Magisterarbeit, 2009
100 Seiten, Note: 1,6
1. Einleitung
2. Entwicklungen der Forschung und zeitgenössische Wirkung des „Goldnen Topfs“ und „Meister Flohs“
3. Das „serapiontische Prinzip“
4. Die Struktur des „Goldnen Topfs“
4.1 Die dualistische Realität
4.1.1 „Ein Märchen aus der neuen Zeit“ – Die dualistische Realität als Konstituens des Wunderbaren
4.1.2 Der Protagonist Anselmus zwischen bürgerlichem und wunderbarem Handlungsraum
4.1.3 „Doppelgestalten“: Dresdner Bürger und Elementargeist in einer Person
4.1.4 Die poetische Gestaltung der Handlungsorte
4.1.5 Alltägliche Gegenstände als wunderbare Requisiten
4.1.6 Das Wunderbare im Spiegel philiströser Borniertheit
4.1.7 Der „Fall ins Kristall“ – Symbol des Unglaubens an das Wunderbare
4.2 Das „Märchen im Märchen“: Ursprung und Wirkung des Atlantis – Mythos
4.2.1 Die Ursprünge des Atlantis – Mythos von Platon bis Schubert
4.2.2 Der Sündenfall
4.2.3 Atlantis als ästhetisches Paradies?
4.3 Der Erzähler als Schlüssel zum ästhetischen Verständnis des Märchens
4.4 Biografische Bezüge bei der Konzeption des „Goldnen Topfs“
5. „Meister Floh“ – Ein strukturell heterogenes Märchen zwischen Famagusta und Frankfurt
5.1 Die dualistische Realität
5.1.1 Die Verknüpfung der fantastischen Welt mit der erzählten Bürgerrealität
5.1.2 Peregrinus Tyß – Ein kindlicher König auf dem Scheideweg zwischen Moral und Verlangen
5.1.3 Doppelidentitäten: Bürgerliche Protagonisten mit mythischer Vorgeschichte
5.1.4 Das Gedankenmikroskop – Spiegel der möglichen Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit
5.1.5 Die Evokation des Wunderbaren im bürgerlichen Erzählrahmen
5.2 „Meister Floh“ – Ein ästhetischer Friedensschluss zwischen der inneren und der äußeren Welt?
6. Literarische Mittel zur Evokation des Wunderbaren
7. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht E. T. A. Hoffmanns Wirklichkeitsverständnis anhand der Kunstmärchen „Der goldne Topf“ und „Meister Floh“. Dabei steht die zentrale Frage im Mittelpunkt, wie der Autor durch die Verknüpfung von Alltagsrealität und Fantasiewelt eine dualistische Wirklichkeit erschafft und welche ästhetischen sowie literarischen Mittel er einsetzt, um die Existenz des Wunderbaren zu evozieren und dem Leser glaubhaft zu machen.
4.1 Die dualistische Realität
Das Märchen „Der goldne Topf“ ist in jeder Faser und jedem kleinsten Detail von Dualismus und Ambivalenz durchzogen. Dabei ist auffällig und für das Verständnis wichtig, dass jede der beiden Realitätsebenen, das Wunderbare und die rationale Alltagswelt, neben einer glorifizierenden Seite eine ungeheuerliche - schauerliche besitzen. Dies lässt sich exemplarisch gut am Verlauf der ersten Vigilie skizzieren.
Zunächst läuft Anselmus durch das symbolträchtige „Schwarze Tor“ direkt in den Apfelkorb der alten Hexe. Diese Begegnung lässt zum ersten Mal in Ansätzen das fantastisch – dämonische Element auftauchen, welches das negative Äquivalent zu positivem Fantasiegebrauch darstellt. Dieses wird durch die unheilvolle Verwünschung der Alten „ins Kristall bald dein Fall“ und die Tatsache, dass ihre Stimme etwas „Entsetzliches“ hat, verdeutlicht.
Diesem schauerlichen und dämonischen Charakter des Wunderbaren stehen die Begegnung mit Serpentina in der 1. Vigilie und die Ahnung vom wunderschönen Zauberreich entgegen. Aber auch diese Welt wird zunächst nur in Ansätzen vermittelt und durch Anselmus´ subjektive Eindrücke umrissen.
Nicht anders verhält es sich mit der bürgerlichen Welt: Einerseits wird sie als idyllischer Wunsch des Anselmus beschrieben; er möchte es sich bei Alkohol, Musik und der Gesellschaft schöner, junger Frauen gut gehen lassen. Diese anfänglich betonten Vorteile des bürgerlichen Lebens werden im folgenden Verlauf noch erweitert: Anselmus träumt von einer Karriere als Hofrat und einem beruflich erfolgreichen, beschaulichen Leben.
