Diplomarbeit, 2002
114 Seiten, Note: 2,0
Einleitung und Gang der Arbeit
Kapitel 1: Grundlagen zu privaten Veräußerungsgeschäften
A. Der Einkommenstatbestand des Einkommensteuergesetzes im Überblick
B. Private Veräußerungsgeschäfte
1. Einordnung und Abgrenzung zu anderen Einkunftsarten, insbes. §§ 15, 17, 20 EStG
1.1 Abgrenzung gewerblicher Einkünfte (§ 15 EStG) von privater Vermögensverwaltung (§ 14 Satz 3 AO)
1.2. Abgrenzung von Einkünften aus Kapitalvermögen (§ 20 EStG) und sonstigen Einkünften aus privaten Veräußerungsgeschäften (§ 22 Nr. 2 i.V.m. § 23 EStG)
2. Gründe für die Neufassung des § 23 EStG
3. Private Veräußerungsgeschäfte im Sinne des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 bis Nr. 4 EStG
3.1. Private Veräußerungsgeschäfte im Sinne des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Nr. 3 EStG
3.2. Private Veräußerungsgeschäfte im Sinne des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG
4. Rechtsfolgen der Erfassung unter den privaten Veräußerungsgeschäften
Kapitel 2: Finanzwirtschaftliche Grundlagen zu den Options- und Finanztermingeschäften
A. Einordnung von Termingeschäften
B. Bedingte Termingeschäfte – Optionen und Optionsscheine
I. Grundlagen
II. Optionen
1. Ausstattungsmerkmale von Optionen
2. Auflösung einer Option
3. Grundpositionen bei Optionen
3.1. Kaufoptionen – Long Call und Short Call
3.2. Verkaufsoptionen – Long Put und Short Put
4. Kombinationsstrategien bei Optionen
4.1. Straddle
4.2. Strangles
4.3. Spreads
III. Optionsscheine
1. Call- und Put-Optionsscheine
2. Arten von Optionsscheinen
2.1. Traditionelle Optionsscheine
2.2. Naked Warrants
C. Unbedingte Termingeschäfte – Futures, Forwards und Devisentermingeschäfte
I. Grundlagen
II. Börsengehandelte unbedingte Termingeschäfte – Futures
1. Ausstattungsmerkmale von Futures
2. Sicherheitsleistungen
3. Auflösung von Futurepositionen
4. Wirtschaftliche Chancen und Risiken von Futures
5. Arten von Futures
5.1. Zins-Futures
5.2. Aktienindex-Futures
III. OTC-Produkte
1. Forwards
2. Devisentermingeschäfte
IV. Zertifikate, die Aktien vertreten
1. Partizipationsscheine
2. Discountzertifikate
Kapitel 3: Die ertragsteuerliche Behandlung von Options- und Finanztermingeschäften im Einzelnen
A. Die ertragsteuerliche Behandlung von bedingten Termingeschäften – Optionen und Optionsscheine
I. Grundgeschäfte in Optionen
1. Besteuerung des Käufers einer Option
1.1. Anschaffung
1.2. Ausübung
1.2.1. Ausübung mit Lieferungsabsicht
1.2.2. Ausübung mit Barausgleich
1.3. Verfall
1.4. Glattstellung
1.5. Veräußerung
2. Besteuerung des Verkäufers einer Option
2.1. Verkauf
2.2. Ausübung durch den Käufer
2.3. Verfall
2.4. Glattstellung
II. Kombinationsgeschäfte
III. Optionsscheine
1. Optionsanleihen
2. In Optionsscheinen verbriefte Kapitalforderungen
B. Die ertragsteuerliche Behandlung von unbedingten Termingeschäften – Futures, Forwards und Devisentermingeschäfte
I. Financial Futures und Forwards
1. Financial Futures mit Lieferungsabsicht
2. Financial Futures mit Barausgleich
3. Glattstellung
II. Devisentermingeschäfte
1. Devisentermingeschäfte mit Austausch der Währungsbeträge
2. Devisentermingeschäfte mit Barausgleich
3. Glattstellung eines Devisentermingeschäftes
C. Zertifikate, die Aktien vertreten – Partizipationsscheine und Discountzertifikate
Kapitel 4: Verfassungsmäßigkeit der Besteuerung privater Wertpapierveräußerungsgeschäfte
A. Strukturelles Erhebungsdefizit bei der Erfassung privater Veräußerungsgeschäfte mit Wertpapieren
B. Das aktuelle Verfahren zur Verfassungsmäßigkeit des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchstabe b EStG a.F. (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG n.F.)
Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht die ertragsteuerliche Behandlung von Options- und Finanztermingeschäften (mit Ausnahme von Swaps) im Privatvermögen nach der Neufassung des § 23 EStG im Zuge des Steuerentlastungsgesetzes 1999/2000/2002. Ein zentrales Ziel ist die Analyse der steuerlichen Konsequenzen für verschiedene Derivate sowie die kritische Prüfung der Verfassungsmäßigkeit der aktuellen Besteuerung privater Wertpapierveräußerungsgeschäfte.
