch nicht einmal verabredet“ (ebd., 17). Hinweise auf fehlende Grenzschichten zur Realität können bereits hier erkannt werden. Grundsätzlich sind drei hauptsächliche Überschneidungspunkte der beiden Ebenen zu verorten: Ab dem Zeitpunkt, bei dem die Fiktion die Gegenwart erreicht und schließlich in die Zukunft vordringt (vgl. Stamm 2009, 63), bis hin zu dem Empfinden, dass Agnes von nun an das Geschöpf des Erzählers sei (vgl. ebd., 62).
1. EINLEITUNG: Einführung in die Problematik asymmetrischer Paarbeziehungen und Vorstellung der Forschungsfrage unter Einbeziehung der Vergleichswerke.
2. BEGRIFFSERKLÄRUNGEN: Theoretische Herleitung zentraler Konzepte wie Paarbeziehung, Macht, Nähe-Distanz und Fiktion als Grundlage für die literarische Analyse.
3. AGNES VON PETER STAMM: Detaillierte Charakterisierung der Figuren und Analyse ihres Beziehungsverlaufs unter Berücksichtigung von Fiktion, Macht und Identität.
4. DER VORLESER VON BERNHARD SCHLINK: Untersuchung der Beziehung zwischen Michael und Hanna mit Fokus auf ihre komplexen Persönlichkeitszüge und destruktive Dynamiken.
5. GEGENÜBERSTELLUNG DER PAARBEZIEHUNGEN: Synthetische Betrachtung der Parallelen und Unterschiede zwischen den beiden Werken in den identifizierten Konfliktfeldern.
6. FAZIT: Zusammenfassende Bestätigung der gewählten Analyseaspekte als typische Konfliktpotenziale in asymmetrischen Beziehungen.
Asymmetrische Paarbeziehungen, Machtgefälle, Dominanz, Fiktion, Wirklichkeit, Nähe-Distanz-Verhältnis, Identität, Selbstbestimmung, Literaturanalyse, Konfliktpotenzial, Bindungsunfähigkeit, Schuldfrage, Emotionale Gewalt, Beziehungsdynamik, Agnes
Die Arbeit untersucht asymmetrische Paarbeziehungen in der deutschsprachigen Literatur, indem sie spezifische Konfliktpotenziale wie Machtmissbrauch und den Balanceakt zwischen Fiktion und Realität aufdeckt.
Die Analyse konzentriert sich auf die Romane Agnes von Peter Stamm und Der Vorleser von Bernhard Schlink.
Ziel ist es, typische Verhaltensmuster in krisenhaften oder scheiternden Beziehungen zu identifizieren und die tieferliegenden Konfliktpotenziale der Figuren herauszuarbeiten.
Es handelt sich um eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, die durch soziologische und psychologische Begriffsdefinitionen fundiert ist.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse der Figurenkonstellationen, Machtstrukturen, Nähe-Distanz-Dynamiken sowie dem Spannungsfeld zwischen Konventionen und Selbstbestimmung in beiden Romanen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie asymmetrische Beziehungen, Machtgefälle, Identitätsbildung, Fiktions-Realitäts-Diskrepanzen und Beziehungsunfähigkeit charakterisieren.
In Agnes fungiert die Fiktion als aktives Gestaltungsmittel, mit dem der Erzähler versucht, die Realität und Identität der Partnerin zu kontrollieren, was schließlich in eine destruktive Spirale mündet.
Die Schuldfrage ist deshalb zentral, da Michael mit der NS-Vergangenheit Hannas konfrontiert wird, was das Fundament seiner Liebe erschüttert und ihn in ein Dilemma zwischen Verurteilung und emotionaler Bindung stürzt.
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