Masterarbeit, 2022
83 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Chronologische Einordnung der Covid-19-Pandemie
Zeitraum März bis Juni 2020
3. Theoretische Heranführung: Grenze und Solidarität
3.1 Grenze
3.1.1 Definitionsübersicht
3.1.2 Schengen als Grenzraum
3.1.3 EU-Grenzprozesse
3.2 Solidarität
3.2.1 Definition(sraum) von Solidarität
3.2.2 Transnationale Solidarität
3.2.3 Rechtlicher Wirkungsbereich in der EU
4. Methodische Heranführung: Kritische Diskursanalyse
4.1 Die Wiener Spielart: Der Diskurshistorische Ansatz
4.2 Struktur und Analyse von Diskursen
4.3 Materialkorpus
5. Analyse der medialen Berichterstattung
5.1 Am Tag der Verkündung EU-weiter Grenzschließungen
5.2 Im Verlauf der Grenzschließung
5.3 Ankündigung der Grenzöffnungen und danach
6. Diskussion
7. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Masterarbeit untersucht vor dem Hintergrund der einschneidenden Covid-19-Pandemie das Verständnis von "EU-Solidarität" im Kontext der Schengen-Binnengrenzen. Das primäre Ziel ist es, die verschiedenen Wirkungsebenen von Solidarität sowie die Bedeutung offener Grenzen für die Menschen herauszuarbeiten, um daraus Handlungsempfehlungen für staatliche Akteure zur Stärkung multilateraler Zusammenarbeit abzuleiten.
3.1.2 Schengen als Grenzraum
Das Schengener Abkommen hat bewirkt, dass auf dem Gebiet der Mitgliedsstaaten ein gemeinsamer Raum entstanden ist, in dem Grenzen eine untergeordnete Rolle spielen. Das Konzept der ‚borderlands‘ eignet sich als theoretisches Erklärungsmuster. Diese bilden „grenzüberschreitende Räume, in denen Realitäten des Grenzraumes alltäglich diskursiv wie praktisch (re)produziert und verhandelt werden“ (Crossey 2020: 69). Morehouse beschreibt sie wie folgt: „spaces where the everyday realities of boundaries are played out“ (2016: 19). ‚Borderlands‘ sind damit Räume, in denen Wechselwirkungen von Verflechtungen und Interdependenzen stattfinden und sich manifestieren. Somit sind ‚borderlands‘ selbst dialogisch, da sie Raum konstruieren und gleichzeitig von Menschen und ihren Handlungen erst ermöglicht werden. Der Schengen-Raum ist dafür ein einmaliges Beispiel, wie Peter Ulrich anmerkt: „Die Bewohner*innen von Grenzregionen erleben auf täglicher Basis Internationalität und Europäisierung, Kontakt und Austausch mit den Nachbar*innen und können als Orte der Begegnung, der Diffusion und des Zusammenkommens verstanden werden.“ (Ulrich 2020: 168)
Grenzräume zeichnen sich vor allem durch ihre Ambivalenzen aus, die sich durch das gleichzeitige Existieren von grenzüberschreitender Zusammenarbeit und Ressentiments und Ablehnung ergeben (vgl. ebd. 2020). Der Grenzraum ist durch die Gleichzeitigkeit der peripheren Lage in Bezug auf den Rest des dazugehörigen Nationalstaats und der Angrenzung zur außerhalb des Nationalstaats gelegenen Nachbarregion in einer besonderen Situation. Im Fall des Schengen-Raums werden somit „nationale Grenzen dynamischen Ordnungsprozessen unterworfen“ (ebd.: 169). Es kommt zu einem Wechselspiel, in dem Faktoren wie Raum, Sozialität und Institutionen die nationale Grenze beeinflussen und verändern (vgl. ebd. 2020). Die EU-Grenzräume sind in ihrer Art Phantomgrenzen, da sie zwar faktisch keine sichtbare Grenze mehr darstellen, doch laut Ulrich sich auf andere Weise weiterhin auswirken und sich durch soziale, kulturelle oder politische Grenzziehungspraktiken offenbaren (vgl. ebd. 2020). Sie sind wirkmächtig, da von ihnen das Konstrukt eines ‚Innen‘ (Ordnung) und eines ‚Außen‘ (Chaos) ausgeht (vgl. Marung 2013; vgl. Herrmann/Vasilache 2020).
