Examensarbeit, 2008
142 Seiten, Note: 1
1 Einleitung
2 Biotechnologisch bedeutende Mikroorganismen
2.1 BAKTERIEN
2.1.1 Milchsäurebakterien
2.1.2 Essigsäurebakterien
2.1.3 Bacillus, Brevibacterium, Propionibacterium, Kocuria, Micrococcus und Staphylococcus
2.2 PILZE
2.2.1 Hefepilze
2.2.2 Schimmelpilze
3 Der Einsatz von Starterkulturen
4 Die Herstellung pflanzlicher Lebensmittel mit Hilfe von Mikroorganismen
4.1 SAUERGEMÜSE
4.1.1 Sauerkraut
4.1.2 Salzgurken und andere fermentierte Gemüsearten
4.2 BACKWAREN
4.2.1 Hefeteig
4.2.2 Sauerteig
4.3 ALKOHOLISCHE GÄRPRODUKTE
4.3.1 Bier
4.3.2 Wein
4.3.3 Schaumwein
4.3.4 Sherry
4.3.5 Ethanolherstellung
4.4 FERMENTATIONSPRODUKTE AUßEREUROPÄISCHER HERKUNFT
4.4.1 Asiatische Starterkulturen
4.4.2 Miso
4.4.3 Tempeh
4.4.4 Gimchi
4.4.5 Sojasoße
4.4.6 Sufu
4.4.7 Hamanatto und Ang-kak
4.4.8 Oncom
4.4.9 Sake
4.4.10 Afrikanische Fermentationsprodukte
4.5 ALKALOIDHALTIGE LEBENSMITTEL
4.5.1 Kaffee
4.5.2 Kakao
4.6 DIE HERSTELLUNG ORGANISCHER SÄUREN
4.6.1 Citronensäure
4.6.2 Speiseessig
4.7 DER TEEPILZ KOMBUCHA
4.8 BIONADE ALS NEUARTIGES FERMENTATIONSPRODUKT
4.9 WASSER-KEFIR
5 Die Herstellung tierischer Lebensmittel mit Hilfe von Mikroorganismen
5.1. MILCHPRODUKTE
5.1.1 Sauerrahmbutter und Buttermilch
5.1.2 Sauermilch- und Joghurtprodukte
5.1.3 Die Käseherstellung
5.1.4 Probiotische Kulturen in Milchprodukten
5.2 FLEISCHPRODUKTE
5.2.1 Roh- und Kochpökelware
5.2.2 Rohwurst
5.2.3 Der Einsatz von Schimmelpilzen
5.3 FISCHPRODUKTE
6 Das Einzellerpotein als Eiweißquelle
6.1 HEFEN UND BAKTERIEN
6.2 DAS MYCOPROTEIN
6.3 PHOTOTROPHE MIKROORGANISMEN
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, einen umfassenden Überblick über die technologische Herstellung und Veredelung von Lebensmitteln durch Mikroorganismen zu vermitteln. Die Forschungsfrage untersucht dabei die Vielzahl der eingesetzten Organismen, die biochemischen Fermentationsprozesse sowie die daraus resultierenden qualitativen Veränderungen der Endprodukte, unter besonderer Berücksichtigung neuartiger und exotischer Fermentationsprodukte.
4.1.1 Sauerkraut
Sauerkraut wird aus langsam wachsenden, festen und sauberen Weißkohlköpfen (Brassica oleracae) hergestellt (Krämer, 2002). Besonders der milde, leicht süßliche Geschmack und der Zuckergehalt von mindestens 5%[w/w] fermentierbarem Zucker im rohen Gemüse geben ihm seinen charakteristischen Geschmack (Hutkins, 2006).
Zunächst werden die äußeren angewelkten Blätter entfernt und die harten Strünke abgeschnitten bzw. ausgebohrt. Anschließend wird der Kohl bei erhöhter Temperatur (20-25°C) in Streifen geschnitten und unter Zusatz von Salz (1,5-2,5 %[w/w]) in die Gärbottiche gebracht. Dadurch wird die osmotische Abgabe des Zellsaftes gefördert (Fleming et al., 1988). Des Weiteren hat das Salz einen selektiven Einfluss auf die natürliche Mikroflora, da v.a. die halotoleranten Laktobazillen noch wachsen können (Montville & Matthews, 2005). Um den Austritt der zuckerhaltigen Flüssigkeit zusätzlich zu fördern und die Luft zu entfernen, werden die Kohlstreifen in Schichten eingestampft. Bei hohen Gärbottichen kann auch auf das Einstampfen verzichtet werden (Krämer, 2002).
Der Kohl wird dann durch eine entsprechende Abdeckung zusammengepresst, so dass er während der Gärung von einer Lakenschicht bedeckt bleibt. Zur Unterstützung der Gärung können auch Gewürze, Kräuter und in geringer Konzentration Zucker (1-6%[w/w]) zugegeben werden. Die Spontangärung erfolgt durch Mikroorganismen, die als originäre Flora über den Rohstoff in das Produkt kommen (Kunz, 2006). Vor allem Vertreter der Gattungen Lactobacillus, Leuconostoc und Pediococcus sowie Hefen sind auf den Kohlblättern vorhanden (Klemme, 2004).
