Diplomarbeit, 2003
142 Seiten, Note: 1
EINLEITUNG
A. RAHMENBEDINGUNGEN DIESER ARBEIT UND BEGRIFFSBESTIMMUNGEN
1. BMG-Studie
2. Krankheitsbegriff
2.1 Symptomatik der Schizophrenie
2.2 Chronischer Verlauf der Schizophrenie
B. THEORETISCHER UND FACHLICHER BEZUGSRAHMEN
3. Bedeutung und Wertung vollstationärer Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken
3.1 Historische und sozialpolitische Hintergründe
3.2 Gesundheitspolitische Hintergründe
3.3 Gegenüberstellung ambulanter und stationärer Versorgung
3.4 Stationäre Behandlungsbedürftigkeit
4. „Drehtür-Psychiatrie“
4.1 Relevanz und Konsequenzen der „Drehtür-Psychiatrie“
4.2 Einflussfaktoren für Rehospitalisierungen
4.2.1 Strukturelle Einflussfaktoren
4.2.1.1 Kostendruck
4.2.1.2 Ambulante Versorgung
4.2.1.3 Entlassplanung
4.2.2 Krankheitsbezogene Einflussfaktoren
4.2.2.1 Compliance und Krankheitseinsicht
4.2.2.2 Soziale Netze
4.3 Positive Aspekte von Rehospitalisierungen
5. Möglichkeiten und Konzepte zur Verhinderung von Wiederaufnahmen
5.1 Psychoedukation
5.2 Längere stationäre Aufenthalte
5.3 Strukturelle Veränderungen
5.4 Case-Management
5.5 Ambulante Soziotherapie
5.6 Ambulante Krisenintervention
C. EMPIRISCHER TEIL
6. Zum methodischen Vorgehen
6.1 Das Untersuchungsdesign und dessen Umsetzung
6.1.1 Falldefinition und Fragestellung
6.1.2 Auswahl der InterviewpartnerInnen
6.1.3 Kontaktaufnahme mit dem Bezirkskrankenhaus Haar
6.1.4 Kontaktaufnahme mit den InterviewpartnerInnen
6.1.4.1 Nicht zustande gekommene Interviews
6.1.4.2 Zustande gekommene Interviews
6.1.5 InterviewpartnerInnen, Interviewsituation, Ort und Dauer der Interviews
6.2 Das Untersuchungsverfahren und dessen Umsetzung
6.2.1 Das Erhebungsverfahren: Das problemzentrierte Interview
6.2.1.1 Allgemeines zum Interviewleitfaden
6.2.1.2 Vorüberlegungen zum Interviewleitfaden und dessen Entstehung
6.2.1.3 Tonaufzeichnung
6.2.1.4 Postskriptum
6.2.2 Das Aufbereitungsverfahren: Transkription
6.2.3 Das Auswertungsverfahren
6.2.3.1 Grounded Theory
6.2.3.2 Zirkuläres Dekonstruieren
7. Ergebnisse der PatientInnenbefragung
7.1 Zur Wohn- und beruflichen Situation
7.2 Soziale Netze und Thematisierung von Allein-Sein
7.3 Kompetenz im Umgang mit der eigenen Erkrankung
7.3.1 Krankheitsbewusstsein und Handlungskompetenzen
7.3.2 Verlust der Kontrollfähigkeit
7.4 Bedeutung von Kohärenz
7.4.1 Verlust von Kohärenz
7.4.2 Bedürfnis nach Kohärenz und Herstellen von Kohärenz
7.5 Zur Wiederaufnahme in die Klinik
7.5.1 Zur Situation der Wiederaufnahme
7.5.2 Einschätzung des zeitlichen Abstandes zwischen letzter Entlassung und Wiederaufnahme
7.5.3 Zu den Gründen für den geringen zeitlichen Abstand zwischen letzter Entlassung und Wiederaufnahme
7.6 Zu den Möglichkeiten der Verhinderung der Wiederaufnahme
7.7 Wertung des Klinikaufenthaltes
7.8 Informationsstand und Informationsdefizite
7.9 Meinungen über BehandlerInnen und Gefühl der Stigmatisierung
8. Schwierigkeiten bei den Interviews und Grenzen der Methode
D. DISKUSSION
9. Zusammenfassung der Ergebnisse der PatientInnenbefragung
10. Gegenüberstellung von fachlicher und PatientInnenperspektive
10.1 Krankheitseinsicht, Compliance und Medikation
10.2 Soziale Netze
10.3 Wertung stationärer Aufenthalte
10.4 Informationsdefizite und Entlassplanung
11. Abschließende Bemerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der raschen Wiederaufnahmen von Patienten mit Schizophrenie in die vollstationäre psychiatrische Versorgung, den sogenannten „Drehtür-Effekt“, aus der subjektiven Perspektive der Betroffenen. Ziel ist es, die Gründe für diese Rehospitalisierungen zu ermitteln und Möglichkeiten zur deren Vermeidung aufzuzeigen.
Die Problemzentrierung
Die Problemzentrierung kennzeichnet die Orientierung an einer gesellschaftlich relevanten Problemstellung […] . In der vorliegenden Untersuchung sind damit die im Rahmen der BMG-Studie aufgefallenen sehr häufigen Wiederaufnahmen in die vollstationäre psychiatrische Behandlung nach relativ kurzer Zeit gemeint.
