Bachelorarbeit, 2020
45 Seiten, Note: 1,2
1. Einleitung
2. Einführung in die Gesellschaften und das literarische Frauenbild
2.1 Der Artushof
2.2 Die Gralsgesellschaft
2.3 Die Minne und der Minnedienst – Ein Blick auf die Weiblichkeit
2.4 Das Frauenbild in der mittelalterlichen Literatur
3. Die Frauenfiguren der Artushandlung
3.1 Jeschute
3.2 Antikonie
3.3 Orgeluse
4. Die Frauenfiguren der Gralshandlung
4.1 Herzeloyde
4.2 Sigune
4.3 Condwiramur
4.4 Cundrî
5. Ergebnisse – Das Frauenbild im Parzival
6. Die realhistorische Frauenrolle im Mittelalter
7. Fazit
Die Arbeit analysiert das Frauenbild im „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach, indem sie die verschiedenen Frauenfiguren des Werkes in den Kontext der Artus- und Gralsgesellschaft stellt und ihre literarische Darstellung mit dem realhistorischen Frauenbild des Mittelalters vergleicht.
1. Einleitung
„Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, so wie ihr euch dem Herrn unterordnet. Denn wie Christus als Haupt für seine Gemeinde verantwortlich ist, die er erlöst und zu seinem Leib gemacht hat, so ist auch der Mann für seine Frau verantwortlich. Und wie sich die Gemeinde Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen in allem ihren Männern unterordnen.“ (Eph 5,22-24)
So heißt es im fünften Kapitel Über die christliche Familienordnung des Epheserbriefes, der Teil des Neuen Testaments ist. Schon hier wird der Frau vorgeschrieben, den Ansprüchen der Gemeinde zu entsprechen und sich dem Mann unterzuordnen. Die Familie als eine der ältesten Gesellschaftsformen ist gemäß dem christlichen Glauben bereits in einer patriarchalischen Form organisiert, die darauf abzielt, die Frau dem Mann unterzuordnen. Entsprechend dem patriarchalischen System heißt es hier, dass die Frau der Gemeinde gleichzutun und sich der Christusfigur, dem Mann, zu unterwerfen hat. Die Rolle der Frau ist demnach laut dem neuen Testament zweitrangig gegenüber dem Mann.
1. Einleitung: Die Einleitung legt den biblischen und gesellschaftlichen Rahmen für das patriarchale Rollenverständnis im Mittelalter dar und führt in die binäre Struktur des Parzivalromans ein.
2. Einführung in die Gesellschaften und das literarische Frauenbild: Dieses Kapitel untersucht die zwei zentralen Gesellschaftsformen, den Artushof und die Gralsgesellschaft, sowie die Konzepte der höfischen Minne und des Frauenbildes in der Literatur.
3. Die Frauenfiguren der Artushandlung: Hier werden die spezifischen Frauenrollen um den Gawan-Komplex analysiert, wobei besonders die Ambivalenz zwischen höfischer Idealität und individueller Subjektivität im Vordergrund steht.
4. Die Frauenfiguren der Gralshandlung: Dieses Kapitel widmet sich den zentralen weiblichen Figuren der Gralswelt, deren Handlungsspielraum durch religiöse Strenge und das Minneverbot stark eingeschränkt ist.
5. Ergebnisse – Das Frauenbild im Parzival: Die Analyse fasst die wesentlichen Erkenntnisse über die Repräsentation von Frauen zusammen, fokussiert auf die Ebenen der Beschreibung, der Minne und der Handlungsrichtung.
6. Die realhistorische Frauenrolle im Mittelalter: Gegenüberstellung der literarischen Konstruktionen mit dem realhistorischen Stand der Frau, insbesondere in Bezug auf Ehe, Recht und Herrschaftsrollen.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass Wolfram von Eschenbach ein realitätsgetreues, aber durch männlich-geprägte Tugendideale überlagertes Frauenbild entwirft.
Parzival, Wolfram von Eschenbach, Frauenbild, Gralsgesellschaft, Artushof, Minne, Minnesang, Patriarchat, Mittelalter, Geschlechterrolle, Literaturwissenschaft, Subjektrolle, Objektrolle, Triuwe, Identitätsbildung.
Die Bachelorarbeit behandelt die Darstellung und Funktion von weiblichen Figuren im "Parzival" von Wolfram von Eschenbach unter Berücksichtigung mittelalterlicher Geschlechternormen.
Die Themen umfassen die höfische Gesellschaftsstruktur (Artus vs. Gral), die literarische Bedeutung der Minne sowie die Analyse der realen Frauenrolle im Mittelalter.
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen literarischer Idealisierung der Frau im "Parzival" und der realhistorisch nachweisbaren gesellschaftlichen Unterordnung der Frau zu untersuchen.
Der Autor nutzt eine textnahe Analyse der relevanten Textstellen in Verbindung mit literaturwissenschaftlicher Fachliteratur zur mediävistischen Geschlechterforschung.
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der beiden Gesellschaftstypen, die detaillierte Analyse der einzelnen Frauenfiguren (z.B. Jeschute, Orgeluse, Herzeloyde, Sigune) und eine geschichtswissenschaftliche Einordnung.
Zentrale Begriffe sind Parzival, Literatur, Minne, Patriarchat, Geschlechterrolle, Subjekt-Objekt-Verhältnis und historische Gesellschaftskritik.
Während die Frau am Artushof teilweise als fast ebenbürtig und in sozialen Sitzungen präsent dargestellt wird, unterdrückt die Gralsgesellschaft Individualität und erzwingt durch ein striktes Minneverbot die Unterordnung der Frau.
Es dient dazu, eine sakrale Exklusivität zu wahren und die Ritter ausschließlich auf den Dienst am Gral zu verpflichten, wobei Frauen primär in einer dienenden oder leidenden Rolle verbleiben.
Herzeloyde agiert in wichtigen Momenten, wie etwa bei ihrer Ehewahl, als treibende Kraft, wird jedoch durch gesellschaftlich vorgegebene patriarchale Strukturen und schließlich durch ihren Tod in eine passive Objektrolle zurückgedrängt.
Obwohl die Frage Parzival zum Gralskönig machen würde, hängt das Versäumnis dieser Frage eng mit der von Männern entworfenen Tugendlehre zusammen, die indirekt auch die Handlungsspielräume der Frauenkontexte bestimmt.
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