1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die Covid-19-Pandemie als Krise europäischer Solidarität und führt in die Fragestellung zur Rolle der Schengen-Grenzen und der medialen Berichterstattung ein.
2. Chronologische Einordnung der Covid-19-Pandemie: Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über die politische und epidemiologische Entwicklung im Frühjahr 2020 mit Fokus auf die nationalen Grenzschließungen.
3. Theoretische Heranführung: Grenze und Solidarität: Das Kapitel entwickelt den theoretischen Rahmen, indem die Konzepte Grenze und Solidarität definiert und zueinander sowie zur Pandemie in Bezug gesetzt werden.
4. Methodische Heranführung: Kritische Diskursanalyse: Hier wird die Kritische Diskursanalyse (KDA), insbesondere der Diskurshistorische Ansatz (DHA) von Wodak, als methodisches Instrument für die Untersuchung medialer Texte vorgestellt.
5. Analyse der medialen Berichterstattung: In diesem Hauptteil wird die Berichterstattung in deutschen, österreichischen und britischen Zeitungen analysiert und in drei chronologische Phasen unterteilt.
6. Diskussion: Dieses Kapitel fasst die zentralen Befunde der Analyse zusammen, diskutiert die mediale Themenverschiebung und reflektiert die Rolle von Identität und Solidarität im Grenzdiskurs.
7. Fazit und Ausblick: Das Fazit beantwortet die Forschungsfrage zur Bedeutung der EU-Solidarität und formuliert Anforderungen für künftige krisenorientierte Politik sowie weiterführende Forschungsfelder.
Europäische Union, Solidarität, Schengen, Grenzschließungen, Covid-19-Pandemie, Kritische Diskursanalyse, Nationale Alleingänge, Diskurs, Bordering, Rebordering, Identität, Medien, Transnationale Solidarität, Grenzregionen, Politische Kommunikation
Die Masterarbeit untersucht, wie während der Covid-19-Pandemie im Frühjahr 2020 das Verständnis von europäischer Solidarität in der medialen Berichterstattung verhandelt wurde, insbesondere im Zusammenhang mit den Schengen-Grenzschließungen.
Die Arbeit verknüpft die Konzepte der Border Studies mit Theorien zur Solidarität und wendet diese auf den medialen Diskurs in drei europäischen Ländern an, um die Auswirkungen von staatlichem Handeln auf das europäische Selbstverständnis zu analysieren.
Die zentrale Frage ist, was "EU-Solidarität" im Kontext der Schengen-Binnengrenzen bedeutet und wie dieser Wert im Umgang mit der Pandemie von Medien konstruiert und interpretiert wird.
Es wird die Kritische Diskursanalyse (KDA) nach dem Diskurshistorischen Ansatz (DHA) von Ruth Wodak genutzt, um Zeitungsberichte aus Deutschland, Österreich und Großbritannien linguistisch und inhaltlich zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über Grenze und Solidarität, eine methodische Heranleitung und die umfangreiche Analyse der Berichterstattung, die in drei zeitliche Phasen unterteilt ist (Ankündigung, Verlauf, Grenzöffnung).
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Grenzprozesse, Bordering/Rebordering, transnationale Solidarität, mediale Diskursverschiebung und unilaterales versus multilaterales Handeln geprägt.
Die Analyse zeigt, dass Zeitungen je nach ihrer politischen Ausrichtung (links-liberal versus konservativ/Boulevard) unterschiedliche Argumentationsstrategien und Topoi nutzen, um die Grenzschließungen entweder als Krise der Solidarität oder als notwendige nationale Maßnahme darzustellen.
Die Berichterstattung bewertet die EU und ihre Institutionen ambivalent; oft wird die EU als handlungsschwache Organisation wahrgenommen, während Akteure wie Ursula von der Leyen teils in die Kritik geraten oder als Symbole für den Versuch europäischer Koordination dienen.
Die Studie verdeutlicht, dass Grenzregionen besonders stark betroffen waren und die Grenzschließungen hier zu Identitätsproblemen führten, was jedoch an lokaler Ebene zu einer verstärkten regionalen Solidarität jenseits staatlicher Vorgaben führte.
Der Autor schließt, dass staatliche Solidarität in EU-Krisenzeiten oft fehlt, und appelliert an Entscheidungsträger, die von der Bevölkerung bereits praktizierte regionale Solidarität stärker zu erkennen und in künftige multilaterale Krisenstrategien zu integrieren.
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