Finanzwirtschaftliche Grundlagen zu den Options- und Finanztermingeschäften
Unter Termingeschäften sind Zeitgeschäfte zu verstehen, bei denen die Erfüllung des Vertrages, d.h. Abnahme oder Lieferung von Waren, Devisen oder Wertpapieren, zu einem späteren Termin erfolgt. Die Qualität, die Menge, der Preis und der Erfüllungszeitpunkt werden bei Geschäftsabschluss festgelegt.
Solche Termingeschäfte können standardisiert an amtlichen Börsen, in Deutschland z.B. der EUREX, oder außerbörslich, und somit individuell gestaltbar, als sogenannte „over-the-counter“-Geschäfte (OTC-Geschäfte) abgeschlossen werden.
Transaktionen an einer Terminbörse wie der EUREX können im Vergleich zu OTC-Geschäften schnell und kostengünstig abgeschlossen werden, da sich die Vertragsparteien nicht direkt gegenüberstehen, sondern stets eine so genannte Clearingstelle, auch Clearinghouse, zwischengeschaltet ist. Diese verbürgt sich für die Erfüllung und übernimmt die Bonitätsprüfung der jeweiligen Kontrahenten.
Die an Terminmärkten gehandelten Instrumente werden oft unter dem Begriff „Derivate“ oder „derivative Finanzinstrumente“ zusammengefasst. Darunter sind Anlagen zu verstehen, deren eigener Wert wiederum vom Wert eines anderen Finanztitels abhängt. Der Markt, an dem die zugrunde liegenden Titel gehandelt werden, wird als Kassamarkt bezeichnet.
Kapitel 1: Grundlagen zu privaten Veräußerungsgeschäften: Erläuterung der Spekulationsgeschäfte im System des Einkommensteuergesetzes und deren Abgrenzung zu anderen Einkunftsarten unter besonderer Berücksichtigung der Neuregelungen durch das Steuerentlastungsgesetz.
Kapitel 2: Finanzwirtschaftliche Grundlagen zu den Options- und Finanztermingeschäften: Darstellung der Funktionsweise und verschiedenen Formen von Termingeschäften (Optionen, Futures, Forwards) unter finanzwirtschaftlichen Gesichtspunkten.
Kapitel 3: Die ertragsteuerliche Behandlung von Options- und Finanztermingeschäften im Einzelnen: Analyse der steuerlichen Einordnung und Behandlung der in Kapitel 2 vorgestellten Finanzinstrumente für Käufer und Verkäufer.
Kapitel 4: Verfassungsmäßigkeit der Besteuerung privater Wertpapierveräußerungsgeschäfte: Diskussion über die Verfassungskonformität der Besteuerung privater Wertpapierveräußerungen, insbesondere hinsichtlich struktureller Erhebungsdefizite und laufender Revisionsverfahren.
Finanztermingeschäfte, Optionen, Futures, Einkommensteuergesetz, EStG, private Veräußerungsgeschäfte, Spekulationsgewinne, Derivate, EUREX, Barausgleich, Steuerentlastungsgesetz, Verfassungsmäßigkeit, Erhebungsdefizit, Stillhaltergeschäft, Kapitalanlagen.
Die Arbeit behandelt die ertragsteuerliche Qualifizierung und Erfassung von Options- und Finanztermingeschäften, die von Anlegern im Privatvermögen gehalten werden.
Zentrale Themen sind die Einordnung von Termingeschäften als private Veräußerungsgeschäfte, die steuerliche Behandlung von bedingten und unbedingten Termingeschäften sowie die verfassungsrechtliche Debatte über die Vollzugsdefizite bei der Erhebung dieser Steuern.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Derivate steuerlich zu behandeln sind und ob die aktuelle steuerliche Erfassungspraxis angesichts der Komplexität und der Erhebungsdefizite den verfassungsrechtlichen Anforderungen an die Steuergerechtigkeit genügt.
Es handelt sich um eine rechtswissenschaftliche und betriebswirtschaftliche Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung des Einkommensteuergesetzes, der Rechtsprechung (insbesondere BFH-Urteile) sowie finanzwissenschaftlicher Fachliteratur basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine finanzwirtschaftliche Einführung in Termingeschäfte, eine detaillierte steuerliche Analyse der verschiedenen Instrumente (Optionen, Futures, Zertifikate) und eine kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Diskussion zur Verfassungsmäßigkeit der Besteuerung privater Wertpapierveräußerungen.
Zu den Schlüsselwörtern zählen Finanztermingeschäfte, EStG, private Veräußerungsgeschäfte, Derivate, EUREX und Besteuerung im Privatvermögen.
Die Autorin unterscheidet diese Formen der Vertragserfüllung maßgeblich für die steuerliche Einordnung: Während bei der physischen Lieferung oft ein Anschaffungs- oder Veräußerungsvorgang vorliegt, wird beim Barausgleich häufig nur der Differenzbetrag steuerlich relevant.
Das Stillhaltergeschäft ist von zentraler Bedeutung, da die vereinnahmte Optionsprämie nach Ansicht der Finanzverwaltung unter § 22 Nr. 3 EStG als sonstige Leistung zu erfassen ist und nicht als Einkünfte aus einem privaten Veräußerungsgeschäft.
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