Das Interview ist so ausgerichtet, dass es einerseits eben auf diese Problemstellung zentriert ist. Andererseits aber soll durch offene Fragen, die Möglichkeit zu freien Antworten und den flexiblen Umgang mit dem Interviewleitfaden die Chance eröffnet werden, die subjektiven Ansichten und Bedeutungsgebungen der InterviewpartnerInnen, also deren Relevanzstrukturen bezüglich der Problemstellung zu erfassen.
Das Merkmal Problemzentrierung meint demnach zweierlei: „[…] einmal bezieht es sich auf eine relevante gesellschaftliche Problemstellung und ihre theoretische Ausformulierung […]. Zum anderen zielt es auf Strategien, die in der Lage sind, die Explikationsmöglichkeiten der Befragten so zu optimieren, dass sie ihre Problemsicht auch gegen die Forscherinterpretation und in den Fragen implizit enthaltenen Unterstellungen zur Geltung bringen können.“
1. BMG-Studie: Dieses Kapitel erläutert den Hintergrund der Untersuchung, basierend auf einem Forschungsprojekt des Bundesministeriums für Gesundheit zu Leistungsprofilen und Kosten in der gemeindepsychiatrischen Versorgung.
2. Krankheitsbegriff: Es werden grundlegende Definitionen zur Schizophrenie, deren Symptomatik sowie der Verlauf einer chronischen Erkrankung im bio-psycho-sozialen Kontext dargelegt.
3. Bedeutung und Wertung vollstationärer Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken: Das Kapitel beleuchtet die fachliche Bewertung stationärer Aufenthalte vor dem Hintergrund gesundheitspolitischer Postulate wie „Ambulant vor stationär“.
4. „Drehtür-Psychiatrie“: Hier werden Ursachen und Auswirkungen häufiger Wiederaufnahmen analysiert, wobei strukturelle (z.B. Kostendruck) und krankheitsbezogene Faktoren unterschieden werden.
5. Möglichkeiten und Konzepte zur Verhinderung von Wiederaufnahmen: Dieses Kapitel stellt Lösungsansätze wie Psychoedukation, Case-Management, Soziotherapie und Krisenintervention vor.
6. Zum methodischen Vorgehen: Es wird das qualitative Forschungsdesign der Einzelfallanalyse sowie die Durchführung problemzentrierter Interviews detailliert beschrieben.
7. Ergebnisse der PatientInnenbefragung: Dieser Teil präsentiert die aus den Interviews gewonnenen Erkenntnisse zur Lebenssituation, zu sozialen Netzen und zur subjektiven Wahrnehmung von Klinikaufenthalten.
8. Schwierigkeiten bei den Interviews und Grenzen der Methode: Es werden methodische Herausforderungen diskutiert, die sich aus der Kombination von krankheitsbedingten Einschränkungen und der Interviewsituation ergeben.
9. Zusammenfassung der Ergebnisse der PatientInnenbefragung: Eine komprimierte Darstellung der wesentlichen Befunde der Patienteninterviews zur Unterstützung, Medikation und Klinikaufnahme.
10. Gegenüberstellung von fachlicher und PatientInnenperspektive: Die Arbeit vergleicht die fachlichen Theorien mit den subjektiven Erfahrungen der Betroffenen in Bezug auf Compliance und Versorgungsstrukturen.
11. Abschließende Bemerkungen: Zusammenfassende Einschätzung und Reflexion der Ergebnisse mit einem Plädoyer für eine ressourcenorientierte Entlassplanung.
Drehtür-Psychiatrie, Schizophrenie, Rehospitalisierung, PatientInnenperspektive, Problemzentriertes Interview, Sozialpsychiatrie, Compliance, Krankenhausaufenthalt, Soziotherapie, Case-Management, Krankheitseinsicht, soziale Netze, Gemeindepsychiatrie, stationäre Behandlung, Lebensfeldorientierung.
Die Arbeit befasst sich mit dem sogenannten „Drehtür-Effekt“ in der psychiatrischen Versorgung, also dem Phänomen rascher Wiederaufnahmen chronisch schizophrener Patienten in stationäre Einrichtungen.
Die zentralen Themen sind die fachlichen Hintergründe der stationären Versorgung, die Einflussfaktoren auf Rehospitalisierungen (strukturell und krankheitsbezogen) sowie Interventionsmöglichkeiten zur Vermeidung dieser Aufnahmen.
Das Ziel ist die Erhebung und Analyse der Perspektive der betroffenen Patienten auf ihre eigenen Rehospitalisierungen, um ein tieferes Verständnis für die subjektiven Sichtweisen und Bedürfnisse zu gewinnen.
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Untersuchung. Als Erhebungsinstrument wurden problemzentrierte Interviews nach Witzel mit sechs Patienten geführt, die sich in einer Wiederaufnahmesituation befanden.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil, der den fachlichen Bezugsrahmen absteckt, und einen empirischen Teil, der das methodische Vorgehen sowie die Ergebnisse der Befragung detailliert auswertet.
Wichtige Begriffe sind Drehtür-Psychiatrie, Rehospitalisierung, Schizophrenie, Patientenperspektive, problemzentriertes Interview, Case-Management und Soziotherapie.
Die Bewertung ist ambivalent. Während einige Patienten die Klinik als notwendigen „Schonraum“ in Krisen betrachten, erleben andere die Wiederaufnahme als fremdbestimmten Kontrollverlust, der sie in ihrer Selbstbestimmung einschränkt.
Medikamente werden meist als notwendiges Mittel zur Krankheitskontrolle anerkannt, jedoch führen Nebenwirkungen oder ein subjektiv gefühlter Kontrollverlust in der Psychose dazu, dass Patienten die Medikation eigenständig absetzen.
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