Im Gegensatz zu dieser ersehnten bürgerlichen Idylle steht allerdings die real erlebte Alltagswelt als Ort und Ursache des wiederholten Scheiterns des Studenten. Anselmus strauchelt immer wieder über die sozialen Anforderungen und erlebt in diesen Momenten die bürgerliche Gesellschaft als Ort der Schande und des Verhängnisses.
So verschränken sich also beide Welten zu einem viergliedrigen Konstrukt: anstatt von einer dualistischen müsste man also genau genommen von einer quartären Realität sprechen. Doch die Grenzen zwischen den Gegensatzpaaren einer Einheit sind in dem Märchen bisweilen so verschwommen und schwer auszumachen, dass wir bei dem bisher in der Forschung verwendeten Begriff „Dualismus“ bleiben werden, jedoch sollte wenigstens auf die Zwiespältigkeit jeder der beiden dargestellten Welten hingewiesen werden.
1. Einleitung: Darstellung der Forschungsfrage nach Hoffmanns Wirklichkeitsverständnis und der Relevanz der beiden gewählten Kunstmärchen.
2. Entwicklungen der Forschung und zeitgenössische Wirkung des „Goldnen Topfs“ und „Meister Flohs“: Überblick über die ambivalente zeitgenössische Rezeption sowie den Wandel der Forschungsschwerpunkte.
3. Das „serapiontische Prinzip“: Erläuterung des ästhetischen Konzepts Hoffmanns anhand der Entstehungsgeschichte und der Theoriebildung innerhalb der Rahmenhandlung.
4. Die Struktur des „Goldnen Topfs“: Analyse der dualistischen Welten, der Erzählweise und der symbolischen Bedeutung von Orten und Gegenständen.
5. „Meister Floh“ – Ein strukturell heterogenes Märchen zwischen Famagusta und Frankfurt: Untersuchung der spezifischen Erzählstruktur und des gesellschaftskritischen Gehalts dieses späten Werkes.
6. Literarische Mittel zur Evokation des Wunderbaren: Zusammenfassende Darstellung der Techniken wie Perspektivwechsel, Pananimismus und Synästhesie zur Vermittlung des Fantastischen.
7. Zusammenfassung: Resümee über Hoffmanns Bemühungen, den Dualismus der Realität durch die Kunst und das Fantasiepotenzial zu überwinden.
E. T. A. Hoffmann, Der goldne Topf, Meister Floh, Dualismus, Duplizität, Fantasie, Wirklichkeitsverständnis, Serapiontisches Prinzip, Romantik, Kunstmärchen, Erzähltheorie, Weltseele, Philistertum, Atlantis, Literarische Evokation.
Die Arbeit untersucht das Wirklichkeitsverständnis von E. T. A. Hoffmann, insbesondere die Darstellung einer ambivalenten, dualistischen Realität in seinen Kunstmärchen „Der goldne Topf“ und „Meister Floh“.
Zentrale Themen sind die Dialektik zwischen Fantasiewelt und bürgerlicher Alltagsrealität, die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Konventionen sowie die Rolle des Künstlers als Vermittler zwischen diesen Sphären.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Hoffmann durch spezifische literarische Mittel das Wunderbare in die Alltagswelt integriert und wie er den Dualismus seiner Zeit sowohl thematisiert als auch künstlerisch zu bewältigen versucht.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die textimmanente Interpretationen mit forschungsgeschichtlichen Diskursen sowie biografischen Kontexten verknüpft.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Struktur der beiden Kunstmärchen, die Funktion des Erzählers, die Symbolik der Handlungsorte und Gegenstände sowie die Bedeutung des Atlantis-Mythos für die ästhetische Existenz.
Duale Realität, Fantasiepotenzial, Serapiontisches Prinzip, ästhetische Balance, Erzählperspektiven und Wirklichkeitskonstruktion.
„Der goldne Topf“ gilt als Hoffmanns Meisterwerk, während „Meister Floh“ oft als strukturell verworrenes Spätwerk kritisiert wird; dieser Kontrast erlaubt eine tiefgehende Untersuchung der Entwicklung von Hoffmanns Wirklichkeitsauffassung.
Die Episode unterstreicht die politische Brisanz des Werkes, da sie eine satirische Auseinandersetzung mit der staatlichen Demagogenverfolgung enthält, was für Hoffmanns eigenes Leben und seine juristische Laufbahn von entscheidender Bedeutung war.
Der Erzähler wird als entscheidender Schlüssel zum ästhetischen Verständnis identifiziert, der durch gezielte Perspektivwechsel und die direkte Ansprache des Lesers diesen subtil in das Geschehen integriert und zum „Komplizen“ macht.
Es beschreibt den Anspruch an eine echte Dichtung, die das Dargestellte so tief verinnerlicht und veranschaulicht, dass es für den Leser absolute Greifbarkeit und Authentizität erlangt.
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