Magisterarbeit, 2008
137 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
1.1 Untersuchungsgegenstand
1.2 Vorgehensweise
2. Wahnsinn zu Georg Büchners Lebzeiten
2.1 Zeitgenössische Wissenschaft
2.1.1 Die Psychologie – Entstehung einer akademischen Disziplin
2.1.2 Psychiatriereformen in Frankreich und Deutschland
2.2 Bürger und Irre
2.2.1 Das Verhältnis von Gesellschaft und Geisteskranken
2.2.2 Michel Foucaults „Archäologie des Schweigens“
3. Das Schizophreniesyndrom
3.1 Historie der Krankheit und Ursachenforschung
3.1.1 Schizophreniegeschichte
3.1.2 Mögliche Ursachen
3.2 Die Symptome
3.2.1 Die Grundsymptome
3.2.2 Die akzessorischen Symptome
3.3 Der Verlauf der Krankheit
3.3.1 Frühe Phase
3.3.2 Akute Psychose und aktive Phase
3.3.3 Konsolidierung und Chronizität
4. Die Autoren Büchner und Lenz – Zwei kranke Seelen?
4.1 Der historische Lenz
4.1.1 Biografischer Überblick
4.1.2 Lenz’ Erkrankung
4.2 Der Autor Georg Büchner
4.2.1 Lebensdaten und psychopathologischer Kenntnisstand
4.2.2 Versuch einer Pathografie
5. Schizophrenie in Georg Büchners „Lenz“
5.1 Darstellung der Krankheit
5.1.1 Nachweis der charakteristischen Symptome
5.1.2 Phasen der psychischen Destruktion
5.2 Zentrale Motive und deren Bezug zu Lenz’ Erkrankung
5.2.1 Vaterproblematik und zwischenmenschliche Beziehungen
5.2.2 Religion und Schuld
5.2.3 Angst und Leiden an der Welt
5.2.4 Die Problematik des Künstlers – Das Kunstgespräch
5.2.5 Identitätssuche und Scheitern an der Gesellschaft
5.3 Schizophrenie als Metapher
6. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht Georg Büchners Erzählung „Lenz“ unter psychiatrischen und literaturwissenschaftlichen Gesichtspunkten, um die Darstellung der Schizophrenie sowie die metaphorische Bedeutung des Wahnsinns im Werk zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit das Erzählfragment eine realitätsnahe Fallstudie darstellt und wie Büchner das Leiden des Protagonisten mit zeitgenössischen gesellschaftlichen und familiären Einflüssen verknüpft.
3.1 Historie der Krankheit und Ursachenforschung
Der Ursprung des Schizophreniebegriffs liegt in der so genannten „Dementia praecox“, der frühzeitigen Demenz. Diese Geisteskrankheit wurde 1896 das erste Mal von dem deutschen Psychiater Emil Kraepelin (1856-1926) in seinem Psychiatrielehrbuch beschrieben. Die Komponenten, die er zu einer Krankheitseinheit zusammenfasste, waren die hebephrene Demenz, die sich durch ein inadäquates Verhalten, zunehmende Gefühlsabstumpfung und Antriebsmangel auszeichnet, und die katatonische Demenz, die mit motorischer Erregung oder Erstarrung einhergeht. Hinzu kam noch die paranoide Demenz, die sich durch paranoiden Wahn und Halluzinationen auszeichnet. Alle drei Formen der psychischen Störung waren zu diesem Zeitpunkt bereits als eigenständige Krankheiten bekannt.
Hinsichtlich der gemeinsamen Verlaufstendenzen und Endzustände zog Kraepelin jedoch den Schluss, dass sich die einzelnen Komponenten gegenseitig bedingen und zusammengehören und dementsprechend Teile ein und derselben Krankheit sein müssten. Kraepelin teilte die endogenen Psychosen, das heißt Psychosen mit vererbter oder unbekannter Ursache, in zwei Gruppen ein: Die manisch-depressiven Erkrankungen, die als heilbar betrachtet werden könnten und „Dementia praecox“, die nicht selten zur völligen Demenz führen würden. Er sagte den Betroffen der zweiten Gruppe einen negativen Verlauf der Krankheit voraus und schloss jede Aussicht auf Besserung oder gar Heilung aus. Es stellte sich aber relativ schnell heraus, dass diese Einschätzung nicht richtig war und die Krankheit weder nur in sehr jungen Jahren auftritt, wie die Bezeichnung vermuten lässt, noch typischerweise in einem dementen Zustand enden muss.
1. Einleitung: Vorstellung des Untersuchungsgegenstands und der methodischen Herangehensweise an Büchners Erzählung „Lenz“.
2. Wahnsinn zu Georg Büchners Lebzeiten: Wissenschaftshistorische Betrachtung der Psychologie und Psychiatrie sowie der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Wahnsinn um 1800.
3. Das Schizophreniesyndrom: Detaillierte medizinische Erläuterung des Krankheitsbildes, der Symptome und des typischen Verlaufs einer schizophrenen Psychose.
4. Die Autoren Büchner und Lenz – Zwei kranke Seelen?: Biographische Untersuchung von Jakob Lenz und Georg Büchner im Hinblick auf deren psychische Gesundheit und literarisches Schaffen.
5. Schizophrenie in Georg Büchners „Lenz“: Kernkapitel mit der literarischen Analyse der Krankheitsdarstellung, zentraler Motive und der metaphorischen Bedeutung des Wahnsinns.
6. Zusammenfassung: Abschließendes Fazit zur wissenschaftlichen Qualität der Schizophreniedarstellung bei Büchner und deren literarischer Relevanz.
Georg Büchner, Lenz, Schizophrenie, Psychiatriegeschichte, Wahnsinn, Aufklärung, Psychopathologie, Literaturwissenschaft, Geisteskrankheit, Philippe Pinel, Michel Foucault, Identitätsverlust, Entfremdung, Soziologie, Literaturanalyse
Die Arbeit analysiert die Darstellung von psychischem Verfall und Schizophrenie in Georg Büchners Novellenfragment „Lenz“ und setzt dies in den Kontext der zeitgenössischen Psychiatrie und Literaturgeschichte.
Zu den Schwerpunkten zählen die Geschichte der Psychiatrie um 1800, die medizinischen Grundlagen des Schizophreniesyndroms sowie die literarische Auseinandersetzung mit Identität, Entfremdung und gesellschaftlicher Ausgrenzung.
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Büchner mit seiner detaillierten Schilderung einer Schizophrenieerkrankung den Wissensstand seiner Zeit übertraf und welche metaphorische Bedeutung der Wahnsinn für die Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen hat.
Es wird ein interdisziplinärer Ansatz gewählt, der wissenschaftshistorische Abrisse mit einer tiefgehenden literaturwissenschaftlichen Textanalyse verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Schizophreniebegriffs, die biographische Aufarbeitung der Autoren Lenz und Büchner sowie die spezifische Analyse der Krankheitssymptome und Motive in der Novelle „Lenz“.
Wesentliche Begriffe sind Schizophrenie, Wahnsinn, gesellschaftliche Ausgrenzung, Entfremdung und die literarische Darstellung psychischer Destruktion.
Die Autorin sieht in der Vaterfigur Oberlin sowohl eine Stütze als auch eine repressiv wirkende Instanz, deren moralische Erziehung und Unverständnis für das Leiden des Poeten dessen Zustand letztlich verschlimmern.
Diese Szene markiert den absoluten Tiefpunkt der psychischen Entwicklung von Lenz, in der er den Kontakt zur menschlichen Identität verliert und sich animalisch verhält, was seine völlige Desintegration verdeutlicht.
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