Doktorarbeit / Dissertation, 2009
215 Seiten, Note: magna cum laude
1. Einleitung und Forschungsstand
1.1 Substanzkonsum im Jugendalter
1.2 Behandlung von substanzbezogenen Störungen im Jugendalter
1.3 Entwicklungspsychopathologie
1.4 Diagnostik und Konsummuster
1.4.1 Komorbidität und psychosoziale Belastung
1.5 Sucht und Familie
1.5.1 Familiäre Einflüsse und Risikofaktoren
1.5.2 Kinder suchtbelasteter und psychisch kranker Eltern
1.5.3 Systemische Erklärungsansätze
1.5.4 Systemische und familientherapeutische Interventionen
1.6 Psychoanalytische und psychodynamische Ansätze zur Erklärung der Sucht
1.7 Bindungstheorie
1.7.1 Grundgedanken der Bindungstheorie
1.7.2 Bindung im Jugendalter
1.7.3 Bindungsrepräsentationen Jugendlicher und Erwachsener
1.7.4 Transgenerationale Zusammenhänge
1.8 Bindung und Trauma
1.9 Bisherige Forschungsergebnisse
1.9.1 Bindung und Sucht
1.9.2 Transgenerationale Vermittlung von Bindung im klinischen Kontext
1.9.3 Transgenerationale Vermittlung von Bindung und Sucht
1.10 Fragestellung
1.11 Hypothesen
2. Material und Methodik
2.1 Ethikkommission
2.2 Probanden
2.3 Untersuchungsinstrumente
2.3.1 Adult Attachment Interview (AAI)
2.3.2 Junior Temperament und Character Inventory (JTCI)
2.3.3 ACE-Score: Adverse Childhood Experiences
2.3.4 Basisdokumentation
2.3.5 Statistik und quantitative Auswertungen
2.4 Durchführung
3. Ergebnisse
3.1 Beschreibung der Stichprobe
3.1.1 Alter, Geschlecht und Lebenskontext
3.1.2 Diagnosen und Einstiegsalter
3.1.3 Substanzmissbrauch/-abhängigkeit der Eltern
3.1.4 Andere psychiatrische Erkrankungen der Eltern
3.2 JTCI
3.3 Adverse Childhood Experiences (ACE-Score)
3.4 Wechsel im Bezugsumfeld
3.5 Bindungsklassifikationen: Auswertung der Adult Attachment Interviews
3.5.1 Allgemeine Ergebnisse und Auffälligkeiten
3.5.2 Jugendliche
3.5.3 Mütter
3.5.4 Mutter-Kind-Dyaden
3.5.5 Ergebnisse der Interviews mit Jugendlichen ohne Elternteile
3.6 Subgruppenvergleich: Unsicher vs. hochunsicher gebundene Jugendliche
3.7 Exkurs: Vertiefende Analyse weiterer bindungsrelevanter Lebensereignisse
3.8 Qualitative Darstellung der Ergebnisse der Mutter-Jugendlichen-Dyaden in Bezug auf bindungsrelevante Aspekte
3.8.1 Vorgehensweise
3.8.2 Mütter und Jugendliche mit unsicheren Bindungsrepräsentationen (Gruppe 1)
3.8.3 Mütter mit hochunsicheren, Jugendliche mit unsicherenBindungsrepräsentationen (Gruppe 2)
3.8.4 Mütter und Jugendliche mit hochunsicheren Bindungsrepräsentationen (Gruppe 3)
3.9 Zusammenfassung der Ergebnisse
4. Diskussion
4.1 Methodik
4.2 Methodische Beschränkungen der Arbeit
4.3 Ergebnisse
4.4 Relevanz der Ergebnisse
4.4.1 Kompensierende und protektive Faktoren
4.4.2 Klinische Relevanz der Ergebnisse: Bedeutung für die stationäre Entzugsbehandlung
4.5 Schlussfolgerung
4.6 Ausblick
5. Zusammenfassung
Diese Dissertation untersucht die Bindungsrepräsentationen von substanzmittelabhängigen Jugendlichen und deren Eltern. Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen Bindungsvorerfahrungen, der transgenerationalen Vermittlung von Bindungsqualität sowie Persönlichkeitsfaktoren und bindungsrelevanten Lebensereignissen zu analysieren, um Implikationen für die therapeutische Arbeit abzuleiten.
1.3 Entwicklungspsychopathologie
Aus entwicklungspsychologischer Sicht ist davon auszugehen, dass das Experimentieren mit Risiko- und Grenzerfahrungen und in diesem Zusammenhang auch erste Erfahrungen mit Suchtmitteln für Jugendliche typische Verhaltensweisen sind. Daraus entsteht jedoch vor allem bei denjenigen Jugendlichen ein problematischer Missbrauch oder eine Abhängigkeitsentwicklung, die ohnehin schon durch verschiedene individuelle, familiäre oder soziale Risikofaktoren belastet sind (Silbereisen 1998, Jordan u. Sack 2009). Folgen sind neben psychischen und somatischen Erkrankungen häufig Schwierigkeiten in der Aufnahme tragfähiger sozialer Beziehungen inklusive Paarbeziehungen sowie in der Entwicklung und Initiierung beruflicher Perspektiven, da bereits häufig ein Scheitern in der Schule das Erlangen der entsprechenden Voraussetzungen erschwert. Auch die Ablösung vom Elternhaus im Sinne einer alters angemessenen bezogenen Individuation5 kann meist nicht funktional bewältigt werden. Dies zeigt sich teils in verstrickten, engen Bindungen mit fehlender Ablösung, teils in einem gänzlichen Kontakt- und Beziehungsabbruch mit massiven, oft gegenseitigen Abwertungen und unverarbeiteten Kränkungen.