Die gesamte Gärung (Abb. 8) dauert bei einer Temperatur von 18-20°C ungefähr 4-6 Wochen (Krämer, 2002). In der ersten Gärphase von etwa 3 Tagen entwickelt sich unter Verbrauch des restlichen vorhandenen Sauerstoffs und unter Wärmeentwicklung eine heterogene vorwiegend aerobe Mischflora aus Hefen, Schimmelpilzen und Bakterien (z.B. Enterobacter, Erwinia, Klebsiella u.a. Enterobacteriaceae, Pseudomonaden und Acinetobacter, Bacillus und Essigsäurebakterien). Dadurch werden zahlreiche Geschmackskomponenten wie Milch-, Ameisen-, Essig- und Bernsteinsäure, Ethanol, CO2 und Esterverbindungen gebildet (Kunz, 2006).
1 Einleitung: Diese Einleitung skizziert die grundlegende Rolle von Mikroorganismen bei der Veredelung von Lebensmitteln und definiert den Begriff der Fermentation im Wandel der Zeit.
2 Biotechnologisch bedeutende Mikroorganismen: Dieses Kapitel beschreibt die essenziellen Bakteriengruppen (insb. Milchsäure- und Essigsäurebakterien) sowie Pilze, die für industrielle Fermentationsprozesse maßgeblich sind.
3 Der Einsatz von Starterkulturen: Hier werden die Vorteile definierter Reinzuchtkulturen gegenüber der Spontanfermentation sowie die technologischen Anforderungen an Starterorganismen erläutert.
4 Die Herstellung pflanzlicher Lebensmittel mit Hilfe von Mikroorganismen: Dieses umfangreiche Kapitel behandelt die Produktion von klassischem Sauergemüse, Backwaren, alkoholischen Getränken sowie exotischen asiatischen Fermentationsprodukten.
5 Die Herstellung tierischer Lebensmittel mit Hilfe von Mikroorganismen: Der Fokus liegt hier auf der mikrobiellen Veredelung von Milch-, Fleisch- und Fischprodukten unter Verwendung spezifischer Kulturen.
6 Das Einzellerpotein als Eiweißquelle: Dieses Kapitel befasst sich mit der biotechnologischen Nutzung von Biomasse (SCP) und Mycoprotein als nachhaltige alternative Proteinquelle.
Mikroorganismen, Fermentation, Milchsäurebakterien, Starterkulturen, Lebensmitteltechnologie, Sauerkraut, Käseherstellung, Bionade, Mycoprotein, Hefen, Schimmelpilze, Probiotika, Biotechnologie, Rohwurst, Lebensmittelveredelung.
Die Arbeit befasst sich mit der essenziellen Rolle von Mikroorganismen bei der Herstellung und Veredelung von Lebensmitteln und beleuchtet die dazugehörigen biotechnologischen Prozesse.
Die Arbeit erstreckt sich von der Charakterisierung biotechnologisch bedeutender Mikroorganismen über die Anwendung von Starterkulturen bis hin zu spezifischen Herstellungsverfahren für pflanzliche und tierische Lebensmittel sowie alternative Eiweißquellen.
Das primäre Ziel ist es, einen fundierten Überblick über die Vielzahl der Verfahren zu geben, mit denen Mikroorganismen genutzt werden, um Produktqualität, Haltbarkeit und Verdaulichkeit von Lebensmitteln zu verbessern.
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse wissenschaftlicher Publikationen, die physiologische, mikrobiologische und biotechnologische Grundlagen zusammenführt.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung von Fermentationsprozessen bei pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln sowie die wissenschaftliche Betrachtung neuartiger Nahrungsmittel wie Mycoprotein oder Einzellerproteine.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Fermentation, Starterkulturen, Lebensmittel-Biotechnologie, Milchsäuregärung, Probiotika und Einzellerprotein geprägt.
Sie sind von zentraler Bedeutung für die Konservierung und Aromabildung in zahlreichen Produkten, da sie durch ihre Gärungsaktivität den pH-Wert senken und so das Wachstum unerwünschter Verderbserreger unterdrücken.
Die Differenzierung erfolgt primär durch den Einsatz spezifischer Mikroorganismen (mesophil vs. thermophil) sowie durch die Steuerung von Parametern wie Temperatur, Lab-Zugabe und der spezifischen Behandlung des Käsebruchs zur Entmolkung.
Im Gegensatz zu traditionellen Fermentationen wurde bei der Bionade ein gezieltes biotechnologisches Verfahren entwickelt, das auf der spezifischen Nutzung von Gluconsäurebakterien basiert, um ein alkoholfreies und mineralstoffreiches Erfrischungsgetränk zu erzeugen.
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