Bachelorarbeit, 2020
36 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Wesen und Funktion des Gesellschaftsromans
2.1 Effi Briest als Gesellschaftsroman
2.2 Definition des Bösen mit besonderer Berücksichtigung der Moralvorstellung der Gesellschaft
2.3 Die Gesellschaftsordnung des 19. Jahrhunderts als böse Instanz
3 Die Frauenproblematik im Gesellschaftsroman
3.1 Situation der Frau in der Familie des 19. Jahrhunderts
3.2 Infantilisierung der Frau: Die Ehefrau als wesentlicher Besitz des Mannes
3.3 Gesellschaftliche Stellung vor Mutterliebe
3.4 Das Frauenbild bei Barbara Duden
3.5 Kritik an der patriarchalen Machtstruktur
3.6 Opfer der Gesellschaft
4 Die Rolle von Effi Briest in der bürgerlichen Gesellschaft
4.1 Die Rolle als Kind
4.2 Die Rolle in der Natur
4.3 Die Rolle als Ehefrau
5 Ehebruchskandale: Weiterführende Überlegungen zu Effi Briest, Emma Bovary und Anna Karenina
5.1 Vergleich der Werke
5.2 Das Natur- und Objektmotiv
5.3 Gründe des Ehebruchs
5.4 Der Tod der Protagonistinnen
5.5 Conclusio des Vergleichs
6 Resümee
Die Bachelorarbeit untersucht die Manifestation des Bösen in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts anhand von Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“. Dabei wird kritisch analysiert, wie gesellschaftliche Normen, patriarchale Strukturen sowie die Infantilisierung und Einschränkung der Frau in der Ehe zur Zerstörung der Protagonistin führen und ob die Gesellschaft selbst als böse Instanz wahrgenommen werden kann.
3.2 Infantilisierung der Frau: Die Ehefrau als wesentlicher Besitz des Mannes
Schon Aristoteles war der Ansicht, dass das Weib nur dadurch Weib ist, dass ihm bestimmte Eigenschaften fehlen und man folglich „das Wesen der Frau als etwas natürlich Mangelhaftes sehen müsse.“ Die Einschätzung des Mannes gibt in gemeinschaftlichen Angelegenheiten stets den Ton an. So hält sich Innstetten selbst aufgrund einer Aussage von der Frau von Padden, welche Innstetten auffordere Effi gut zu hüten, mehr für einen „Erzieher“ als für einen „Ehemann“. Dies offenbart einerseits die Zwangslage der Frau, die aus der männlichen Erziehung kaum zu entkommen vermag, stellt jedoch auch für den Mann gesellschaftliche Vorschriften auf. Das Leben ist sozusagen innerhalb der Gesellschaft vorgesehen, doch außerhalb der Normen unmöglich. Die Erziehungsgewalt liegt somit zu Beginn noch beim Vater, wird aber nach der Verheiratung sofort dem Ehemann übergeben. Dieser Umstand der Bevormundung führt dazu, dass die Ehefrau als geistig unselbstständiges Individuum hervortritt.
Die gesellschaftliche Stellung der Frau wurde schon von Zeitgenossen Fontanes analysiert und es entwickelte sich nach und nach ein Umdenken. Die Frau ist das, wozu der männliche (Be-) Herrscher sie macht, nämlich indem dieser auch Erziehungsmaßnahmen gegenüber seiner Ehefrau ergreifen kann. Bei der Ausbildung wird zusätzlich ein zu großer Unterschied zwischen dem männlichen und dem weiblichen Geschlecht gemacht. Während beim Mann der Verstand gefördert wird, muss sich die Frau mit der Ausbildung des Gemüts begnügen. Das führt zu der heiklen Lage, dass die Ehefrau als Unwissende in vielen Bereichen gegenüber ihrem Ehemann besteht. Der Wissensbestand von Effi ist aufgrund ihrer schlechten Ausbildung und ihres jungen Alters gegenüber Innstettens enorm groß und die Beiden stehen sich daher von Anfang an nicht ebenbürtig gegenüber.
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie soziale Normen Fontanes Protagonistin Effi Briest beeinflussen und ob die Gesellschaft für ihr Scheitern verantwortlich gemacht werden kann.
2 Wesen und Funktion des Gesellschaftsromans: Dieses Kapitel definiert den Gesellschaftsroman des 19. Jahrhunderts, diskutiert das Böse unter dem Aspekt gesellschaftlicher Moralvorstellungen und beleuchtet Rousseau’sche Theorien zur Gesellschaftsordnung.
3 Die Frauenproblematik im Gesellschaftsroman: Es wird die Situation der Frau im 19. Jahrhundert analysiert, insbesondere die Infantilisierung und die patriarchale Machtstruktur, welche die Frau in eine Zwangslage versetzen.
4 Die Rolle von Effi Briest in der bürgerlichen Gesellschaft: Dieses Kapitel betrachtet spezifische Rollenbilder: Effi als Kind, als Naturwesen sowie als Ehefrau, und wie diese durch gesellschaftliche Regeln instrumentalisiert werden.
5 Ehebruchskandale: Weiterführende Überlegungen zu Effi Briest, Emma Bovary und Anna Karenina: Ein vergleichender Blick auf europäische Ehebruchsromane zeigt Parallelen in der gesellschaftlichen Ausgrenzung der Protagonistinnen sowie in der Objektivierung und der Rolle von Requisiten wie der Kutsche.
6 Resümee: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die Gesellschaft als "böse Instanz" durch ihre Unterdrückung von Frauenfiguren fungiert und das Werk eine fundamentale Kritik am damaligen Patriarchat übt.
Effi Briest, Theodor Fontane, Gesellschaftsroman, 19. Jahrhundert, Patriarchat, Ehebruch, Infantilisierung, Moralvorstellung, Rousseau, Frauenproblematik, Sozialisation, Gesellschaftskritik, Unterdrückung, Literaturwissenschaft, Realismus
Die Arbeit analysiert kritisch das Schicksal der Romanfigur Effi Briest vor dem Hintergrund der Gesellschaftsstrukturen und moralischen Erwartungen des 19. Jahrhunderts.
Zentrale Themen sind die Frauenproblematik, das patriarchale Machtverhältnis in der Ehe, das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft sowie die Definition des Bösen als soziales Konstrukt.
Ziel ist es zu belegen, dass die Gesellschaftsordnung des 19. Jahrhunderts als „böse Instanz“ fungierte, die Effi Briest in eine ausweglose Zwangslage brachte und so zum Ehebruch und Untergang der unverstandenen jungen Frau beitrug.
Die Arbeit stützt sich auf eine sozialgeschichtliche literaturwissenschaftliche Methode, welche literarische Texte als Reflexion der sozialen Wirklichkeit begreift.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Gesellschaftsromans, eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Rollenbildern der Frau und einen komparatistischen Vergleich mit Werken von Flaubert und Tolstoi.
Essentielle Begriffe sind Effi Briest, Ehebruch, Patriarchat, Gesellschaftskritik, Moralvorstellung und Infantilisierung.
Die Schaukel symbolisiert sowohl die kindliche Ungezwungenheit ihrer verlorenen Jugend als auch die Zerbrechlichkeit ihrer Existenz sowie die Last der Schuld unter der gesellschaftlichen Norm.
Während Effis Fall primär durch soziale Zwänge, Konventionen und eine unbewusste Sozialisation determiniert ist, findet der Ehebruch bei Tolstois Anna Karenina explizit aus einer selbstbestimmten Liebesbeziehung heraus statt.
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