Examensarbeit, 2001
40 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
2. Übersetzung von Ps 36
3. Textkritik zu V. 7b
4. Der Merismus „Mensch und Tier“ in Ps 36,7b
5. Die Begründung für das Fehlen der Tiere unter den Flügeln Gottes
5.1. Das Vorkommen von Tieren, die von Flügeln Gottes geschützt werden in Texten der hebräischen Bibel
5.2. Sitz im Leben und Ort des Motives der schützenden Flügel Gottes
5.3. Das Ergebnis
6. Die Bedeutung des Verbes ישע in Ps 36,7b
6.1. Die Erschließung der Bedeutung des Verbes ישע Hif'il anhand sämtlicher Belege in der hebräischen Bibel
6.2. Die Erschließung der Bedeutung des Verbes ישע Hif'il aus dem Zusammenhang des Ps 36
7. Konkrete Beispiele für die „Hilfe“, die Gott Tieren zukommen lässt
7.1. Der Schutz der Tiere vor Frevlern in Rechtsbestimmungen der Tora
7.2. Üppig sprießende Vegetation und reichhaltige Nahrung als Zeichen des Heilshandelns Gottes
8. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Vers 7b des 36. Psalms („Mensch und Tier hilfst/rettest du“) vor dem Hintergrund alttestamentlicher Aussagen. Ziel ist es, zu klären, ob dieser Vers tatsächlich von der Rettung von Tieren spricht, wie dieses Motiv des göttlichen Schutzes einzuordnen ist und welches Verständnis von „Hilfe“ oder „Rettung“ im Kontext des Alten Testaments dabei zugrunde liegt.
3. Textkritik zu V. 7b
In der Übersetzung wurde bezüglich V. 7b der masoretische Text übernommen, wonach אדם ובהמה תושיע יהוה („Mensch und Tier rettest du, JHWH“) zu lesen ist. Nun ist auffällig, dass die Tiere völlig unvermittelt auftauchen, ohne dass sie an einem anderen Ort in Ps 36 genannt werden. Diese Beobachtung führt zu dem Schluss, dass möglicherweise ursprünglich nicht von Tieren die Rede war, sondern ein Lese-, Schreib- oder Hörfehler oder eine unproblematische Harmonisierung vorliegt. Diese Vermutung hat R. J. Tournay geäußert, wobei seine Argumente im Nachfolgenden genannt und anschließend kritisch bewertet werden.
R. J. Tournay nimmt an, dass ursprünglich nicht בהמה („Tier/Vieh“), sondern בהמה („durch sie“) zu lesen war. Er begründet seine Vermutung damit, dass sich zwar in vielen Passagen die Zusammenstellung von Mensch und Tier findet, allerdings an einigen Stellen auch die Worte בהמה („Tier/Vieh“) und בהמה („durch sie“) zu Verwechslungen oder Korrekturen geführt haben. So ist gemäß dem masoretischen Text in Joel 1,18 מה נאנחה בהמה („Wie seufzt [das] Vieh“) zu lesen. Die Septuaginta übersetzt τί ἀποθήσομεν ἑαυτοῖς („Was können wir in ihnen aufbewahren?“, oder: „Was können wir für uns aufbewahren?“). Dabei ist ἑαυτοῖς vermutlich aus einer Verschmelzung von בהמה entstanden, so dass als hebräische Vorlage בהמה vorausgesetzt werden kann. Das ἑαυτοῖς der Septuaginta bezieht sich also auf die in V. 17 genannten Vorratshäuser und Kornspeicher, die leer stehen und verfallen, weil das Getreide vertrocknet ist. Auch bezüglich 2 Chr 20,25 herrscht keine Einigkeit zwischen dem masoretischen Text und der Septuaginta. Der masoretische Text handelt erst davon, dass Joschafat und sein Volk kamen, um ihr Beutegut auszuteilen. Dann heißt es: וימצאו בהם רב ורכוש („und sie fanden auf ihnen in Mengen und Güter...“). In der Septuaginta findet sich die abweichende Übersetzung καὶ εὗρον κτήνη πολλὰ καὶ ἀποσκευήν („und sie fanden viel Vieh und Gerät...“). Es ist - rein inhaltlich gesehen - möglich, dass der masoretische Text ursprünglich ist, da mit בהם die in V. 24 erwähnten Leichen gemeint sein können, die auf der Erde lagen.
