Diplomarbeit, 2009
102 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
1.1 Methodisches Vorgehen
1.2 Aufbau
2. Von der Partnerwahl bis zur Trennung
2.1 Partnerwahl
2.1.1 Ursachen für Ähnlichkeiten zwischen suchendem und potentiellem Partner
2.1.2 Liebessehnsucht
2.1.3 Erste Kontaktaufnahme
2.2 Partnerschaft
2.2.1 Das Erfüllen der Sehnsucht oder die Kraft der Liebe
2.2.2 Funktionsprinzipien in Paarbeziehungen
2.2.3 Der Wandel von Partnerbeziehungen
2.2.4 Langzeitbeziehungen
2.3 Nicht bewusste Mechanismen
2.3.1 Verliebtheit
2.3.2 Liebe
2.3.3 Implizite Verträge
2.4 Paarkonflikt
2.5 Trennung / Scheidung
2.5.1 Wann kommt es zur Trennung / Scheidung?
2.5.2 Trennung / Scheidung als Ende einer Gemeinsamkeit
2.5.3 Ehescheidung und Eheschließung
2.6 Fazit
3. Das unbewusste Zusammenspiel der Partner
3.1 Das Bewusste, Unbewusste und Vorbewusste
3.2 Das psychoanalytische Persönlichkeitsmodell
3.2.1 Der psychische Apparat
3.3 Die psychoanalytische Entwicklungslehre und das Kollusionskonzept
3.3.1 Beziehungsthemen und Entwicklungsphasen
3.3.2 Kollusion
3.3.3 Das unbewusste Zusammenspiel der Partner in vier Grundmustern
3.3.3.1 Liebe als Einssein in der narzisstischen Kollusion
3.3.3.2 Liebe als Einander- Umsorgen in der oralen Kollusion
3.3.3.3 Liebe als Einander- ganz- Gehören in der anal- sadistischen Kollusion
3.3.3.4 Liebe als männliche Bestätigung in der phallisch- ödipalen Kollusion
3.4 Wie entwickeln sich die unterschiedlichen Grundmuster und die daraus resultierenden Beziehungsprobleme?
3.4.1 Liebe als Einssein
3.4.2 Liebe als Einander- Umsorgen
3.4.3 Liebe als Einander- ganz- Gehören
3.4.4 Liebe als männliche Bestätigung
3.5 Lösungsansätze
3.6 Fazit
4. Bindungstheorie und Bindungsforschung
4.1 Bindung und Exploration
4.1.1 Bindungsverhalten und Bindungsqualität
4.1.1.1 Der Fremde- Situations- Test
4.2 Bindungsmuster / Bindungsstile beim Kind
4.2.1 Der sicher gebundene Typ
4.2.2 Der unsicher- vermeidend gebundene Typ
4.2.3 Der unsicher- ambivalent gebundene Typ
4.2.4 Der desorganisiert- desorientiert gebundene Typ
4.3 Auswirkungen gestörter Beziehungen auf die Entwicklung des Kindes
4.4 Das Adult Attachment Interview
4.4.1 Klassifikation mentaler Bindungsmodelle
4.4.1.1 Autonomes, sicheres Bindungsmodell
4.4.1.2 Unsicher- distanziertes Bindungsmodell
4.4.1.3 Unsicher- verwickeltes Bindungsmodell
4.4.1.4 Unverarbeiteter Bindungsstatus
4.5 Zusammenhänge kindlicher und erwachsener Bindungstypen
4.6 Übertragung kindlicher Bindungserfahrungen auf spätere Paarbeziehungen
4.6.1 Nachholen unbefriedigter kindlicher Bedürfnisse
4.6.2 Erlebtes wiederholen, Mehr- vom- Gleichen
4.6.3 Korrekturversuche
4.7 Fazit
5. Sexualität und Erotik
5.1 Sexuelles Begehren, Anziehung und Leidenschaft
5.1.1 Berührung als Anreiz
5.1.2 Wenn der Wunsch nach Sicherheit die Erotik aufzehrt
5.1.3 Liebe braucht Nähe, doch sexuelles Begehren benötigt Distanz
5.2 Sexualität und Erotik in Partnerschaften
5.2.1 Liebe, Sex und Untreue bei Männern und Frauen
5.2.2 Erotische Phantasien
5.2.3 Erotische Qualität – ein Definitionsversuch
5.3 Probleme
5.3.1 Wenn Stress Lust nimmt
5.3.2 Schwierigkeiten verbaler und nonverbaler Art
5.4 Fazit
6. Schlussbetrachtung
6.1 Was bedeuten unbewusste Mechanismen für die Partnerwahl?
6.2 Was bedeuten unbewusste Mechanismen für den Paarkonflikt?
6.3 Was heißt das für beratende / therapeutische Prozesse?
Die Diplomarbeit untersucht die Rolle unbewusster Mechanismen bei der Partnerwahl und der Entstehung von Paarkonflikten. Ziel ist es, dem Leser ein tiefgehendes Verständnis für die psychodynamischen Prozesse zu vermitteln, die partnerschaftliche Beziehungen prägen, und Wege für beratende sowie therapeutische Interventionen aufzuzeigen.