Silbereisen (1998) nennt unter familiären Risiken, die den Drogenkonsum im Jugendalter begünstigen v.a. ein durch Desinteresse und Instabilität gekennzeichnetes häusliches Milieu.
Der Suchtmittelkonsum scheint in diesen Konstellationen häufig ein Bewältigungsversuch derjenigen Jugendlichen zu sein, die wenig funktionale Copingstrategien und eine geringe Selbstwirksamkeitserwartung aufweisen. Bewältigt werden müssen neben der Erfahrung von Unsicherheit und mangelnder Verlässlichkeit in der Herkunftsfamilie auch ein meist sich fortsetzendes Scheitern in anderen Beziehungen und Lebensbereichen, traumatische Erlebnisse von Missbrauch/Misshandlung sowie häufig daraus resultierende oder vorbestehende psychische Beeinträchtigungen.
1. Einleitung und Forschungsstand: Gibt einen Überblick über Substanzkonsum im Jugendalter, bindungstheoretische Grundlagen, den aktuellen Forschungsstand zu Bindung und Sucht sowie die Fragestellung und Hypothesen der Arbeit.
2. Material und Methodik: Beschreibt das Studiendesign, die Auswahl der Probanden der Jugend-Drogenstation clean.kick, die eingesetzten Untersuchungsinstrumente (AAI, JTCI, ACE-Score) sowie die methodische Durchführung.
3. Ergebnisse: Präsentiert die empirischen Daten der Stichprobe, einschließlich der Bindungsklassifikationen, des Subgruppenvergleichs (unsicher vs. hochunsicher) und ausführlicher Falldarstellungen von Mutter-Kind-Dyaden.
4. Diskussion: Analysiert die methodische Vorgehensweise, interpretiert die Ergebnisse im Hinblick auf klinische Relevanz, protektive Faktoren und die stationäre Entzugsbehandlung sowie die Schlussfolgerungen und den Ausblick.
5. Zusammenfassung: Fasst die wesentlichen Erkenntnisse über Bindungsmuster bei suchtmittelabhängigen Jugendlichen und deren Eltern sowie die Implikationen für die therapeutische Praxis zusammen.
Bindungstheorie, Sucht, Drogenabhängigkeit, Jugendliche, Adult Attachment Interview, AAI, Traumaforschung, transgenerationale Vermittlung, Familienpsychologie, stationäre Entzugsbehandlung, Komorbidität, Resilienz, Bindungsrepräsentation, Jugendpsychiatrie, Entwicklungspsychopathologie.
Die Arbeit erforscht die Bindungsrepräsentationen von Jugendlichen, die wegen Suchtmittelabhängigkeit stationär behandelt werden, und vergleicht diese mit den Bindungsmustern ihrer Eltern.
Die zentralen Felder umfassen Bindungstheorie, die transgenerationale Weitergabe von Bindungsmustern, Suchtentwicklung bei Jugendlichen sowie die Bedeutung von Traumatisierungen und familiären Belastungsfaktoren.
Das Hauptziel besteht darin, den Zusammenhang zwischen Bindungsvorerfahrungen, der daraus resultierenden Bindungsrepräsentation und der Suchtproblematik bei Jugendlichen zu verstehen und Hinweise für therapeutische Interventionen zu gewinnen.
Es handelt sich um eine qualitative Pilotstudie, die vor allem das Adult Attachment Interview (AAI) sowie den ACE-Score zur Erfassung traumatischer Erfahrungen und das JTCI für Persönlichkeitsdimensionen nutzt.
Im Hauptteil werden die klinischen Daten der Jugendlichen, die Ergebnisse der Bindungsklassifikationen, der Subgruppenvergleich und detaillierte Falldarstellungen von Mutter-Kind-Dyaden analysiert.
Wichtige Begriffe sind Bindungstheorie, Sucht, Drogenabhängigkeit, Jugendliche, transgenerationale Vermittlung, Traumaforschung und stationäre Behandlung.
Hochunsicher gebundene Jugendliche zeigen eine höhere klinische Auffälligkeit, stärkere Beeinträchtigungen in der Affekt- und Verhaltensregulation sowie eine signifikant höhere Belastung durch traumatische Kindheitserfahrungen (ACE-Score).
Die Untersuchung zeigt, dass bei fast allen Jugendlichen mit hochunsicherer Bindung auch die Mutter ein hochunsicheres Bindungsmuster aufweist, was auf eine transgenerationale Weitergabe von Bindungsunsicherheit hindeutet.
Das AAI erfasst nicht nur Bindungsmuster, sondern ermöglicht durch die Analyse von Inhalten und Diskursen tiefe Einblicke in den Verarbeitungsstatus von Bindungserfahrungen, was für das Verständnis der Suchtdynamik essenziell ist.
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