1. Einleitung: Darstellung der Problemstellung und der Forschungsfragen bezüglich der Erwähnung von Tieren in Ps 36,7b.
2. Übersetzung von Ps 36: Erforderliche Übersetzung des gesamten Psalms zur Einbettung von Vers 7b.
3. Textkritik zu V. 7b: Untersuchung, ob die masoretische Fassung textkritisch korrekt ist oder auf Fehlern basiert.
4. Der Merismus „Mensch und Tier“ in Ps 36,7b: Erörterung der Reichweite dieses Merismus und der damit verbundenen Schicksalsgemeinschaft.
5. Die Begründung für das Fehlen der Tiere unter den Flügeln Gottes: Analyse der Spannung zwischen den Versen 7b und 8 hinsichtlich des Motivs der schützenden Flügel.
6. Die Bedeutung des Verbes ישע in Ps 36,7b: Untersuchung, ob das Verb als „retten“ oder „helfen“ zu verstehen ist.
7. Konkrete Beispiele für die „Hilfe“, die Gott Tieren zukommen lässt: Anwendung der Erkenntnisse auf biblische Rechtsbestimmungen und das Heilshandeln Gottes.
8. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Ausgangsfragen und Einordnung der Ergebnisse für die Exegese.
Ps 36,7b, JHWH, Mensch und Tier, Merismus, Gottesschutz, schützende Flügel, hebräische Bibel, Exegese, Rettung, Hilfe, Tierschutz, Lebensfürsorge, Fruchtbarkeit, Rechtfertigung, Religionsgeschichte.
Die Arbeit untersucht die exegetische Bedeutung der Erwähnung von „Mensch und Tier“ in Psalm 36,7b vor dem Hintergrund alttestamentlicher Texte.
Die Themenfelder umfassen die Textkritik, die Analyse des Merismus, das Verständnis des göttlichen Schutzes (Metapher der „Flügel Gottes“) sowie das Verständnis von Rettung und Hilfe in der hebräischen Bibel.
Das Hauptziel ist es zu klären, warum in Vers 7b Tiere genannt werden, während sie in Vers 8 fehlen, und wie JHWHs Hilfe oder Rettung im Kontext von Mensch und Tier biblisch zu verstehen ist.
Es wird eine exegetische und motivgeschichtliche Analyse angewendet, die textkritische Erwägungen mit der Untersuchung von Parallelstellen der hebräischen Bibel und sozialgeschichtlichen Kontexten verbindet.
Der Hauptteil befasst sich mit der textkritischen Prüfung von Vers 7b, der Analyse des Merismus „Mensch und Tier“, dem Motiv der schützenden Flügel Gottes, der Begriffsbestimmung des Verbes „retten/helfen“ sowie der Konkretisierung durch biblische Gesetze (Tora).
Zentrale Begriffe sind Ps 36,7b, Merismus, JHWH, Gottesschutz, Rettung, Tierschutz und biblische Exegese.
Es bestand eine enge Schöpfungs- und Schicksalsgemeinschaft; das Vieh war für den Menschen überlebenswichtig, weshalb sich die biblische Sprache in erster Linie an diesem menschlichen Nutzen orientiert.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das Verb in diesem Kontext eher mit „helfen“ im Sinne einer umfassenden Lebensfürsorge und Versorgung übersetzt werden sollte, anstatt nur eine akute Rettung aus Todesgefahr zu implizieren.
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