2.1.2 Liebessehnsucht
Unabhängig der Partnerähnlichkeit oder sonstiger aufkommender persönlicher Wahlkriterien kann insbesondere die Sehnsucht des Menschen nach Zweisamkeit beim Thema Partnerwahl nicht außer Acht gelassen werden. Unser heutiger Bezug zum Sehnen ist eher gering, wird oftmals als kitschig empfunden, ganz im Gegensatz zu den früheren Jahrhunderten, in denen Minnesänger, Dichter, bildende Künstler und Musiker das Liebessehnen als Kultur schaffende Kraft positiv verstanden und ausdrückten. In der Epoche der Romantik wurde die Sehnsucht mit einer Hingabe und Intensität dargestellt, die in der heutigen Zeit nur noch schwerlich denkbar ist. (vgl. Willi, 1991, S. 29) Es schließt sich die Frage an, ob Sehnsucht in der heutigen Zeit überhaupt noch existiert, oder ob sie ihre Sprache verloren hat. Grund für letzteres könnte sein, dass die Gesellschaft auf das Anstreben von Machbarem abzielt, Sehnsucht nach Liebe hingegen kann bedeuten, sich in Träumen zu verlieren, für Unerfüllbares zu kämpfen und dabei seine ganze Kraft für die eigentliche Realität zu verlieren. Liebessehnen steht dem Leitbild des autonomen, selbstständigen modernen Menschen von heute im Wege. Und trotzdem gibt es den tief verwurzelten Wunsch nach Aufgehobensein, der im Liebessehnen seinen Ausdruck und seine Begründung findet. (vgl. Willi, 1991, S. 30)
Die Sehnsucht nach Aufgehobensein ist für das Bewusstsein nicht so leicht zugänglich und liegt tiefer verankert als persönliche Wertvorstellungen und Wünsche an den Partner im Sinne von Verstandenwerden, Umsorgung oder Zärtlichkeit.
1. Einleitung: Die Arbeit erläutert die Beweggründe der Autorin und die methodische Herangehensweise, primär basierend auf psychologischen und bindungstheoretischen Ansätzen.
2. Von der Partnerwahl bis zur Trennung: Dieses Kapitel gibt einen allgemeinen Überblick über Partnerwahl, die Bedeutung von Sehnsucht, implizite Verträge in Beziehungen sowie die Dynamiken von Konflikten und Trennungen.
3. Das unbewusste Zusammenspiel der Partner: Hier werden Freuds Persönlichkeitsmodell und Willis Kollusionskonzept detailliert eingeführt, um unbewusste Muster in Paarbeziehungen zu analysieren.
4. Bindungstheorie und Bindungsforschung: Das Kapitel behandelt die Bedeutung früher Bindungserfahrungen, die Bindungstypen bei Kindern und deren Übertragung auf das Erwachsenenleben.
5. Sexualität und Erotik: Der Fokus liegt auf der paradoxen Beziehung zwischen Nähe und Verlangen sowie den Problematiken von Stress und Kommunikation in Partnerschaften.
6. Schlussbetrachtung: Die Ergebnisse werden zusammengefasst und die Relevanz für den beratenden und therapeutischen Prozess in der Sozialen Arbeit reflektiert.
Partnerwahl, Paarkonflikt, Unbewusste Mechanismen, Psychoanalyse, Bindungstheorie, Kollusionskonzept, Liebessehnsucht, Sexualität, Erotik, Bindungsqualität, Infantilismus, Narzissmus, Soziale Arbeit, Paartherapie, Beziehungsdynamik.
Die Arbeit analysiert die unbewussten psychologischen Mechanismen, die bei der Partnerwahl und in der Entwicklung von Paarkonflikten eine zentrale Rolle spielen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Psychoanalyse (insbesondere das Kollusionskonzept nach Jürg Willi), der Bindungstheorie nach John Bowlby und den Herausforderungen von Sexualität und Erotik in langfristigen Partnerschaften.
Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die teils unbewussten Beweggründe in Partnerschaften zu schaffen, um diese in einem professionellen sozialarbeiterischen oder therapeutischen Kontext besser begleiten zu können.
Die Autorin nutzt eine tiefenpsychologisch orientierte Literaturanalyse sowie bindungstheoretische Ansätze, um menschliche Verhaltensmuster zu erklären.
Der Hauptteil vertieft das psychoanalytische Verständnis von Paarkonflikten durch vier Grundmuster (Kollusionen) und untersucht, wie frühe Bindungserfahrungen den Beziehungsaufbau im Erwachsenenalter determinieren.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Kollusion, Bindungstypen, Liebessehnsucht, Partnerwahl und die psychodynamischen Aspekte der Paartherapie.
Das Konzept beschreibt ein unbewusstes Zusammenspiel, bei dem zwei Partner mit ähnlichen Grundkonflikten in polare Rollen (progressiv/regressiv) schlüpfen, was zunächst anziehend wirkt, langfristig aber zu Konflikten führt.
Die Arbeit zeigt auf, dass Menschen dazu neigen, unbefriedigte Bedürfnisse aus der Kindheit in späteren Beziehungen wiederholen oder kompensieren zu wollen, oft ohne sich dieser Dynamik bewusst zu sein.
Stress wird als "Sexbremse" identifiziert, da er das Gefühlsleben verflacht und das für Erotik notwendige Maß an Entspannung verhindert.
Berater sollten ihre eigene Wahrnehmung reflektieren und den Klienten behutsam dabei unterstützen, ihre unbewussten Verhaltensmuster zu erkennen, um neue Handlungsalternativen zu entwickeln.
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