Bachelorarbeit, 2009
41 Seiten, Note: 2,3
1 Einleitung
2 Was verbirgt sich hinter dem Begriff „soziale Ungleichheit“? – Begriffsexplikation
3 Die Kapitaltheorie
3.1 Ökonomisches Kapital
3.2 Kulturelles Kapital
3.2.1 Inkorporiertes Kulturkapital
3.2.2 Objektiviertes Kulturkapital
3.2.3 Institutionalisiertes Kulturkapital
3.3 Soziales Kapital
3.4 Symbolisches Kapital
3.5 Transformation des Kapitals
4 Habitus, Klassen und Geschmack
4.1 Der Habitus
4.2 Die Geschmackssorten
4.2.1 Der legitime Geschmack
4.2.2 Der mittlere Geschmack
4.2.3 Der populäre Geschmack
5 Reproduktion sozialer Ungleichheit durch das Bildungssystem
5.1 Die Bildungsexpansion – Weg zur Chancengleichheit!?
5.1.1 Überblick der Bildungsexpansion
5.1.2 Fazit der Bildungsexpansion: Veränderte Reproduktionsstrategien
5.2 Pisa und Co. - Oder wie der Habitus die Schulkarriere bestimmt
5.3 Die Erben – Studenten und der Habitus
5.4 Der Habitus als Karrierekiller: Wer die Wahl hat…Nimmt den, der ihm am ähnlichsten ist!
6 Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht die Mechanismen der sozialen Ungleichheitsreproduktion in Deutschland unter Anwendung der Habitustheorie von Pierre Bourdieu, um zu klären, warum Bildungschancen trotz bildungspolitischer Expansion ungleich verteilt bleiben und wie sich dies auf den Bildungs- und Berufserfolg auswirkt.
3.2.1 Inkorporiertes Kulturkapital
Das inkorporierte Kapital ist, wie der Name schon verrät, an den Körper einer Person gebunden und setzt einen Prozess der Verinnerlichung voraus. Man könnte diese Kapitalform mit dem deutschen Ausdruck Bildung gleichsetzen. Dieser Prozess kostet zum einen Zeit und kann zum anderen nur von einem selbst durchgeführt werden. Man kann keine andere Person dazu anstellen, um Bildung für einen selbst zu erwerben. Bildung bedeutet insbesondere Arbeit an sich selbst.
Es ist schwierig kulturelles Kapital zu messen, jedoch schlägt Bourdieu vor, die Dauer des Erwerbs als Maßstab zu nehmen, wobei erwähnt sein sollte, dass damit nicht nur die Dauer des Schulbesuches gemeint ist. Es ist ja durchaus möglich zehn Jahre zur Schule zu gehen und kaum Bildung während dieser Zeit zu erwerben. Die Familie spielt für das inkorporierte Kapital eine besonders große Rolle. Sie ist die Instanz der Primärsozialisation und kann sich positiv auswirken, indem sie dem Kind einen kulturellen Vorsprung verschafft, an dem das Kind in der Schule anknüpfen kann und anderen Kindern gegenüber einen Vorteil hat.
Die primäre Sozialisation kann auf der anderen Seite aber auch einen doppelten Nachteil bedeuten. Werden notwendige Voraussetzungen in der Familie nicht geschaffen (keine korrekte Anwendung der Sprache etc.), verliert das Kind doppelt Zeit, da erst eine Korrektur stattfinden muss. Inkorporiertes Kapital wird dann zum Bestandteil der eigenen Person, zum Habitus. Da es an den biologischen Körper gebunden ist und mit ihm ebenso vergeht und stirbt, kann es weder durch Schenkung noch durch Kauf, weder durch Vererbung noch durch Tausch weitergegeben werden. Nichtsdestotrotz kann dieses Kapital durch die soziale Vererbung innerhalb der Familie weitergetragen werden, was häufig verborgen und meist unsichtbar geschieht.
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der sozialen Ungleichheit unter Einbeziehung von Bourdieus Theorien und Zielsetzung der Arbeit.
2 Was verbirgt sich hinter dem Begriff „soziale Ungleichheit“? – Begriffsexplikation: Definition und soziologische Einordnung des Begriffs der sozialen Ungleichheit und der damit verbundenen wertvollen Güter.
3 Die Kapitaltheorie: Detaillierte Darstellung der von Bourdieu definierten Kapitalformen und deren wechselseitige Transformation.
4 Habitus, Klassen und Geschmack: Analyse des Habitus-Konzepts als Vermittlungsglied zwischen sozialer Klasse und Lebensstil sowie die Differenzierung in Geschmackssorten.
5 Reproduktion sozialer Ungleichheit durch das Bildungssystem: Untersuchung der Wirksamkeit der Bildungsexpansion und des Einflusses des Habitus auf Bildungserfolge und den Berufseinstieg.
6 Fazit und Ausblick: Resümee über die anhaltende Relevanz der Bourdieuschen Theorie und Reflexion der Möglichkeiten sozialen Aufstiegs.
Soziale Ungleichheit, Pierre Bourdieu, Habitustheorie, Kapitaltheorie, Kulturelles Kapital, Soziales Kapital, Ökonomisches Kapital, Bildungsexpansion, Reproduktionsmechanismen, Chancengleichheit, Geschmack, Distinktion, Bildungssystem, Sozialisation, Elite.
Die Arbeit untersucht, wie soziale Ungleichheit in Deutschland trotz Bildungsexpansion reproduziert wird und welche Rolle der Habitus dabei spielt.
Die zentralen Felder sind Bourdieus Kapitaltheorie, das Konzept des Habitus, die verschiedenen Geschmackssorten und deren Auswirkungen auf die Schul- und Berufskarriere.
Das Ziel ist es aufzudecken, warum trotz formal gleicher Bildungschancen soziale Herkunft weiterhin massiven Einfluss auf den Erfolg im Bildungs- und Wirtschaftssystem nimmt.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die Bourdieus Habitustheorie auf aktuelle deutsche Daten und Studien (wie PISA oder Shell-Jugendstudie) anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Erläuterung der Kapitalarten und des Habitus sowie in den empirischen Teil, der Bildungssystem, Studium und berufliche Spitzenpositionen betrachtet.
Soziale Ungleichheit, Habitus, Kulturelles Kapital, Bildungsexpansion, Distinktion und soziale Reproduktion.
Kinder aus privilegierten Familien erlernen den „legitimen Geschmack“ bereits früh. Da das Bildungssystem diesen voraussetzt, haben sie beim „Dekodieren“ kultureller Inhalte einen massiven Vorsprung gegenüber Schülern aus anderen Milieus.
Entscheider in Führungspositionen bevorzugen Bewerber, die eine habituelle Ähnlichkeit zu ihnen selbst aufweisen. Diese Souveränität im Auftreten ist für Aufsteiger ohne entsprechendes familiäres Milieu kaum erlernbar.
Alle Kapitalformen können unter Aufwand von Zeit und ökonomischem Kapital ineinander umgewandelt werden, wobei die Familie die wichtigste Instanz für die Akkumulation von kulturellem Kapital darstellt.
Die Arbeit zeigt auf, dass sich die soziale Segregation nicht aufgelöst hat, sondern lediglich horizontal verschoben wurde; der Erwerb höherer Bildungsabschlüsse wird nun zum neuen notwendigen Instrument für den Statuserhalt.
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