Essay, 2009
58 Seiten
Aktuelle Einführung
Helsinki 1999: Ende des „Alptraums für die Diplomatie“ ?
Die Problemstellung
I. Geographische Grundlagen
1. Schelfmeer Ägäis
2. Kulturgeographische Einheit Ägäis
II. Historische Entwicklung
1. Vom Zentrum der Alten Welt an die Peripherie
2. „Schachbrett der Großmachtdiplomatie“
3. Die Teilung des Ägäisraums nach dem Nationalprinzip (1923).
4. Keine Reibungsflächen in der Ägäis bis 1955
5. Eskalation in den Zypernkrisen 1955, 1963, 1974
III. Völkerrechtliche Fragestellungen
1. Mehrdeutige Seerechtsübereinkommen
2. Äquidistanztheorie
3. Enklaventheorie
4. Der internationale Rahmen
5. Die Imia/Kardak-Krise 1995/96
6. Eskalation und Deeskalation 1998 und 1999
IV. Kulturelle Aspekte
1. Routinierte brinkmanship
2. Tradierte Feindbilder
3. Inszenierter Aktionismus?
Diese Arbeit untersucht den komplexen, langjährigen griechisch-türkischen Grenzkonflikt in der Ägäis. Ziel ist es, die vielschichtigen Ursachen dieses Konflikts durch eine interdisziplinäre Analyse der geographischen, historischen, völkerrechtlichen und kulturellen Dimensionen offenzulegen und die Mechanismen zu verstehen, die den Streit bis in die Gegenwart fortbestehen lassen.
1. Routinierte brinkmanship
Wenn man das Auf und Ab des Dauerkonflikts näher betrachtet, so erkennt man unschwer ein sich wiederholendes Verhaltensmuster. Ein latenter Konfliktzustand schlägt - zumindest für westliche Augen - plötzlich um in eine offene Konfrontation. Verbalnoten mit den seit Jahren unveränderten Begründungen und Beweisen werden ausgetauscht. Die Medien und die gesamte Politik, Innen- wie Außenpolitik, wenden sich abrupt diesem Thema zu, und dann kommt das, was die Diplomatie „brinkmanship“ nennt. „The „brink“ ist die äußerste Spitze oder der äußerste Rand, brinkmanship also im übertragenen Sinne die Politik des höchsten Risikos. Und darin haben es beide Seiten mittlerweile zur Perfektion gebracht.
Drohkulissen werden aufgebaut, Alarmzustand ausgelöst, Streitkräfte zusammengezogen, Manöver abgehalten, Medien und Politiker demonstrieren Unnachgiebigkeit und Härte. Für durchschnittlich drei bis vier Wochen wird ein Nervenkrieg inszeniert, der - zumindest in der Vergangenheit war das der Fall - unterhalb der Schwelle direkter Feindseligkeiten bleibt.
Vermittlungsbemühungen der EU, - in der Regel allgemeine Friedensappelle - , werden mit großer Geste abgelehnt, wie die EU überhaupt von beiden Seiten als mitverantwortlich hingestellt wird, so dass ein Teil der Aggressionsenergie auf die EU als den gemeinsamen Gegner abgeleitet wird (mit dem Hintergrund, in Brüssel und Straßburg schlechtes Gewissen hervorzurufen und Gelder lockerzumachen). Sobald die Europäer das Scheckbuch gezückt haben, treten die USA auf den Plan und sprechen ein Machtwort, worauf der akute Konflikt genauso schnell wieder abflaut, wie er sich aufgebaut hat. Während es zum Ritual beider Kontrahenten gehört, der EU, auch wenn sie zahlungsbereit ist, die kalte Schulter zu zeigen, muss man dem großen Bruder Uncle Sam gegenüber Respekt zollen. Vor der Weltmacht Washington darf man zurückweichen. In der Logik des nahöstlichen Ehrbegriffs, der besonders in den Medien beider Länder eine große Rolle spielt, haben somit beide Kontrahenten „ihr Gesicht bewahrt“.
I. Geographische Grundlagen: Erläutert die naturräumliche Einordnung der Ägäis als Schelfmeer und betont die fehlenden natürlichen Trennlinien im maritimen Raum.
II. Historische Entwicklung: Zeichnet den Weg vom Zentrum der antiken Welt an die Peripherie nach und zeigt, wie nationale Identitäten und Großmachtinteressen den Raum historisch spalteten.
III. Völkerrechtliche Fragestellungen: Analysiert die komplexen seerechtlichen Diskrepanzen, insbesondere die 12-Meilenzonen-Problematik und die widerstreitenden Rechtsauffassungen zwischen Athen und Ankara.
IV. Kulturelle Aspekte: Beleuchtet den instrumentellen Charakter des Konflikts, geprägt durch wiederkehrende Krisen-Rituale, tradierte Feindbilder und die politische Nutzung zur innenpolitischen Ablenkung.
Ägäis-Konflikt, Griechenland, Türkei, Seerecht, Kontinentalsockel, brinkmanship, Zypernkrise, Geopolitik, Hoheitsgewässer, Schelfmeer, Feindbilder, Orientalische Frage, Internationale Diplomatie, Souveränität, NATO.
Das Buch analysiert die tiefgreifende Kontroverse zwischen Griechenland und der Türkei über die Hoheitsansprüche im Ägäischen Meer und deren Auswirkungen auf die regionale Stabilität.
Die Arbeit beleuchtet die geographischen Gegebenheiten, die historische Genese des Konflikts, völkerrechtliche Auseinandersetzungen sowie die kulturellen und ideologischen Hintergründe der politischen Spannungen.
Ziel ist die interdisziplinäre Erfassung des komplexen Konfliktgefüges, um zu verstehen, warum der Ägäis-Streit trotz zahlreicher diplomatischer Bemühungen seit Jahrzehnten als Dauerkonflikt fortbesteht.
Der Autor wählt eine zeithistorische und politikwissenschaftliche Perspektive, die geographische Fakten mit völkerrechtlichen Normen und politischer Realität verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Schelf-Status, den Prozess der historischen Entfremdung, die juristische Analyse von Seerechtskonventionen und die soziokulturelle Analyse politischer Inszenierungen.
Wesentliche Begriffe sind "brinkmanship", "Seerecht", "Schelfmeer", "Nationalprinzip" sowie die geopolitische Lage Griechenlands und der Türkei im NATO-Kontext.
Der Autor kritisiert das EU-Krisenmanagement, das oft ineffektiv bleibe und von beiden Seiten instrumentell genutzt werde, um finanzielle Vorteile zu erwirken oder innenpolitische Probleme zu verdecken.
Er beschreibt das bewusste Manövrieren am Rande einer offenen militärischen Konfrontation, um durch den erzeugten Druck politische Ziele zu erreichen, ohne tatsächlich in einen Krieg zu münden.
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