Magisterarbeit, 2023
99 Seiten, Note: 1,0
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1 Warum Fridays for Future Anhänger:innen Verzicht fordern
1.1 „Der Anfang von Morgen“
1.2 Einschub: Grundlegendes zum Thema Klimawandel
1.3 Textauswahl und Methode: Nietzsches Genealogie der Moral
1.4 Gliederung
2 Die Genealogie der asketischen Ideale
2.1 Der Weg von der Umwertung aller Werte zu den asketischen Idealen
2.1.1 Vorwort zur ‚genealogischen Methode‘ Nietzsches
2.1.2 Nietzsches „Genealogie der Moral“
2.1.3 Die erste Umwertung aller Werte
2.1.4 Die zweite Umwertung aller Werte
2.2 Zum Begriff der Askese
2.2.1 Problematisierung der Begriffe „Askese“ und „asketisches Ideal“
2.2.2 Wissenschaftsglaube und Nihilismus
2.3 Reevaluierung des asketischen Ideals: Wenn Askese zum Selbstzweck wird
3 Die Funktionen des Asketismus für die Fridays for Future Bewegung
3.1 Praktische Askese als Folge von Klimawandel und Konsumkritik
3.2 Ermächtigung mithilfe von Askese
3.3 Rationalisiertes Versagen
3.4 Gefahren einer szientistischen Klimapolitik
3.5 Sinnstiftung mithilfe von Klimaschutzidealen
3.6 Fridays for Future als quasichristliche Bewegung
4 Moralisierung der Askese durch Fridays for Future
4.1 Schuldabfuhr mithilfe von Askese
4.2 „Übertribunalisierung der Lebenswelt“: Schuld sind immer die anderen
4.3 Die Bedeutung der asketischen Ideale für Fridays for Future
5 Reevaluation des asketischen Ideals aus Sicht der ökonomischen Werttheorie
5.1 Problematisierung der idealistischen Askese
5.1.1 Vorwurf des Quietismus
5.1.2 Vorwurf der unnötigen Psychologisierung
5.2 Von dem Wunsch, Gutes zu tun und der Pflicht, gerecht zu handeln
5.2.1 Das Klima: Eine Frage der Gerechtigkeit
5.2.2 Exkurs: Wie schädlich sind unsere CO₂-Emissionen?
5.2.3 Sollten wir all unser Geld in den Klimaschutz stecken?
5.3 Über die Vereinbarkeit von Klimaschutz und Idealismus
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Fridays for Future Bewegung als eine Form asketischen Ideals verstanden werden kann, wobei der Fokus auf der psychologischen Funktion von Verzichtspraktiken liegt. Die Forschungsfrage zielt darauf ab zu verstehen, welche Rolle asketische Moralvorstellungen und Schuldgefühle bei der Interpretation des Klimaschutzes innerhalb der Bewegung spielen.
Die Ohnmächtigen: Eine Reevaluation des asketischen Ideals am Beispiel der Fridays for Future Bewegung
Wir befinden uns in einer apokalyptischen Zukunft jenseits des 1,5-Grad-Ziels. Verheerende Waldbrände zwingen eine schwedische Familie, ihr Haus zu verlassen. Sie werden zu Klimaflüchtlingen im eigenen Land. Liljestrands Buch „Der Anfang von morgen“ hat einiges an Aufsehen erregt, weil es anscheinend sehr gut den aktuellen Zeitgeist zum Thema Klimawandel trifft. Es herrscht ein „Depressiver Klima-Nihilismus“ und uns bleibt heute scheinbar sowohl in der Realität als auch literarisch nichts anderes übrig, als in unseren Ohnmachtsgefühlen zu „baden“ (vgl. Wellinski 2022).
Diese Ohnmacht treibt Menschen wie die Klimaaktivistin Lisa Reiche zu verzweifelten und teils skurrilen Taten. Zusammen mit anderen Mitgliedern der Gruppierung „Letzte Generation“ klebt sie sich regelmäßig mit Sekundenkleber am Asphalt viel befahrener Straßen fest, um gegen die aus ihrer Sicht viel zu langsam voranschreitende Klimapolitik der Regierung zu protestieren (vgl. Gürgen 2022).
1 Warum Fridays for Future Anhänger:innen Verzicht fordern: Einführung in die Bewegung, das Problem des Klimawandels und die methodische Herangehensweise anhand von Nietzsches Genealogie.
2 Die Genealogie der asketischen Ideale: Theoretischer Rahmen, der Nietzsches Begriff des asketischen Ideals erläutert und eine erste Unterscheidung zwischen asketischer Praxis und Ideal trifft.
3 Die Funktionen des Asketismus für die Fridays for Future Bewegung: Analyse der psychologischen Wirkung von Verzicht, insbesondere als Mittel zur Ermächtigung und zur Bewältigung von Ohnmachtsgefühlen.
4 Moralisierung der Askese durch Fridays for Future: Untersuchung, wie die Bewegung durch moralische Aufladung und Schuldzuweisungen eine Quasireligiosität entwickelt hat.
5 Reevaluation des asketischen Ideals aus Sicht der ökonomischen Werttheorie: Kritische Reflexion über die Konsequenzen der idealistischen Askese und Vorstellung der „Value Theory“ zur Lösung des Klimadilemmas.
Fridays for Future, Askese, asketisches Ideal, Nietzsche, Klimawandel, Moral, Schuld, Ermächtigung, Sinnstiftung, Klimaschutz, Verzicht, Ohnmacht, Gerechtigkeit, Gutheit, Klimasünde.
Die Arbeit untersucht die philosophischen und psychologischen Hintergründe der Fridays for Future Bewegung, indem sie diese mit Nietzsches Konzept des „asketischen Ideals“ verknüpft.
Zentrale Themen sind die soziale Bewegung Fridays for Future, der Begriff des Asketismus, Moralphilosophie, ökonomische Werttheorie sowie die Ursachen für das Ohnmachtsgefühl in der Klimadebatte.
Das Ziel ist herauszufinden, ob und inwiefern man Fridays for Future als eine asketisch-idealistische Bewegung begreifen kann, die Verzicht als Strategie zur Identitäts- und Sinnstiftung nutzt.
Die Arbeit nutzt eine genealogische Methode in Anlehnung an Friedrich Nietzsche, um soziale und moralische Phänomene als Symptome tieferliegender, oft unbewusster Motive zu deuten.
Der Hauptteil analysiert die Verbindung zwischen christlicher Sklavenmoral und moderner Klima-Askese, die Rolle der Wissenschaft als Instanz sowie die psychologische Funktion von Verzichtspraktiken.
Die Schlüsselwörter umfassen Asketismus, Klimawandel, Schuldabfuhr, Ermächtigung, Moral und Nietzsche.
Die asketische Praxis wird als nützliches, zweckorientiertes Werkzeug zur Lebensverbesserung definiert, während das asketische Ideal als ein zum Selbstzweck gewordener, oft weltverneinender moralischer Zustand betrachtet wird.
Der Begriff zeigt auf, wie Fridays for Future durch religiös anmutende Begriffe wie Sünde eine moralische Polarisierung erzeugt, die den Diskurs über Klimaschutz in eine ideologische Richtung lenkt.
Basierend auf der „Value Theory“ von John Broome schlägt die Arbeit eine Demokratisierung und Pragmatisierung des Verzichts vor, um den Klimaschutz von starren idealistischen Moralforderungen zu befreien.
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